Rezension: Die Unvollkommenen

Wie tötet man einen Gott? Das ist die zentrale Frage des zweiten Teils von Theresa Hannings Die Optimierer. Die Heldin, Lila, erwacht, nachdem sie 5 Jahre in einem künstlichen Koma zubringen musste. As verurteilte Hochverräterin hat sie das Recht auf Bewährung, die sie in einem Internat (einem als Schlaraffenlang getarntem Gefängnis) an der Ostsee zubringen muss. Gemeinsam mit dem Entwickler der Basileus-Reihe flieht sie aus dem Internat, weird verhaftet und… landet in einer Spezialsiedlung in der Nähe von München. Dort erhält sie von Samson Freitag, dem zum Gott gewordenen Greist in der Maschine, dem Herrscher der BRE von Ewigkeit zu Ewigeit, den Auftrag, seine Mutter zu überreden, mit ihm, den universalem Geist, der dank Vollintegrität (Sehnerv-Chip, Gehörchip, Speicherplatzerweiterung und Emotionschip im Hirn) alle Menschen und Roboter steuert, der eine eigene Kirche aufgebaut hat, der allen Gläubigen ein Gelobtes Land verspricht, endlich wieder ein paar Worte zu wechseln. Viel zeit hat Lila nicht: nach einer Woche versagt die künstliche Lunge von Frau Freitag und wenn sie sie bis dahin nicht zum Reden gebracht hat, geht es ab ins Koma, diesmal für immer. Gleichzeitig planen gleich zwei Gruppen den Umsturz: Die Unvollkommenen(Achtung: Affinity Link) (Menschen, die nicht integriert sind und Samson Freitag ablehnen) und die Liga für Roboterrechte um Ercan Bösal (die die Roboter aus dem Joch Samsons befreien will). Egal ob (Anfangs auch) Lila, die Unvollkommenen oder die Liga, egal wie verschieden die Motive sind, sie alle sind sich einig: Gott Samson muss sterben. Aber wie tötet man ein allmächtiges Wesen?

 

Der Roman, den ich wieder mal als Hörbuch gehört habe, ist großartig geworden. Auf Amazon las ich eine Rezension, die meinte, die Unvollkommenen seien schwächer als die Optimierer. Das sehe ich anders. Hier werden nur andere Themen verhandelt. Ging es bei den Optimierern um eine Zukunft in einem Nanny-Staat und eine Warnung vor allzu viel Entscheidungskraft für Algorithmen, geht es hier um Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, verdeckten Rassismus (Roboter gegen Menschen, Unvollkommene gegen Integrierte), Religion, Freiheit und eine Untergehende Welt (durch Klimawandel, Verteilungskämpfe und neuen Krankheiten). Hier werden die großen Fragen verhandelt. Darum ist das Buch gut. Aus rollenspielerischen Sicht ist das Buch auch super, vor allem wegen der Frage, wie man eine gottgewordene KI killen kann und ob man damit selbst zum Gott aufsteigt. Empfehlenswert.

 

Achja: Ich finde, das Buch sollte man auf die Liste für die #DiversityChallenge2020 aufnehmen.

Darin geht es um die Themen Religionen/Spiritualität, Atheismus, Gesellschaftskritik (Rassismus, gegen Unvollkommene und Roboter), und Gender (PoV-Char ist eine Frau in ihren späten 30gern)

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