Archiv für den Monat Oktober 2018

Des Trolls Monsterhandbuch: Höllenhunde – Bitches straight out of Hell

Hunde werden und wurden in so ziemlich allen Kulturen und Religionen dieser Welt verehrt. Egal ob in Babylon, dem pharaonischen Ägypten, Hinduismus oder den Mythen der Kelten der Wikinger oder Kelten, ja sogar bei den indigenen Völkern Amerikas und Australiens. Hunde tauchen oft in den Sagen und Mythen auf. Vielleicht ein Echo aus jenen fernen Tagen, als der Wolf gezähmt und durch Züchtung zum Hund wurde.

Und neben dem guten Hund, dem Beschützer der Herden und Helden, gibt es noch den Höllenhund, eine geisterhafte Erscheinung, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Höllenhunde sind wohl das Echo von Tollwut, Wölfen und verwilderten (Kampf)Hunden. Groß sollen sie sein, meist schwarz (es gibt auch weiße und sogar grüne Exemplare), mit glühend roten Augen.

 

Arten von Höllenhunden

Datei:RomanCerberus.JPG

Detail einer römischen Marmorstatue um 180 n. Chr., Archäologisches Museum Iraklio, Kreta, User Nabokov; „Photo by Tom Oates“, Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

Fluffy… ähhh Zerberus ist wohl der uns bekannteste Höllenhund. Dieser dreiköpfige Hund bewacht die Eingänge in die Unterwelt, zerfleischt die Lebenden, die die Ruhe der Toten stören wollen und jagt die Toten zurück in den Tartarus jagt. Viermal wurde er von lebenden besiegt. Von Herkules mit reiner Stärke, von Orpheus mit Gesang und von Psyche und Sybille mit Honigkuchen bzw. Honig (Hades hat anscheinend vergessen, sei Hündchen zu füttern. Die Dante straft Zerberus die gierigenZerberus ist der Prototyp der wachenden Höllenhunde. Diese Hunde bewachen Übergänge zur Welt der Toten oder besondere Schätze. Böse werden diese Hunde nur, wenn man über die Schwelle will oder hinter dem Schatz her ist – sonst sind sie ganz liebe Viecher. Zu dieser Familie gehören Gram, der Zerberus der Wikinger, der Church Grim, der englische und finnische Friedhöfe und Kirchen vor Räubern und dem Teufel persönlich bewacht. Lovecrafts Geschichte „Der Hund“ fällt ebenfalls in diese Kategorie.

… The baying was loud that evening, and in the morning I read of a nameless deed in the vilest quarter of the city. The rabble were in terror, for upon an evil tenement had fallen a red death beyond the foulest previous crime of the neighborhood. In a squalid thieves‘ den an entire family had been torn to shreds by an unknown thing which left no trace, and those around had heard all night a faint, deep, insistent note as of a gigantic hound…

(Lovecraft, The Hound, 1924)

Andere Höllenhunde scheinen ein Omen des Todes zu sein. Wer sie sieht oder ihr Gebell hört, dessen Ende naht. Der Cŵn Annwn gehört hier rein, genauso wie der Hund von Baskerville.

I gotta keep movin
I gotta keep movin
Blues fallin down like hail
Blues fallin down like hail
Umm mmmm mmm mmmmmm
Blues fallin down like hail
Blues fallin down like hail
And the days keeps on worryin me
theres a hellhound on my trail
hellhound on my trail
hellhound on my trail

(Robert Johnsen, Hellhound on my trail, 1937)

Die letzte Kategorie der Höllenhunde jagt ihre Opfer um sie bei lebendigen Leibe in die Hölle zu ziehen. Die Jagdhunde des Teufels werden z.B. von Robert Johnson besungen. DSA hat dieses Konzept der Höllenhunde voll ausgenutzt: Shakalaraan, der lüsterne Sandwolf-Dämon der Belkelel, Karmanath aus Nagrachs Domäne und der Weiße Hetzer aus Tobien. In alten britischen Sagen sind diese Art von Höllenhunden Teil der wilden Jagd oder manchmal auch Satan himself in Verkleidung.

