Rezension: Eat Locals – Acht Vampirfürsten und kaum Geld

Weil ja Vampire gerade wieder so ein Ding sind, hier eine kleine Kritik zu einem Film, den ich mir gestern eingezogen habe: Eat Locals.

Inhalt (Spoiler Ahead!)

England ist der Jagdgrund von acht Vampiren, die alle 50 Jahre zusammenkommen und sich das Jagdgebiet neu aufteilen. Warum acht? Weil es die Vampire vom Festland so bestimmt haben, damit die Existenz von Vampiren geheim bleibt. Immer wenn ein Vampir ausgelöscht wird, rückt ein Neuer in die Position nach.

Beim aktuellen Treffen werfen sieben Vampire Nummer acht aus dem Team und wollen dafür den jungen, unwissenden Rumänen Sebastian (Billy Cook) in ihre Reihen aufnehmen. der ist zwar ein Waisenkind, sein Stammbaum lässt sich aber zehn Generationen zurückverfolgen.

Das Treffen wird von einer Sondereinheit des Vatikans gestört, wobei deren Anführer Bringham eigene Pläne mit den Vampiren hat (hust*Umbrella*hust)

 

Kritik

Ok, ich gebe es zu: Der Film ist Trash. Unterhaltsamer Trash. Eine Komödie, bei der nicht alle Gags bei jedem zünden werden. Auf Rotten Tomato ein 25% Trash. Ich hab mich vor Lachen gebogen!

 

Und fürs Rollenspiel?

Der eigentliche Grund, warum ich diese Rezension schreibe, ist der (Mehr)Wert dieses Machwerk fürs Rollenspiel. Der Film enthält viele frische Ansätze, die es auszubauen gilt.

Der Vampir Coven

Ich fand den kleinen Vampir Coven interessant. acht Vampire unterschiedlichen Alters und Ehtnie teilen ein Land wie England (+ Schottland und Wales, der Film bleibt hier wage) unter sich auf. In einer Szene entsteht Streit unter den Unsterblichen, weil ein Dorf seit der letzten Verteilung von 6.000 Einwohnern auf 600.000 Einwohnern gewachsen ist und sich ein Vampir dadurch benachteiligt fühlt. Selten habe ich auch einen Vampirfilm gesehen, in dem die Mitglieder eines Covens solch… arme , machtgeile aber machtlose Würstchen sind. Ich habe ja in meiner Vampir-Kritik geschrieben, dass Vampire Schwächen brauchen und eher Einzelgänger statt Rudeltiere sein sollten. Hier wurde beides umgesetzt.

 

Die Mörder-Bauern (Spoiler… immer noch)

Da ist den Drehbuchautoren doch ein fieser, kleiner Witz gelungen: Für ihr Treffen hat der Coven ein abseits gelegenes Bauernhaus als Treffpunkt ausgesucht. Bauer und Bäuerin werden gefesselt und in den Vorratskeller gebracht. Sebastian befreit die Bäuerin, stolpert zurück, öffnet im Fallen den Kühlschrank und findet dort, fein säuberlich in Einmachgläsern gelagert, die Überreste mehrerer Menschen. Als er das dann den verbliebenen Vampieren mitteilt, antwortet der Kuhsauger (er war ja früher Mensch und möchte sich Menschlichkeit bewahren) Henry, das sie das schon wissen und sich den Ort sehr genau ausgesucht hätten. Zumindest die Hälfte des Mörderduos überlebt und darf noch einen Soldaten metzeln, der während des Films der Sympathieträger auf Seiten der Angreifer ist.

 

Die Menschen haben eine reelle Chance

De Vampire sind schnell, übermenschlich stark, können im Dunklen sehen und nutzen zur Abwechslung tatsächlich mal auch Schießeisen gegen ihre Feinde. Aber die menschlichen Angreifer haben dank taktischem Vorgehen und Disziplin tatsächlich eine Chance. Zwar können die Kugeln die Vampire nicht töten, in jedem Team ist aber ein Armbrustschütze dabei, um den finalen Schuss zu setzen. Alle sich über Funk verbunden, ein Kommandant gibt vom Feldherrenhügel Anweisungen, ein Scout sucht das Gelände mit einer Wärmebildkamera ab und meldet die Position der Kalten Körper. Es gelingt den Angreifern vier von sieben Vampiren zu töten. Es wird sogar erwähnt, das es den Menschen bisher noch nie gelungen ist, so viele auf einmal auszuschalten. Drei Vampire mehr (also mindestens noch drei Angreifer-Teams mehr) und der englische Coven wäre ausgelöscht.

