Archiv der Kategorie: Splittermond

Rezension: Die Dame vom See – Endlich ein guter Gerald-Saga-Band!

‍Erlich gesagt: ich war ein bisschen vom Gerald-Zyklus enttäuscht. Versteht mich bitte nicht falsch, der Zyklus ist an sich nicht übel, ABER…ich hätte, nach dem ich die Kurzgeschichtensammlungen und die Witcher-Spiele gesehen habe, mehr erwartet. Mehr Monster, mehr moralische Dilemma, mehr… Witcher.

Dann habe ich „Die Dame vom See“ gelesen und oh Boy, die reißt es wieder raus!

Da wäre zuerst der Teil mit Ciri in der Feenwelt. Da ich mich ja momentan selber etwas mit Feen beschäftige und eine tolle Rezension zum Beitrag Pathfinders zu diesem Thema gelesen hab, fand ich diesen Teil großartig! Der Frust Ciris, wenn sie wieder daran scheitert, diese Welt zu verlassen, der Erlkönig, der für den Weg mit einem Menschenweib Aufputschmittel braucht und immer noch keinen hochkriegt, die Intrigen im Hintergrund, den Elfen feindlich gesonnenen Einhörner (erfrischend, mal Einhörner zu sehen, die nicht gut auf Elfen zu sprechen sind. Normalerweise ist ja das ganze eine regenbogenfarbene Sauce),

Dann die Sprünge Ciris in Zeit und Raum. Ich klaue mir zitiere im nächsten Abenteuer die Idee, Krankheiten aus anderen Welten in die Welt der Helden_innen bei Dimensionssprüngen einzuschleppen. Die Idee mit dem Floh, der alten Ratte und dem letzten Wunsch einer verreckenden Katze war köstlich!

Der Krieg zwischen den Königreichen im Norden und Nilfgard… ich habe selten eine so gute Beschreibung von Krieg gelesen wie hier! Vor allem nutzt der Autor dabei, so wie in der Rahmenhandlung, seine Macht als omnipotenter Beobachter voll aus, der_die Leser_in erfährt um das Schicksal der Charaktäre, wobei ihm_ihr wol der Klos im Hals steckenbleiben wird.

Nur das Ende, das war für mich ein Stich ins Herz. Den Hexer so krepieren zu sehen, bei einem Pogrom in Riva… das tat weh. Aber wer mit dem Schwert lebt… Bevor ich es vergesse: Vorsicht, da waren Spoiler.

Fazit: Das Buch ist der beste Teil der ganzen Reihe. Ich habs genossen und kanns nur weiterempfehlen!

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Blog-O-Quest, Follow Friday und Rollenspielerkarneval

Doctore Domani organisiert diesen Monat den Blog-O Queste unter dem Thema „Über den Tellerrand“. Mit Lückenfragen. Na toll. Wenn ich etwas Hasse, dann Lückenfragen. Nun, ok, treten wir die Fragen in die Tonne (Scusi, Doctore, es liegt nicht an Dir, es liegt am mir) und blicken ein wenig über den Tellerrand und plaudern aus dem Nähkästchen.

Der letzte große Blick über den Tellerrand war für mich vor ein paar Wochen bei der Überarbeitung des „König der Huren“. Ich war gerade dabei zu überlegen, wie ich das Abenteuer… kontroverser machen konnte. Kontrovers ist es, es hat immerhin zwei Andeutungen von…last euch überraschen. Ich hatte Angst, dass es in der Zensur gleich durchfliegt. Also habe ich nach etwas gesucht, was die Geschichte einerseits etwas abmildert (und besonders der EMMA-Fraktion den Wind aus den Segeln nimmt) andererseits eine neue Schärfe ins Spiel bringt. Kurz, ich wollte das Abenteuer gendern (wenn Du, geneigter Leser, jetzt aufschreist und hier kommentieren willst, dann habe ich es genau für Dich getan). Darum habe ich mich an einen ehemaligen Schüler gewannt, einen Transgender, der heute in Berlin studiert. Er hat mir die Augen geöffnet und mich in die Welt des genderns eingeführt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und seither versuche ich alles, was ich hier so an Abenteuer online stelle, zu gendern. Nebenbei, ich suche noch Rollenspielerinnen, die mir mein Abenteuer lektorieren und dadurch mein Trojanisches Pferd noch… trojanischer(?) machen.

