Archiv für den Monat September 2020

Rezension und Karneval der Rollenspielblogs: Halt, Polizei! – Die USPIS oder: Wenn dich der Postmann verhaftet

Bad boys, bad boys
Whatcha gonna do, whatcha gonna do
When they come for you(Refrain Bad Boys von Inner Circle)

Am 20.08.2020 wurde Steve Bannon auf seiner Jacht Lady Marry wegen dem Verdacht des Betrugs verhaftet. Er soll Geld einer Crowdfunding-Kampagne, die Trumps Mauer finanzieren sollte, für eigene Zwecke missbraucht haben. Steve Bannon, für alle, die ihn nicht kennen, ist so was wie der feuchte Traum der Rechten, ein ehemaliger Berater Trumps, eine Heilsfigur der internationalen Nationalisten.

Der Witz: Verhaftet hat in die Post.

Ja genau, die Post, besser gesagt, die United States Postal Inspection Service. Das ist eine 1.200 Inspektor*innen stake Polizeitruppe, die sich mit allen Verbrechen beschäftigt, bei denen irgendwie der Postverkehr mit beteiligt ist. Hauptsitz ist in Washington DC. Die haben sogar ein eigenes Kriminallabor in Virginia. Nebenbei, die Post-Polizei ist die älteste Polizeieinheit der USA, offizell wurde sie am 7. August 1775 gegründet, als der erste Postmaster General (ja, der Job, der gerade von einem Trump-Loyalisten besetzt ist, dessen Aufgabe es ist, die Briefwahl im November zu sabotieren) Benjamin Franklin seinem Postal Surveyor William Goddard 170.000 $ zur verfügung stellte, um die Post zu organisieren und zu schützen. Inoffiziell gabs die Inspektoren (ich nutz hier die männliche Form, weil es damals keine Frauen in der Agentur gab) wohl schon drei Jahre länger, damit wäre diese Polizeieinheit sogar älter als die USA selbst.

Nochmal in aller Ruhe, um den Wahnsinn der Geschichte (aus Sicht eines Deutschen, in dessen Land es sehr wenig verschiedene Polizeibehörden und Geheimdienste gibt) noch mal zu erfassen: Da wird jemand verhaftet. Wegen Betrugs. Ein Bundesvergehen. Nicht vom FBI sondern von den Polizeikräften der Post (aus ihrem Werbevideo stammt folgende Aussage: “They say, ‘Oh, you’re a lot like the FBI.’ And I like to tell them, ‘No, the FBI is a lot like us,’”). Und die Post-Polizei gibt’s schon seit Gründung der USA!

Was heißt jetzt das fürs Rollenspiel?

  1. In einem Western-Settig können die Spieler*innen Inspektor*innen des USPIS spielen, die Postkutschenräubern nachstellen sollen. Ja, das war deren Aufgabenbereich!
  2. Wenn die Spieler*innen eine Postkutsche überfallen, oder, in einem Cyberpunksetting, eine Webside hacken, dann stehen plötzlich Postboten-Polizisten vor der Tür.
  3. Kein Beruf ist so trivial, dass es nicht eine eigene Polizeibehörde geben könnte. Spontan fallen mir die
    1. Alchimistenpolizei, die die ordnugsgemäße Herstellung und Anwendung von alchemistischen Mitteln überwacht,
    2. Die Bäckerpolizei (BP), die betrügerische Backwarenproduzenten hochnimmt und verhindert, dass steinhartes Zwergenbrot in den Umlauf gebracht wird, ein.
  4. Das schreit nach einer Tabelle mit verschiedenen Berufen und Aufgabenbereichen, bei dem man sich eine witzige Polizeitruppe für seine Kampagne auswürfelt!

Karneval der Rollenspielblogs: Halt, Polizei!