Höllenhunde im Rollenspiel

Gerade DSA (wie auch andere Rollenspiele) hat ja den Teil mit den Jagdhunden des Teufels ziemlich gut ausgereizt. Schwach aber sind die Aspekte des wachenden Höllenhundes (der an die Lynx ausgelagert wurde) und des Todesomens ausgeprägt. Das sind verschenkte Möglichkeiten. In Horrorsettings bietet sich das Todesomen doch an: eine geheimnisvolle Macht, ein Geistwesen, das das unausweichliche Schicksal verkündet und ein Dorf terrorisiert. Ist das Geisterwesen für den gewaltsamen Tod der Bewöhnerinnen verantwortlich? Wurde es von der alten Vettel draußen im Wald beschworen, die man schon lange der Hexerei verdächtigt? Dann wäre es mal wieder Zeit für eine ordentliche Hexenverbrennung, am besten zusammen mit ein paar Waisen und Landstreichern zusammen, nur um auf Nummer sicher zu gehen! Hat man vielleicht ein altes Hügelgrab geschändet oder die Heimstatt einer Fee vernichtet? Bewacht das Monster einen Schatz in der Mühle des Schwarzmüllers. Ist der Höllenhund in Wirklichkeit tatsächlich nur ein Omen, das anzeigt, dass man auf der Abschussliste einer psychopatischen Mörderin aus dem Dorfe steht und kann das Omen einen Hinweis geben, wann und wo die Mörderin wieder zuschlägt und wer die Schurkin ist?

Ich finde die Idee mit dem Church Grimm sehr spannend. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, den Heldinnen in einem schweren Kampf zur Hilfe zu kommen und ihnen trotzdem die Haare zu Berge stehen zu lassen. Das Szenario: Endkampf in der Ruine des alten Tempels, plötzlich taucht ein kalbsgroßer Geisterund auf und wirft sich auf Seiten der Heldinnen ins Getümmel. Nach dem Kampf erscheint der Geist in Gestalt eines Schoßhündchen, nur um wieder zur Bestie zu mutieren, sollten die Heldinnen auch nur einen Fuß in die Krypta des Tempels setzen. Den Grimm kann man bannen, dazu müssen die Überreste des Hundes, der bei der Grundsteinlegung des Tempels lebendig begraben wurde, finden und vernichten.

 

Beispiel für einen Church Grim in DSA

Fass war ein guter Hund, ein braver Hund. So lobte sein Herrchen Fass immer. Herrchen war ein wichtiger Mann. Ein Geweihter von dem Herrchen in Alveran, Firun. Fass und sein Herrchen lebten in einer kleinen Hütte im Wald, bei Norntal. Einmal war ein langer Winter. Böser Winter! Es war kalt, auch wenn längst die Blumen blühen sollten. Fass mochte Blumen. Damals gab es keine Blumen. Sein Herrchen sagte damals, er müsse weggehen, nach Bjaldorn, um gegen das Eis zu kämpfen. Er sagte, Fass sei ein braver Hund, und dass er achtgeben solle auf dar Hüttchen und die Holzstatue im Dorf. Dann schnitt der Fass die Kehle durch und vergrub ihn in der harten, kalten Erde. Und seit dieser Zeit wartet Fass auf sein Herrchen und verscheucht alle, die der Statue in Norntal oder dem Hüttchen im Wald böses wollen…

 

MU 14 KL 14 (t) IN 13 CH 12 FF 12 GE 15 KO 14 KK 15 LeP 30 AsP 30  KaP INI 15+1W6

VW 7 SK 3 ZK 7 GS 14 (gehend oder schwebend)

Biss: AT 14 TP 1W+3 RW kurz RS/BE 0/0

Aktionen: 1

Sonderfertigkeiten: Verbeißen (Biss)

Talente: Einschüchtern 10, Körperbeherrschung 10, Kraftakt 8, Selbstbeherrschung 11, Sinnesschärfe 12, Verbergen 10, Willenskraft 8

Zauber: Horriphobus 12

Größenkategorie: mittel

Typus: Geist, nicht humanoid

Kampfverhalten: Der Grimm greift jeden Paktierer oder Dämon an, der den Tempel betritt. Nichtpaktierer werden angegriffen, sobald sie den Tempel plündern wollen.

Flucht: Der Grimmlässt sich nicht in die Flucht schlagen.

Schmerz +1 bei: immun gegen Schmerz

Sonderregeln:

Geister-Regeln: Für den Grimmgelten die allgemeinen Geister-Regeln.