Bevor hier jemand „Buuh, SJW!“ schreit: Geschlechter- und Sexualspezifische Themen interessieren mich schon eine ganze Weile. Homosexualität gehört für mich spätestens seit meiner Ausbildung vor 20 Jahren zum normalen Leben dazu, einer meiner Chefs war ein Homosexueller. Ich habe auch kein Problem damit, in Schwulenclubs zu gehen, tatsächlich trauern meine Frau und ich dem Isey in Straubing nach. Das Lokal gehörte einem Frauen meiner Frau und dessen Partner und dort konnte man richtig tolle Partys feiern. Aber Tansgender oder das Gendern waren für mich Neuland. Nach der Zusammenarbeit und einem Telefonat bin ich auf die Welt da draußen neugierig geworden und ich werde sie mir erschließen.

Die zweite Frage der Blog-O-Queste ist schon interessanter. Zur Zeit lese ich „Der Schwalbenturm“. Eine Ausnahme, denn normalerweise lese ich eher keine Fantasy-Literatur. Ich bin eher Fan von guten Krimis (bitte keine Thriller mit Serienmörder oder so einem Gedöns. Mein Geschmack geht eher in Richtung des Klassischen Ermittlers. Das spiegelt sich auch in den Krimmiserien wieder, die ich mir gern anschaue: Lewis, Death in Paradise, Inspector Barnaby, Wilsberg und der Tatort aus Münster (beste Folge: Sag nichts) oder Historisches, wie zum Beispiel „Die Reise mit der Snark“, die als Ferienlektüre auf meinem Stapel liegt, gleich neben einem Pater-Brown-Roman (womit ich den aktuellen Follow Friday erschlagen habe). Ich find Fantasy-Literatur teilweise ermüdend, weil leider zu oft das Klischee von Elfen Zwergen und den Rest wiederkaut wird. Ich lebe jetzt 23 Jahre mit DSA und anderen Fantasy-Settings, ich habe da jetzt schon so viel gesehen, da gibt mir Fantasy nichts mehr.

Wo wir gerade bei Fantay-Settings und Fantasy-Systeme sind: Ich bliche da auch gerne über meinen DAS/Rakshazar-Tellerrand. Weniger die Systeme, ich bin kein Regel-Fuzzy, sondern viel lieber Settings und Abenteuer. Grad heute habe ich „Beutelschneider“ runtergeladen und gelesen und finde dieses System erfrischend anders und für mich neu. Der Blick ins „Iron Gods“ hat mich ja auch zu weitreichenden Überlegungen veranlasst und meine Einstellung zu SyFi in Fantasy-Settings grundsätzlich geändert. Das Fate-Setting mit den Tschernobyl-Tieren hat mich an „Ratten!“ erinnert, einem Setting, von dem ich ebenfalls Begeistert war. Tiere als Helden… ich liebe es und warte schon jetzt ungeduldig auf „Die Schwarze Katze“. Gefallen gefunden habe ich auch an Pathfinder und Splittermond, letzteres dürfte ich ja im Rahmen meiner Feenwelt-Recherche genauer lesen und auch die Wandernde-Stadt-Geschichte hat mich dazu gebracht, mich mit Splittermond auseinanderzusetzen. Wohlgemerkt mit dem Setting, nicht mit der Systemmechanik. Das einzige Rollenspiel außer DAS, bei dem ich mich tatsächlich in die Regeln eingelesen habe, war die 3te Edition von Shadowrun. Ich bin damals nicht mit dem System warm geworden, das lag vor allem daran, wie das Hacken dargestellt wurde. Das Setting war auch eher… Geschmacksache. Später habe ich den berühmtesten Cyberpunk-Roman gelesen, der hat mich auch nicht so recht vom Hocker gehauen, was durchaus komisch ist, SiFy-Filme liegen mir nämlich.

Über den Tellerrand meiner Ausbildung schaue ich auch gern, wenn es um Tema Rollenspiel im täglichen Leben geht (ich bin studierter Wirtschaftspädagoge mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik). Ich liebe nämlich die Pressemitteilungen von Archäologen, Paläontologen und Biologen. Neu entdeckte Arten, frisch ausgegrabene, untergegangene Städte, neueste Erkenntnisse über den Stammbaum des Menschen… gnau mei Weda, wie man hier in Bayern sagt. Besonders der Stammbaum der Menschen wurde ja in den letzten Monaten ordentlich durcheinandergewirbelt. Imho schreiben die Natur und die Geschichte die besten Quellbücher, die Natur die Bestiarien, die Geschichte die Hintergrundbeschreibung. Schaut euch z.B. diese drei Videos an. Großartig!

 

Karneval der Rollenspielblogs: Wo wohnst Du? Und warum?

Welchen Vorteil bringt es den Helden, eine eigene Heimatbasis zu haben?

