Archiv für den Monat Januar 2018

Corlys Themenwoche: Märchen – Ein Blick ins Bücherregal

Meine Lieblingsbloggerin Corly hat mal wieder eine Themenwoche zu  Märchen am Start. Zeit, sich mal wieder damit zu beschäftigen…

Welche Märchen kennt ihr?

Natürlich viele von den Grim-Brüdern (vor allem die bekannten Märchen), die von Wilhelm Hauff, H.C. Anderson. Die interessantere Frage ist, vor allem, wenn ich auf die letzte Frage schiele, wann denn ein Märchen ein Märchen ist.

Märchen (Diminutiv zu mittelhochdeutschmære = „Kunde, Bericht, Nachricht“) sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen. Märchen sind eine bedeutsame und sehr alte Textgattung in der mündlichen Überlieferung (Oralität) und treten in allen Kulturkreisen auf. Im Gegensatz zum mündlich überlieferten und anonymen Volksmärchen steht die Form des Kunstmärchens, dessen Autor bekannt ist. Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff Märchen insbesondere durch die Sammlung der Brüder Grimm geprägt.

Im Unterschied zur Sage und Legende sind Märchen frei erfunden und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt. Allerdings ist die Abgrenzung vor allem zwischen mythologischer Sage und Märchen unscharf, beide Gattungen sind eng verwandt. […]

Charakteristisch für Märchen ist unter anderem das Erscheinen phantastischer Elemente in Form von sprechenden und wie Menschen handelnden Tieren, von Zaubereien mit Hilfe von Hexen oder Zauberern, von Riesen und Zwergen, Geistern und Fabeltieren (Einhorn, Drache usw.); gleichzeitig tragen viele Märchen sozialrealistische oder sozialutopische Züge und sagen viel über die gesellschaftlichen Bedingungen, z. B. über Herrschaft und Knechtschaft, Armut und Hunger oder auch Familienstrukturen zur Zeit ihrer Entstehung, Umformung oder schriftlichen Fixierung aus.[..]

Quelle: Wikipedia

Demnach wäre der Grüffelo auch ein Märchen. Ein gereimtes, neues Märchen.

Welche Bücher über Märchen kennt ihr?
Hauffs Märchen-Almanach auf das Jahr 1826
Von meinem Bruder habe ich zum Geburtstag die Geschichten aus 1001 Nacht bekommen.
Ein Verwandter meiner Frau hat sich die grimmschen Märchen vorgenommen.
Ein Märchenbuch gehört imho in jedes Haus, vor allem, wenn man Kinder hat.

Wieso faszinieren euch Märchen so?
Weil es schöne, kurzweilige Geschichten sind, die man locker memorieren und dann adaptieren kann. Für einen Rollenspieler sind sie zugleich ein Quell an Inspiration, aus dem tolle Abenteuer oder gar Abenteuersysteme entstehen können.

Sind Märchen eigentlich für Kinder geeignet?
Ja. Nein. Kommt immer auf das Märchen an. Ich glaube, wir Erwachsenen lesen in bestimmte Märchen mehr oder andere Sachen rein als Kinder.

Was haltet ihr von den ganzen Märchenadaptionen?
Super. Alte Geschichten, neu erzählt, finde ich toll. Wenn ich z.B. das Märchen “Dornröschen” erzähle, dann kommt in meiner Version der Prinz auf dem Motorrad an und hat einen Heckenschere dabei. Blasphemie, höre ich? 1886 wurde das Auto erfunden, 1885 das Motorrad und die Computertechnologie ist nicht mal 100 Jahre alt. Vielleicht rettet der Prinz Dornröschen in einer zukünftigen Version per Drone?
Die Neufassung der Salzprinzessin fand ich gelungen.

Wie glaubt ihr kamen die Menschen von damals auf die Idee für diese Märchen? (Manche sind ja schon uralt)
Volksmärchen haben etwas bäuerliches, behagliches, Wenn man bedenkt, wie lange lange Winterabende ohne Strom und nur mit Kerzen und Kienspan sein können… Zudem werden in den Geschichten archetypische Lebenssituationen verhandelt, Moralvorstellungen weitergegeben, der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten… Das Märchen stammte, imho, aus den Hütte der Armen, der Handwerker und Bauern. Erst die Aufklärung hat die Geschichten zwischen Buchdeckel gepresst und dem Bürgertum zugänglich gemacht.