Unsichtbarkeit: Der Grimm hat den Status Unsichtbar, Ausnahme sind alle, die den Tempel bestehlen oder entweihen wollen. Es können jedoch alle das unheimliche Knurren und Fauchen der Bestie hören. Manchmal offenbart er sich in seiner wahren gestallt auch Menschen, die eine Sinnesschärfe -4 gelingt.

Raubtiergeruch: Der Geruch eines Grimm lässt Hunde aufheulen

 

Fantastische Medienumschau – Kinderserien und ein Buch von Caspers in der Rezension

Ich bin ja, dank meiner Kinder, auch am Kinderserien gucken. Dabei sind mir ein paar Serien aufgefallen, über die ich sprechen will. Zum Teil, weil ich die Serien richtig gut finde, zum Teil weil sie mit Rollenspiel zu tun haben… zumindest im weitesten Sinne.

 

Von Indianern und Rittern

Yakari

Alles Gute zum Geburtstag, Yakari. Seit 10 Jahren läuft auf dem KIKA diese Serie. In Yakari geht es um einen kleinen Sioux. Der von seinem Totemtier, Großer Adler, die Fähigkeit verliehen bekam, mit Tieren reden zu können. Gemeinsam mit seinem Pferd, Kleiner Donner, und deinen Freunden Regenbogen und Kleiner Dachs erlebt Yakari viele Abenteuer in der Prärie und den Wäldern und Bergen Amerikas. Dabei stehen sie ihren tierischen Freunden bei und helfen auch dem Stamm bei so mancher Aufgabe.

Ich finde die frühen Staffeln der Serie ab 2005 ziemlich gut, vielleicht wegen des Zeichenstils. Natürlich ist mir auch klar, dass auch hier ein einseitiges Bild der First Nations gezeichnet wird und nur Präriebewohner porträtiert werden. Trotzdem: Die Abenteuer sind schön und kindgerecht, Konflikte werden (relativ) gewaltfrei gelöst (von Steinwürfen, um hungrige Wölfe zu vertreiben abgesehen), der Stamm wird als große Familie mit spezifischen Aufgaben je Stammesmitglied gezeigt und auch eher nutzlose Individuen wie Fettauge oder Müder Krieger finden ihre Aufgabe im Stamm. Nach heutigen Standards wäre der ein hoch integrativer Laden…

Was mich Rollenspieltechnisch aber umtreibt, wenn ich die Serie sehe, ist, welche Charakterklasse wohl Yakari hat.  Er ist der Sohn eines Stammeskriegers. Er redet mit Tieren und schützt die Umwelt. Er hat Kontakt mit Geistern und hat schon manche spirituelle Queste für den Stamm gelöst… Wenn ich der Stammesmedizinmann Der-der-alles-weiß wäre, würde ich Yakari dringend in die Lehre nehmen. Der wäre der ideale Kandidat für einen Waldläufer-Druiden…

Ritter Rost

Ja, auch hier liebe ich den Stil. Ich finde, das Schrottland eine verrückte, tolle, außergewöhnliche Welt ist und ideal für Abenteuer in ihr währe. Genau das Richtige für ein RPG. Kolbenfesserchen, Kampf gegen die Bürokratie (Ratzefummel), lebendige Gebrauchsgegenstände… wenn man daraus nicht ein Abenteuer machen kann, dann weiß ich auch nicht mehr.

Der kleine Ritter Trenk

Auch so eine Perle klassischer Animationskunst. Ein kleiner Bauernjunge flieht vor dem grausamen Ritter Wertolt, tauscht mit dem Ritterssohn Zink die Rollen und wird Knappe bei Ritter Hans, dem Intimfeind Wertolts. Ich find die Serie deshalb so toll, weil sie Abenteuer an wiederkehrenden Orten mit wiederkehrenden… NSCs bietet, mit Tekla ein Prinzeschen, dass die gängigen Klischees brechen will. Das Finale der Serie ist genial. Trenk kämpft gegen einen echten Drachen und… dringend selberschauen.

