Archiv der Kategorie: Myranor

Karneval der Rollenspielblogs: Essen – Guten Hunger!

Zur Kultur eines Volkes, egal ob real oder Fantasy, gehört das Essen dazu. Und zum Thema Essen gehören auch die Speiserestriktionen.

Speiserestiktionen sind kulturell, religiös oder durch Erfahrungen eines Individuums (Jared Diamond stellt in seinem Buch Kollaps eine These auf, die Begründen soll, warum in den Wikingersiedlungen in Grönland kaum Fischreste gefunden wurden. Seiner Meinung nach soll sich einer der ersten Siedler eine ordentliche Fischvergiftung eingefangen haben. Danach galt all der Fisch, der die Einwohner vor dem Untergang hätte bewahren können, als nicht genießbar) begründete Einschränkungen der Nahrungsmittelparlette. Die bekanntesten Realwelt-Speiserestiktionen sind die Vorschriften des Judentums und des Islams, sowie natürlich die des Hinduismus. Speisevorschriften können sich auch im Laufe der Zeit ändern. Dazu möchte ich auf meinen Schwesterblog verweisen. Dort geht Leander Kirschenfledermaus der Frage nach, warum wir Christen eigentlich Schweinshaxe essen dürfen, obwohl genau das in Moses 4, 4-8 verboten wurde.

Kommen wir zur Fantasy.

Die bekanntesten Speiserestiktonen im Rollenspiel gibts in DSA. Dort gibt es, auf dem Kontinent Aventurien in der Wüste Khom das Völklein der Novadis. In den 80gern wurden die als Karikatur der Muslime angedacht. Da wollte man auch die Speiserestiktionen der Muslime und Juden auf die Schippe nehmen. Raus kam dabei diese 10 der 99 Gebote.

  • 14. Der Gottgefällige speist nichts, was mehr als sechs Beine hat.
  • 15. Der Gottgefällige speist nichts, was vier, fünf oder sechs Beine und auch Flügel hat.
  • 16. Der Gottgefällige speist nichts, was lange Ohren und eine Schuppenhaut trägt und was im Wasser lebt.
  • 17. Der Gottgefällige speist keine Nebelkrähe und keine Sandkrähe, auch die Rohrdommel nicht, den Lämmer- und den Bartgeier, die Fledermaus und den Sturzpelikan.
  • 18. Der Gottgefällige speist keine gefiederten Wesen, die gespaltene Hufe haben.
  • 19. Der Gottgefällige speist nicht vom eigenen PferdKamel oder Maultier und nicht vom Pferd oder anderen Reittier des Freundes oder Vaters.
  • 20. Der Gottgefällige speist nicht vom Maulwurf, auch nicht von der gelbpelzigen Art, die im Khoramgebirge haust.
  • 24. Der Gottgefällige speist nicht vom Geschirr, das von Ungläubigen berührt wurde.

Quelle: Wiki Aventurica

Die Muslime warne übrigens nicht die einzigen, die ihren Niederschlag in DSA gefunden haben. Die Anhänger des Gottes Praios erinnern sehr stark an die Christen, vor allem an uns Katholiken.

Der Gott Efferd verlangt in DSA übrigens auch Einschränkungen von seinen Gläubigen. Sie dürfen nichts essen, was über offener Flamme gebraten wurde… in Festum kann man darum Sushi kaufen. Auch bei der Göttin Tsa gibt es da Sekten, die strengen Veganismius praktizieren.

Früher vertraten die Väter des DSA noch eine ziemlich… enge Vorstellung vom Rollenspiel. Da gab es ja mal das nette, kleine Heftchen „Vom Leben in Aventurien“.Ein schreckliches Produkt seiner Zeit, aber das Gesetz, bevor wir durch das Internet auf die vielen anderen Arten und Interpretationen von Rollenspiel aufmerksam wurden. Ich glaube, es war in dem Büchlein, da gab es eine Passage, die von einer fiktiven Spielrunde berichtete, in der eine Hexen-Spielerin ihren Realwelt-Vegetarismus auch in ihrer Spielfigur ausleben wollte. Die Held*innen sollten, als Belohnung für ihre Queste, an einer herzoglichen Jagd teilnehmen. Die Hexe erklärte dem Herzog, dass sie das töten von Tieren doof fände und dem Meister wurde von den Vätern des Spieles erklärt, wie er den Willen der Spielerin mit ein paar lapidaren aussagen übergehen konnte, denn der Meister, ja der Meister, der hat immer Recht. Da wurde mal tatsächlich eine Speiserestiktion, noch dazu eine, die von einer Spielerin kam und in deren Konzeption ihres Charakters wohl super gepasst hätte und zudem noch die Bühne für gutes Rollenspiel bereitet hätte, einfach mal ausgeschlagen. Schade.