Karneval der Rollenspielblogs Februar 2018: Olle Kamelle -Einstiegspost

Hellau! Kille-Wau, Allaf oder wie auch immer… Willkommen zum Karneval der Rollenspielblogs im Februar. Den ersten Umzug, den ich organisiere, eine kleine Sensation, denn noch in der Blog-O-Queste zum Thema Blogaktionen ging ich ja felsenfest davon aus, sowas nicht zu machen.

https://i1.wp.com/www.teilzeithelden.de/wp-content/dl/Logo_RSPKarneval_500px.png

Olle Kamelle

Beim aktuellen Umzug soll es jetzt nicht um altes, klebriges Zuckerwerk gehen, dass in Massen auf diversen Real-Life-Karnevalsumzügen unter das Volk gebracht wird. Nein, es geht um Eure Beiträge, eure Bonbons, zu bisherigen Umzügen, die vielleicht schon seit Dezember 2011 (so lange gibt es unseren Karneval schon) auf Halde liegt und nun endlich unters Volk will. Es geht um Eure Erwiderungen auf Beiträge, die Ihr nie geschrieben hat, weil plötzlich der Monat vorbei war. Es geht um Euren neuen Blick auf ein altes Thema – es ist ja zwischen heute und Eurem Eintrag einiges an Wasser die Donau runtergeflossen, vielleicht habt Ihr aus gutem Grund Eure Einstellung zum Thema von damals überdacht – es geht um Eure Ergänzungen.

Hier, im Forum, findet Ihr eine Übersicht über alle durchgeführten Umzüge. Lest sie Euch durch, schnappt ein Thema, schreibt darüber und blogt es.

 

Die Regeln

Lasst mich in den Kommentaren oder hier im Forum wissen, was ihr veröffentlicht. Der Übersichtlichkeit halber noch eine Bitte: Beginnt den Titel Eures Beitrags bitte mit  RE: [Titel des Orginalumzugs] .

Beteiligt euch am RSP-Karneval in einem Medium eurer Wahl (Blog, Vlog, Forumspost oder einfach in den Kommentaren unten) u
Das Logo für den Karneval gibt es, jeweils transparent, in klein und in groß.

Kapitäns Log: Nachtrag

Weil der Februar so kurz ist, Ihr genügend Zeit zum Vorbereiten haben sollt und ich meinen Trollsatus gerecht werden will, poste ich den Eingangspost schon heute. Deal with it 🙂

Trotzdem: Macht bitte bei Timbers und Ninianes aktuellem Karneval mit!

Geplante Veröffentlichungen
Re: Hitzewellen am 1.Februar
Re: Monster jeweils am 2. Februar und am 14. Februar

Rollenspielerfrühstück: Nazi-Kühe aus Hitlers Laboren bedrohen die Menschheit!

Sie sind groß, sie sind bösartig und aggressiv und eine Erfindung der Nazi: Hitlers Monster-Stiere! Lest hier exclusiv alles über die Nazi-Stiere, die ursprünglich in Deutschland ausgewildert werden sollten. Vielleicht lebt ein solches Monster auch in Deiner Nähen?

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Das Rollenspielerfrühstück: Der_die Troll_in gendert durch…

Frühstück: Kaffee

Harfenklänge: Liquido – Narcotic

Ich gendere ja seit einiger Zeit meine Einträge, oder, zumindest versuche isch es. Gestern bin ich in der taz auf einen interessanten Artikel gestoßen, der aufzeigt, wie es mit dem Gendern so in anderen Sprachen aussieht.

Jetzt werden sich sicher einigen von euch fragen, was das ganze SJW-Gegendere-Gedöns mit Rollenspiel zu tun hat. Mehr als man auf den ersten Blick vermuten möchte.

