Archiv für den Monat April 2020

Karneval der Rollenspielblogs: This Is The End Of The World – Weltuntergang… abgesagt

Passend zu Karfreitag hat Belchion die Welt in diversen Szenarien untergehen lassen. Ich finde, ein ganz wichtiges Szenario fehlt aber da. Nämlich der Weltuntergang, der nicht stattgefunden hat.

Hä, höre ich euch sagen, wo ist das rollenspielerische Potential eines Ereignisses, das nicht stattfindet, aber gebt mir ein paar Minuten, dann ich entführe euch in ein Setting, dass von Lustig bis Massenselbstmord alles dabeihat und nach Held*innen schreit. Achja… an dieser Stelle eine Triggerwarnung: Es können religiöse Gefühle verletzt werden und es geht um das Thema Selbstmord.


Weltuntergänge sind Teil von ziemlich vielen Religionen: Hinduismus, Ragnarök bei den Wikingern und die Apokalypse bei uns Christen. Ja… wir Christen sind eine Weltuntergangsreligion. Jede Religion, die auf die Wiederkehr eines heilsbringenden, göttlichen Religionsgründers warten, sind Weltuntergangsreligionen. In jeder dieser Weltuntergangsreligionen wollten die Gläubigen schon immer wissen, wann denn nun die Welt untergeht und ab wann man denn mit dem Beten und Büßen am besten anfängt, um ins versprochene Jenseits zu kommen. Kein Wunder also, das es hunderte Weltuntergangsprophezeiungen gibt, von Johannes über Nostradamus und Muihiasl zu den Maia-Kalender (der einen wahren Hype ausgelöst hat und Emmerich zu einem Film inspiriert hat) bis zu irgendwelchen… verwirrten Gestalten, die jedes Jahr die Reinigung der Welt von schwarzen Seelen proklamieren.

Aber es wird nicht lange dauern. Es wird nichts helfen, wenn auch die Leute wieder fromm werden und den Herrgott wieder hervorholen.
Sie werden krank, und kein Mensch kann ihnen helfen. Im ganzen Wald wird kein Licht mehr brennen, und das wird eine lange Zeit dauern.
Die wieder von vorne anfangen, werden eine Kirche bauen und Gott loben. Wenn man herüber der Donau noch eine Kuh findet, der soll man eine goldene Glocke umhängen. Es wird erst vorbei sein, wenn kein Totenvogel mehr fliegt.
Die es überstanden haben, werden sich grüßen „Bruder, lebst du auch noch?“ und werden sich mit „Gelobt sei Jesus Christus“ grüßen.
Dann schaut den Wald an. Er wird viele Löcher haben wie eines Bettelmannes Rock. Das wird nicht nur bei uns, sondern auf der ganzen Welt so sein, und Recht wird wieder Recht sein, und der Friede wird tausend Jahre gelten. Aber – und das ist weit – wird man Sommer und Winter nicht mehr auseinander kennen, und die Sonne wird nicht mehr scheinen. Denn alles hat ein End. Auch diese Welt.
Das Feuer, das alles vernichtet, wird vom Himmel fallen. Das große Sterben wird über das Land gehen.
Ein Himmelszeichen wird es geben, und ein gar strenger Herr wird kommen und den armen Leuten die Haut abziehen – es wird aber nicht lange dauern… dann kommt das große Abräumen.
Wenn man Sommer und Winter nicht mehr auseinanderkennt, dann ist’s nimmer weit.

Muihiasl, 1825

Doch was passiert, wenn der Weltuntergang ausbleibt? Der Tag der Apokalypse vergeht, das Auto und das Haus verkauft sind und das Geld brav der Kirche gespendet, geschniegelt und gestriegelt am Straßenrand und Reapture passiert einfach nicht? Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten:

 

Von Spinnern, Lachern und Kultisten

Im günstigsten Fall lachen alle über den Weltuntergangspropheten und dessen Anhänger und… vergessen die ganze Sache (The Sipsons did it. Episode 354). Einige Anhänger des Weltuntergangspropheten werden sich ebenfalls von ihm abwenden. Leider nicht alle. Die Meisten werden sogar noch stärker an den Propheten und den verkündeten Weltuntergang glauben. Das Phänomen kennen wir aus dem Bereich der Verschwörungsmythen.