Nahrungsrestriktionen gibt es auch in Myranor. In dem Ableger des DSA tummeln sich zahlreiche felide, also (groß)katzenartige, humanoide Rassen. Egal ob Aumir, Leonir oder Tigrir, alle diese Rassen speisen nur eines… Fleisch. Hauptsächlich Fleisch. vielleicht etwas Katzengras zwischendurch, aber vor allem Fleisch. Diese kleine Information bietet natürlich riesiges Potential für Rollenspiel. Ihr kennt doch sicher noch Madagaskar, den ersten Teil, der tatsächlich dann auch auf der Insel spielt. Da leidet doch Marti nach einiger Zeit unter Fleischhunger, der dann seinem Freund ein paar Zähne im Hinterteil einbringt. Und das ganze bitte jetzt in Myranor: Die Leonir befindet sich zwecks Abenteuer in einer strikt veganen Domäne, Früchte, Bohnen und Gemüse haben zu heftigen Bauchschmerzen und Durchfall geführt und jetzt braucht die gute Dame Fleisch. Langsam verwandeln sich ihre Gefährt*innen vor ihrem inneren Auge zu Schnitzel. Wohlschmeckenden Schnitzel. Leckeren Schnitzel….

Speiserestriktionen können also ein interessantes Element im Rollenspiel sein. Wenn ich sie Nutzen will, sollten sie auch einen zentralen Konflikt im Spiel darstellen. Diesen Konflikt zu lösen, das ist dann mit Sicherheit ein befriedigendes, lange sättigendes Erlebnis, für Spieler*innen und Meister*innen.

Karneval der Rollenspielblogs: Fluggeräte und Piloten

Ich wollte mal an dieser Stelle einen zwischenbericht senden, was so aus der Idee vom Luftmagier, der einen verlassenen Flugplatz wiedereröffnet, geworden. Ich will das ganze für Myranor ausarbeiten, weil es da eben einen verlassenen Flugplatz gib. Leider bin ich noch nicht so weit, wie ich sein wollte, dar Real-Life spielt mal wieder nicht mit. Trotzdem. Auftraggeberin und Antagonist stehen schon mal:

Schon seit ihrer Kindheit ist ihre Exzellenz, Adepta major Astralis ter Quoran von Vögeln, Insekten und Luftschiffen, eigentlich von allem, was irgendwie fliegen kann, begeistert. Vor allem die arkanomechanischen Fluggeräte haben es ihr angetan. Von der Decke ihres Zimmers in der Cammer von Trivina hängen die Modelle berühmter Luftschiffe, die sie selbst gebastelt hat. Vor vier Jahren hat sie von einer Bekannten, einer Zenturio ihres Hauses, Aufzeichnungen aus dem Jahr xxxx erhalten. Darin wird von einem großen Flugfeld in Lærvik auf Utland berichtet, von dem aus vor xxxx Jahren jagt auf die Piraten Kyrbluthavens gemacht wurde. Bei ihren Nachforschungen fand Adepta Astralis heraus, dass der Flughafen mittlerweile verfallen ist und dort nun die Insektokopter der einst glorreichen Piratenjäger vor sich hingammeln. Erst vor kurzem konnte sie ihren alten Lehrmeister bequatschen, ihr Geld, Schiff, Mannschaft und Ausrüstung zur Verfügung zu stellen, um die am wenigsten beschädigten Fluggeräte zu bergen (so der eigentliche Auftrag, immerhin ist so eine Insektokopter gut 1000 Aureal wert). Ihr eigentliches Ziel, dass sie hinter dem Rücken ihrer Kammer verfolgt, ist es aber, die Fluggeräte zu renovieren und den Flugplatz zu wiedereröffnen. […]

