Elmer J. McCurdy – der (un)tote Cowboy

Was verbindet ein 1911 erschossener Outlaw, Skeletor und der Six-Million-Dollar. Eine wahre Geschichte, wie sie nur Amerika schreiben kann…

Ein amerikanischer Outlaw

In dieser Geschichte geht es um Elmer J. McCurdy, einen 1911 in Oklahoma erschossenen Bank- und Eisenbahnräuber, dessen sterbliche Überreste und die makabere amerikanische Unterhaltungsindustrie.

Elmer wurde am 1.Januar 1880 als uneheliches Kind geboren, von seinem Onkel adoptiert und wuchs in Maine auf. Nach dem Tod seines Onkels offenbarte ihn seine „Tante“, dass sie in Wirklichkeit seine Mutter sei. Tja, da war die Kindheit dahin, nach dieser Beichte wurde aus dem Jungen Elmer ein rebellischer, aufmüpfiger Teen, der später alle möglichen Jobs annahm, aber nie lange behalten konnte. Mit 27 meldete er sich dann zum Militär. Dort wurde er an der Gattling ausgebildet und war Teil einer dreiköpfigen Geschützmannschaft. In der Army erhielt er auch eine Ausbildung am Sprengstoff Nitroglycerin. Am 7. November 1910 wurde er dann aus dem Dienst entlassen. Von da an geht es ziemlich schnell abwärts.

 

Datum

Verbrechen

Beute / Strafe

19. November 1910 Verhaftung wegen Besitzes von Einbruchswerkzeugs (Stemmeisen, Eisensäge, Zünder für Nitro, Schießpulver und Geldsäcke)

Freispruch. Elmer und seine Kompagnons konnten der Jury glaubhaft machen, dass sie die Sachen zur Entwicklung eines neuen Maschinengewehrs brauchten.

März 1911 Überfall auf einen Zug der Missouri Pacific Railroad. Der Zug hatte einen Tresor mit 4.000 $ an Bord Elmer und seine drei Komplizen stoppten den Zug und fanden den Tresor. Die Explosion des Nirtos war aber zu stark, der Inhalt wurde weitestgehend vernichtet. Die Räuber entkamen mit 450 $ in Münzen, was heute einen Wert von etwa10.545 $ entspricht.
September 1911 Bankraub in Chautauqua, Kansas Nachdem die Gangster geschlagene zwei Stunden versucht haben, mit Vorschlaghämmer durch die Wand des Tresors zu gelangen, setzte Elmer wieder Nitro ein. Die durch die Bank fliegende Tresortür verwüstete die Inneneinrichtung, der Knall war so laut, dass derjenige, der Schmiere stehen sollte, reisaus nahm. Beute: 150 $, heutiger Wert etwa 3515 $
4. Oktober 1911 Überfall auf einen Zug der Missouri-Kansas-Texas Railroad Eigentlich wollten Elmer und seine Männer einen anderen Zug überfallen, der hätte 400.000 $ an Bord gehabt. Leider haben sie diesen Zug mit einen Güterzug verwechselt: Beute: 46 Dollar, zwei Flaschen Whisky, einen Revolver, einen Mantel und eine Uhr.

Drei Sheriffs spürten dann Elmer, der vom Raubzug total enttäuscht war und sich in der Nacht an den zwei Whiskyflaschen gütlich tat, am nächsten morgen in der Nähe von Bartlesville, Oklahoma auf

It began just about 7 o’clock. We were standing around waiting for him to come out when the first shot was fired at me. It missed me and he then turned his attention to my brother, Stringer Fenton. He shot three times at Stringer and when my brother got under cover he turned his attention to Dick Wallace. He kept shooting at all of us for about an hour. We fired back every time we could. We do not know who killed him … (on the trail) we found one of the jugs of whiskey which was taken from the train. It was about empty. He was pretty drunk when he rode up to the ranch last night.

Quelle:Snow, Clyde C.; Theodore Allen, Reyman (1977). The Life and Afterlife of Elmer J. McCurdy: A Melodrama in Two Acts. Paleopathology Association.,Interview mit Sheriff Bob Fenton.