Wie können wir das ins Rollenspiel einbringen? Als Erweiterung Belchions Kurz und Schmerzlos-Ansatz. Die Held*innen versagen, die Obererzschurk*in drückt aufs Knöpfchen oder schließt das Ritual ab und… nix passiert. Das ist mal ein ordentlicher Plot Twist, der die Schurk*in und die Held*innen dürften erst mal ziemlich überrascht sein (hier ist die Möglichkeit, sich mit den unterlegenen Held*innen aus den Staub zu machen)… und sich dann an die Suche nach dem Fehler im Plan machen. Ist die Maschine richtig angeschlossen und steckt der Stecker? War die Jungfrau, deren Blut man dringend brauchte, doch keine Jungfrau mehr? Die Reliquie, die man während des Rituals zerstört hat, doch Fake? Oder war das Datum für den Weltuntergang falsch berechnet (angeblich traten 1492 in Nowgorod einige Reiche zum Judentum über, weil die den Weltuntergang eben nicht für 1492, wie die orthodoxe Kirche, sondern ein paar Jahrhunderte später berechnet hat. Hier gibt es einen tollen Podcast dazu)?

Don’t drink the Kool Aid

Weltuntergangssekten können für die Mitglieder der Sekte tödlich sein. Am 18 November 1978 tranken (oder wurden zum trinken gezwungen) 908 Mitglieder des People Temple und ihr Anführer Jim Jones ein mit Zyankali versetztes Erfrischungsgetränk und starben. In den Jahren 1994, 1995 und 1997 starben insgesamt 83 Sonnentempler bei Massenselbstmorden, auch am 21.12.2012 gab es Selbstmorde verschiedener Kulte. Doch die Erde drehte sich weiter.

Hier wird es ungemütlich, aber der so ein Weltuntergangs-Selbstmord-Plot bietet sich für ein Extraktionsabenteuer an. Die Held*innen müssen sich in einen Kult einschleichen, der Gehirnwäsche wiederstehen und den Sohn des Präsidenten da rausholen, bevor er zusammen mit den anderen Kultisten das Kool Aid trinkt. Dabei müssen die bewaffneten Wachen des Sektenführers ausgeschalten werden (und natürlich haben die Held*innen nicht ihre geliebte AK dabei).

 

So, das wars mit diesem Weltuntergang, bis zum nächsten Mal…

Karneval der Rollenspielblogs: This Is The End Of The World – Mutant Crawl Classic

Über dieses post-apokalyptische Rollenspiel bin ich dank eines Blogeintrags von Morten Greis gestoßen. Der hat dort nämlich einen Spielbericht gepostet, übrigens von seiner ersten reinen Online-Runde. Und natürlich hab ich es mir sofort besorgt (in mir schlummert ein Jäger und Sammler, wie es scheint…).

Das Setting spielt auf der Erde, Terra, nach der Katastrophe. Was die Katastrophe war… keine Ahnung (aber immer wieder ist von Radioaktivität die Rede und an einer Stelle wird erwähnt, dass der Mond gesplittert sei). Jedenfalls hat sie den Selektionsdruck erhöht und zu vielerlei Mutationen geführt (Darwins most fefer nightmares). Technologie ist wieder zu Magie geworden, das Klima ist heiß und Regenfälle prasseln Unwetterartig auf die Welt nieder.

Die Regeln des Spiels greifen auf Dungeon Crawl Classics zurück, bringen jedoch mit den verschiedenen Mutationen ein neues, interessantes Element ins Spiel. So können die Spieler*innen Chars erstellen, die zum Teil tierisch oder pflanzlich sind. Auch während des Spiels können Chars mutieren. Die Mutationen reichen von Pyrokinese über zusätzliche Körperteile (etwa Flügel) bis hin zu mentalen Mutationen, die etwa anderen Lebewesen die Lebenskraft entziehen können.