  1. Ich kenne leider kein Rollenspielsystem, das gendert. Wenn sich keine Personengruppe dadurch ausgeschlossen und vom Spiel abgestoßen fühlt, dann gut. Wenn aber das potentielle Spieler_innen von unser aller Lieblingshobby abhält, dann ist es ein Drama. Ein Drama, das, durch einen relativ kleinen Kniff in der Sprache, gelöst werden kann.
  2. Wir sind Rollenspieler_innen. Uns begegnen in unseren Fantasy-Welten ab und an Lebensformen, die nicht in das binäre Geschlechterschema passen. Beispiel gefällig? Last und in den DSA-Kosmus nach Myranor blicken, da haben wir gleich zwei Rassen, die aus dem klassischen Schema fallen: die geschelchterwandelnden Chimärenwesen Ravesaran und die Meereswesen Norkosh, die gleich mit sieben, dem Lebensalter angepassten, Geschlechtern leben (müssen). Wenn Spieler_innen solch exotische Helden_innen spielen wollen oder der_die Meister_in in als NPC einbauen möchten, stoßen auch wir Rollenspieler sprachlich schnell an eine Grenze.

Versteht mich nicht falsch, das soll jetzt kein Aufruf sein, alles und jedes zu gendern (bloß nicht, ich würde mein Alleinstellungsmerkmal verlieren!), sondern sich mal mit der Sprache im Rollenspiel auseinanderzusetzen.

Rezension: Wilhelm Hauff – Märchen-Almanach auf das Jahr 1826 für Söhne und Töchter gebildeter Stände

Mit erschrecken habe ich festgestellt, dass es offenbar ein paar Blogger da draußen gibt, die noch nicht von Wilhelm Hauff gehört bzw. Gelesen haben. Das ist keine Bildungslücke, meine Lieben, das ist ein Bildungs-Grand-Cannion!

Wilhelm Hauff war ein studierter Theologe, Hauslehrer, romantischer Literat und Herausgeber aus gut bürgerlichem Haus. Er schrieb in seinen nur 25 Jahre dauernden Leben drei Satiren, 11 Erzählungen, einen Roman und 17 Märchen. Vor allem wegen dieser Märchen soll er nie vergessen werden, denn neben meinen Liebligsmärchen, dem Kalif Storch, zählen dazu das Kalte Herz, der kleine Muck und das Märchen vom falschen Prinzen. Wenn der Arme nicht eine Woche nach der Geburt seiner Tochter an Typhus krepiert wäre, dann… dann wäre Hauff heute der König der Märchen und nicht seine Zeitgenossen, die Gebrüder Grimm. Wahrscheinlich hätte er Goethe, ebenfalls ein Zeitgenosse, überflügelt. ETH Hoffman hielt jedenfalls große Stücke auf seinen Freund.

Aber nun zum Almanach.

Das erste Märchen ist das Märchen vom Märchen im Almanach. Das Märchen, die Tochter der Königin Fantasie, wird auf Erden immer5 mehr ausgelacht und verachtet. Sie klagt ihr Leid ihrer Mutter. Diese rät ihr, sich als Almanach zu verkleiden, vorbei an den Wachen (die hier die Aufklärung und Vernunft repräsentieren sollen) in die Welt zu schlüpfen und zu den Kindern zu gehen. Ein sehr charmantes Märchen, heute vielleicht aktueller denn je und… eigentlich „nur“ die Einleitung.

Danach geht es mit er Rahmenerzählung „Die Karawane“ weiter. Ein Reiter nähert sich einer Karawane, stellt sich als Neffe des Großwesirs von Bagdad vor und gibt an, aus der Gefangenschaft des grausamen Räubers Orbasan entflohen zu sein. Man entschließt, den Fremden mitzunehmen, dieser regt an, gegen die Langeweile während der Rasten Märchen zu erzählen. Alle folgenden Märchen sind in der Rahmenhandlung integriert.

Mit dem orientalischem Setting seiner Märchen traf Willi Hauff den Nerv seiner Zeit (und sollte deswegen heute wieder modern werden, imho. Ich mein jetzt natürlich nicht, dass Europa wieder einen verkitscht, kolonialistischen Blick auf „den Orient“ brauchen. Ich meine, dass es, ähnlich wie damals, eine durch die Weltereignisse bedingte Beschäftigung mit der arabischen und persischen Welt geben wird).

Das erste Märchen ist dann auch mein Kalif Stroch.  Ich liebe dieses Märchen vom Kalifen, der ein Zauberpulver schnupft, sich in einen Storch verwandelt und dann, weil er lachen muss, das Zauberwort vergisst, mit dem er wieder zum Menschen wird.