Robin Hood – Schlitzohr vom Sherwood Forest

Nach der ganzen Lobdudelei bisher mal echte Kritik. Ich find die Serie schlecht. Das liegt vor allem daran, dass es hier in der keinen richtigen Fortschritt, keine Geschichte hinter den einzelnen Folgen gibt. Gut, gibt’s bei Yakari auf den ersten Blick auch nicht, auf den zweiten gibt es sehr wohl Folgen, die aufeinander aufbauen. Tierfreunde, die immer wieder kehren und sich an gute Taten von Yakari erinnern oder von ihm gehört haben. Hier fehlt so etwas, was die Serie irgendwie… uninteressant macht. Es gibt aber auch hier eine gute Idee fürs Rollenspiel: Maid Marian, der Drache Drako, der in einen Hamster verwandelt wurde, und ein Grimoire. Die Idee ist, dass die junge Magierin Marian mit Hilfe des Zauberbuches versucht, dem Drachen seine wahre gestallt zurückzugeben, jedoch ständig scheitert und die Zauber nur Chaos und Verwirrung verbreiten. In der Serie wird es so dargestellt, als ob Marian daran schuld wäre, ich hege allerdings den Verdacht, dass das Zauberbuch nichts taugt. Vielleicht sind die Zauber darin falsch (oder unvollständig) beschrieben, die Handschrift, in der es verfasst wurde, eine Sauklaue, Tee und Saucenflecke auf der Seite usw. Warum gehen wir in unseren Fantasy-Rollenspielsettings immer davon aus, dass Zauberbücher wissenschaftliche Abhandlungen über Magie sind und alles, was zwischen den Buchdeckeln steht, wahr ist? Gefährliche Zauberbücher sind in der Fantasy meist Bücher, die entweder wahnsinniges Wissen (Necronomicon) enthalten oder irgendwie belebt sind und nach den Lesern schnappen. Warum gibt es so wenige Zauberbücher, die gefährlich sind, weil der Autor total inkompetent war und die Zauber Fehler enthalten?

 

 

Wieder die Islamisierung des Kinderprogramms

Nein, es soll nicht „wider“ heißen. Nein, das wird jetzt keine polemische Hetzrede gegen Muslime im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nein, ich möchte hier zwei Kinderserien vorstellen, die im arabischen bzw. persischen Kulturraum spielen, zwischen denen 41 Jahre liegen. Zum einen SherazadeGeschichten aus 1001 Nacht, um anderen Arabische Nächte: Sindbads Abenteuer.

Sherazade ist eine tolle Serie, animiert, wie heutzutage alles, die auf gute alte Erzähltugenden zurückgreift und mit bekannten Elementen aus den Geschichten aus 1001 Nacht spielt. Die Geschichte: Der alte Sultan ist tot, es lebe Sultan Karim, der zweitgeborene Sohn des Sultans. Das kann der Erstgeborene, Shazaman, natürlich nicht hinnehmen, er platzt der Hexe Domnja Sad in den Thronsaal und verwandelt den Prinzen in ein Monster. Gemeinsam mit der Tochter des berühmten Magiers BBBB, Sherazade, sucht Sultan Karim nun nach dem Baum des Lebens, um wieder zum Mensch zu werden und seinen Bruder den Thon zu entreißen. Dabei helfen ihnen Aladin, Dr. Duman Sindbad der Seefahrer (gemeinsam mit Sindbad dem Träger. Ich feiere noch immer, dass auch dieser Charakter der Sindbad-Geschichte übernommen wurde) und Prinzessin XXXX aus der Kristallstadt. Auf der Seite der Gegner stehen Imps und die vierzig Räuber, der Vogel Rock genauso auf wie das fliegende hölzerne Pferd. Wir haben also einen Cast aus wiederkehrenden Charakteren, wiederkehrende Orte, die mehrmals aufgesucht werden müssen, um Progress in der Geschichte zu haben (etwas, was man mittlerweile aus verschiedenen Computerspielen kennt) und einen roten Faden, der sich bis ins Finale durchschlängelt. Mein Lieblingscharakter ist übrigens Osman, der Hauptmann der Palastwache der goldenen Stadt. Er ist Jugendfreund von Karim, gehorcht aber dem Usurpator Shazaman und wird erst gegen Ende der Serie wieder ein Guter, der im Monster seinen Freund und wahren Sultan erkennt. Mich erinnert dieser Charakter an die Gemälde von Ludwig Deutsch.

