Karneval der Rollenspielblogs: Geld, Gold und Schätze — Von Kleingeld, Loot und echten Schätzen

Wenn es um Belohnungen abseits von Erfahrungspunkten geht, wenn es um Motivationen für die Helden geht, überhaupt auf Abenteuerfahrt zu gehen und wenn es um Fluff geht, der benötigt wird, einen Fürsten als reich und mächtig zu präsentieren, dann kommt an um das Thema „Gold, Geld und Schätze“ im Rollenspiel nicht herum. Ich würde dabei, besonders in Hinblick auf meine Diskussion um Geld im Rollenspiel, das Ganze in drei Kategorien einteilen:

 

Kleingeld

Kleingeld ist für mich all jenes Geld, dass die Helden im fiktiven täglichen Leben brauchen, um a) ihre Ausrüstung zu vervollständigen, b) die Wachen/Bettler usw. zu bestechen, um, wenn es z.B. der Gruppe Krieger an nem geeignetetn Schurken fehlt, der ihnen die Tür zum Stadtpalast des Erzfeindes zu öffnen, die fehlenden Fähigkeiten einzukaufen oder c) als Fluff in ner Kneipe für das Bier nach dem Abenteuer auszugeben. Hier fällt alles rein, was die Helden durch ihre Fertigkeiten erwerben (klassisch: der Barde, der in ner Kneipe aufspielt) oder durch einen Auftraggeber erhalten (cyberpunk: der nette Herr Schmidt). Die Höhe des Kleingeldes spielt erst einmal eine geringe Rolle, ja sie kann sogar sehr hoch sein (Gewicht in Gold und solche Spielereien). Als Meister bleibt eigentlich nur die Aufgabe, die Kosten den Leistungen anzugleichen und den Reingewinn niedrig zu halten. (Bsp: Der Magier einer Gruppe hat für das Abenteuer einen Betrag von 1.000,00 Godstücken erhalten. Der Meister macht ihm ein Zauberbuch, dass er schon lange sucht, für 800,00 Goldstücke schmackhaft und empfiehlt für das Studium des Buches einen mehrmonatigen Aufenthalt im Nobelhotel „Zum Schwan“ für weitere 100,00 Goldstücke (incl. Frühstuck und Kammerdiener))

 

Loot

Loot ist alles, was der Alrik-Normalgegner (ob Wildsau, Ork oder Stadtwache) nach seinem Ableben zurücklässt und was die Helden so brauchen können. Das geht von Rüstungen („Oh, sieh mal, eine Plattenrüstung! Ob die wohl passt?“) über Waffen hin zu Heiltränken oder Gegengiften. Natürlich zählt auch die Geldkatze der Gegner dazu, die sollte imho aber nur ein kleines Handgeld sein. Zum Loot gehören auch Questgegenstände wie etwa der Schlüssel zum Turm, in dem das Fräulein eingesperrt ist oder die Galle des Lindwurms, der für den Zaubertrank zur bannung eines bösen Geistes benötigt wird. Loot ist also alles, was die Helden in einem Abenteuer sammeln können und dort auch verbrauchen / gebrauchen. Loot ist auch der Krempel, den die Helden sammeln und denen das Inventar verstopfen, in der Hoffnung, dass sie das Zeug zu Kleingeld machen können.

Wie ihr sicher schon bemerkt habt, nutze ich grade viele Begriffe aus der Computerspieleecke. Das hat auch einen Grund: In Spielen wie WoW, Diabolo, Bards Tale, Baldurs Gate und konsorten trifft man eigentlich immer auf diese zwei Kategorien von Belohnung. Kleingeld vom Auftraggeber, tonnenweise Loot von den Gegnern im Spiel. Seltener jedoch trifft man auf

 

Echte Schätze

Ich liebe ja „Kunst und Krempel“, eine Sendung des BR. Dort bringen die Leute ihr altes Zeug hin, lassen sich von Experten erklären, was es ist und was es so besonders macht und bekommen dann eine grobe preisliche Einschätzung (neuerdings läuft ein ähnliches Format mit Horst Lichter in der ARD). Warum ich das liebe? Weil da echte Schätze gezeigt werden. Ein echter Schatz ist ein Artefakt oder eine Trophäe, über deren Besitz man sich freut, die man nutzt und gerne an künftige Generationen vererben will (ein Sekretär aus der Biedermeierzeit, eine Vase aus dem Art Déco, eine Pickelhaube der Bayrischen Kürassiere aus den 1870gern, eine Madonna aus der Gothik).

Für das Rollenspiel bedeutet das: Schätze sind nützliche, mächtige Artefakte oder totaler Plunder, von denen sich die Helden bestimmt nie trennen würden. Fluff, aber die tolle Art, die Boni gibt.

Ich glaub, ich bringe hier mal ein paar Beispiele:

Ich hatte mal einen Spieler, dessen Magier gewann während der Raihja-Festtage den Pokal für den schnellsten Nacktläufer. Diesen Pott gab er sein ganzes Abenteurerleben nicht mehr her, auch nicht, als er mit ihm einen Ork einen neuen Scheitel verpasste.

Ein anderes Beispiel ist ein uraltes Zauberbuch voll schwarzmagischer Sprüche, dass zwar nicht in das Spezialgebiet eines Spielermagiers ist, aber er das Buch auch nicht verkaufen will, da es zu gefährlich ist, um es aus der Hand zu geben und zu verlockend, um das Buch und das darin beschriebene Wissen zu vernichten.

Ein drittes Beispiel wäre ein Teeservice, das jedem, der nach der korrekten, rituell genauesten festgelegten Teezeremonie aus ihr trinkt, die Lebensenergie bis zum Maximum auffüllt.

Oder der Ogerkraftgürtel, der einen Helden kurzfristig in einen grünen Oger verwandelt.

Oder die fünf Freipfeile, deren letzter Pfeil das Liebste des Helden vernichtet…

Ich glaube, ihr versteht, was ich meine.

Woher die Helden die Schätze bekommen? Im Computerspieljargon würde ich sagen: vom Endboss. Dem Obermotz, der hinter allem Bösen steckt. Der Schatz sollte zuallererst nämlich eine Erinnerung an dieses eine Abenteuer sein, bei dem Xardras damals den Nacklauf gewonnen und so den Plan des Oberfieslings vereitelt hat, sich zum Geliebten der Göttin ernennen zu lassen.

Oder die Schätze sind, wie in Uncharted und Konsorten, Belohnungen fürs auf Entdeckungstour gehen. Dort sind sie kleine Dinge, die die Geschichte vertiefen (Brief eines Libertarias, Tagebucheintragungen usw.) oder einfach nur netter Fluff sind.

 

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Ein Gedanke zu „Karneval der Rollenspielblogs: Geld, Gold und Schätze — Von Kleingeld, Loot und echten Schätzen

  1. Pingback: Loot-a-Week #1 – Karnevalsschätze und Loot | Greifenklaue's Blog

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