Heidrir Einrirsson, der Seekönig von Kyrbluthaven, ist, gelinde gesagt, entsetzt, das jemand den alten Flugplatz wiedereröffnen will. Skalden haben ihn davon informiert, Skalden sangen auch Lieder von tapferen Kapitänen, die von Insektokoptern gejagt wurde, deren Schiffe versenkt wurden oder durch Beschuss ihr Leben ließen. Für Heidrir Einrirsson ist klar: Die aktivitäten auf dem Flugplatz kommen einer Kriegserklärung gleich. Schon sammelt er eine Kriegsflotte um sich, um im Frühling einen Kriegszug gegen den Flugplatz zu führen. Vorher schickt er aber einen Boten los, der dem Flugplatz (und der Stadt Lærvik) ordentlich den Krieg erklärt. Da es schon Spätherbst und das Meer nur noch kurz befahrbar ist, weiß er, dass die Stadt auch keine Verstärkung durch den Horas erhalten wird, zumindest keine Verstärkung, die rechtzeitig ankommen wird.

Als Finale habe ich mir einen Luft/Seekampf vorgestellt, bei dem dei Helden mit wieder flott gemachen Insektokoptern auf Piratenjagt gehen. EPIC halt 🙂

Memoria Myrana 53 ist draußen!

Die MM53 ist draußen, und zwei meiner Abenteuer sind drin.

Ich fühle mich… befreit. Die zwei Abenteuer lagen bei mir schon lange auf Halde oder auf dem Fertig-aber-nicht-Gelayoutet-Haufen.

Die Geschichte zum Turm des Mordai begann damals im November 2015. Die Idee selber habe ich von einem alten, japanischen Märchen, der Hexe im Turm. Ich dachte damals, dass sich das super für das asiatische Setting Tharuns eignen würde. Ich hab auch schon relativ bald die ersten Zeilen getippt, hab aber dann die Zeilen genommen und im September des darauffolgenden Jahrs in meinen Papierkorb gelegt. Nachdem ich dann für die MM 50 den Zorn der Nanja fertiggeschrieben habe (das jüngere Abenteuer, das seit Januar 2016 in meinem Kopf rumspukte), was übrigens überraschend schnell ging, hab ich mich dann daran gemacht, den Turm zu beenden. Die Pläne zum Turm stammen von Jochen Willman, der den Turm aus den Infos im Text erstellt hat. Danke an der Stelle dafür.

Die Axt des Kuros gärt auch schon seit 2016. Damals habe ich noch im Rakshazar-Forum ein Brainstorming gemacht. Der Text stammte dann aber aus meiner Feder. Ich mag die Idee mit der Sidequeste um die Überreste von Eisenpelz. Die Idee mit den jungen Yetis und Nedermannen, die im Darm die Helden per Schneebälle traktieren, die stammte von einem Reddit-Beitrag. In die MM hat es dann die Axt auf, zugegeben, dreiste weise geschafft. Da ich den Fuß ja schon in der Tür hatte, hab ich einfach mal das Abenteuer angeboten. Schließlich bezeichnet sich MM selbst als das Fanmagazin für Dere außerhalb Aventuriens. Richtig glücklich bin ich über die Illustrationen. Zum einen finde ich den Yeti von maren-B, den ich so richtig schön fies finde. Der Grund, warum ich die Axt aber ins MM bringen wollte, war die Seitenansicht des Giganten. Tatsächlich fand sich dann eine Illustratorin, unser Neuzugang bei MM, Helena Stieber.


Lasst mich aber schnell auch noch den Rest des Magazins besprechen.

Der mayenische Schmuggler von Kai Frederic Engelmann stellt einen zwielichtigen Archetypen vor. Ich liebe ja solche Chars. Eine, mit Ecken und Kanten, eine, die mit es dem Gesetz nicht so genau nimmt aber auch nicht abgrundtief Böse ist. Also genau das Richtige für mich.

Verrat im Grenzland ist eine gute, kleine Kurzgeschichte. Passend zum aktuellen Rollenspielkarneval geht es auch hier um Luftschiffe und deren mutige Piloten. Autor ist Dennis Maciuszek.