Eines fehlt aber in der Serie: der Islam. In der ganzen Serie taucht kein Moslem auf, kein Muezzin ruft, kein Freitagsgebet, nicht mal eine Moschee. Die Serie ist absolut religionsfrei. Das ist durchaus überraschend, weil ja die Geschichten aus einer Welt und Zeit stammen, in der Religion durchaus eine Rolle spielte. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich fragte, ob die orientalische Fantasy/Märchen-Kinderserie meiner Kindheit, Sindbad, auch so Religionsfrei war. Ich konnte mich duster an Das Abendgebet in einer Folge erinnern. Also hab ich mir die Serie auf amazon gekauft und… erste Folge, erste Minuten… Freitagsgebet in der Moschee, betende Gläubige, Muezzinrufe. Was hat sich denn in den vierzig Jahren zwischen den Serien verändert, dass aus Kinderserien, die im Orient spielen.

In Sindbad geht es um Sindbad, den Sohn eines reichen Kaufmanns, der, inspiriert von seinem Onkel Ali, einem Seemann, auszieht und in den weiten der arabischen Welt Abenteuer erlebt. Begleitet wird er von Shela, einer in einen Vogel verwandelte Prinzessin, begleitet. Die Abenteuer selbst sind an den Geschichten aus 1001 Nacht angelehnt. Da gibt es z.B. auch Aladin und Ali Baba, fliegende Teppiche, der Vogel Rock und meinem Lieblingsding, dem fliegenden Holzpferd.

Ok, die Animation ist nicht State oft the Art und die Synchronisation… reden wir nicht darüber. Trotzdem ist es eine der schönsten Serien meiner Kindheit. Auf amazon kann man sich die Serie ansehen.

Wo wir gerade bei Kinderserien im Orient sprechen… Die Abenteuer des jungen Marco Polo ist ebenfalls eine richtig gute Kinderserie. Marcos Vater, Nicolo Polo ist in China geblieben und Marco, ein Halbwaise, der von dem bösen Geschäftspartner seines Vaters aus dessen Haus geschmissen wird, macht sich mit seinem Freund Luigi und der chinesischen Prinzessin (Spoiler: Not) Shi La Won auf die Reise von Venedig bis an den Hof des Khans. Meine Lieblingsfolge ist die in Afghanistan, wo sie an einem Buzkaschi-Turnier teilnehmen. Auch die Floge, in der zwei Gauner versuchen, Seidenspinnerraupen nach Europa zu entführen (was im Real Life ja auch geschehen ist).

 

Wenn Glühwürmchen morsen

Ich mag Ralph Caspers eigentlich nicht. Der ist mir zu aufgedreht, zu verrückt. Seine Witze in Wissen macht Ah! sind mir zu… mäh. Aber eins muss man ihm lassen: Fantastische Geschichten schreiben kann er! Das Büchlein „Wenn Glühwürmchen morsen“ ist voll fantastischer, fantasievollen Geschichten. Dort werden von einem Kind Millionen Fliegen gezüchtet, die dann so abgerichtet werden, dass ein Teppich fliegen kann, dort morsen Glühwürmchen im Auftrag eines Alienmädchens den Namen an Greta, Herr Hänsel und Frau Gretel betreiben einen Süßigkeitenladen und im Erikaweg woht tatsächlich ein Pirat samt Papagei auf der Schulter. Die Geschichten sind nicht lang, vier bis sechs Seiten im Schnitt, also ideal für eine Gutenachtgeschichte. Meine Älteste zählt das Büchlein zu ihren Lieblingsbüchern und ich sehe das durchaus als Qualitätsmerkmal an. Dringend lesen.

 

Bis Bald, euer Dnalor

Karneval der Rollenspielblogs: Schuhe – Ein paar magische Treter

Schuhe. Realy? Schuhe als Thema des Rollenspielkarnevals? Das ist so ziemlich das letzte Kleidungsstück, das bei mir im Rollenspiel je eine Rolle gespielt hat. Zaubermäntel, Kraftgürtel, Kettenhemden… ja. Hosen… seeeeehr selten. Schuhe… bisher nur ein einziges Mal… ind 25 Jahren Rollenspielerfahrung.