Ressourcen.

Normalerweise steht die Unterkunft der Helden in irgendeiner Struktur. Ein Dorf oder eine Stadt, ein paar Bauernhöfe, eine Burg. Selten wird die Behausung der Helden irgendwo in der Wildnis stehen. Gemeinschaftliche Strukturen bringen halt viele Vorteile. Zum Beispiel Zugang zu einem Waffenschmied, einem Heiler, einem Plattner, einem Händler, den Nachbarn…

Das gilt für ein Fantasy-Setting DSA genauso wie für Shadowrun und die Megastädte des 21 Jahrhunderts.

Wenn man es besieht, öffnet man hier eine Sandbox mit viel Detailarbeit für den Spielleiter. Da stellt sich doch die Frage, was bringt es dem Spiel und rentiert es sich?

Es bringt dem Spiel eine zusätzliche Tiefe und rentiert sich, wenn die Helden längere Zeit in einer Region / in einer Stadt verbringen.

Zu meinen Liebligsregionen in Aventurien gehört des Svelltland. Wild, ursprünglich, orkverseucht, genau mein Ding! Die ideale Stadt für eine Heimatbasis in dieser Region ist in meinen Augen nicht Lowangen, sondern das etwas kleinere Tiefhusen. Die Stadt ist in meine Augen ideal: Hesinde-Tempel, Rahja-Tempel, ein Königshof (wichtig für Belohnungen. Helden wollen halt gern mit Adelstiteln bedacht werden…), an einer Handelsstraße im Herzen des Städtebundes gelegen… und ein 140 m² Haus ist hier schon relativ günstig zu haben.

Ich hätte da auch schon einen Plan für eine Regionalkampagne, die Suma sumarum 46 Jahre in der Region spielt. Die Helden würden als Anfang 20jährige beginnen und in den späten 60gern enden. Natürlich dürften dann die Helden auch die Auswirkungen der Alterung treffen. Die Kampagnie sähe wie folgt aus:

Im Zeichen der Kröte  (993 BF)

Xeledons Rache (1008 BF)

Die Hütte im Sumpf (Splittermond, aber super zum umschreiben..Tolles Abenteuer und , neben Xeledons Rache, das zweite, in dem magische Bilder eine Rolle spielen)

Fuchsspur (1009 BF)

Das Tal der Tausend Blumen (1010 BF (Nettes Abenteuer mit den ersten friedlichen Orks in der Kampagne. Ich hab das Abeteuer schon drei mal gemeistert und es zählt zu meinen Lieblingen))

Eine Meute für Tiefhusen (1010 BF (Obwohl nur ein kleies Szenario im Orkland-Abenteuerband, ist es das stärkste Abenteuer in dem Geheft)

Das Levthansband (1022 BF)

Das Vergessene Volk (1026 BF (War ein schönes Abenteuer für jemand, der schon mal im Orkenhort war. Back to the Roots. und der Namenlose lässt zum zweiten mal in der Kapangnenreihe grüßen))

Orkengold (1032 BF)

Königsspiel (1035 BF)

Firuns Flüstern  (1038/39 BF (Helden hier Starten lassen macht mehr Sinn als der Prolog in Weiden. Vielleicht reisen die Helden als Teil der Orkgruppe ins Abenteuer))

Zerstörung (1039 BF)

 

Zeitraum zum Spielen: 46 Jahre. Wenn ein junger Held mit Anfang 20 in die Kampagnie einsteigt, kommt er als alter Recke mit über 60 Jahren raus: Zipperleintabelle aus DSA 3, Zerstörung des Lebenswerks, Drama!

 

Update 26.05.2017: Firuns Füstern und Im Zeichen der Kröte sind eine gute Kombi. Im erstenen Abenteuer bringt man zuende, was man vor 46 Jahren begonnen hat. Was will man eigentlich mehr 🙂

… und eine Prise Feenstaub – Jenseits der Grenzen vs. Die Siebenwindküste

Feen. Diese niedlichen kleinen Dinger, die durch die Lüfte fliegen und dabei ihren Feenstaub in der Gegend verteilen. Feen … ich denk da an die guten Feen und die eine Böse aus Dornröschen (wobei letzter seit kurzem ja zu den Guten zählt), an eifersüchtige Feen und an Einhorn-Beschützerinnen (am 23. Mai um 19:00 startet die 3. Staffel von Mia and Me). Ich denk aber auch an die vielen Elfen- und Feenwesen aus keltischen und deutschen Sagen – an Puck, Frau Holle, Banshee, Leprechaun

Rollenspieltechnisch bringen Feen ein gewisses märchenhaftes Flair ins Rollenspiel, etwas niedliches und harmloses (auch wenn es mal eine böse Fee ist, die Verwünschungen ausspricht). Eine Abwechslung zu Dämonen und Untotenhorden, mit denen es die Helden sonst zu tun haben.