Als nächstes haben wir mit RanHyAr von Claas Rhodgeß eine neue NPC. Eine Nyamaunir, eine Piratin. Und, divers, divers, eine mit einer Beeinträchtigung, die gute ist auf dem linken Auge bilnd.

Mirgel, das Spiegelversteck aus der Feder von Yodin ist Mythos, Artefakt, McGuffin und Schauplatz zugleich. Wer seine Heldinnen schon mal in eine etwas andere Dimension schicken wollte, für dem dürfte Mirgel ein Blick wert sein.

Mit Nia’E’Shalia – Tanz der Herrin von Daniel Bluhm gibt es ein weiteres Artefakt mit entsprechend mystischer Geschichte.

Daniel Bluhm ist auch der Autor der Kurzgeschichte Vesayama – Heimweh – III. Und dann kommen da ach schon meine beiden Abenteuer.


Apropos Abenteuer… Bei MM läuft gerade eine Mitmach-Aktion. Sendet eure Ideen zum Thema Myranor an die Redaktion, wir setzen sie dann um. Eine Idee hab ich mir ja schon vom d6idears geklaut: Dort kam man auf die Idee, das ein Luftmagier einen alten Flugplatz reaktivieren will. Das passt super ins High-Fantasy-Myranor. Da gibt es auch einen Idealen Ort dafür, oben im Norden. Ich sag nur soviel: Wikinger trifft auf Ortinopter. Also meldet euch!

 

Rakshazar erobert Myranor

Tausende Riesen, Trolle Orks und Gunnarmannen marodieren durchs Imperium. Der Thearch ließ schon seinen Kopf auf dem Richtblock Gortschak-Suls, dem Axtschlächter! Überall erklingt der Ruf des neuen Kriegsgottes Kuros. Wir sind verloren…

naja, vieleicht nicht ganz. Aber ab sofort arbeiten wir Riesländer mit den Güldenländern zusammen.

Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino – Ein Hoch auf unsre Illustratorin, Illustratorin, Illustratorin…

„Wobei Feedback… Ich freue mich ja auf den Tag, wo die Illustrationen tatsächlich in einer Rezi oder einem Kommentar erwähnt werden sollten… le sigh“ Kirsten Schwabe

Kirsten hat da vollkommen recht, zumindest was meine Rezensionen (und, soweit ich gelesen habe, auch einiger anderer Blogger), angeht. Gern lassen wir uns über Satz und Layout aus (meist aber auch negativ alla „Textwüste!!“ „Voller Rechtschreinbfehlen !eins11!“) oder über den Inhalt des zu rezensierenden Textes. Wir reden über Regelmechaniken und Plottöcher, Sandkästen und Schienen. Wir reden so gut wie nicht über die exzellente Arbeit der Illustratorinnen, die die wirren Texte, die wir Schreiberlinge mit Bildern illustrieren sollen, Textwüsten zerreißen oder, ganz simpel aber brutal schwer, dem Büchlein/Fanzine/whatever ein ansprechendes Cover bescheren. Da lebt auch der Norddeutsche nach dem urbayrischen Motto „net gschimpft is globt gnua“. Dabei sind gerade die Illus die Dinge, an denen unser Auge hängen bleibt, die zur Kaufentscheidung beitragen und das Kopfkino anregen.

Heut möchte ich mal die Gelegenheit ergreifen und mir mal ein paar Illustratorinnen rausgreifen und, soweit das mein beschränkter Kunstsinn / Kunstwissen zulässt, besprechen. Gleich vorweg: Die Rezension ist alles andere als objektiv, da ich die Illustratorinnen kenne und mit ihnen in Projekten zusammenarbeite bzw. zusammengearbeitet habe.

Schnappen wir uns doch als erstes die oben zitierte Kirsten Schwabe. Wer immer ein Memoria Myrana Heftchen (bzw. PDFchen) gelesen hat, ist schon über ihre Zeichnungen gestolpert. Um ihre Arbeit rezensieren zu können, hab ich mich genauer mit ihrer derivantart-Seite auseinandergesetzt. Da sind nicht nur Bilder aus den Memoria Myrana drin, bei der sie seit Ausgabe 21 mitwirkt. Auch viele Portraitbilder und Tuschezeichnungen, die nichts mit Fantasy zu tun haben, lassen sich dort finden.