Schuhe tauchen im Rollenspiel und in der Fantastischen Literatur (Märchen, Sagen) immer wieder mal auf, meist als Artefakte, die bestimmte Eigenschaften der Helden boosten. Bestes Beispiel: Die Pantoffeln des Kleinen Muck. Mit denen kann der kleine Muck viel schneller laufen als der Oberläufer des Sultans und sogar fliegen kann man damit. Die geboosteten Eigenschaften haben immer etwas mit Bewegung zu tun, kein Wunder, wurden Schuhe doch dazu erfunden, Bewegung zu erleichtern. Verfluchte Schuhe sind schon seltener. Mir fallen da nur verfluchte rote Schuhe einer Kinderserie aus den 80gern ein, von der ich nicht mal weis, welche es war. Mir sind nur die Schuhe im Gedächtnis geblieben, die nicht mehr von den Füßen wollten und jeden, der die Schuhe trug, zum Tanzen zwang, bis sie bewusstlos oder tot umfällt.

Ich habe hier mal ein paar magische Schuhe aufgeführt:

Name Aussehen Wirkung
Siebenmeilenstiefel Fester, halbhoher Stiefel aus braunem Rindbox mit fester, dicht benagelter Sohle. Deutliche Gebrauchsspuren. Zu Beginn der Liste gleich mal ein Klassiker. Wer die Hacken der Stiefel zusammenschlägt, dessen Geschwindigkeit verdreifacht sich, er schafft es, in einer Stunde sieben Meilen zurückzulegen. Die Geschwindigkeit gilt aber nur für Reisebewegungen, nicht aber für Kämpfe oder Verfolgungsjagden in den Gassen der Stadt.
Schuhe der Schildkröte Moderner Wanderschuh mit allem Top-of-the-Art Schnickschnack wie atmungsaktive, wasserfeste und extraleichte Materialien, anatomisch geformter, herausnehmbarer Sohle, rutschfester Gummisole in der Trendfarbe Rosé mit Magenta-Highligts. Wenn es Siebenmeilenstiefel gibt, dann muss es auch den Antipoden geben, Schuhe, die die Reisegeschwindigkeit deutlich verringert. Mit diesen magischen Schuhen schafft die Heldin nur 1 Meile in einer Stunde.
Stiefel des Waldläufers Halbhohe Stiefel aus schwarzgefärbten Peccary-Leder mit aufwendiger, grüner Schnürung. Weiche Sohle. Mal was für Aventurien: Ein Artefakt mit drei magischen Ladungen (wiederaufladbar) Wipfellauf (QS III, Verlängerte Wirkungsdauer) mit der man sich durch dichten Wald fortbewegt wie wenn man auf einer gut ausgebauten Reichsstraße wandeln würde. In der Wirkungszeit legt man in etwa eine Strecke von sechs Meilen zurück.
Verfluchte Wanderschuhe Halbhohe Stiefel aus schwarzgefärbten Peccary-Leder mit aufwendiger, grüner Schnürung. Weiche Sohle. Und auch hier das Gegenteil: Ein Artefakt mit je einer Ladung mit Revisalis Wipfellauf und einer Ladung Eigne Ängste (nicht wiederaufladbar). Die Schuhe wurden von einem missgünstigen Magier erschaffen. Wer sie anzieht, der stolpert, fällt und taumelt nicht nur durch den Wald, nein, er muss sich auch die ganze Zeit seinen Urängsten stellen. Er fühlt sich von wilden Tieren, Monstern und Geistern verfolgt und hat Angst, die Orientierung zu verlieren. Gottseidank hält der Zauber nur 15 Minuten an. Die reichen aber, um im Wald verloren zu gehen.
Flip Flops des Bergsteigers Ganz normale Flip Flops mit Lederteilen aus Steinbockleder Inspiriert durch die ganzen Idioten, die jedes Jahr in die Alpen einfallen und tatsächlich meinen, mit Flip Flops den Watzmann erklimmen zu können. Ich mach daraus mal ein Schuh-Artefakt für Rakshazar:

„Woher isch die Schuhe hab? Isch hab sie von den Füßen eines Angurianers gezogen, den ich erschlagen hab“

Wiederaufladbar, 2 Ladungen Spinnenlauf, das klettern auch an Steilwänden ermöglicht, jede Ladung hält eine Stunde.

