Archiv für den Monat August 2018

Karneval der Rollenspielblogs: Ein Tag im Sommer – Die ersten Tage des Sommers…

… sind die letzten Tage des Schuljahres. Und alle Jahre wieder stellt sich für Pädagoginnen die Frage, was man denn so in den letzten Tagen nach Notenschluss und vor Zeugnisvergabe mit der lustlosen Masse der pubertierenden oder spätpubertierenden Schülerinnen machen könnte. Filme anschauern? Da sind die Schulleiter (und in der Berufsschule auch die Betriebe) dagegen. Urheberrechtsverletztung und Zeitverschwendung und so. Prüfungsvorbereitung? Wird nach zwei Tagen auch langweilig. Projekte? Määäh.

Ich will hier kurz Alternativen vorstellen, die wir Rollenspieler haben, und welche Möglichkeiten hier versteckt sind.

 

Die Werwölfe von Düsterwald

Die Werwölfe sind nun seit 17 Jahren auf dem Markt und haben schon fast das gesamte Schulsystem durchdrungen. Sprich: In den Klassen gibt es mindestens ein Viertel der Schüler, die das Spiel schon mal in den Vorgängerschulen, Jugendfreizeiten oder im Urlaub gespielt haben. Das macht es für einen Lehrer ziemlich einfach, das Spiel einzusetzen. Er muss dann nicht mehr selber den Spielleiter machen, sondern kann auch als Spieler mitspielen. Zum Spiel selber brauche ich, glaub ich, nichts mehr zu sagen. Die Werwolfspielerinnen entscheiden, wer am nächsten Tag nicht mehr erwacht, die Dorfbewohner entscheiden, wer am nächsten Tag auf dem Scheiterhaufen landet (hoffentlich ein Werwolf). Wenn die Werwölfe am Schluss übrigbleiben, dann haben die Bürger verloren.

Das Land Og

Das Land Og ist ein lustiges kleines Bier-und-Brezel-Rollenspiel. Nett, lustig, gut. Das Tolle an dem Spiel ist der limitierte Wortschatz, den die Spielerinnen bzw. deren Chars haben. Halbe Klugheit Wörter Wortschatz ist nicht gerade viel. Mit Pech… Stinkig und Essen, dann wars das. Wer schon mal einen wirklich limitierten Barbaren spielen will, ist hier genau richtig.

Ich habe dieses Jahr mit einer Klasse Das Land Og gespielt und damit mehrere pädagogisch wertvolle Stunden entwickelt. Das zusammenfassende Thema der Stunden war Kommunikation. Zuerst ließ ich die Schüler selbst entscheiden, wie groß ihr Wortschatz war, ließ die Charakterklassen und Talente usw. außen vor (alle Schüler waren Steinzeitmenschen). Danach habe ich sie das erste Szenario spielen lassen. Ok, die Schüler haben sich natürlich gefragt, was das Ganze soll. Ich habe sie selber drauf kommen lassen… durch offene Fragen.

  • Was hast du gefühlt, als du deinen Steinzeitmenschen gespielt hast.
  • Was hat dich genervt und warum?
  • Was hätte dir beim Spielen geholfen?
  • Wart ihr früher schon mal in einer Situation, in der ihr euer Gegenüber nicht verstanden habt?

 

Die Fragen zielen darauf ab, dass die Schüler (in meinem Fall Berufsschüler), in dem Ausbildungsjahr tatsächlich eine neue Sprache (Fachsprache) gelernt haben, dass ihnen ein Wörterbuch geholfen hätte und dass die Spracheinschränkung tierisch nervt. Damit kann man in verschiedene Richtungen arbeiten: Man könnte ein Fachwörterbuch entwickeln, über Kommunikation allgemein sprechen (Vier-Ohren-Modell) oder für Marvin den Steinzeitmenschen einen Kommunikations-Guide für das 21.Jhdt. entwickeln (was ich gemacht habe). Lustig und eine Beschäftigung für 5-8 Unterrichtsstunden.