 

Was mir noch so aufgefallen ist…

Der Vatikan mal wieder. Mackenzie Crook spielt einen Priester, der vom Papst persönlich mit der Auslöschung der Vampire beauftragt wurde. Ich bin ja katholischer Christ… es freut mich, wenn ihr meiner Kirche den alleinigen Kampf gegen Dämonen, Geister, Ghule, Werwölfe, Hexen und Vampiren zutraut, aber mit der Zeit wird das langweilig. Ad Hoc fällt mir nur Van Hellsing ein, bei dem mal eine andere christliche Kirche, die Anglikaner, die Eier haben und für ihre Gläubigen gegen die Finsternis kämpfen. Wo sind die orthodoxen Kirchen? Die evangelische Landeskirche von Bayern? Islamische Exorzisten? Jüdische Exorzisten? Vudoo-Priesterinnen?

Der Kniff mit dem Söldner, der seinen Auftraggegner gegen Gold verkauft ist ein altes, von Machiavelli in die Welt gesetztes Klischee. Warum Bringham alias Robert Portal dann nicht bereit ist, die Pharmafirma für das Geld der Vampire zu verraten, bleibt mir ein Rätzel.

Die Kosmetik-/ Pharmafirma, die mit einer Vampirblutprobe eine Creme für ewige Jugend herstellen will, ist auch schon ein ziemlich abgegriffenen Konzept. Aber eines, das immer funktioniert. Zeit, mal neue Ideen zu sammeln.

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3 Gedanken zu „Rezension: Eat Locals – Acht Vampirfürsten und kaum Geld

  1. rillenmanni

    Den Film habe ich letztes Jahr gesehen. Er ist wahrlich ein echter Genre-Lichtblick. Mit Wendungen. Mit Humor. Und Britisch. Britisch ist oft gut. Ich habe wahrlich schon viel negativ Beklopptes vom Genre gesehen und werde es auch weiterhin tun, weil ich zu neugierig bin. Aber Eat Local(s) ist einfach nur positiv bekloppt und gleicht die nächsten x Negativerfahrungen komplett aus.

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  2. Reißklaue

    Vielen Dank für die Empfehlung. Ich habe mich köstlich amüsiert, auch wenn ein paar Sachen doch over the top waren (mit einer RPG auf den Hühnerstall schießen und die Szene darauf…). Allerdings, da gebe ich dir vollkommen recht, es lässt sich daraus einige Inspiration für die eigene Rollenspielrunde entnehmen, wie Du sehr schön dargelegt hast.

    Ansonsten: Ja, das Trope: „RKK als Monsterjäger“ ist ausgelutscht. Aber genau darum funktioniert es ja auch (immer wieder). Und zumeist sorgt es für eine entsprechende Antipathie (Bannstrahler anyone?), wenn gerade die in dieser Rolle immer wieder auftritt und man ganz schnell die Verbindung mit Inquisitionsgerichten und Hexenverbrennungen herstellt (habe ich schon die Bannstrahler erwähnt?).

    Gibt es in DSA eigentlich derartige Vampir-Zirkel? Ich glaube bisher sind die tatsächlich immer nur einzeln aufgetreten in den offiziellen Quellen (Abenteuern), wenn nicht gerade ein Vampir ganz frisch gezeugt wurde.

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    1. rolandhofmeister1 Autor

      Bitte, bitte, immer gerne. Ah, ja, die Bannstraler. Eigentlich liebe, putzige Zeitgenossen, wenn man kein Druide, Hexe, Magier… ist. Das was mich ein bischen stöhrt ist, dass die „RKK als Monsterjäger und Verteidiger der Menschheit“tm eine so große Dominanz hat. Im Christentum gibt es auch ältere Glaubenszweige, was ist mit denen? Ich fand in der amazon-Serie Terror die Inuit-Schamanen toll. deren Aufgabe scheint es auch zu sein, die Menschen vor einer (dämonischen) Bestie zu schützen, hat im Rahmen ihrer Kultur. Es gab da auch mal einen chinesischen Vampirfilm (mit den hopsenden Vampiren), wo diese Aufgabe (einfangen und neutralisieren) von buddistischen Mönchen vorgenommen wurde. Nicht effizient zwar…

      Ja, in DSA gibt es zumindest zwei Vampirzirkel, Die Kinder der Nacht und die Kinder der Finsternis. Zu den Kindern der Nacht und den Kindern der Finsterniss

      Update: Der Fim hieß Mr. Vampire und der Mönch war Daoist

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