Die drei folgenden Erzählungen sind dann vielleicht nicht für kleine Kinder geeignet: Die Geschichte von dem Gespensterschiff,(hier geht es um eine klassische Gruselgeschichte. Interessant finde ich den Aspekt, dass bestimmte Koransprüche Gegenstände und Personen vor dem Zugriff der Geister schützen) Die Geschichte von der abgehauenen Hand (eine Kriminalgeschichte, bei der der Held der Erzählung, ein griechischer Kaufmann und Arzt, unwissentlich einen Mord begeht), Die Errettung Fatmes (das könnte tatsächlich auch ein DSA-Abenteuer oder ein Run in einem Cyberpunk-Setting sein. Die Schwester wird entführt, der Bruder macht sich auf, sie zu befreien, lehrt den Räuber Orbasan kennen, dringt mit dessen Hilfe in ein Schloss ein und löst am Schluss die Queste). Die Geschichte von dem kleinen Muck dürfte eigentlich bekannt sein. Ich hab sie nicht nur zig mal gesehen, ich hatte als Kind auch eine Hörspielkasette davon. Das Märchen vom falschen Prinzen dürfte weniger bekannt sein, obwohl es schon mehrfach verfilmt wurde.

Kleiner Spoiler am Rande: Die Rahmenhanndlung, die abgehauen Hand und Fatmes Errettung werden durch den Räuber Orbasan miteinander in Verbindung gesetzt. Der Räuber selber ist die schillerndste Figur, die mir bisher in Orient-Romanen begegnet ist. Franzose, in Ägypten aufgewachsen, wegen der Revolution verlor er viele Verwandte, von der Braut seines Bruders ins Unglück gestürzt, kämpfte er auf der Seite der Ägypter gegen Napoleon und wird dann zum Räuberhauptmann. In Facebook suchen sie gerade einen Hintergrund für einen Räuber… hier kann man ihn finden!

Lohnt sich der Kauf des Almanachs 2018? Ja. Alleine für den Kalif Storch, den Kleinen Muck, dem falschen Prinzen und der wunderschönen Einstigserzählung vom Märchen im Almanach. Märchenfans können hier getrost zugreifen. FürRollenspieler ist der Almanach auch interessant. Aus dem Gespensterschiff, der abgehauenen Hand und der Errettung Fatmes lassen sich mit wenig Einsatz Abenteuer basteln. Die Rahmenhandlung bringt mich zudem auf eine Idee: Wie wäre es, verschiedene One-Shots mit einem Rahmen zu verbinden und den Spielern_innen dies als Paket anzubieten?

Karneval der Rollenspielerblogs: Anfänge und Übergänge – Gefährliche Transitionen

Rollenspiele sind, wenn man es genau nimmt, nichts anderes als Nachahmungen des echten Lebens mit dem Vorteil, dass im Spiel alternative Ansätze probiert werden können. Das gilt sowohl fürs kindliche Rollenspiel (die_der Kleine ahmt in der Puppenküche Mama bzw. Papa nach) als auch fürs Rollenspiel, so wie wir Rollenspieler es verstehen. Wenn man also mit offenen Augen durchs Leben geht, Filme sieht und Bücher ließt, dann öffnet sich vor einem ein reichhaltiger Schatz an Ideen fürs Rollenspiel. Im Rollenspiel kann dann mit diesen Ideen experimentiert, können Ängste thematisiert  und die eigene Anschauungen hinterfragt werden.

Gehen wir also mal raus ins richtige Leben und schauen uns an, was es da zum Thema Anfänge und Übergänge gibt. Weit brauchen wir dabei nicht zu gehen, denn in jeder Kultur gibt es Feste, um Übergänge und Anfänge zu feiern. Geburtstage (besonders der 16. und 18. Geburtstag, dann natürlich alle runden Geburtstage), der erste Schultag, die hl. Erstkommunion, die Firmung, Taufe, Silvester, der obligatorische Umtrunk zum Einstand in der Arbeit, Richtfest und Grundsteinlegungen… Hinter all diesen Festen steht der Gedanke, dass das Leben eine Aneinanderreihung von Abschnitten ist, die man durchlaufen muss, dass der Eintritt in einen neuen Abschnitt gefährlich oder zumindest erschreckend ist, da das gewohnte Leben zurückgelassen wird und dass man durch Rituale, Opfer, Orakel und Beschwörungen Einfluss auf die Zukunft nehmen kann.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/56/%D0%A1%D0%B2%D1%8F%D1%82%D0%BE%D1%87%D0%BD%D0%BE%D0%B5_%D0%B3%D0%B0%D0%B4%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D0%B5_1885.jpg