Meine Favoriten sind aber eindeutig die Tierwesenzeichnungen. Dieses Fell! Laut Kirsten waren vor allem die Felle zu Tusche und Bleistiftzeiten richtig fuchsig, für die farbigen Illustrationen nutzt sie spezielle Photoshop-Pinsel. Bestaunen kann man dies besonders gut bei diesem Ocipardir. Zoomt mal auf die Ohren!

Zwei weitere Bilder will ich noch genauer herausnehmen. Zum Einen die Nagarusha, die zusammen mit dem Ocipadir in der aktuellen MM 51 drin ist. Wer meinen Blog liest, der weiß ja welch besonderes Verhältnis ich zu diesen Scheiß echsenwesen habe. Mir geht’s wahrscheinlich so wie dem Protagonisten in Schatten über Innsmouth. Eines Tages wird ich aufwachen und einen Echsenmenschen erstellen…

Nunja, zurück zum Thema. Nagah, also die Fantasy-Verbindung zwischen Mensch und Schange, die gibt es in vielen Rollenspielen. Auch bei uns in Rakshazar haben wir Nagah. Damals gabs eine riesige Kontroverse, wie wohl die Dinger aussehen sollen. Schuppenloser Oberkörper mit Haren? Reptilienoberkörper ohne Haare. Busen? Warum brauchen eierlegendes Wesen, das ganz klar Reptil und kein Säuger ist, einen Busen und wenn ja, mit oder ohne Nippel? Wir haben uns damals darauf geeinigt, dass die rakshazarischen weiblichen Nagah keinen Busen haben.

Die myranischen Nagarusha haben, laut Kirstens Bild und dem dazugehörigen Text, Busen. Was Sinn macht, wie sie ihre aus den Eiern geschlüpften Jungen säugen. Und Federn, die ich an einem Schlangenwesen besonders stylisch finde. Ich hab auch im Magazin nachgelesen, bei der Generierung gabs auch noch die Möglichkeit von Hörnchen über den Augen und Kobra-Hals.

Zum Anderen möchte ich auf ein Bild verweisen, das für so Kunst-Analphabeten wie mich interessant ist, von dem ich gerne wieder ein Update hätte und das jeder Künstler machen sollte. Draw this again: Tonks zeigt Tonks aus der Harry- Potter-Serie im Manga-Stile von 2004 und dann nochmal 2012. An diesem Stück sieht man toll den Fortschritt, den Kirsten gemacht hat.


Fazit: Kirsten Schwabe ist eine wirklich gute Zeichnerin (und auch Autorin, aber darum geht’s hier jetzt nicht), die hervorragend zeichnen kann. Felle! Ich hab noch keine solche Felle gesehen! Also insgesamt Daumen nach oben.

Karneval der Rollenspielblogs: Piraten – Eine kleine Kurzgeschichte

Hier mal eine kleine, feine Geschichte über Torwaler in Myranor. Der Text sollte ursprünglich in der nächsten Ausgabe der 7 Kreuzer erscheinen. Da der Riesländer aber momentan gut mit anderen Projekten eingedeckt ist, veröffentliche ich den Text jetzt mal hier. In diesem Text geht es um Piraten, die auf der Suche nach Wissen sind und für die Gold zwar wichtig, aber nachrangig sind.

