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Karneval der Rollenspielblogs: Essen – Mahlzeit!

Essen im Rollenspiel hat als Teil der Rollenspielwelt ungefähr den gleichen Stellenwert wie Pfeile oder Krankheiten. Theoretisch Teil der Welt, praktisch wird es am Spieltisch ignoriert. Mal ehrlich: Wann habt ihr das letzte Mal den Verbrauch von Rationen mitnotiert? Oder den Verbrauch von Pfeilen? Doch nur, wenn es wirklich für ein Abenteuer relevant war, wie viele Rationen man verbraucht, bevor man einen bestimmten Punkt auf der Reise erreicht.

Lasst mich die These noch etwas anderes formulieren: Essen im Rollenspiel hat einen unterschiedlichen Stellenwert, je nachdem, ob man einen simulationistischen oder Storyteller- Anasatz im Abenteuer verfolgt.

Beim Storyteller-Ansatz geht man in der Gruppe davon aus, das genügend Essen bzw. Reiseproviant, vorhanden ist, um von Punkt A nach B zu kommen, ohne auf dem Weg zu verhungern. Besserer Proviant, der LP wieder herstellt oder besonders nahrhaft ist, kann als eigene Ressource behandelt werden. In den Mittelpunkt des Geschehens rückt Essen nur, wenn es Teil der Geschichte ist. Ich denke dabei an Kamele, die in der Wüste durchgehen, Belagerungen, bei denen das Essen knapp wird, Tribbels, die den Schiffsvorrat wegputzen…

In dem Rakshazar-Abenteuer „Die Augen der Lath“ habe ich einen ähnlichen Ansatz genommen und Essen in den Mittelpunkt des Abenteuers gesetzt. Hier ging es darum, möglichst viel Gewicht zuzulegen, denn am Ende des Abenteuers sollten die Heldinnen das Gewicht des schwersten in Silber erhalten. Inspiration für das ganze war Mannekin Piss, der belgische Koch aus Asterix erobert Rom.

Ich kenne aber ganz ehrlich gesagt nur relativ wenige Abenteuer, bei denen Essen ein Storyelement ist. Angbarer Bock, dann noch ein DSA-Fanabenteuer, bei dem es um Schokolade geht… das war es schon. Meist taucht Essen dann irgendwo als Bankett auf, an dem die Helden teilnehmen… und das war es. Fluff sozusagen.

Der simulationistische Ansatz rund ums Essen hat sich vor allem bei Videospielen durchgesetzt. Kein Wunder, kann man hier doch auf den Rechner zurückgreifen, der alle Pfeile, Krankheiten und auch Essenensrationen im Hintergrund verwaltet. Gut zu sehen ist das Bei Pathfinder: Kingmaker, das hier auf dem Kanal von DrProof zum Dauerprojekt geworden ist.

Ich bin ja eher so der Storyteller. Ich werde nicht nachzählen, ob Legolas genügend Pfeile im Köcher hat, solange der Kampf gegen den Hölentroll EPIC! ist und eine spannende Geschichte erzählt, hat er genügend Pfeile. Das gleiche gilt imho auch fürs Essen. Solange es Teil einer guten Geschichte ist, gerne. Wird die Verwaltung von Essensrationen aber zur mechanischen Last, die nichts zur Geschichte beiträgt, kann man sich das ganze sparen.

Der Troll hört Podcast

Gestern habe ich mir zwei brandneue Podcasts angehört, den eskapodcast zum Thema Elefantismus im Rollenspiel und den neuen Genderswapped Podcast zum Thema Liebe, Sex und Romantik im Rollenspiel, auf ihre Folge zum Thema Personal Play will ich auch noch kurz eingehen.


Erstmal zum eskapodcast. An der aktuellen Folge habe ich zwei deutliche Kritikpunkte. Der erste ist wohl der schwerwiegendste: Die vier Talker vermischen da viele Begriffe und vergleichen, imho, Äpfel und Birnen.

Ein Rollenspielsystem ist die Gesamtheit eines Rollenspiels, bestehend aus Regelsystem, Fluff und Abenteuer.

  • Ein Regelsystem beinhaltet alle Regeln (Basis und Zusatzregeln) eines Rollenspielsystems.
  • Fluff sind alle Texte und Bücher, die keine (oder wenig neue) Regeln beinhalten und kein Abenteuer sind. Das können Regionalbeschreibungen, Geschichtsbücher, Ingame-Notitzbücher, Musik-CDs usw. sein.
  • Abenteuer sind Geschichten, die die Spielerinnen gemeinsam mit einer Spielleiterin erleben.