 

Fröbelturm

Der Fröbelturm ist jetzt zwar kein Rollenspiel, man kann aber mit diesem Spiel wunderbar die Rollen der einzelnen Schülerinnen in der Klasse bzw. seine eigene Lehrerrolle überdenken. Das Spiel besteht aus einem Kran, an dem Schnüre hängen, und sechs Holzklötzen, die im oberen Viertel eine Einkerbung haben. Da muss der Kran rein, den Klotz aufrichten und zu einem Turm stapeln. Der Kran wird durch die gespannten Schnüre bewegt, die von den Schülern gehalten werden. Soweit sogut. Man kann in einem ersten Versuch verbale Kommunikation verbieten, man kann sie aber auch erlauben. Schnell wird man erkenne, wer in einer Klasse die Wortführer sind, wer Kompromissbereitschaft zeigt, wer Außen vor ist.

Die Rolle der Lehrerin beeinflusst übrigens das Ergebnis. Zeigt ihnen die Lehrerin einen hohen Turm als Beispiel, versuchen die Schüler einen hohen, wackeligen Turm zu machen. Zeigt ihnen die Lehrerin einen niedrigen, stabilen Turm, wird ein niedriger Turm nachgebaut.

 

 Beutelschneider

Natürlich kann man auch ein richtiges Rollenspiel mit den Schülern spielen (sollte die Klasse klein genug sein). Es müsste aber ein Rollenspiel sein, das einfache Regeln besitzt… wie Beutelschneider. Das Regelwerk ist nur wenige Seiten dick, ein Sack mit farbigen Murmeln schnell organisiert, als Setting hätte ich Yimrheim in petto (wird am Nikolaustag online gestellt).

 

 

RPG-a-Day 2018 und Ad-Blog-Plus: 20-22. August

Welche Spielmechanik inspiriert Dein Spiel am meisten? Welche Würfelmechanik reizt Dich? Welche würfellose Spielmechanik reizt Dich?

Keine. Ich bin Geschichtenschreiber. Regeln nutze ich nur, weil ich sie nutze und in bestimmten Situationen dazugehören. Hell, ich hab mir nicht mal die mühe gemacht, die Regeln für DSA4.1 zu lernen. DSA5 ist das erste Regelwerk, das ich nach DSA3 und diversen Hausregeln wieder so einigermaßen draufhabe. Würfel sind, genau wie Murmeln, am Ende Hilfsmittel. Eine Illusion von Zufall. Nicht zwingend nötig.


Jungfrauen/Jünglinge gesucht zwegs gemeinsamer Gestalltung von Freitagabenden. Für Wein und Musik ist gesorgt. Bitte nur in weißer Kleidung (Kleid, Tunika, Unterwäsche, Socken, Schuhen) kommen. Treffpunkt diesen Fr. um 23:00 am alten Friedhof.

 

RPG-a-Day 2018 und Ad-Blog-Plus: 18 August

Ein Kunstwerk, das Dich für Dein Spiel inspiriert hat.

http://dungeoninspiration.tumblr.com/image/161349135044

Diese Bildchen hat mich dazu inspiriert, beim Karneval der Rollenspielblogs mitzumachen und eine Ruine zu entwerfen: Die Ruine von Yal Qadhifa

Musik als Inspiration ist bei mir überraschenderweise selten, ich nutze sie vor allem, um mich in Stimmung zu bringen.

Skulpturen… ich bin ein religiöser Mensch, das schlägt sich auch in den Geschichten nieder, die ich schreibe. Skulpturen kommen da idR als Reliquien vor.

Literatur: Das ich gerne lese sollte keinen überraschen, die meinen Blog lesen. Viel fließt auch in mein Spiel ein, z.B. von Karl May.

Film: Für Film und Fernsehen gilt das gleiche wie für die Bücher.


Bauer sucht Rigger

Drohnenrigger für die Saison 76/77 gesucht. Lohn VB. Kost und Logis frei.

Geld verdienen dort, wo andere Urlaub machen! Contact NiederbayerBauer im Forum vom Landwirtschaftlichen Wochenblatt

 

RPG-a-Day 2018 und Ad-Blog-Plus: 17. August

Beschreibe das beste Kompliment, das Du für Dein Spiel Meistern bekommen hast.