Auch KI und Cyborgs werden in einem eigenen Kapitel behandelt. Die sind im Rahmen des Settings Überreste vergangener Größe. Wo wir gerade bei den Altvorderen sind, ein Kapitel beschäftigt sich mit deren Hinterlassenschaften, den Artefakten. Cool ist die Box mit der Beschreibung von Technologie, ohne zu verraten das ein Handy ein Handy ist. Für die Alleweltsartefakte gibt’s auch eine Tabelle zum Auswürfeln, und in der Tabelle ist richtig schön Technobabbel drin. Daneben gibt’s auch Laserpistolen, Schockhandschuhe, Kraftfelder, kybernetische Implantate und Medipacs.

Das Bestiarium ist auch sehenswert:

CACTACEA REX (C-REX)

Cactacea Rex: Init +6; Atk bite +6 (6d6, target is swallowed
whole if damage greater than target’s hit point total); AC
17; HD 25d6; MV 60’; Act 2d20; SP takes 2x damage from
fire-based attacks, mutation checks +6 Carapace, Regeneration;
SV Fort +6, Ref +4, Will +3.

The Cactacea Rex is an apex predator that rules the hothouse
jungles of Terra A.D. This bright red 25’ tall carnivore evolved
from mutated cactus stock, and is unusual for plant-based
life in that it has forgone a photosynthetic-based metabolism
in favor of a carnivorous lifestyle. The C-Rex is bipedal and
speedy, and combined with its regenerative abilities, this
predator sits unchallenged at the top of the food chain.

Mutant Crawl Classic S. 189

Ein Kaktus-T-Rex! Hey wenn das mal nicht abgefahren ist! Piranha-Feldermäuse, Quantenkatzen, Riesen-Bärtierchen, alles was das Meisterherz begehrt.

Im Anhang ist eine Liste mit Büchern und Filmen zu dieser Art von Postapokalypse und natürlich ein Einsteigerabenteuer ASSAULT ON THE SKY-HIGH TOWER. Ein Klassischer Dungeon im futuristischen Design. Am Schluss haben die Helden die Möglichkeit, mit einem fliegenden Auto abzuhauen.

 

Fazit

Mutant Crawl Classic atmet den Geist der OSR. Das liegt an den Regeln, den Dungeons und daran, dass die Idee, so Autor James Ward, aus den 70gern stammte. Aber die Mischung stimmt und wer mal in einer Postapokalypse spielen will, dann ist das das ideale Rollenspiel.

Des Trolls Monsterhandbuch: Biwa Bokuboku – Belebte Instrumente

So, ich mach mich mal des Vergehens der kulturellen Aneignung Schuldig und klaue was aus dem Japansichen. Einen Yokai… eine belebte Biwa.

Biwa-bokuboku aus Toriyama Sekiens Hyakki Tsurezure Bukuro (百器徒然袋). Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Biwa-bokuboku#/media/Datei:SekienBiwa-bokuboku.jpg

Yokai sind der traditionellen Shinto-Religion nach… nein, falscher Ansatz. Im Shinto gibt es mächtige Wesen, Kami und Yokai. Wir im Westen übersetzen das meist falsch als Götter und Dämonen, was aber eigentlich falsch ist. Beide können Menschen gegenüber gut oder böse sein, Beide sind mächtiger und stärker als Menschen und haben Sonderfähigkeiten. Der Unterschied liegt in der Verehrung. Kami werden in Schreinen verehrt, Yokai nicht. Biwa Bokuboku sind also solche Wesen, die nicht in Schreinen verehrt werden. Sie sind sogar eine spezielle Unterkategorie, die Tsukumogami. Das sind Gegenstände, die sehr alt sind (Minimum 100 Jahre) und dadurch eine eigene Seele entwickelt haben. Bitte wiedersprecht mir hier, wenn ihr es besser wisst.

Eine Biwa ist eine spezielle japanische Laute, die mit einem übergroßen Plaque traditionell von blinden buddhistischen Mönchen gespielt wurde. Hier gibt’s ein tolles Video zur Geschichte dieses Instruments.