Mysteriöse Taucherflossen Taucherflossen, Aufdruck Umi kurete // kamo no koe // honokani shiroshi. Das Haiko ist von Matsuo Bashō, übersetzt heißt es: „Das dunkle Meer // und ein Wildentenruf // im verschwommenen Weiß.“ Wer die Taucherflossen anzieht, dem wachsen für zwei Stunden lang Kiemen, die die Atmung unter Wasser ermöglicht. Zudem sendet der Träger Pheromone aus, die Tiefe Wesenheiten anlockt.
Blutige Ballett Weiße Ballettschuhe für Tanz auf den Zehenspitzen. Blutflecke an den Kuppen. Inspiriert durch Black Swan

Die Ballettschuhe sind ein Geschenk aus der Hölle. Zwar ermöglichen die Schuhe Ballett in ungeahnter Meisterschaft zu tanzen, doch zehren sie die Trägerin aus, rauben ihr Lebenskraft und Gesundheit. Neid wächst im Herzen der Trägerin, Neid auf das Talent aller anderen Tänzerinnen.

Die Pantoffeln des geschickten Diebes Aranische Pantoffel aus Filz, schwarz Die Trägerin schleicht lautlos durch die Gänge. Selbst wenn sie aus Versehen an einen Tisch, Stuhl oder Schrank stößt, ist kein laut zu hören.
Die Pantoffeln des ungeschickten Diebes Aranische Pantoffel aus Leder, reich mit Perlen und Göckchen bestickt. Die Trägerin kann sich nicht lautlos bewegen. Sie ist selbst dann noch zu hören, wenn ein Stillezauber auf sie gesprochen wurde
Die Sandalen der jenseitigen Welt Alte Sandalen aus Peccary-Leder. Staubig, abgetragen. Nichts Außergewöhnliches. Wer immer die Sandalen anzieht, der kann in Kontakt mit Feenwesen treten und gar in Feenwelten wechseln.
Drag-Me-To-Hell Plateauschuhe Schwarze Plateauschuhe, Absatz 5 cm. Die Schuhe ziehen die Trägerin direkt in die Hölle. Zurück bleiben nur ein paar rauchende, stinkende Plateauschuhe.
Die Zehenschuhe des schlechten Geschmacks Schwarze Zehenschuhe mit einer Gummisohle. Hier muss ich etwas ausholen: Ich kenne eine Trägerin von Zehenschuhen. Sie hat sogar in Zehenschuhen geheiratet. Jeder, der Zehenschuhe trägt, hat schlechten Geschmack.
Narrenschnabelschuhe Bunte Schnabelschuhe, mit extralangen, nach oben gerollten Schnabel Trägerinnen dieser Schuhe wirken wie Leuchtfeuer für Kobolde und vor allem den Schalk im Nacken. Kommt die Trägerin der Schuhe um, wird sie selbst zum Schalk im Nacken.
Patchwork-Stiefel Dieser Stiefel ist aus verschiedenen Stoff-, Fell- und Stofffetzen zusammengenäht. Die Zehen sind durch eine Metallkappe geschützt. Hier hat mich Ragnarök inspiriert:  In der Sorra-Edda steht:

Alsbald kehrt sich Widar gegen den Wolf und setzt ihm den Fuß in den Unterkiefer.An diesem Fuß hat er den Schuh, zu dem man alle Zeiten hindurch sammelt,die Lederstreifen nämlich, welche die Menschen von ihren Schuhen schneiden, wo die Zehen und Fersen sitzen.Darum soll diese Streifen ein jeder wegwerfen, der darauf bedacht ist, den Asen zu Hilfe zu kommen.[…]

Wenn die Trägerin der Stiefel auf etwas tritt, so ist dies zu Staub zermalmt. Tritt sie auf lebende Wesen, so riskieren sie mindestens gebrochene Zehen.

 

 

Update 2.11.2018 – Text überarbeitet. Ein Kritikpunkt war ja, dass es ungünstig sei, dass zwei Pantoffel, die mit Diebstahl und Heimlichkeit zu tun haben, orientalisches Aussehen hätten. Hmmpf, da hab ich nicht aufgepasst. In DSA sind die Tulamidenlande und Aranien tatsächlich mit Heldenmut und aber auch Diebesfähigkeiten assoziiert. Genau das hatte ich eigendlich im Kopf. Ich wollte ein Geschwisterpantoffelpar haben, die einen ideal für einen Dieb, die anderen eher hinderlich. Den Text bei den Pantoffeln des ungeschickten Diebes hab ich wohl beim kopieren abgeschnitten… habs fertiggeschrieben.

PS.: Sollte irgend jemand etwas in meinem Blog unpassend, unglücklich formuliert, anstößig oder diskriminierend finden, darf man mich natürlich sachlich kritisieren. Ich versuche dann, das zeitnah zu ändern.