Karneval der Rollenspielblogs Februar 2018 – Re: Hitzewelle (August 2014)

Nachdem ich hier über Eiszeit geschrieben habe und grade mein “Olle Kamelle” Karnevalsumzug ist, nutze ich die Gelegenheit, schnapp mir mitten im Winter das Thema Hitzewelle und berichte über das Ende der letzten großen Eiszeit, einer Warmzeit, Klimaerwämung, untergegangene Länder und Fantasy-Rollenspiel.

Doggerland, Sudna, Sahul, Beringa

In diesem Post geht es vor allem Um Doggerland und die Landbrücke zwischen England und dem Kontinent. Grund dafür ist, das das hier ein deutschsprachiges Rollenspielblog ist, die meisten Lesen aus dem deutschsprachigen Raum kommen und uns somit die Jacke Doggerland näher als die Hosen Sudna, Sahul und Beringa sind. Letzteres sind ebenfalls Landbrücken, die zur gleichen Zeit das gleiche Schicksal ereilte wie eben Doggerland.

Damit sind wir schon beim ersten wichtigen Punkt: die Zeit. Wir befinden uns ganz grob (+-ein paar Hundert Jahre) im Jahr 10.000 bis etwa 7.200 Jahren vor unserer Zeitrechnung. Die letzte Eiszeit, die Weichsel-Würm_kaltzeit, neigt sich ihrem Ende zu. Die Eiszeitlichen Geltscher geben gerade die Gegend um Berlin frei (und legen damit den sandigen Grund dafür, dass tausende Jahre später ein Flughafen einfach nicht fertig wird), Hamburg ist gletscherfrei, Dänemark eisbedeckt. Unter dem zurückweichenden Eismassen taucht eine Landbrücke auf, die den heutigen Kontinent mit England verbindet: Doggerland, benannt nach jenen Hügeln, die später die Doggerbank bilden sollten. Der Rain floss hier durch, die Themse… zuerst war die Landschaft eher eine Tundra. Kalt, Permafrostboden… nicht unbedingt ein toller Lebensraum. Aber je länger die Hitzewelle, die später Holozän genannt wurde und bis heute anhält, andauerte, desto lebenswerte wurde der Flecken. Kiefern und Lärchenwälder, Elche, Fische, verdammt viele Fische in den Flüssen und Seen… Ideal für unsere Urgroßvorcousins, die Söhne und Töchter Ursulas.

Rückgang der Gletscher heißt Klimawandel heißt irgendwo muss das Eis der Gletscher hin heißt der Meeresspiegel stieg. Zu beginn der Hitzewelle lag der Meeresspiegel rund 60 Meter tiefer als heute. Der Meeresspiegel stieg schnell: etwa 2 cm je Jahr. Ok, das hört sich jetzt ach nicht sooo viel an. Den meisten Menschen damals dürfte es zunächst nicht aufgefallen sein, vor allem bei einer Lebenserwartung von etwa 30 Jahren. Nebenbei… Lebenserwartung heißt nicht, dass es keine 60- jährigen Opas oder Omas gab, es heißt nur, dass verdammt viele vor ihrem 30. Geburtstag mit den Würmern Tango tanzten. Nehmen wir an, Oma Uruuk, eine rüstige 40gerin, würde gerne am Atlantikstrand ihrer Jugend Muscheln sammeln. Tja, Oma Uruuk, Pech gehabt, dein Strand liegt nun fast einen Meter unter Wasser. Rechnet euch selbst aus, wie viele Generationen es brauchte, bis die Küstensümpfe versalzen, die Ebenen überschwemmt und die Lebensgrundlage in Doggerland vernichtet war. Den Rest gab das Storegga-Ereignis dem Paradies auf Erden. Unterirdisches Methaneis wurde schlagartig Gasförmig, es kam zur Mutter aller Tsunamis, Doggerland war Geschichte (welche Auswirkungen ein solches Ereignis heute hätte, kann man in “Der Schwarm” nachlesen.