Ein Biwa Bokuboku ist also eine lebendig gewordene Biwa, der ein Körper mit beinen und Armen gewachsen ist. Je nachdem, ob und wie gut die Biwa bisher gepflegt wurde, ist der Yokai ein trauriger Geist, der sein Unglück bejammert und nachts die Bewohner des Hauses mit schaurigen Melodien weckt, ein lustiger Geselle oder der die ganze Nacht Party machen will. Manche nehmen Reißaus und werden Straßenmusiker.  Im Computerspiel Nioh taucht der Yokai als Instrument auf, dass den toten Körper eines Mönchs kontrolliert und Musik spielt.

Über diesen Yokai bin ich dank dieses Videos gestolpert. Ich find ihn Klasse. Ein Objekt, das zum Leben erwacht und dessen Charakter davon abhängt, wie amn früher mit ihm umgesprungen ist. Ein Instrument, das am liebsten nur Musik machen will, die ganze Nacht lang. Ein Geist, der dich selbst dann nicht aus dem Bann lässt, wenn du vor Erschöpfung tot umgefallen bist.

Dieser Yokai schreit nach einer rollenspielerischen Umsetzung, z.B. für Tharun.

 

Kinshis Laute

Vor vielen Jahren lebte hier am Hofe ein Musiker, Kinshi mit Namen. Der hatte eine Laute, die war so fein und kunstfertig gefertigt, wie sie es hier im Reich keine Zweite gibt. Man sagt, die Laute sei ein Geschenk des Tharun persönlich gewesen, da Kinshi ein so herausragender Musiker war und bei einem Besuch des Tharuns hier im Reich den höchsten Herrscher so schön unterhalten hatte. Die Laute aber war mächtig, sehr mächtig. Wer immer sie spielte, der konnte Glück in die Herzen seiner Zuhörer bringen. Oder Angst und Entsetzen ins Herz seiner Feinde ziehen lassen. Mit dem Geschenk des Tharuns wuchs auch Kinshis Stolz und Hochmut. Es ging dann soweit, das er einen Platz an der Tafel des Archipelars verlangte und sich das Essen von den Niedrigen Guarai auftragen ließ. Über dieses ungebührliche Verhalten geriet er mit einem Schwertmeister so in Streit, dass dieser ihn zum Zweikampf forderte.

So kam es, dass sich zur roten Stunde der Schwertmeister und Kinshi in einem Bambushain unweit des Palastes gegenüberstanden. Kinshin spielte die Laute, wie noch nie gespielt hatte und der Schwertmeister verlor den Verstand ob der Musik. Bevor der Schwertmeister mit einer beiden seiner Halbschwingen selbst entleibte, schleuderte er die andere mit solch Wucht auf den Lautenspieler, dass dieser, getroffen, Tod zu Boden sank. Kinshis Laute jedoch wird noch heute hier in der Schatzkammer des Palastes verwahrt. Man sagt, dass die Laute alle 8x8x8 Götterläufe sich die Laute in eine junge Frau verwandelt, die zum Ort des Duells wandelt und dort vor Gram über den Tod Kinshins weint. Wer sie tröstet, findet am nächsten Morgen die Laute in seinem Besitz.

Märchen aus Jü

Kinshis Laute im Spiel

Die Laute ist ein Runengefäß aus Tharun. In ihr wurde eine FÜHLEN-Rune eingebaut, an die man nur kommt, wenn man die wunderschöne, wertvolle Laute zerstören würde. Sie kann daher diese Rune im Runendreieck ersetzen. Was die Geschichte übrigens nicht erzählt ist, das Kinshi noch zwei weitere Runen besaß, eine HÖHREN-Rune und eine GEIST-Rune. Diese sind in den Besitz des Kaithan gelangt, der diese längst weitergegeben hat.

He-Man! Nostalgie! Fuckyea!

