Orkmonat August: Rezension – Das Volk des Roten Mondes von Raika Demirci

Erstmal ein fettes Danke an Nuntiovolno, die mich auf dieses Fanwerk aufmerksam gemacht haben. Und da grade Orkmonat ist, passt es so wunderbar hier rein, da musste ich es mir gleich kaufen. Ja, kaufen. Ist zwar Pay What You Want aber ich bin, das kann ich vorwegnehmen, der Meinung, dass man dafür locker ein paar Öcken ausgeben kann.

Nun zum Werk: Das ist kein Generationsband! Hier finden sich keine Regeln wieder, wie Orks nach DSA5 erstellt werden können. Das ist ein reiner Fluffband, der den aventurischen Orks einen etwas anderen Kontext gibt und Orkinnen aufwertet. Das sagt auch die Autorin in ihrem Vorwort so, wobei sie da grundsätzlich weiter geht und die aventurischen Orks (nach offiziellen Regeln) als Unspielbar ansieht:

Dass die Leute bei „Reich des Roten Mondes“ aber so hocherfreut aufschrien, dass die Orks endlich eine Kultur bekämen, hat mich doch herzlich verwundert. Effektiv haben die vorher gut als Monster funktionierenden Kreaturen schlichtweg nur einen mehr oder weniger guten Grund für ihren Krieg erhalten; aber eine Kultur, in die man empathisch eintauchen kann, sind sie nicht. Wenn doch, würde ich mir Sorgen machen.[…]

Das hat natürlich eine Menge Überarbeitung von mir gefordert, an die ich mich aber ohnehin setzen wollte, seit ich „Reich des Roten Mondes“ gelesen habe. Beginnend bei der Geschichte der Orks, ist mir doch glatt die Kinnlade runtergefallen, weil Orks so, wie sie leben, bereits mehrfach hätten aussterben müssen. Jungs werden als Kleinkinder ihren Müttern entrissen und müssen fortan alleine klarkommen, ohne erwachsene Hilfe, und wer erwachsen wird, hat sich das auch erkämpft? Nun gut, aber so wird halt niemand erwachsen. Sämtliche Stämme werden durch Kriege und Seuchen regelmäßigen an den Rand der Ausrottung getrieben, aber irgendwie schaffen sie es dann doch noch zu überleben und sind fünfzig Jahre später für den nächsten Krieg bereit? Nein, das hat mir nicht gefallen.

Die Spielhilfe liest sich sicherlich so, dass ich mich lediglich darum bemüht habe, orkische Frauen spielbar zu machen. Das stimmt aber nicht. Ich habe mich darum bemüht, Orks allgemein spielbare und sie zu einem Volk zu machen, das sich vor den Menschen auch mal rechtfertigen kann, ohne als blutrünstige, marodierende Bestien dargestellt werden zu müssen. Unser Kanon fokussiert sich besonders auf die (hoch)elfische und orkische Geschichte, kombiniert mit der G7-Kampagne, und die Streitigkeiten zwischen Ork und Mensch sind nicht einfach dahin; es ist nicht alles Friede, Freu[1]de, Eierkuchen. Aber es ist durchaus so, dass man vielleicht einmal kurz innehalten und nachdenken könnte, ob das so gut ist, wenn eine Bande menschlicher Räuber über eine Gruppe orkischer Jäger herfällt, allein deshalb, weil sie Orks sind.

Quelle: Das Volk des Roten Mondes S. 2

Als nächstes folgt eine Übersicht über die einzelnen (Halb)Orkspezies. Ganz großer Bonus des Bandes ist, dass es die Holberker als Halbork-Spezies drin hat (ganz Böse auf Ulisses blick, die ihre offizelle Speilhilfe bis dato immer noch nicht aktualisiert haben). Die Spezies werden dabei ohne Regeln (ist ja kein Generationsband) sondern mit Flufftext vorgestellt. Größe, Fellfarbe, Tragzeit, Körperbau… so Zeug hat.

Dann kommt die Lebensweise. Hier gibt es eine Idee, die mir sehr gut gefällt! Unter der Hierarchieebene der Kaste wird eine neue Gruppe eingeführt, das Vertrauensbündnis, treffender noch als Freundeskreis beschrieben. Darin schließen sich 3 bis 5 Orks, meist aus einer Kaste, manchmal kastenübergreifend, zusammen, die einander sympathisch sind. Um aufs Vorwort der Autorin zurückzugreifen: genau so was mach eine Kultur lebensfähig. Beim Führungsduo im Harordak gibt es auch eine neuerung, hier werden explizit Schamaninnen genannt. Eine andere, charmante Idee ist die Kaste der Markawach, benannt nach einer Göttin (zu der wir gleich kommen werden), einer Kaste der magisch begabten, aber noch nicht zu Schaman*innen ausgebildeten Orks. Änderungen zum humaneren Ork gibt es auch in der Sklavernkaste und bei den Kindern, so dass die Sterblichkeit vor allem bei Letzteren deutlich minimiert sein dürfte.