Das beste kompliment ist, wenn nach 10 Jahren immer noch über das eine, ganz coole abenteur von damals geredet wird.


Oh Eashiqa, wenn du ein neues Schwert

für deinen Kampf und deine Queste

brauchst, geh zu Ali El‘ Baytar

der hat das Beste

aus edler Bronze, und der Wert

liegt bei gerade mal 100 Dendari, das ist wahr!

Rapsode, Yal Mordai, gestern

Mal über Rollenspiel und Rollen im Spiel nachgedacht.

Hurra! Wir (die Riesländer) werden im Genderswapped Podcast erwähnt.  In Folge 1 geht es um Gleichberechtigung im Rollenspielsetting. Und da geht es um eine Setzung, die wir mal gaaaaanz am Anfang des Rieslandprojekts getroffen haben, die aber spätestens seit Buch der Helden nicht mehr zu halten ist: Frauen sind entweder Damsel In Distress, Famme Fatal oder Red Sonja. Nun… mittlerweile haben die meisten rakshazarischen Kulturen Frauen in mächtigen Positionen. Die Nagah, die Cromor, die Nedermannen und die Sirdak haben z.B ein Matriarchat.

Warum der Wandel? Der war nicht von irgendwem verordnet, sondern kam ganz natürlich beim Erschaffen der einzelnen Kulturen. Teilweise haben wir ja die Kulturen an bronzezeitlichen Kulturen angepasst (und wir wissen aus der Archäologie, dass in grauer Vorzeit viele Frauen in einflussreichen Positionen waren oder als Kriegerinnen kämpfen) oder, wie wie bei den Nagah, eine Hauptgöttin, der natürlich Priesterinnen dienen, da ist es nur normal, dass Frauen dann eine besondere Rolle spielen. In Rakshazar zog also die Gleichberechtigung schon recht früh auf natürlichen Wege ein, ohne dass das Patriachat sehr gewehrt geschweige denn mitbekommen hätte.

Auf Facebook bin ich dann über den Blogeintrag von Anna und der entsprechenden Diskussion gestoßen. Der Blogeintrag ist lesenswert und läuft im Grunde auf das Credo hinaus, dass man miteinander reden soll und dass im Zweifel ein Gruppenvertrag Gold wert ist. Die Kommentare… die gingen von „Super! Wichtige Idee, bitte machen“ über „Mach ich eh schon“ zu „Mmmäh, für mich nicht interessant, ich kenne alle meine Mitspielerinnen“ und „So ein SJW-Scheiß, lass mich damit in Ruhe“.

Das wars fürs Erste, ich geh mal arbeiten. Ich bin grade dabei, ein Kopfkino auszuformulieren. Im Dezember will ich dann einen Rollenspielkarneval zum Thema Kopfkino und Tagträume  machen. Da will ich ja etwas präsentieren können 🙂 Das Abenteuersetting nutzt das Beutelschneider-Regelset und wird auch Regeln für den Schiffkampf enthalten. Ach ja… und Zwerge… es wird Zwerge geben, aber diesmal total anders interpretiert, passend zu diesem Blogeintrag.

Des Trolls Monsterhandbuch: Hillbillys – Der Schrecken, der aus dem Wald kam

Ich habe mir grade Tucker and Dale vs. Evil angesehen. Ein toller Film und eine geniale, warmherzige aber auch splattermäßig blutige Parodie auf Teenie-Horrorfilme und das ganze Backwood-Genre. Backwood, das ist eine Filmrichtung im Horrorbereich, bei dem irgendwelche Typen aus der Stadt mitten im Nirgendwo stranden und sich dann gegen inzestuöse, mutierte, kannibalische Landeier, Hillbillys, zur Wehr setzten müssen. Auf Wikipedia werden ganze 40 Filme aufgeführt, die zu diesem Genre gehören. Frankenstein, nein, besser Frankensteins Monster, immerhin ein Urgestein des Horrors, bringt es da nur auf 33 Filme und die Mumie läuft unter ferner liefen (15 Filme). Eigentlich, wenn man es genau nimmt, ist Backwood eine Unterkategorie der Slasher-Flime (Wrong Turn zumindest taucht in beiden Listen auf).