Bei meinen Recherchen zur Weltuntergangsmaschine bin ich über diese kleine, feine Seite gestolpert, die sich mit den He-Man Actionfiguren aus den 80gern beschäftigt. Zu jeder Figur gibts eine Hintergrundgeschichte, Produktionsdetails, Concept Art und vieles mehr. Ich hab seit ner halben Woche Nostalgie-Flashs.

Wenn ich mich so an meine Kindheit zurückerinnere, waren die Masters od the Universe da immer Present. Egal ob über Antenne (wir hatten das Glück und haben Tele5 terrestrisch empfangen. Mit einer miesen Qualität, aber immerhin), als Hörspiel (da hatten mein Bruder und ich zwei Kassetten) oder als Spielzeug (wir hatten He-Man, Skeletor und Lech, ein Kumpel aus dem Nachbardorf den ganzen Rest). Auch She-Ra haben wir geschaut. Der Neuauflage wollte ich schon immer mal anschauen, vielleicht wirds jetzt Zeit…

Karneval der Rollenspielblogs: This Is The End Of The World – Weltuntergangsmaschinen

Lasst uns doch mal über ein relativ junges Trope reden. Eines, dessen Entstehungsjahr wir  genau kennen und das wir Kinder der 80ger und 90ger gefühlt in jeder zweiten Zeichentrickserie gesehen haben: Weltuntergangsmaschinen. Riesige Apparate mit einer Laserkanone oder eine gigantische Bombe, die von verrückten Wissenschaftlern und bösen Genies dazu genutzt werden, Angst und Schrecken zu verbrieten und eine Million US-Dollar zu erpressen.

Das Trope geht zurück auf Kubricks Dr. Strangelove. In dem Film von 1964 ging es noch um eine Atombombe. Später erst wurde das zu der uns bekannten Laserkanone. Hintergrund des Films war ja die sogenannte Tote Hand, die Atom-Doktrin der Sowjets, die nach einem Angriff der Amerikaner einen Höllensturm über die Welt gebracht hätte. Für meine jüngeren Leser ist das kaum vorstellbar, aber der Atomare Weltuntergang war für uns Kinder der 80ger eine reale Möglichkeit, wie wir Menschen uns selbst auslöschen können. Und… wir waren ein paar Mal richtig nah dran! Da waren entsprechende Weltuntergangsmaschinen in Zeichentrick schon weit handsamer. Die hatten nämlich alle einen Selbstzerstörungsmechanismus und die Guten mussten nur die Schergen des Bösen überwinden, um dann die Maschine abzuschalten.

Eine meiner Lieblings- Weltuntergangsmaschinen stammt aus der Masters oft the Universe Hörspielreihe von Europa. In der Folge 16 (Nacht über Castle Greyskull) erhält Skelettor eine Tafel der Macht der alten Magier, Darauf ist der Bauplan einer Weltuntergangsmaschine, die Eternia in den Fluten versinken lassen wird, weil sie die Polkappen zum Schmelzen bringt. Die Maschine wird durch ein Modul des Grauens geschützt und kann, einmal aktiviert, nur von Mereman ausgeschaltet werden. Dumm nur, dass gerade jetzt der Gefolgsmann Skelettors rebelliert.

Auch im Fate Antagonistenhandbuch ist ein Setting drin, in dem eine Weltuntergansmaschine eine Rolle spielt. Ein pulpiges 80ger Jahre Settin, mit Anleihen an GI Joe. Nachzulesen auf Seite 68 -76. Hier ist es ein riesiger Laser, der von einer Mondbasis aus die Welt unter Beschuss nimmt. Die Mondbasis ist dabei auch ein Meme, das bis heute nachwirkt (z.B. bei diversen Verschwörungsmythen (Achtung, Affinity Link)).

Im Grunde ist auch der Todesstern eine riesige, mobile Weltuntergangsmaschine. Der Reaktorraum ist hier der Selbstzerstörungsknopf. Auch Spaceballs hat eine Art Todesstern.