Das Gathiadda-Syndrom

Haldingrad. Der zivilisierte Teil. Naja, eher der gerade noch zivilisierte Teil. Dabei hatte Mortischa noch Glück. Eigentlich war sie ja selber Schuld daran. Was musste sie diesen Senator auch öffentlich, an ihrem Mentor und dem gesamten Haus vorbei, im Senat bezichtigen, ein Diener der Dyrakal zu sein. Alles nur auf Basis von ein paar lückenhaften Stammbäumen, ein paar Dokumenten aus zweifelhafter Quelle und einen beschworenen Totengeist, der dann vor dem Senat die gegenteilige Aussage machte. Sie hatte Glück, dass man sie hierher verbannte, auf eine einsame „Forschungsdomäne“ der Onachos (in Wirklichkeit war dies eher ein Gefängnis) am Rande der bekannten Welt. Die letzte Nachricht, die sie von ihrem Mentor erhielt, war beunruhigend gewesen. Kurz nach ihrer Abreise schrieb er einen Brief, der von Enttäuschung nur so triefte und zusätzlich die Nachricht erhielt, dass ein Anschlag auf ihr altes Zimmer stattgefunden hatte. Ein Feuerdämon verwüstete das Zimmer, die neue Bewohnerin, die erst an jenem Abend eingezogen war, verbrannte bis zur Unkenntlichkeit.

Nun saß sie auf Ahnenehr. einer Domäne nahe Lærvik. Die Domäne war ein kleines Fischerdorf, etwa 20 Familien lebten hier, fast alles Hialdinger. Nur ihr Diener war der einzige Nichtmensch. Ein räudiger alter Katzenmensch, zänkisch, verbiestert, eher Gefängnisswärter als Diener. Der Ort lag, sofern man das von diesen rauen Küsten sagen konnte, recht malerisch an einer steilen Klippe. Die Häuser waren auf schmalen Vorsprüngen an der Klippe gebaut, eine Steinerne Treppe führte vom Hafen, in dem ein altes Drachenboot lag, über die Terrassen , auf denen die Häuser gebaut waren, hinauf zu ihrem Gefängnis, dem Dom von Ahnenehr. Hier sollte sie, eingesperrt in den stickigen Fluren und meist fensterlosen Zimmern, ihre Strafe ableisten und Ordnung in die hiesige Bibliothek bringen. Wobei der Begriff Bibliothek blanker Hohn war. Hier lagerten uralte Schullektüren des Hauses, zerschlissene Programmhefte der Theater in Trivina, alte Manuskripte nie veröffentlichter Bücher, Schundromane, Liebesbriefe und vieles mehr, was irgendwann mal auf Papier gebannt wurde, weil sein Autor es für aufschreibenswert hielt, aber von seinen Zeitgenossen als Verschwendung von Zeit und Papier angesehen wurde. Wir Onachos werfen ja nichts weg, dachte Mortischa, als sie einen Packen über 200 Jahre alter Eienkaufslisten sortierte.

Gerade las sie eine Einkaufsliste, die ein Feinschmecker ihreres Hauses vor fast 500 Jahren in Balan Cantara geschrieben hatte. Amaunir auf Tharpurische Art. Einen  mittelschweren Amaunir,Maronen, Olivenöl, Tropenfrüchte, Mayenos-Feuerpulver ,Tharpurische Feuerschoten… sie fragte sich, wie ihr Diener bzw. Wächter schmecken würde. Bestimmt zäh und ungenießbar. Da fiel ihr auf, dass es hell geworden war in dem kleinen Arbeitszimmer. Licht fiel durch eines der wenigen Fester im Dom. Das Licht wäre nicht ungewöhnlich, immerhin liegt das Fenster im Osten, wenn nicht gerade die magische, sich selbst umdehende und dabei laut mit einer geisterhaften Grabesstimme rufende, Sanduhr gerade Mitternacht angezeigt hätte. Schnell schob Mortischa einen Stul zum schmalen Fenster und kletterte hinauf, um besser ins Dorf sehen zu können. Was sie sah, ließ ihren Atem stocken.

Haldinger-Piraten.

An der Mole lag ein großes Schiff, einen Drachenkopf am Steven, jedoch kein ärmlicher Drachen, wie ihn die Haldinger schon vor Jahrtausenden und noch heute ab und zu nutzen. Die Lager am Hafen wurden gebrandschatzt, Fliehende drängten sich die Terrassen nach oben, gerade ging ein Wohnhaus in Flammen auf. Und große, mit Äxten bewaffnete Hünen bahnten sich ihren Weg nach oben zum Dom.

“Adepta, Herrin, wir werden angegriffen. Die Garde wartet auf Sie.” Haldgried, die Prokuratin und eigentliche Herrin der Domäne war eingetreten. “Ja, richtig. Sagt ihnen, ich komme.”