Jedenfalls stellen sich nun ein paar interessante Fragen: Warum haben die Stadtbewohner nur so viel Angst vor uns Landeiern (wir wollen doch nur spieeeelen 😉 )? Taugen Hillbillys als Gegner oder Heldinnenchar und was zur Hölle sind denn eigentlich Hillbillys? Und wie kann ich das ganze neu und spannend interpretieren?

Hillbilly, Redneck und Waidler – Definition der Begriffe

Bevor wir uns dranmachen, die einzelnen Begriffe zu definieren: Das sind alles Fremdzuschreibungen. Jemand anders hat eine bestimmte Gruppe zu Hillbillys, Rednecks oder was auch immer erklärt. Die Gruppen haben dann die Fremdzuschreibung übernommen und zu einer Gruppenidentität gemacht. Die Fremdzuschreibungen sind zudem noch relativ jung, ca. Ende des 19. Jhdt. Davor gab es diese Zuschreibung nicht, weil beinahe die ganze Bevölkerung der USA und, im Falle der Waidler, Bayerns ähnlich (arm) lebten. Die Zuweisung war zudem eine Charakterisierung, die von Stadtbewohnern ausging und Landbewohner beschrieb.

Hillbilly: Das Wort Hillbilly tauchte zuerst The Railroad Trainmen’s Journal (vol. IX, July 1892) auf und schon ein paar Jahre später wurde der Begriff im New Yorker Journal als

[…] a free and untrammeled white citizen of Tennessee, who lives in the hills, has no means to speak of, dresses as he can, talks as he pleases, drinks whiskey when he gets it, and fires off his revolver as the fancy takes him“ Quelle

definiert. Das Wort selber ist wohl ein Hinweis darauf, dass es sich dabei um die Nachfahren von Schotten handelt, die in den 1660gern in die Highlands flohen und König Billy unterstützten. Hillbillys sind die Bewohner der Appalachen und Ozarks, vor allem die aus Tennessee und Alabama

Redneck: Das Wort beschreibt Menschen, denen bei der Feldarbeit die Sonne den Nacken aufgebrannt hat. Geografisch sind damit Bewohner der südlichen Staaten der USA gemeint, vor allem aus Texas, Georgia, Oklahoma und Kansas. Heute ist der Begriff Redneck nicht mehr zwangsläufig mit einer armen, wenig gebildeten Unterschicht verbunden, sondern eher mit einer Mittelschicht, die ein eigenes Standesbewusstsein entwickelt hat.

Cracker: Auf den Plantagen des Südens der USA gab es weiße Aufseher, die gern und oft die Peitsche schwangen. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg waren diese arbeitslos. Aus ihnen entwickelten sich die Cracker, benannt nach der Peitsche, die sie schwangen. Wobei das Wort Cracker nicht nur benutzt wurde, um ehemalige Sklaventreiber zu beschreiben, in Georgia und Florida nutzte man den Begriff auch, um so zu zeigen, dass die eigene Familie hier schon seit Generationen lebte.

Waidler: Und hier mal eine bayerische, rurale Personenzuschreibung. Ich nutze diese hier, weil sie Ähnlichkeiten zu den Hillbillys aufweist und demonstrieren soll, dass die Ideen, die hinter den Konzepten stehen, auch in Deutschland Anwendung finden können. Waidler sind die Bewohner des Bayrischen Waldes. Für mich als Gaibonbiffe (verächtlicher Ausdruck für alle Bewohner des Gäubodens) beginnt ja der Bayrische Wald jenseits der Donau, die Parkstettener und Bogener haben Viechtach als Grenze ausgemacht, Deggendorf nennt sich selber das Tor zum Bayerwald und spätestens die Engelmarer können nicht mehr leugnen, Waidler zu sein. Waidler, das sind ganz grobschrotige, sture Menschen, sie sprechen eine unverständliche Sprache (also für Bayern. Für Fischköpf muss Bairisch schon unverständlich klingen) und pflegen wilde Bräuche. Außerdem brauen sie einen gar fürchterlichen Schnappes. Dumm sind sie nicht, aber um nicht arm zu sein, pendeln sie wochentags nach Regensburg, Dingolfing und München.

