Karneval der Rollenspielblogs: Rassismus – Bauchschmerzen

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich hab einen Fehler gemacht…

 

Ich hab ein Abenteuerszenario geschrieben, das potentiell rassistisch ist, Gewalt im Namen einer Religion rechtfertigt und im schlimmsten Fall von 15jährigen Kiddies (Sorry Folks) gespielt wird.

Um was gehts? Es geht um das Szenario „Im Auftrag der Götter“ aus der Regionalbeschreibung für die Schwefelklippen.

Die Helden sollen einen Missionar des Prophetenlagers zum Freien Berg begleiten und bei seiner Missionstätigkeit unterstützen. Dort angekommen stoßen die Helden auf ablehnende, teils feindlich gesonnene Bewohner. Es bieten sich folgende Questziele an:

  • Als erstes müssen die menschlichen Bewohner von den Zwölfgöttern, von denen ja nur drei bekannt sind, überzeugt werden. Hier ist nicht nur der Missionar gefragt (Wunder des Ikramon wie das Gießen von unzerbrechlichen Edelbronzewaffen oder einen Bannstrahl Baraions, der eine Trollsprecherin in Rauch und Asche vergehen lässt bieten sich hier an), auch die Helden können durch erfolgreiche Raubzüge bei anderen Lagern oder bei den Trollen, sowie erfolgreiche Jagden im Tal der Klagen die Stimmung zugunsten des Prophetenlagers beeinflussen.
  • Als zweites müssen die Helden sich gegen alle Nichtmenschen wenden und einen Keil zwischen die Bewohner des Lagers treiben. Diebstähle, bei denen das Diebesgut bei nichtmenschlichen Neuankömmlingen auftaucht, das gezielte Verbreiten von Lügen (die Steinechsen fressen kleine Kinder auf) und Sabotage der Schmiede Grelwans sollten ihre Wirkung nicht verfehlen.

Als Gegenspieler der Helden bietet sich die Steinechse Xichtff mit-der-blutigen-Kralle an, der den Freien Berg geschlossen und einig halten möchte und eine Abspaltung der Menschenfraktion als Anfang vom Niedergang des Lagers und Gefahr für die Freiheit begreift. Bei der Wahl seiner Mittel ist er wenig zimperlich und schreckt sogar vor feigem Giftmord nicht zurück. Als absolut letztes Mittel wäre Xichtff sogar bereit, Dämonen und Geister beschwören zu lassen oder sich den Dienern des Gottes ohne Namen anzubiedern.

Wenn das Prophetenlager an Einfluss gewinnt, werden auch die Aktionen, die die Helden im Namen des Missionars begehen sollen, immer extremer. Jetzt sollen die Helden direkte Aktionen gegen die Steinechsen einleiten. So sollen sie etwa ein Gelege zerstören und hunderte unschuldiger Steinechsenbabys töten. Auch die Orks des Lagers sollen ihr Fett weg bekommen: die Helden sollen eine Hütte, in der überwiegend Orks leben, anzünden. Weil die Hütte voller Fell, Reisig usw. ist, würde dieser Anschlag mit Leichtigkeit gelingen. Spätestens jetzt sollten die Helden überlegen, wem sie da eigentlich helfen und was sie damit anrichten. Wenn sie die Seiten wechseln wollen, wird sie Xichtff mit offenen Armen empfangen…

Ich hab das Szenario im Oktober 2016 geschrieben, in einer Zeit, als aus  „Refugiees Welcome“  und „Wir schaffen das!“ langsam in ein „Schaffen wir das?“ wurde und es fast jedes Wochenende einen neuen Brandanschlag gab. Mir war sofort klar, was ich da geschrieben habe und hatte moralische Bauchschmerzen, mit denen ich mich auch ans Forum wandte.

Und nun? Ich hoffe, dass dieses Szenario gute Meister finden wird, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und den moralischen Sprengsatz, der da schlummert, richtig rüberbringen und ich hoffe, dass das Szenario auf intelligente Spieler treffen wird, die sich darauf einlassen und durch ihr Handeln im Rollenspiel ihr Handeln und das Handeln von Teilen der Gesellschaft reflektieren und hinterfragen.

 

Hoffentlich hab ich kein Monster in die Welt gesetzt…

… dann bräuchte ich aber Helden, die sich dem Biest stellen…

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