Rezension und Karneval der Rollenspielblogs: Halt, Polizei! – GURPS Cops

Es gibt Quellenbücher, die sind Referenzwerke. Über Systeme und Jahrzehnte hinweg. Immer, wenn man ein Abenteuer in diesem Szenario plant, wandert man zu seinem Rollenspielbücherschrank (oder die PDF-Sammlung), kramt das Büchlein heraus, schmökert ne Stunde darin und hat dann hundert neue Ideen, Plothooks und Hausregeln im Kopf, die helfen, das Abenteuer zu nem tollen Erlebnis zu machen.

Wie entsteht so ein Referenz-Quellbuch? Am besten, in dem man in das Team jemanden einbringt, der wirklich eine Ahnung von der Materie hat. Im Beispiel von GURPS Cops, das so ein Referenz-Quellbuch ist und 2001, also vor 19 Jahren erschien, ist das Lisa J- Steel, eine Game-Designerin und vor allem eine Strafverteidigerin aus Massachusetts. Zudem werden in den Danksagungen mehrere Cops und Polizeiinstitutionen genannt. Dieses geballte Wissen um das Thema Polizei merkt man dem Buch an, vor allem wenn es um die Beschreibung der Organisation Polizei geht. Der Fokus des Quellenbandes liegt natürlich auf den USA, aber die werden mit Polizeien aus aller Welt (Japan, Großbritannien, Frankreich usw.) verglichen.

Doch nun von vorne: Auf den ersten zwei Seiten wird erklärt, was denn eigentlich der Job einer Polizei ist: Patrollieren, Verbrechen aufklären, öffentliche Ordnung aufrechterhalten (z.B. bei Demonstrationen, Fußballspielen usw.) und öffentliche Sicherheit gewährleisten (ganz profan: Verkehrsregelung bei einem Unfall). Danach nimmt und der Quellenband mit auf eine Reise durch die Polizeigeschichte und präsentiert dabei auch typische (reale) Vertreter des Gesetzes jener Epoche und verschiedener Polizeiorganisationen in verschiedenen Ländern. Allein dieses Kapitel macht das Quellenbuch lesenswert und gibt einen guten Einblick, wie Polizeiarbeit funktioniert und welche Folgen das für den einzelnen Cop haben kann (Joseph Pistone z.B. musste nach seinem Undercovereinsatz gegen die New Yorker Mafia mit seiner ganzen Familie ins Zeugenschutzprogramm, da auf seinen Kopf eine Belohnung von einer halben Million Dollar ausgesetzt wurde, ein schlechter Witz dazu sind seine 250 $ Aufwandsentschädigung für den Einsatz).

Das Nächste Kapitel „The Station House“, ist sehr umfangrangreich. Es beleuchtet jeden Aspekt des Polizeialltags, etwa den Aufbau einer Polizeiorganisation, die Konsequenzen des Schusswaffeneinsatzes (interessant auch die Unterscheidung zwischen einer kinematischen Kampagne (alla Lethal Weapon und Beverly Hills Cop) und einer realistischen Kampagne (bei dem die Held*innen tatsächlich Teil einer Polizei sind und dadurch in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt werden (und für ihre Handlungen auch zur Rechenschaft gezogen werden. Als Ideengeber dafür empfehle ich die Folgen zum Thema Bestrafung und Belohnung von Nerd ist ihr Hobby und Audit the Audit). Auch wenn das Buch schon 19 Jahre alt ist, die Texte zum Einsatz tödlicher Gewalt durch Polizisten und zu Minderheiten (besonders Afroamerikaner) in den Einheiten sind nach wie vor hochaktuell.

Das dritte Kapitel dreht sich voll und ganz um die Main-Charaktere einer Polizeikampagne: Die Cops. Verschiedene Arten von Cops werden vorgestellt, ebenso die jeweilige Ausrüstung, Vorteile und Nachteile. Im nachfolgenden Kapitel wird auf die Gegenseite geschaut und diverse Verbrechen und Verbrecher dargestellt. Ich habe diesen Artikel hier zu dem Zeitpunkt geschrieben, als in Portland unidentifizierbare Polizeieinheiten Protestierende verhaften haben. Einige befürchteten, das D. Trump das Kriegsrecht (Martial Law) ausrufen wird. In einem Infokasten wird Kriegsrecht und Kriegsgerichtsbarkeit erklärt.

Auch Kapitel 5 und 6 gehören zusammen. Hier geht es um die Ermittlungen in einem Kriminalfall und die Verurteilung und Bestrafung der Kriminellen. Ein interessanter Einblick ins amerikanisches Justizsystem ist vor allem letzteres Kapitel. Im Anhand ist eine riesengroße Bibliografie mit diversen Medien zum Thema Polizeiarbeit und eine Checkliste zum Erstellen einer eigenen Polizeiorganisation.

Wie gesagt, das ist ein Referenz-Quellenbuch, auch wenn die zunehmende Militarisierung der Polizei (vor allem in den Staaten) so nicht vorhergesehen wurde. Für eine Rollenspiel-Kampagne ist dieses Buch ein absolutes Muss, für an der Polizeiarbeit interessierte ein interessanter Einblick hinter die Kulissen.

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