Eine besondere Zeit, um solche Opfer und Orakel durchzuführen, sollen die Rauhnächte, also die Zeit vom, und da wird es jetzt diffizil und kommt auf die jeweilige Region an, vom 13. Dezember (Bluadige Luz (Blutige Luz = St. Luzia)) bis 25. Dezember (Bluadiger Dannerl mitm Hammerl (Bluteriger Thomas mit dem Hammer = St. Thomas) oder vom 25. Dezember bis 1. Januar bzw. 6. Januar. Bei mir im Gäuboden, an der Grenze zum Bayrischem Wald, gilt der Zeitraum vom 13. bis zum 6.Januar als Rauhnacht. Geister und Dämonen sollen, so der Volksglaube, durch die Dörfer und Wälder ziehen, der Winter muss vertrieben (wenn er sich doch nur zeigen würde!) und Touristen bespaßt werden. Beliebt sind in dieser Zeit Orakel, neben dem Bleigießen auch Kleider- und Apfelorakel. Das Problem in früheren Zeiten war, dass die Menschen nicht nur sehr abergläubisch sondern auch sehr gläubig waren und ihnen bewusst gewesen sein dürfte, dass sie sich eigentlich gerade versündigen. So taucht in Volkssagen auch immer wieder das Motiv eines fehlgeschlagenen Orakels oder einer misslungenen Beschwörung auf. Im günstigsten Fall bedeutete dies, dass man nie den richtigen Ehemann fand, im schlechtesten Fall war der Liebhaber, der als Erscheinung an die Tür klopfen sollte, der Tod.

Neunerlei Dinge

Zu Koburg ist mit neunerlei Dingen manch abergläubischer Brauch geübt worden. Einige Edeljungfrauen stellten neunerlei Essen auf, und zwar in der Christnacht, damit wollten sie zuwege bringen, ihren Liebhaber zu erschauen, und diese erschienen auch, aber jeder brachte ein Messer mit, unddie Jungfrauen liefen erschrocken nd schreiend davon. Einer warf den Entfliehenden sein Messer nach, eine der Jungfrauen sah sich um, blickte den Werfenden an und hob das Messer auf. Diese bekam dann auch denselbigen Mann, dessen Gestalt erschienen war; aber nicht immer glückte es si. Manch Jungfrau, […] erschien […] der Tod, sertzte sein Stundenglas vor sie hin, und sie musste prohetisch schauen, wie ihr Leben rasch und noch in diesem Jahr verrann

Quelle: Sagen aus deutschen Landen,  Ludwig Bechstein, S.377, Karl Müller Verlag, Erlangen,1987

Und Viola, hier haben wir eine Aufgabe im Witcher (oder Hexxen)-Style für unsere Helden_innen.

 

Die Helden_innen müssen einer_n jungen Adeligen  helfen, der während eines eigentlich verbotenen Rituals während der Raunächte nicht der Liebste_n, sondern ein schreckliches Gespenst, einen Untoten, erblickt hat. Ihr_Ihm schwindet langsam das Leben, sie_er hat kaum mehr Zeit, kann aber den Helden_innen mit Rat und Wissen um die Familie unterstützen.

Der lebenszehrende Untote ist der vor Jahren verstorbene Onkel, das schwarze Schaf der Familie. Der Onkel ist bereits anderen Jungfrauen_Jünglingen im nahegelegenen Dorf erschienen und zehrt an deren Lebenskraft. Wenn der Untote nicht in der Familiengruft aufgespürt und vernichtet wird, droht zu Beginn des jungen Jahres eine Katastrophe!

Karneval der Rollenspieleblogs: Anfänge und Übergänge – Am Anfang war die Idee…

Langsam aber sicher kribbelt es bei mir wieder, ich will ein neues Abenteuer schreiben. Ja… ich weiß…  ich hab in Rakshazar noch vieeeel zu tun. Aber ab und zu brauche ich Ablenkung. Ich will weg aus dem Riesland… Urlaub… ab nach Tharun, der anderen Brache des DSA-Universums!