Von Optimaten erwartet man viel. Sie sollen meisterliche Zauberer sein und gute Politiker, immerhin dürften nur Optimaten Senator oder Horas werden. Eigentlich jeder Rang in der Verwaltung lag in den Händen eines Optimaten. Auch die hohen militärischen Ränge wurden von Optimaten besetzt. Wenn ein Optimat zugegen war, egal wie geschickt, erfahren oder magisch begabt er war, ihm würde augenblicklich die Führung übergeben werden. Mortischa war weder erfahren in Politik (sonst wäre sie nicht hier gewesen irgendwo als Sub-Prätorin irgend eines Kultes), noch in militärischen Dingen, aber einen Totengeist, den konnte sie rufen. Zehn Minuten später trat sie aus dem Arbeitszimmer hinaus in den Gang, der zur Eingangshalle führte, an ihrer Seite ein Schatten, ein Phantom, der Geist eines Haldinger-Piraten, der 4286 bei der Strafexpedition Dorokrat Anaxandridas ums Leben kam.

Die Truppen, sie bestanden gerade einmal aus 20 Mann, waren in der Halle angetreten und warteten auf Befehle. Noch ehe Mortischa irgend etwas zu den Versammelten sagen konnte, noch bevor ein Befehl ausgesprochen wurde, explodierte die Eingangstür. Ein Orkan. Er Zerriss das Tor. Die Fremden waren im Dom.

Der Kampf war hart, blutig und… erschreckend kurz. Fünf Optimaten… oder zumindest Saithakenner, fünf Krieger. Einer sprach ein Wort, dass sich wie “Fulminiktus” anhöhrte, und ihr Geist hörte auf, zu existieren. Äxte flogen durch den Raum. Ein Orkan, und die Hälfte der Männer lag mit zerschmetternden Gliedern auf dem Rücken, am Schluss waren sie nur noch zu dritt einem Archiv. Mortischa, ihr Diener und die Prokuratin. Verschanzt hinter einem umgestürzten Tisch, mit zwei Baelas, 20 Schuss Munition, einem Säbel und zwei Dolchen.

Vor der Tür zum Archiv hatten sich die Angreifer hinter einem umgestürzten Regal eingegraben. Ein Patt, zumindest vorübergehend. Immer wieder einmal lugte einer von ihnen über ihre Barrikade, so, als suchten sie etwas. Ein Flammenschwert flammte kurz auf, der Widerschein erhellte die düstere Halle. Sofort schienen die Angreifer sich zu zanken. Gut für mich, dachte Morticia, Zeit, einen Archonen zu beschwören. Schon begann sie, die Matrix zu formen. Schwer, vielleicht zu schwer? Nein, sie hatte andere Chance und, ganz ehrlich, kaum mehr Kraft.

Ein “Bist Du eine Zauberin?” riss sie aus der Konzentration. Haldingisch? Nein, das hörte sich etwas anderes an. Ja, es gab Ähnlichkeiten, aber… “Bist du eine Optima?” Jemand von den Angreifern versuchte es jetzt doch mit Haldingisch,einer Sprache, die nicht mal die Haldinger seit 2000 Jahren mehr sprachen. Er wiederholte seine Frage: “Bist du eine Optima?” “Ja, ich bin einen Optima Morticia de Onachos. Wer seid Ihr?” “Kannst Du das lesen?” “Was? Wer seid ihr?” Kannst Du das lesen, das Bücher?” In Haldingisch scheinen die ja nicht so fit zu sein. Falscher Artikel, es müsste die Bücher…

“Nochmal. Kannst du das Lesen?” “Jadoch, ich kann das Lesen! Wer seid ihr, ihr ungehobelten Barbaren?” Die Angreifer begannen wieder, untereinander zu Zanken. “Herrin, sollen wir einen Gegenangriff starten, solange sie abgelenkt sind?” fragte die Prokuratin. Morticia gebot ihr zu schweigen.Vielleicht würden die Fremden das Archiv nur plündern. Da sie nicht lesen konnten, würde Mortica ihnen alte Einkaufslisten und schmalzige Liebesbriefe unterjubeln. Warum interessierten sich diese Barbaren überhaupt für Bücher? Suchten sie etwas bestimmtes? Wenn ja, was? Hier lagerten wahrlich keine großen Schätze, hier war die Rumpelkammer ihres Hauses.