So, ich geh jetzt He-Man anhören…

Karneval der Rollenspielblogs: This Is The End Of The World – Apocalypse und Tabletop

Auf Facebook bin ich über einen Tabletop-Spieler und Modellbauer gestolpert, dessen Skizze für ein postapokalyptisches Floß mich begeistert hat. Wir sind ins Gespräch gekommen und er hat mir ein paar Bilder seiner Modelle gezeigt, die unbedingt hier veröffentlicht werden müssen. Um dafür den geeigneten Rahmen zu setzen, hier ein Interview mit Tim Warnke:


Hallo Tim, wie geht es Dir? Wie läuft das Home Office [Tim ist, wie meine Wenigkeit, Lehrer]?

In Kooperation mit ein paar Kollegen betreue ich den Unterricht in drei Klassen mit learningapps.org. Da erstelle ich regelmäßig Übungen, die mit dem vor dem Shut-Down mitgegebenen Material korrespondieren. Ich bevorzuge learningapps, da es erstens wirklich auf jedem internetfähigem Gerät (ich arbeite an einer Brennpunktschule, an der man die oft fehlende Ausstattung für die aktuelle Situation bedenken muss), selbst auf einem Fernseher, läuft und man zweitens sehr genau sehen kann, wer wann was gemacht hat.

Stellst Du dich uns kurz mal vor?

Ich komme aus Berlin und arbeite jetzt schon einige Zeit an einer Grundschule. Ansonsten schreibe ich manchmal Kurzgeschichten und reise gerne.

Du hast auf FB geschrieben, dass Dein apokalyptisches Setting in Berlin spielt, das nie wiedervereinigt wurde. Alternative History scheint ja momentan gerade richtig angesagt zu sein. Amazon hat z.B. aktuell Tales fot he Loop (wie immer, Affinity Link) im Angebot, das den 70ger Jahre Stile mit Robotern mischt.

I am here to kick ass und chew bubblegum
(C) Tim Warnke

Deine Kaugummiautomaten erinnern mich an meine Kindheit auf dem Dorf in den 80gern und frühen 90gern.Als jemand, der den Mauerfall vom Fernseher seiner Eltern erlebt hat, interessiert mich Dein Setting sehr. Kannst Du uns mehr darüber erzählen? Bespielst Du das Setting auch? Mit welchen Regeln?

 

So neu ist die Idee ja nicht… Der Roman „Schmetterling und Hakenkreuz“ / „The man in the high castle“ machten das ja schon vor (und das wurde dann auch die Vorlage für Wolfenstein). Ganz allgemein siedle ich mein Setting bei Fallout an. Da es so gut wie keine konsistenten Informationen über die Welt außerhalb der USA gibt, ging ich vom plausibelsten Fall aus (und wurde dafür oft schon scharf kritisiert, da das nicht dem Kanon übereinstimme…):

Die USA und China benutzen deutsche Ausrüstung, es wird von Deutschland als Industrienation mit der Hauptstadt Bonn gesprochen, also ging ich vom ersten Indiz der Teilung aus. Da ein geteiltes Deutschland für mich mehr Atmosphäre des Kalten Krieges erzeugt und man so einen vielfältigeren Handlungsort schaffen kann, beließ ich es dann bei einer BRD und DDR, die natürlich im Sinne Fallouts auch in den 2050ern und 2060ern die Ölkrise und Ressourcenkriege und den darauf folgenden europäischen Krieg mitmachten, der in Berlin eher als Stellungskrieg mit kleineren Scharmützeln geführt wurde (ich stelle mir vor, dass eben im Sinne des Kalten Krieges eher Stellvertreterkonflikte weitab der eigentlichen Zentren stattfanden). Bunkerprojekte wie die Vaults gab es eher als ausgebaute U-Bahnhöfe. Beschrieben wird das Überleben von solchen U-Bahnbewohnern, die an die Oberfläche zurückkehren und ein verwildertes Berlin vorfinden. Die Sümpfe des Mittelalters kehrten zurück und ganze Bezirke wurden teils überschwemmt. Zurückgelassene chinesische Kampfroboter formten zusammen mit westdeutschen Robotern eine Art Befreiungsarmee aller Roboter… Es gibt eine Gemeinde der freien Berliner Bezirke und Raidergruppen, die sich an Jugendkulturgruppen der 50er-80er orientieren.