Die große Frage ist, wie fange ich an, ein Abenteuer zu schreiben. Nun, ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber bei mir steht am Anfang ein Bild, ein Traum, ein visueller Reiz. Um diesen Reiz herum wird dann die Geschichte gesponnen.

Beispiele gefällig? Da gab es mal einen großartigen Hentai…. Anime, ich meinte Anime…. ach, fuck it, Hentai…. Ninja Scroll. Grob gesagt gehtd darum, dass ein herumziehenden Ronin von der Regierung angeheuert wird, den Dunklen Shogun zu finden und zu töten. Auf den Weg zu seinen Ziel muss er einen weiblichen Ninja vor anderen Ninjas mit sagenhaften Fähigkeiten beschützen. Der Endkampf findet dann auf einem riesigen Schiff statt, dass mehr Palst und Festung denn Schiff ist. Toller Film.

Der Palst blieb mir im Kopf stecken. Die Illustrationen zum Palastschiff in den Wegen des Schwertmeisters brachten die wieder hervor.

 

Nun, wie geht es weiter? Der nächste Schritt ist es, dem Bild leben einzuhauchen. Warum sollten die Helden das machen, was im Reiz vorkommt? Wie passt das in die Welt? Was ist die Vorgeschichte zu dem Bild?

Am Beispiel? In Wege nach Tharun wird ein Archipel erwäht, auf dem die Reiche Memonhab und Jü gleichermaßen Anspruch erheben. Auf der Karte liegt es genau zwischen den Reichen am Rand. Um ein Archipel zu besitzen, bracht man dort eine Festung und Infrastruktur, um die Festung mit Lebensmittel und Waffen zu versorgen. Man könnte einen Bautrupp und ein paar Wachen losschicken, die dann aus den mitgebrachten und vorhandenen Ressourcen eine Festung zimmern… oder versuchen, eine fertige Festung in Form eines Festungsschiffes rüberzuschicken, das Schiff an Land zu ziehen und… Viola! Fertig ist die Festung.

 

Nächster Schritt: Die Helden_innen. Bis jetzt könnte die Geschichte auch wunderbar ohne Helden_innen funktionieren. Wie wird aber aus der Geschichte ein Abenteuer… oder gar eine Kampagne? Welche Motivation treibt die Helden_innen an? Was ist das Ziel des Abenteuers und komme ich da auf Schienen oder durch den Sandkasten (IMHO haben auch Sandboxen einen Einstieg, einen Roten Faden und ein Ende)?

Weiter am Beispiel: In Tharun ist das beides. Einfach und schwer. Einfach, wenn die Helden im Dienste des Herrschers von Jü oder Memonhab sind, also Teil der tharunischen Gesellschaft. Da diese seeeehr hierarchisch patriarchalisch aufgebaut ist, heißt es: Mein Herr will es, ich mache es, das ist mir Motivation und Belohnung genug. Blöd, wenn die Helden Brigantai sind, also Gesetzlose außerhalb der tharunischen Ordnung. Als Belohnung muss hier die Eingliederung in die Gesellschaft stehen, vielleicht gar als Inselherrscher im Archipel?

 

Als nächstes wird die Bühne bereitet. Was soll ins Abenteuer rein, um was geht es überhaupt, was ist das Grundthema, welche Akte habe ich?

Grundthema wird also eine Entdeckungs- und Eroberungskampagnie. Den Einstieg und das Ende setzen wir auf Schienen. Im Mittelteil bietet sich eine Sandbox an. Die Heldeen_innen wählen zu Beginn, welcher Seite sie angehören wollen und erhalten entsprechende Ressourcen. Endkampf dann um das Palastschiff des jeweils anderen, Helden_innen als Kommandoeinheit, die den feindlichen Kommandanten töten und den Palast versenken sollen.

 

So, der Anfang wäre nun geschafft, jetzt heißt es, Word aufmachen und tippen, tippen, tippen. Das Abenteuer wird mich mindestens ein Jahr beschäftigen… vielleicht sollte ich aber erst im Papierkoprb kramen und den Turm des Mordai fertig tippen…. oder den Zorn der Nanja

Jedenfalls… Tharun, ich komme!