Es tat sich was hinter der Barrikade der Angreifer. Vorsichtig lugte Mortica hinter dem Tisch hervor. Einer stand auf. Ein junger Mann, etwa Ende 30, groß, blond, tätowiert. Er hielt einen Stab in der Hand, ein langes, dunkles Stück Holz, dessen Ende ein Drachenkopf nach Art der Haldinger ziert. “Ich bin Ulver Heinson. Ich bin Zauberer. Ich komme als Oleport.” Oleport? Verdammt, warum hatte sie in Derografie nie aufgepasst. Wo in Haldingart lag nochmal Oleport? Der Fremde schien ihre Unwissenheit bemerkt haben. “Oleport liegt im Osten hinter dem Talassion.” Jetzt explodierten Morticas Synapsen fast. Hinter dem Talasseon! Das bedeutete, das sie Nachfahren jener Haldinger waren, die ….. vor den Truppen des Imperiums nach Osten flohen, hinters Meer! Oder nachfahren der Hexaeder, wobei sie letzteres für eher unwahrscheinlich hielt, dann würde die Unterhaltung wohl eher auf Alt-Imperal geführt werden. Aber… Wie konnten sie den Efferdwall überwinden? Wie liebten die Haldinger jenseits des Meeres? Und vor allem… was wollen die hier?

“Wir suchen die Bücher von die Rune. Hast Du der Bücher?” “Welche Bücher? Welche Runen?” Ein weiterer Angreifer stand auf. Ein blonder Hüne, wie alle Haldinger, bestimmt ebenfalls tätowiert. Vornehme Kleidung, arkane Muster auf einem Mantel. Langsam und mit erhobenen Händen kam er auf Morticias Barikade zu. Erdrückte ihr einen Beutel in die Hand. Neugierig öffnete die Optimatin den Beutel und fingerte ein paar Knöchelchen hervor, auf dem alte, haldingische Runen graviert waren. Danach suchten sie also? Runen? Bücher über Runen? Warum? Ein Geschichtsbuch, ein Horasreich für ein… Das große Kompendium Linga et Schrift… das müsste doch…

Verblüfft beobachtete Haggar, wie die junge Dame, der er gerade die Runen in die Hand gedrückt hatte, wie in Trance zu den Bücherregalen ging, mit ihren zierlichen, knochigen Fingern über Buchdeckel strich und einen alten Wälzer hervorholte. Sie blätterte, las, ohne auf Haggar und die anderen thorwaler Magier oder auf den Lärm der Mannschaft, die das Schlösschen plünderten, zu achten. Die feindliche Kriegerin zielte immer noch auf Haggar, während das Katzenwesen hinter dem Tisch in Deckung blieb. Plötzlich lachte die Magierin laut auf.

“Sie haben die Runen verloren!” “Herrin?” Die Prokuratin verstand nicht, worauf ihre Herrin hinaus wollte. “Das sind Optimaten von jenseits des Thalassions. Die haben ihre Schrift verloren! Die können die Runenschrift nicht mehr lesen, die alte Runenschrift der Haldinger! Die alte magische Schrift, mit der sie ihre Zauberboote, ihre Wunderschwerter, ihre Segel schmückten!” “Herrin, ist die Schrift nicht auch bei den Haldingjern hier verloren?” fragte die Prokuratin, die die Baela immer noch auf den Hünen.

Morticia lachte. Sie lachte vor Erleichterung, vor Glück. Sie lachte, weil hier eine Chance auf sie wartete. Wenn es ihr mit Hilfe gelang, die Runenschrift wiederentdecken… dann konnte sie diese vermaledeite Domäne verlassen, weg von unbedeutenden Einkaufslisten. Zurück in die Stadt, zurück nach Trivina, zu Thermen, Bibliotheken, Laboren. Zurück zum echten Leben! Zurück zu einem neuen Rang. Spektabilität, ich komme! Schnell steckte sie das Buch ein und blickte Ulver in die Augen. “Gehen wir” sagte sie nur kurz.