Fassen wir mal den Ausflug in die Geschichte kurz zusammen: Eine anhaltende Hitzewelle (Die Durchschnittstemperaturen stiegen damals um 6° C!) erschuf ein kleines Paradies zwischen England, und Kontinentaleuropa, die anhaltende Hitzewelle zerstörte das kleine Paradies, aber nicht, weil das Land verdorrte und zur Wüste wurde sondern weil der Meeresspiegel um bis zu 120 Meter anstieg. Nur so nebenbei… uns wirds nicht viel besser gehen, wenn der Klimawandel nicht zumindest gebremst wird. Shanghai liegt nur 4 Meter über NN, teile der Altstadt deutlich darunter und die investieren jetzt schon in Pumpentechnik. Mir als Bayer kanns ja egal sein, wenn von Hamburg bis Kassel alles absäuft, dann haben wir immerhin direkten Zugang zur See und können unsere BMWs noch besser exportieren…

Hitzewellen im Rollenspiel – anders als Gedacht

Normalerweise heißt ja eine Hitzewelle im Rollenspiel wir spielen das Karlifornia-Szenario. Dort führte eine sechs Jahre andauernde Hitzewelle zu krassen Auswirkungen auf die Natur und Einschränkungen im täglichen Leben für die Menschen und zu tollen Fotos. Was aber zumindest im Rollenspiel oft übersehen wird ist, dass globale Hitzewellen auch zum Anstieg des Meeresspiegels führen können und im Endeffekt Land unter für viele Küstenstriche bedeutet.

Rollenspieltechnisch habe ich die Idee unter anderem für mein tolles, unglaubliches, geniales (voll gegen die rakshazarische Wand gefahrenes) Feenabenteuer “Bis zum Hals” verbraten. Ok, hier wars ein magischer Badestöpsel, der die Feenweld zum Absaufen brachte, aber die Richtung stimmt.

Besser ist es in “Bergungskreuzer Möwe” umgesetzt. Gut, hier waren es Außerirdische, die in einer fiktiven Kaiserzeit die Welt mit einem Hitzestrahl unter Wasser gesetzt haben, aber Hitzewelle ist Hitzewelle. Mir gefällt dieses Fate-Szenario verdammt gut, nicht nur wegen der 80ger Jahre Musik, auch wegen dem direkten Seezugang für uns Bayern. Nur dass das schon jetzt klar ist: Falls es einmal dazu kommen sollte, dass Restdeutschland baden geht, wird Bairisch die Amtssprache.

Wo wir gerade bei Hitzestrahlen sind: Kein Agenten-RPG ohne den verrückten Wissenschaftler, der mit seinen Hitzestrahl die Polkappen schmelzen will. Im Auftrag ihrer Maiestät, sie haben die Lizenz zum Töten, 007.

Filmisch mit dem Thema hat sich Waterworld auseinandergesetzt. Auch hier gabs eine Hitzewelle, auch hier versank das Land in den Fluten.

Die Frage bleibt auch, wie eine Gemeinschaft mit Klima-Flüchtlingen umgeht, die von den versinkenden Küsten ins Hochland flüchten, ihre Kultur und Sprache mitnehmen und sich dort so gar nicht integrieren wollen. Was, wenn die den lokalen Wasser- und Regengott für den Untergang ihrer Heimat verantwortlich machen und öffentlich den Kult bekämpfen?

Hitzewellen führen auch zum Abschmelzen von Gletzschern. Mit Glück liegt da ein Ötzi rum, mit Pech ein Untoter Ötzi oder eine Armee Untoter Ötzis oder Nazis.

Fazit

Beim Thema Hitzewelle sollte man nicht nur auf wachsende Steppen und Wüsten schauen, sondern auch versinkenden Küsten im Blick haben. Hier liegt noch Potential, mit dem, im wahrsten Sinne des Wortes, gespielt werden kann.

 

 

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