 

Stadtmensch vs. Landei – Der Schrecken des Landlebens

Momentan scheint es unter den Stadtbewohnern so eine Art idealisierte Traum zu sein, zu uns aufs Land zu ziehen. Ich als Landei kann es verstehen, das Landleben ist wirklich schön. Platz, Ruhe und Gemeinschaft, (zumindest in Deutschland gezähmte) Natur…

Ich kann aber auch diejenigen verstehen, die vor dem Leben auf dem Land in die Stadt geflüchtet sind. Das Landleben hüllt nämlich ein paar Schrecken bereit, der in überspitzter Form in den Backwood-Filmen thematisiert wird.

Wenn Billy mit seiner Cousine – Inzest und Familienbande

Dieses Clinche stimmt… zum Teil. Weniger das Inzestding, das mag es früher in Hinterkaifeck schon gegeben haben, eher das mit den Familienbanden. In meinem Heimatdorf gab es, bevor die Siedlung gebaut wurde, drei große Famlienclans, mit denen die meisten im Dorf irgendwie verwand waren. Meine Großmutter wusste verwandtschaftliche Beziehungen noch bis zum Cousin des Schwagers des Neffen der Tante auswendig. Ihr Mann, mein Opa, war Bukovinadeutscher, der als Flüchtling nach Bayern kam. Er Betrieb Ahnenforschung und hätte den Stammbaum 200 Jahre zurückverfolgt, inklusive aller Seitenzweiglein.

Fremde vs. Alteingesessene

Fremde (seien es Stadtbewohner oder Flüchtlinge oder gar Preußen) haben es schwer, sich in ein Dorf zu integrieren. Jeder ist ja mit jedem irgendwie verwandt und kennt den anderen schon seit Kindesbeinen an. Fremde müssen erst noch zeigen, wer sie sind und die anderen kennenlernen. Der größte Fehler den die Neuen dabei machen können ist, darauf zu warten, dass die Landeier auf sie zugehen. Warum auch? Zur Not kommt man ohne die Fremden zurecht.

Tipps eines Landeis für Dorfimigranten

  • Geh zur Feuerwehr. Es gibt kaum eine solche Integrationskraft wie eine Flasche Bier nach der Übung.
  • Lerne deine Nachbarn kennen und lass deine Nachbarn Dich kennenlernen.
  • Nimm an Festen teil, egal ob profan oder religiös.
  • Buy lokal, soweit es noch geht.
  • Lerne die Umgebung des Dorfes kennen.

 

Individuum vs. Kollektiv

Das hier ist sozusagen die Schlussfolgerung aus den ersten beiden Punkten und wahrscheinlich auch der Grund, warum viele meiner homosexuellen und transsexuellen Freunde aus den Dörfern in die Städte geflohen sind. Es ist zwar möglich, auf einem Dorf Individuum zu sein, trotzdem ist man durch Familienbande oder einfach dadurch, dass man in dem Dorf aufgewachsen ist und jeder weiß, wer du bist (bei uns im Dorf gibt es die Frage: „Ja, wo gehörst Du denn hin?“ Damit fragen die Älteren, zu welcher Familie man denn gehört und wer denn die Eltern sind. Kinder lernen bei uns schon früh, auf diese Frage zu antworten). Nachteil ist aber auch, dass vermutlich das ganze Dorf dich schon mal besoffen gesehen hat oder weiß, was für ein Rotzlöffel du früher warst. Das ist für von der Norm abweichende (bitte nicht negativ verstehen) sicher nicht leicht. Solch eine Nähe kann dich erdrücken.

