Karneval der Rollenspielerblogs: Anfänge und Übergänge – Gefährliche Transitionen

Rollenspiele sind, wenn man es genau nimmt, nichts anderes als Nachahmungen des echten Lebens mit dem Vorteil, dass im Spiel alternative Ansätze probiert werden können. Das gilt sowohl fürs kindliche Rollenspiel (die_der Kleine ahmt in der Puppenküche Mama bzw. Papa nach) als auch fürs Rollenspiel, so wie wir Rollenspieler es verstehen. Wenn man also mit offenen Augen durchs Leben geht, Filme sieht und Bücher ließt, dann öffnet sich vor einem ein reichhaltiger Schatz an Ideen fürs Rollenspiel. Im Rollenspiel kann dann mit diesen Ideen experimentiert, können Ängste thematisiert  und die eigene Anschauungen hinterfragt werden.

Gehen wir also mal raus ins richtige Leben und schauen uns an, was es da zum Thema Anfänge und Übergänge gibt. Weit brauchen wir dabei nicht zu gehen, denn in jeder Kultur gibt es Feste, um Übergänge und Anfänge zu feiern. Geburtstage (besonders der 16. und 18. Geburtstag, dann natürlich alle runden Geburtstage), der erste Schultag, die hl. Erstkommunion, die Firmung, Taufe, Silvester, der obligatorische Umtrunk zum Einstand in der Arbeit, Richtfest und Grundsteinlegungen… Hinter all diesen Festen steht der Gedanke, dass das Leben eine Aneinanderreihung von Abschnitten ist, die man durchlaufen muss, dass der Eintritt in einen neuen Abschnitt gefährlich oder zumindest erschreckend ist, da das gewohnte Leben zurückgelassen wird und dass man durch Rituale, Opfer, Orakel und Beschwörungen Einfluss auf die Zukunft nehmen kann.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/56/%D0%A1%D0%B2%D1%8F%D1%82%D0%BE%D1%87%D0%BD%D0%BE%D0%B5_%D0%B3%D0%B0%D0%B4%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D0%B5_1885.jpg

Eine besondere Zeit, um solche Opfer und Orakel durchzuführen, sollen die Rauhnächte, also die Zeit vom, und da wird es jetzt diffizil und kommt auf die jeweilige Region an, vom 13. Dezember (Bluadige Luz (Blutige Luz = St. Luzia)) bis 25. Dezember (Bluadiger Dannerl mitm Hammerl (Bluteriger Thomas mit dem Hammer = St. Thomas) oder vom 25. Dezember bis 1. Januar bzw. 6. Januar. Bei mir im Gäuboden, an der Grenze zum Bayrischem Wald, gilt der Zeitraum vom 13. bis zum 6.Januar als Rauhnacht. Geister und Dämonen sollen, so der Volksglaube, durch die Dörfer und Wälder ziehen, der Winter muss vertrieben (wenn er sich doch nur zeigen würde!) und Touristen bespaßt werden. Beliebt sind in dieser Zeit Orakel, neben dem Bleigießen auch Kleider- und Apfelorakel. Das Problem in früheren Zeiten war, dass die Menschen nicht nur sehr abergläubisch sondern auch sehr gläubig waren und ihnen bewusst gewesen sein dürfte, dass sie sich eigentlich gerade versündigen. So taucht in Volkssagen auch immer wieder das Motiv eines fehlgeschlagenen Orakels oder einer misslungenen Beschwörung auf. Im günstigsten Fall bedeutete dies, dass man nie den richtigen Ehemann fand, im schlechtesten Fall war der Liebhaber, der als Erscheinung an die Tür klopfen sollte, der Tod.

Neunerlei Dinge

Zu Koburg ist mit neunerlei Dingen manch abergläubischer Brauch geübt worden. Einige Edeljungfrauen stellten neunerlei Essen auf, und zwar in der Christnacht, damit wollten sie zuwege bringen, ihren Liebhaber zu erschauen, und diese erschienen auch, aber jeder brachte ein Messer mit, unddie Jungfrauen liefen erschrocken nd schreiend davon. Einer warf den Entfliehenden sein Messer nach, eine der Jungfrauen sah sich um, blickte den Werfenden an und hob das Messer auf. Diese bekam dann auch denselbigen Mann, dessen Gestalt erschienen war; aber nicht immer glückte es si. Manch Jungfrau, […] erschien […] der Tod, sertzte sein Stundenglas vor sie hin, und sie musste prohetisch schauen, wie ihr Leben rasch und noch in diesem Jahr verrann

Quelle: Sagen aus deutschen Landen,  Ludwig Bechstein, S.377, Karl Müller Verlag, Erlangen,1987

Und Viola, hier haben wir eine Aufgabe im Witcher (oder Hexxen)-Style für unsere Helden_innen.

 

Die Helden_innen müssen einer_n jungen Adeligen  helfen, der während eines eigentlich verbotenen Rituals während der Raunächte nicht der Liebste_n, sondern ein schreckliches Gespenst, einen Untoten, erblickt hat. Ihr_Ihm schwindet langsam das Leben, sie_er hat kaum mehr Zeit, kann aber den Helden_innen mit Rat und Wissen um die Familie unterstützen.

Der lebenszehrende Untote ist der vor Jahren verstorbene Onkel, das schwarze Schaf der Familie. Der Onkel ist bereits anderen Jungfrauen_Jünglingen im nahegelegenen Dorf erschienen und zehrt an deren Lebenskraft. Wenn der Untote nicht in der Familiengruft aufgespürt und vernichtet wird, droht zu Beginn des jungen Jahres eine Katastrophe!

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Ein Gedanke zu „Karneval der Rollenspielerblogs: Anfänge und Übergänge – Gefährliche Transitionen

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