Die Kinder der Orks sind keiner Kaste zugeordnet und gelten weder als Frei noch als Unfrei. Als Kinder gelten sie höchstens, bis sie ihren fünfzehnten Sommer erreicht haben. Jedes Kind gehört seiner Mutter, auch wenn diese eine Sklavin ist und eigentlich keinen Besitz beanspruchen darf. Das Konzept der leiblichen Vaterschaft ist den Orks nicht unbekannt, aber man steht ihm eher gleichgültig gegenüber. Die Mütter werden sich entweder darum bemühen, dass ihr Kind in dieselbe Kaste kommt wie sie selbst, oder aber, in Fällen einer wenig angesehenen Mutter, dass das Kind in eine höhere Kaste aufsteigt. Im Alter von fünf Jahren wachsen den Kindern ihre Milchhauer. Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden sie von ihrer Mutter entwöhnt und erhalten einen Rufnamen. Zuvor werden sie lediglich nach Verhalten oder Aussehen bezeichnet, sodass dabei Titel wie Wildfang oder Eisauge entstehen. Diese Beschreibungen schlagen sich oft auch in ihrem späteren Titel oder Rufnamen nieder. Die Kinder erben keinen Besitz. Sollte ihre Mutter sterben, bevor sie einer Kaste zugeordnet werden, gelangt deren Hab und Gut, genau wie die Kinder selbst, in den Besitz der Schamanin. Die Schamanin teilt solche Kinder einer neuen Ziehmutter zu, die für den Aufwand den Besitz der Mutter erhält. Allgemein ist es die Aufgabe der Schamanin, alle Kinder im Alltag zu beobachten und einzuschätzen. Im Alter von spätestens fünfzehn Sommern wird die Schamanin die Kinder einer Kaste zuordnen. Die Zuordnung stützt sich auf die Fähigkeiten und Persönlichkeit, die die Kinder im Alltag zeigen.

Quelle: Das Volk des Roten Mondes S. 10

Mit der Gewissheit, dass der Herr der rakshazarischen Historica, der geniale Tobias Reimann jetzt im Dreieck springt: Die Autorin hat im nächsten Kapitel eine neue Göttin eingeführt, die verdammt nach Mada klingt.

Maka ist die Göttin der Magie, des Lichts und des Lebens. Sie mag eine Mutter sein, ist aber nicht sanft und fürsorglich, sondern streng. Niemand ist weitsichtiger und weiser als Maka, sodass sie an Takhairrachs Seite über die erste Welt Tarrakvash herrschte und über die dritte Welt Makavash herrschen wird. Als Häuptling und Schamanin machten Takhairrach und Maka von der Macht des jeweils anderen Gebrauch, sodass das orkische Volk unter ihrer Herrschaft zur Hochkultur er[1]blühte. Makas Sohn intigrierte jedoch gegen die beiden und sorgte damit dafür, dass Maka sich selbst an den Himmel bannte, wo sie in Form des Mondes über die Orks wacht. Ein Teil ihrer Macht rieselt auf die Erde und setzt sich in den Sterblichen fest, in denen sie sich als Mondmacht, die Magie, manifestiert. Makas Kinder, Fekorr […]

Quelle: Das Volk des Roten Mondes S. 10

Trotzdem, der Kniff mit dem weiblichen Zwilling zum Totengott Takhairrach ist zielführend, wenn es darum geht, die Stellung der Orkfrau innerhalb der Orks etwas aufzubessern. Ach Fekorr ist neu im Orkpantheon, wobei er hier eine eher verachtete, feige Gottheit darstellt, der gute Phex.

Wo es Eingriffe in die Götterwelt gibt, muss es sie auch in der Mythologie geben. Sie sind in desem Kapitel stimmungsvoll niedergeschrieben.

Fazit

Ich finde die Spielhilfe sinnvoll für alle, die mal weg vom aventurischen Klischee-Ork hin zu einer weichen gezeichneten Variante gehen wollen. Die Idee mit der Magiedilettanten-Kaste und den Freundschaftsbund fand ich erfrischend. Kleinigkeiten, die aber wichtig sind, wenn man vom Ork-Monster hin zur Ork-Held*in will.

2 Gedanken zu „Orkmonat August: Rezension – Das Volk des Roten Mondes von Raika Demirci

  1. Pingback: Rezension von „Das Volk des Roten Mondes“ bei Dnalor – Nuntiovolo.de

  2. Raika Demirci

    Hallo!
    Leider habe ich den Beitrag eben erst gefunden. Ich danke dir sehr für diese Rezension! Ich freue mich, dass vor allem die Änderungsvorschläge für das Kastensystem gut ankommen.
    Die Umschreibung einer weicher gezeichneten Variante der Orks ist auf jeden Fall ziemlich treffend, denke ich.

    Die Einführung von Mada und Phex ins Pantheon war sicherlich ein großer Eingriff, kam aber tatsächlich nicht von irgendwo her. In einem Monolog des Aikar Brazoragh (Reich des roten Mondes, Seite 172) erwähnt er genau die beiden Gottheiten und Mada sogar als Schwester des Tairach.

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