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Ab dem 26 Mai 2020 rückte die Polizei in den Fokus der öffentliche Diskussion. Tags zuvor drückte ein Polizist in Minneapolis einem Afroamerikaner, der beschuldigt wurde, mit einem falschen Geldschein zu zahlen, sein Knie so lande in den Nacken, bis der da bereits am Boden liegende Beschuldigte starb. IMHO nach deutschem Recht mindestesn Totschlag, Der kniehende Polizist wird des Mordes dritten Grades angeklagt. Wochenlang wurden die USA von Black-Lives-Matters Proteste erschüttert, die auch in alle Herren Länder der Welt überschwappten. Auch in Berlin und München gingen junge POC auf die Straße und protestierten gegen Racial Profiling (das es laut unserem Innenminister in der Polizei nicht gibt) und Polizeigewallt. Gleichzeitig erschütterte in Hessen ein Polizeiskandal die Politik: Von Polizeidatenbanken wurden Daten abgefragt, die benutzt wurde, um Drohbriefe an Politiker und Anwälte zu schreiben, die sich gegen Faschisten aussprechen.

Und was hat das mit unserem Hobby zu tun?

Die Kontroverse um Polizei schwappte auch ins Rollenspiel rüber, denn schon bald stand der Abenteuerpfad Agents of Edgewatch für Pathfinder 2e in der Kritik. Hier schlüpfen die Spieler*innen in die Rolle von Polizisten und nach den Unruhen und den unidentifizierbaren Polizeieinheiten auf den Straßen von Portland wollten viele dies nicht spielen. Auch dass die Figuren in einer, sagen wir mal, ungünstigen Körperhaltung zeigten, half jetzt nicht unbedingt.

Warum dieser Karneval?

Lasst uns über die Polizei im Rollenspiel reden. Egal ob als Stadtwache, Büttel, oder Lone-Star Cop: Polizisten begegnen uns Rollenspieler*innen oft als NPCs. Welche Fantasy-Polizeieinheiten kennt ihr? Mit wem hattet ihr schon zu tun und wie habt ihr die NPC-Cops erlebt?

Die Polizei bietet auch für Held*innen ein interessantes Betätigungsfeld. Als Teil der Polizeikräfte sorgen Held*innen dafür, dass Diebe, Mörder und Mafiabosse hinter Gittern landen und die Straßen sicherer sind. Aber sie müssen sich auch Unruhen stellen und entscheiden, wie sie gegen Protestierende vorgehen wollen. Welche Polizeikampagnen kennt ihr, was habt ihr schon gespielt? Wie muss eine interessante Polizeikampagne aussehen? Schreibt ein Polizeiabenteuer!

Und dann gibt es da auch noch die Rollenspielpolizei: Rollenspieler, die, wenn wir ehrlich sind, toxisches Gate Keeping betreiben und das Wahre Rollenspiel ™ gegen Einflüsse von innen und  außen verteidigen wollen. Die anderen vorschreiben, wie man richtig spielen soll. Die Regeln immer buchstabengetreu auslegen. Hattet ihr schon einen Zusammenstoß mit der Rollenspielpolizei? Einen Strafzettel erhalten für Spaß am Spiel und Hausregeln? Schreibt darüber!

Schreibt, vlogt, podkastet zum Thema und lasst es mich hier wissen!

 

Update 01.09.2020,12:41 Uhr: Hasran von d6idears hat mich gerade hingewiesen, dass im Fall G. Floyd von „verstorben“ zu sprechen, eine Untertreibung sei. Ich geb ihn recht und hab die entsprechende Stelle erweitert.

Update 01.09.2020, 16:25 Uhr: blut_und_glas hat mich gefragt, warum die aktuellen Ereignisse um Minsk, Berlin und Kenosha nicht erwähnt werden. Die Antwort ist einfach: mich hat die Realität überholt. der Artikel stammt vom… moment… 30.07.2020. Zuminidest im Fall Kenosha (Polizeieinsatz, bei dem Jacob Blake durch Schüsse eines Polizisten aus nächster Nähe in den Rücken, Proteste gegen Polizeigewalt, 17 jähriger ermordet zwei Protestierende, verletzt einen schwer und wird von der Polizei erst später zuhause, in einem anderen Staat, verhaftet, obwohl er auf sie zuging) ändert sich die Ausgangssituation, die ich im Artikel geschrieben habe, nicht. Minsk und Berlin werfen die Frage auf, ob und wann sich Polizisten mit Demonstranten solidarisieren dürfen. Nebenbei: Danke an die drei vom Bundestag!