Und jetzt wird es bizarr.


Elmer, der tote Filmstar

Elmers Leiche wurde zu einem Bestatter in Pawhuska gebracht. da sich keine Angehörigen bei ihm meldeten, machte dieser aus der mit Arsen mumifizierten Leiche kurzerhand eine Schaufensterdeko.

Im Jahr 1916 Kamen dann ein paar Schausteller vorbei, erklärten, sie seien Verwandte von Elmer und namen ihn kurzerhand mit. Elmers Leiche war dann ein paar Jahre lang Attraktion eines Wanderzirkus. 1933 stand er im Foyer eines Kinos, darauf war er Teil des Museums of Crime. Igendwann in den 60gen hat man wohl vergessen, dass die Type da hinten im Schaukasten eine echte Leiche ist, an einen Regisseur verliehen (Auftritte in She Freak von 1968) und Elmer an ein Wachsfigurenkabinet verkauft. In einem Sturm am Mount Rushmore verlor Elmer dann die Nase und ein paar Finger. 1976 hing Elmer als neonorange Schreckfigur in einem Funhouse im Vergnügungspark NU-Pike in Long Beach, Kalifornien.

Dort drehten sie gerade eine Episode für die Serie „The Six Million Dollar Man„, als ein Schauspieler an der „Wachsfigur“ hängen blieb, den Arm abriss und menschliche Knochen freilegte. Die Autopsie der „Wachsfigur“ fand neben der Todesursache auch eine Münze von 1924 und eine Eintrittskarte des Wanderzirkus. Damit konnte man die Leiche schnell identifizieren. 22. April 1977 wurde er dann hier

zur letzten Ruhe gebettet, unter zwei Kubikmeter Beton, damit niemand mehr den armen Elmer ausbuddeln und ausstellen konnte.

Und Skeletor? In der dritten Folge der Netflix-Serie „The Toys That Made Us“ wird behauptet, die nasenlose Leiche Elmers sei Pate gestanden für Seketor.

 

Elmer McCurdy im Rollenspiel

Was kann erschreckender als Leichen in Wachsfiguren sein? Richtig! Leichen in Wachsfiguren während einer Zombie-Apokalypse. Die Helden_innen sind in einem Fun-House, als plötzlich die Wachsfiguren zerspringen und die Untoten in ihnen die Besucher_innen angreifen. Woher kommen die Untoten? Wer hat sie zum Leben erweckt? Vor allem, wie wird man die wieder los?

Elmer selber wäre als Untoter ebenfalls interessant. Da er zu Lebzeiten mit Nitro hantierte und weiß, wie man eine Gattling bedient, war er mit Sicherheit kein normaler 08/15 Untoter, sondern würde auch im Nachleben sein Wissen und Sprengstoff einsetzten. Getrieben wäre er von der Gier nach Gold und Whiskey (Elmer war zum Zeitpunkt seines Todes schwer Alkoholkrank). Letzteres könnte ihn vielleicht auch vernichten (Whiskey hat, gemeinsam mit einer Kugel, ja sein erstes Leben vernichtet, warum also nicht sein zweites?). Blöd nur, dass die Helden_innen Investigatoren im cthulhuiden Amerika der Prohibition. Oder good old Elmer taucht in Old Slyerhand bzw. Deadlands als untoter Gegner auf.

Auch die Filmkarriere des ehemaligen Bankräubers könnte als Ausgangspunkt für Abenteuer dienen. Elmers Geist könnte gefallen am Leben als Filmstar haben. Er fährt in einen der Schauspieler ein und lebt seinen Traum von Reichtum und Ruhm. Leider fällt er in seine alten Angewohnheiten zurück: Alkohol, Sprengstoff und Bankraub. Die Helden_innen müssen herausfinden, wo der Körper des Geistes ist (hinten links in der Filmkulisse), um ihn und damit den Geist zu vernichten und den Filmstar zu befreien.

 

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