Den Mauerfall erlebte ich als Kind „live und vor Ort“. Im Spiel berücksichtige ich das als den Trost der Überlebenden, nun endlich vielleicht in einer vereinten Stadt leben zu können.

Gespielt wird das Ganze mit den Regeln von Fallout Wasteland Warfare.

In deine Modelle packst Du auch Kritik an den Aktuellen Zuständen ein. Die Klopapierrollen und die Nudelpackung in der Box finde ich genial. Wie verdammt hast Du die gemacht?

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Das war recht einfach. Ein angemalter Capri-Sonne-Strohhalm, um den schmales Malerkreppband gewickelt wurde… Die Nudelpackung hatte ich einfach im Textverarbeitungsprogramm als kleine Faltbox erstellt und dann geklebt.

Dein Meisterwerk, den Kampfroboter, den hab ich doch schon irgendwo gesehen… Das Schloss im Himmel, stimmts? Welche Medien (Filme / Bücher / Spiele / Serien) beeinflussen Dich?

Ja, der ist aus dem Laputa-Film. Das Modell fand ich in Koyasan, diesem Tempelberg mit dem uralten Friedhof, als da als Rucksacktourist übernachtete. Ich fand es recht absurd, an so einem Ort einen offiziellen Ghibli-Shop zu finden.

Ich lese gerne historische Science Fiction. Speziell für mein Setting  fand ich aber auch die Spiele Deponia und Machinarium als Ideenspender gut.

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Wie kamst Du auf die Idee, den Kampfroboter für dein Setting umzubauen? Im Original hat er ja keine Bombe auf dem Rücken und auch der rote Stern und die chinesischen Schriftzeichen sind ja Deine Idee (mein Mandarin ist ja grade noch so wie der Impfstoff gegen Corona – nicht da. Bedeuten die Zeichen was).

Er heißt „Der Rächer“, deshalb auch der kleine tote Roboter auf der Hand… Bei Fallout haben die Amerikaner einen riesigen Roboter gebaut, der mit Atombomben wirft. Die Chinesen bauten dann in meinem Setting ein Gegenstück, eben den „Rächer“. Ein Exemplar davon wurde auch in Ostberlin heimlich stationiert. Im Film Laputa ist er ja ein freundlicher Riese, der eigentlich als Kriegsmaschine gebaut wurde, hier ist es genauso. Menschen sind ihm allerdings egal, außer, sie können seine zerstörten Geschwister reparieren.

Details neben dem Stoppschild: Kleiderbügel und Schädel (C) Tim Warnke

Wenn ich mir das Stoppschild hier auf der Base anschaue und die Kleiderbügel und Schädel entdecke… Details sind Dir Augenscheinlich wichtig. Wie lange arbeitest Du an einem Modell wie, sagen wir mal, den Roboter oder der Kiste mit dem Klopapier?

Da müsste ich etwas ausholen. An meiner Schule betreue ich eine Schülerfirma, die Textildruck mit Plotter und Heizpresse betreibt. Bei der Arbeit merkte ich, dass solche Geräte auch für den Kartonmodellbau einsetzbar wären. Ich schaffte mir in der Folge selbst einen Plotter an, mit dem ich seit einigen Jahren Modelle erstelle (zum Beispiel der Ofen, die kleinen Roboter, die Kiste für das Klopapier, die Werbeschilder, der Mülleimer, die Strandkörbe, die Kleiderbügel, Funkstation, Kinderwagen, Kaugummiautomat usw.). Auch da ecke ich im Tabletopbereich manchmal an, da es scheinbar viele für das falsche Material halten (obwohl ich bewies, dass meine Pappkisten über zwei Kilo Druck aushalten und auch wasserfest sind) und es etwas verlachen. Naja, alle geplotteten Pappsachen muss ich vorher mit CAD erstellen, da es in dem Bereich außer mir fast niemanden zu geben scheint, der so arbeitet.