Die geneigte Leserin mag jetzt den Einwand haben, dass ich bisher Dörfer beschrieben habe, Letherface und Co aber in einsamen Hütten irgendwo in der Wildnis leben. Ja, stimmt. Aber selbst Letherface kann nicht alles, was er zum Leben braucht, selbst herstellen und braucht eine Infrastruktur im Hintergrund. Kleider, Büchsenbier, Medikamente… auch Letherface muss mit der Umwelt kommunizieren, um zu (über)leben. In einigen der Backwood-Filme unterstützen Sheriffs oder Ladenbesitzer die mörderischen Hillbillys. Ganz autarke Gruppen oder Familien, die gar keinen Anschluss an ein irgendwie geartetes Dorfleben haben, dürften auch bei Hinterwäldlern krasse Außenseiter sein.

 

Seltsame Bräuche

Der Waidler und der Bayerische Wald sind eine Fundgrube für seltsame Bräuche. Da werden in einem Ort Rauhwuggerl getrieben, im Nachbarort Wölfe, dort sucht man einen erschlagenen Heiligen, andernorts reitet man entweder zu Georgi oder zu Leonhard hoch zu Ross zum Wallfahrten. Oder man trägt eine mit Wachs umwickelte Fichte quer durch Bayern und die letzten Meter gar aufrecht einen Hügel hinauf. Von der Fronleichnamsprozession, diversen Flurumgängen und anderem (religiösen) Brauchtum gar nicht zu reden. Viele dieser Traditionen sind für Fremde unverständlich. Fremd. Geheimnisvoll. Bedrohlich. Sie dienen in erster Linie dem Zusammenhalt eines Dorfes. Wer nicht mitfeiert, der ist nicht Teil der Gemeinschaft.

Noch zwei Bemerkungen dazu: Erstens ist mir Bewusst, dass es auch in so manchen Städten komische alte Bräuche gibt. Aber beileibe eben nicht in jeder Stadt, da diese Bräuche eine gewisse Zeit und einen gewissen gesellschaftlichen Zusammenhalt brauchen, um wachsen zu können. Sie sind Spiegelbild einer vergangenen Zeit und einer vergangenen Gemeinschaft. Und ja, es gibt auch Bräuche, die junger als 20 Jahre sind. aber auch sie sind gewachsen und Spiegelbild der Gesellschaft, die sie hervorgebracht haben. Mir geht es in erster Linie darum, dass diese Bräuche für Außenstehende fremd bis bizarr sind.

Auch Bei Hillbillys und Rednecks gibt es solche Bräuche. Das jährliche Chillifest irgendwo in Texas, der Murmeltiertag in Punxsutawney oder eine Schlacht um irgendeinen gottverdammten Hügel während des Bürgerkrieges incl. Besäufnis mit Negerkussschnapps begossen wird… nichts ist so verrückt, dass es auf diesen Planeten nicht gibt.

 

Knarren und Bier –  Die Waffen eines Hillbilly

Hillbillys und Rednecks ohne Knarren? Unvorstellbar. Natürlich braucht ein echter Hillbilly eine AR-15. Und eine Reminton 870. Und eine gute alte doppelläufige Flinte. Einen Drilling. Und einen Revolver, von Großväterchen Abraham.

Auch wenn es so mancher Stadtbürger es nicht glauben mag, die Jagd gehört zum Landleben dazu. Hier in Bayern weniger, um damit die Nahrungssicherheit zu gewährleisten, eher um Feldschädlinge zu dezimieren, aber in den USA sieht das schon ein wenig anders aus (die Jagd wird dort neben dem 2. Amendment als Grund für das Recht auf Waffenbesitz genannt). Wer indifferent zur Jagd steht, dem empfehle ich, einen Jäger aufzusuchen, ihn nach einer Wildschweinsalami oder Bratwürsten und Cevapcici aus Hirsch- oder Rehfleisch zu fragen, diese zuzubereiten und zu genießen. Liebe Franken, mit euren drei im Weckla könnt ihr einpacken, wenn eine Hirschbratwurst auf dem Grill liegt. Nebenbei… gutes Grillgut braucht keine Soßen, da reicht der Geschmack des Fleisches allein.

