Des Trolls Monsterhandbuch und Karneval der Rollenspielblogs: Eis und Schnee – Krampus, Rauwuggal und Prechten

Hier, im Süddeutschen Raum aber auch bis Südtirol hinunter gibt es rund um Weihnachten ein gar dämonisches Treiben. Wilde Gestallten mit Hörnern, gehüllt in Pelz, Ziegenbockfell oder einfach in Reisig, behangen mit Schellen und Glöcken, stürmen durch die Dörfer und schlagen mit Ruten auf jene unglücklichen ein, die nicht schnell genug Ausweichen können. Die Gestallten heißen Rauwuggal, Glöckner, Buttnmandl, Gankerl, buadiger Dammerl, Drud, ihr König ist aber unangefochten Krampus, der unheimliche Begleiter des Heiligen Nikolaus. Er ist der Teufel, der unartige Kinder in seinen Sack steckt und in die Hölle verschleppt. Hier hat übrigens Leander Kirchenfledermaus die Geschichte aufgeschrieben, wie der Heilige zu seinem Teufel kommt.

Woher die Schreckensgestallten kommen? Keine Ahnung. Die gängige Theorie sagt ja, dass das Überbleibsel aus der Zeit der Germanen sei, die die Wilde Jagd oder die Prechten darstellen sollen. Nunja, die ganze Geschichte at halt einen Haken, den euch auch wieder Leander gut erklären kann: es gibt keine Quellen dazu. Erst ab dem 17. Jhdt. gibt es Berichte zu Krampus und Co. Und die meisten Klausentreiben gibt es auch erst seit Anfang des 20 Jhdt. Im meinem Heimatdorf wurden bis vor knapp 20 Jahren die Nickel getrieben, das heißt, die Jugend versuchte, die Krampal zu schlagen und die Krampal die Dorfjugend. Dann hat es irgendwann irgendjemand übertrieben.

Ich könnte jetzt natürlich Werte in irgendeinem Rollenspielsystem für Winterdämonen erstellen, aber das ist heute mal nicht meine Absicht. Denn hinter allen Krampal, Drudn und Gankerl stecken Menschen in Masken. Gute Menschen und… Arschlöcher. Masken sind seit jeher Artefakte, die helfen, in andere Rollen zu schlüpfen oder anonym zu werden und Distanz zu seinen Handlungen aufzubauen. Mir fallen da Scooby Doo (Achtung, Affinity Link) ein, die in jeder Folge am Schluss das Monster hinter der Maske zu enttarnen. Mir fällt aber auch der Brauch des Haberfeldtreibens ein, die bayrische Variante eines Femegericht, bei dem ein vermummter Mob vor das Haus eines Opfers zieht, dass die moralischen Regeln der Gemeinschaft missachtet hat, und dort randaliert.

Ich hab mir vor Kurzem 1W6 Freunde (Achtung, Affinity Link) besorgt. Ein wirklich tolles, regelleichtes Rollenspiel, dass mit den Idolen meiner Kindheit und der Kindheit meiner Mädels (sie sind Fans der drei !!!), Detektivclubs, spielt. Das passt wie Faust aufs Auge für Abenteuer rund um die dämonischen Wintergestalten. Man nehme einen Detektivclub, ein kleines bayrisches (oder österreichisches) Dorf, eine Jugendbade mit ein paar Halbstarken, die im Schutze ihrer Krampus-Masken im Jugendzentrum randalieren und bestimmte Mitschüler*innen mit Migrationshintergrund drangsalieren. Da die Masken allesamt Einzelstücke sind und sich in Details unterscheiden, könnte man hier als Micro-Game Wer ist es? (Achtung, Affinity Link) einbauen, um auf die Schliche der Jugendbande kommen. Der alte Maskenschnitzer hat natürlich alle seine Masken fotografiert samt Namen der Träger in seiner Kartei (in den 80gern und 90gern tatsächlich noch als Karteikasten bzw. Schuhkarton), was zur Lösung des Falls beitragen kann und natürlich kennt der Vorstand des örtlichen Trachtenvereins, der das Treiben organisiert, sämtliche Masken und Treiber.

Fürs Monsterhandbuch: Krampus und Co bieten sich nicht nur als Höllenbrut mit Werten an sondern als Maske, hinter der sich Schurk*innen verbergen, um ihre Taten im Schutze von Tradition, Aberglauben und Winternacht durchzuführen.

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