Gut dass es da zwei Quellbände gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen: „Jenseits der Grenzen“ von Splittermond und „Die Siebenwindküste“ von DAS, wobei bei letzteren nur Teile von Feen und Feenwelten handeln. Sehen wir uns die beiden Bücher genauer an:

Jenseits der Grenzen“ gefällt mir gut. Interessant war das Kapitel „Wesen der Grenzen“ die die Feenwesen als Wesen darstellen, die an natürlichen (Flüsschen, Bäche) oder künstlichen (Mauern, Grenzsteine) Grenzen hängenbleiben und diese nur nach Einladung überschreiten können. Ein Packt mit Feenwesen einzugehen ist hier auch möglich, aber Regeltechnisch sehr dünn. Da bin ich Regelfuchs, da hätte ich gern Fleisch. Mein Highlight im Band sind jedoch der ausführliche Feenwelt-Generator und der Glimmer (Lords und Ladys und Diskworld II lassen grüßen). Beispielwelten und Bestiarum sind groß und reichlich, wobei ich etliche Viecher wohl nicht zu den Feenwesen gerechnet hätte (Mandrax, Felsdjinn). Mein Lieblingsmonsterfeenwesen: der Dornling, eine Art lebende Dornenhecke.

Die Siebenwindküste“ ist eigentlich eine Regionalspielhilfe für Albernia, hat aber einen gehörigen Feen-Hintergrund und Regelanteil. Die Regeln finde ich gut, vor allem die Regeln zu Feenpakten, und den Vorteilen, die Held aus so einem Pakt ziehen kann. Für alle, die schon mal das Kind einer Fee spielen wollte, hier findet man die Regeln dazu. Mit dem Krieg der Feen hat man einen gigantischen Plothook. Finde ich gut. Feenwelten werden nur allgemein erklärt, aber mit Ceofior gibt es eine ausgearbeitete Fennwelt. Splittermond bietet da mehr. Auch bei den Feenwesen hat der Bruder von DSA mehr zu bieten, hier bleibt es auf die wichtigsten Feenwesen beschränkt. Ich finde das hier besser. Außer… der Grenzgänger. Der nervt mich schon beim Lesen, der schreit so laut Plothook, dass es richtig wehtut.

Was ist jetzt besser? Keines der Bücher ist das beste Feenquellbuch aller Zeiten ™, jedes Buch hat seine Schwerpunkte und Ziele. Ich würde raten, beide Bücher zu lesen und das daraus zu ziehen, was man am besten findet.

 

UPDATE: Mia and Me Staffel 3 mit Margot Nuccetelli als neue Mia.

Karneval der Rollenspielerbogs: Wo wohnst Du? Wo die Mörderhobos wohnen…

Mörderhobos scheint ja grad bei uns Rollenspielern ein neues Modewort zu sein. Soweit ich das verstanden habe, werden damit Heldengruppen beschrieben, die nicht in einer festen Region der Spielwelt agieren (z.B. Havena), sondern quer durch die Spielwelt ziehen und eine Spur an toten Gegnern zurücklassen. Im Eingangsposting zum altuellen Karneval wird indirekt impliziert, dass Mörderhobos leine Heimatbasis haben. Ja, kann sein, muss aber nicht.

Mobile Helden brauchen nicht zangsläufig auf die Vorteile einer Heimatbasis (soziale Beziehungen, der freundliche, paranoide, nationalistische Waffenhändler als Nachbar, der Alchimist, Mietlinge…) zu verzichten. Mobile Helden brauchen eine Mobile Basis. Das kann ein Kastenwagen wie im Scharlatan (Danke! Hab mein Exemplar aus dem Schrank geholt und lese es grade eifrig wieder), eine Karawane wie die Wandernde Stadt oder eine Norbadensippe, oder gar ein Schiff sein. Die Mobile Basis bietet zusätzlich zum oben erwähnten Basisvorteil den Vorteil, dass es einen innerweltlichen Sinn gibt, warum die Helden grad irgendwo im nirgendwo sind und dass ein zusätzlierer Zeitdruck aufgebaut wird (die Helden MÜSSEN das Abenteuer in drei Tagen lösen, sonst werden sie zurückgelassen).

Mörderhobos brauchen mobile Mörderhobo-Basen.