Was den Vorwurf angeht, wir Landeier würden viel Alkohol konsumieren… Bier ist schon ein sehr geniales, geschmackvolles Getränk…

 

Willkommen im Grauen – Hillbillys als Monster

Hillbillys als Monster / Gegner sind in den Backwood-Filmen gut eingeführt. Hier tummeln sich Kannibalen, inzestuöse Mutanten, Kettensägen schwingende Psychopaten… alles bekannt. Hillbillys eignen sich auch für Kultisten, die Shub-Niggurath anbeten (oder einem anderen Kult anhängen) und im Wald unaussprechliche Dinge tun. Eine Hillbilly-Mafia ist auch eine Möglichkeit, die Landeier als Gegner zu präsentieren. Abgelegene Scheunen oder selbst gegrabene Bunker in den Wäldern eignen sich gut, um Moonshine zu brennen oder Meth zu kochen.

Nicht vergessen sollte man dabei, dass die Gegner in der Gegend verwurzelt sind und die Bevölkerung des rettenden Dorfes unter Umständen mit den Hillbilly-Gegnern verwand / befreundet. Nichts geht über das Gesicht der Spielerinnen, wenn sie erkennen müssen, dass all die Deputy mit den Kultisten aus dem Wald verwandt sind und die gerade die Kennzeichen des liegengebliebenen Heldinnen-Autos überprüft haben…

 

„Das sind meine Cousins Jack, John-Boy und Jim… sie werden uns helfen!“ – Ein Hillbilly als Heldin

Hillbilly-Heldinnen sollten in ihrer Heimatregion riesige Vorteile haben. Nicht nur, dass sie sich in der Gegend super auskennen dürften (schließlich sind sie da ja aufgewachsen), bestimmte Natur-Skills haben (Holzverarbeitung, Jagd- und Fischereikenntnisse, grundlegende Pflanzenkunde), sie dürften dort auch sozial verwurzelt sein.

Regeltechnisch könnte sich das in eine Art von Minions niederschlagen. Egal, was die Heldin auch unternehmen möchte, sie kennt immer 1W10 Verwandte, Freunde oder ehemalige Liebhaber, die sofort bereit sind, ihre Schrotflinte aus dem Schrank zu holen und der Heldin zur Seite zu stehen. Ein Anruf oder ein Besuch bei Onkel Billy genügt. Natürlich wollen die Verwandten und anderen Vögel auch bezahlt werden… in Bier, Schnaps und BBQ oder einen Gefallen, der eine Side Quest triggert. Letzteres führt dazu, dass man die Hillbilly-Connection weise einsetzt, sonst hat man plötzlich 10 Side Quests am Hals und verliert den roten Faden des Spiels, der imho auch in einer Sandbox existiert.

 

Die Faszination des Landeis – ein kurzes Fazit

Was macht die Faszination des Landeis aus? Ehrlich gesagt, ich als Landei weiß es nicht. Ich könnte mir aber denken, dass ihr Städter da draußen neidisch auf uns seid. Auf unsere Kultur, auf unsere Familienbande, auf unsere gesunde, würzige Landluft…

Euer Neid hat dazu geführt, dass in Backwood-Filmen Hillbillys immer die Bösen sind. Fair enough. Es ist auch eine coole Idee, die Gegner mit sozialen Kontakten zur „normalen Bevölkerung“ (vulgo NPCs) auszustatten und so jeden NPC zu einem potentiellen Hillbilly-Gegner zu machen. Der Wald bzw. die Wildnis als Schauplatz ist die Leinwand für das Ganze. Der Focus hierbei liegt auf der Abgeschiedenheit und dem Ressourcenmangel. Die Hillbillys kennen sich in der Gegend aus, sie wissen, wo man Medikamente und Nahrung oder Munition herbekommt.

 

Achja… der Beitrag ist natürlich wieder mal ein Rollenspielerfrühstück. Passend zum Thema:

Rollenspielerfrühstück: Weißwürste mit süßem Senft, einer Brezn und einem schönen Weißbier.

Harfenklänge: Wir sand im Woid dahoam und das Straubinger Zuchthauslied.