Nehmen wir mal als Beispiel DSA. Das Rollenspielsystem DSA beinhaltet verschiedene Subsysteme (Myranor, Rakshazar, Tharun…). Das Regelsystem beinhaltet, für DSA5 momentan noch 11 Bände. Fluff sind hier die ganzen Regionalbände, die Havena-Box usw. Abenteuer sind glaub ich, selbsterklärend.

Wenn wir von explodierenden Rollenspielsystemen sprechen, dann sollten wir schauen, wo denn das Rollenspielsystem explodiert. Explodiert das Regelsystem, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass dahinter ein simulationistischer Ansatz dahintersteckt, genau wie bei DSA. Wenn ein Rollenspielsystem beim Fluff explodiert, dann hat das auch was mit simulationistischen Ansätzen zu tun oder, wie bei Fate, dass das Regelsystem universell angelegt ist und dass da Leute ihre eigenen Welten beschreiben. Wenn ein Rollenspielsystem bei den Abenteuern explodiert, dann ist das ein ziemlich gutes Zeichen: Es gibt viele Spielerinnen, die das Rollenspielsystem nutzen, der Verlag lässt Fanabenteuer zu, es gibt viele Autorinnen… Hier wollen wir eine Explosion. Wenn man über Elefantismus im Rollenspiel redet, sollte man genau hinschauen, wo das ganze explodiert.

Dann wird da noch von einer Nulllinie des Rollenspiels geredet, die nur theoretisch existiert. Das Beispiel war, dass sich da vier Freundinnen zusammensetzen und ein Abenteuer spielen, in dem sie Bankräuber sind, die eine Bank überfallen wollen. Das Abenteuer ist ausgedacht, die Regeln werden am Tisch gemacht, Fluff on the Flight. Dazu wollte ich noch anmerken, dass es diese Rollenspielsysteme gibt. Wer Kinder ab 2 Jahren hat, der kann das auch beobachten… im „kindlichen“ Rollenspiel. Gib kleinen Kindern ein paar Playmobilfiguren, Schleichtiere und Legos, und sie spielen komplexe Abenteuer. Spätestens mit vier Jahren ist denen sogar klar, was eine klassische Heldenreise ist. Sie können es zwar nicht benennen, aber die spielen es.

Sollten die Kleinen je auf die Idee kommen, ihre Abenteuer zu verschriftlichen (kommen die nicht, zumindest nicht vor der Pubertät), wurde das Rollenspielsystem wachsen (Regelsystem + Fluff + Abenteuer). Warm könnten Kinder auf die Idee kommen? Weil sie möchten, dass jemand anders ihre Abenteuer nachspielt. Darum wachsen Rollenspielsysteme.


Zum Genderswapped-Podcast. Zuerst einmal zum Personal Play oder Barbie Play, wie es auch (abfällig) genannt wird. Mir war bis zu dem Podcast noch nicht mal bewusst, dass es für dieses Phänomen einen Namen gibt. Ich kann mich übrigens an keinen meiner Rollenspieler, mich eingeschlossen, erinnern, der nicht irgendwann mal Personal Play betrieben haben. Ich finde übrigens Barbie Play nicht despektierlich und bekenne mich schuldig, mit zumindest zwei meinen Helden wie mit Püppchen gespielt zu haben.

Nebenbei mal eine Anekdote: Vor ein paar Jahren hat mich meine Frau mal gefragt, mit welchem Spielzeug ich denn so in meiner Kindheit gespielt habe. Also hab ich aufgezählt: He-Man, Turtels, GI-Jo… Meine Frau brach daraufhin in lautes Gelächter an und ich musste mir den ganzen Abend anhören, dass ich als Junge mit Püppchen gespielt hätte. Mich hat vor allem eines geärgert: Tief im Grunde des Arguments hatte meine Frau mal wieder recht ☹

Beim Thema Sex und Romantik im Rollenspiel war ich überrascht, welche herausragende Rolle dies anscheinend in den Runden der Vögtinnen spielt und vor allem, wie oft deren Chars mit Bordellen zu tun haben. Zeit für schamlose Werbung: Hier geht’s zum König der Huren, meinem diversen, inklusiven Abenteuer im Bordell! KdH 22.12.2017