 Der Roboter hat ca. 6 Tage (2 Stunden am Tag) gebraucht, die Klopapierbox war an einem Tag fertig.

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Du arbeitest ja grade an einem Hausboot. Ist das auch wieder für Dein Berlin-Setting? Wann wird es auf der Spree fahren können?

Das Hausboot ist für einen Wettbewerb (Wastebuilding- Bastle nur mit Müll und Haushaltsobjekten) in der deutschen Fallout-Wasteland-Warfare-Gruppe bei FB, und er muss deshalb noch im April fertig werden.

Das Gefährt wird dann einem sonderbaren Fischer und seinem Leguan (habe ich schon mit Greenstuff modelliert) gehören, der wehmütig auf seinen Globus schaut („Berlin“ auf der einen Kugelhälfte, „Rest“ auf der anderen).

Vielen herzlichen Dank für das Interview und Deine Bilder, die ich hier auf dem Blog veröffentlichen durfte. Und für das Kopfkino, die die Bilder bei mir Ausgelöst haben. Ich hab jetzt so richtig Lust, in einem Setting mal ein Abenteuer zu spielen.

Danke

Wer mehr von Tim Warnke sehen will, der findet sicher tolle Bilder von im in der FB-Gruppe Tabletop Geländebau und der deutschen Fallout-Wasteland-Warfare-Gruppe.

Echsenkrieger häuten sich

Vor kurzem bin ich über dieses Meme bei 9gag gestoßen:

You see a lizard shedding. I see a little boi using a onesie of himself.

Von Funny · 2d You see a lizard shedding. I see a little boi using a onesie of himself. https://9gag.com/gag/a4RXyMp?ref=fb.s&fbclid=IwAR2pDptAvdFDIdN1RShprZ6X5Lgi8J1Jq-p9tz5FHZK–pfzSTyH9KBn7A8

 

Das hat bei mir richtig großes Kopfkino ausgelöst. Ja, wir war klar, das sich Reptilen häuten, ich hab ja auch schon öfter so ein Stück Schlangenhaut in den Fingern gehabt (ein Vorteil meines Berufes, ich kenn den Tierarzt des Straubinger Tiergartens und komme so öfters an Führungen hinter den Kulissen). Was ich aber nicht so richtig auf dem Schirm hatte ist, dass das ja auch für unsere Echsenwesen gelten muss.

Das hat aber wahnsinnig viel Rollenspielerisches Potential: z.B. könnten Held*innen ja so eine alte Echsenhaut klauen, um getarnt in eine Echsenstadt einzudringen (und werden ständig von anderen Echsen angequatscht, wei die einen für Earl die Echse halten. „Mann, Earl, warssst Du gessstern wieder besssssoffen! Weisss deine Frau dasss sssschon mit der Praktiantin?“ Held*in, die nur rudimentär echsisch spricht „Deine Mutter isssst fett.“).

Die Haut könnte auch eine Art temporärer Rüstungsschutz sein. Solange sich das Echsenwesen häutet, bekommt es + Rüstungsschutz. Auch die Held*innen könnten sich temporär einen Rüstungsschutz schaffen, wenn sie sich in die Haut wickeln.

Jemand schrieb auf FB, das dies wie ein Pyjama aussehe. Interessante Idee. Spinnt man die weiter, könnte eine Spezialfertigkeit der Echsenwesen sein, dass sie aus der Haut fahren können, um z.B bei einem Angriff auf ihr Nachtlager schneller einsatzbereit zu sein. Auch so was wie eine Hautpuppe als Ablenkungsmanöver wäre denkbar.

Oder wird von einem menschlichen Echsenkult als Kultobjekt gesehen und die Held*innen müssen für den Kult so was besorgen / diese Zerstören (bei letzterem wäre der Schrecken groß, wenn dann bald darauf der Kult eine noch viel größere Haut besitzt…

 

Ich geh jetzt jedenfalls ne Runde Kopfkino schauen und überleg, wie ich das in ein Abenteuer einbaue…