Rezension: QualityLand

Achtung, Affinity Links!

Viele, die den Namen Marc-Uwe Kling hören, hängen einem Missverständnis an. Sie glauben, er sei ein Comedian, ein Kabarettist, ein Satiriker oder gar… ein Kleinkünstler. Tatsächlich ist Marc-Uwe Kling aber ein Prophet, ein wegweisender Denker, ein Philosoph.

Sein Känguru-Vierteiler ist keine lustige Geschichte von einem Kleinkünstler, der in einer WG mit einem kommunistischen Känguru lebt, sondern eine Handlungsanweisung zum zivilen Ungehorsam und eine Warnung vor dem Diktat des kapitalistischen Uniformismus.

Das Buch, das ich heute besprechen möchte, ist daher auch kein Science Fiktion Roman sondern eine Dystopie, die es mit meinem bisherigen Favoriten (Die Optimierer) aufnehmen kann (obwohl er handwerklich nicht ganz damit mithalten kann). Das Buch spielt in einem Deutschland der Zukunft, dass sich irgendwann entschlossen hat, mit der Vergangenheit endgültig abzuschließen, sich in QualityLand umzubenennen, die alten Familiennamen abzulegen (Kinder bekommen als Nachname den Beruf ihres geschlechtlich passenden Elternteils zum Zeitpunkt der Geburt, was zu auf dem ersten Blick witzigen Nachnamen wie Arbeitsloser, Sexarbeiterin und Vorstandvorsitzender führt) und dem Diktat der Algorithmen der E-Commerce zu ergeben.

Das Buch folgt dem Leben von Peter Arbeitsloser, einem Nutzlosen (Level 9) ( ein Verschrotter, der die ihm zum verschrotten angetrauten Roboter mit kleinen Macken nichtverschrottet, sondern eine Art WG gegründet hat), Martyn Vorstand (Sohn des Wirtschaftsmagnaten Bob Vorstandsvorsitzender, der im Laufe der Geschichte immer mehr die Kontrolle über sein ohnehin mieses Leben verliert) und John of Us, ein Androide, der für die Fortschrittspartei als Präsidentenkandidat ins Rennen geschickt wird.

In den Geschichten der Protagonisten, bei denen die dystopische, digitalisierte Wirtschaft den Hintergrund bildet, werden verschiedene Themen behandelt. Peter Arbeitsloser erlebt seine Existenz zunächst als passives, dem Konsum und dem System ohnmächtig gegenüberstehendes Opfer. Erst im Laufe eines, an Kohlhas erinnernden Feldzug gegen The Shop emanzipieret sich Peter (dank der Hilfe seiner Roboter (hier taucht das Känguru in seiner Inkanation von Pinki, dem pinken Qualitypad, auf) Kikis und des Alten (das Alter Ego Marc-Uwe Kings)) von seinem ihm durch die Algorithmen vorgegebenen Leben. Martyn Vorstand steckt in einer Shotgun-Ehe fest, ist mit seinem Beruf als Politiker unzufrieden und der Präsidentenkandidat seiner Partei, Jon of Us, ist so ziemlich gegen jede seiner Grundüberzeugungen. Hier erleben wir eine Figur im tragischen Scheitern, ganz großes Drama. John of Us ist als Androide eigentlich zum Scheitern verdammt (und wurde wahrscheinlich auch deshalb aufgestellt): Er ist eigentlich eine Superintelligenz, darf als Androide selbst nicht wählen, ist wirklich Multitaskingfähig, wird aber von den Maschinenstürmern auf dem Land (Abgehängten in Dörfern, deren Arbeit durch Roboter wegrationalisiert wurden), Großkapitalisten und den eigenen Parteimitgliedern nicht für voll genommen. Erst durch einen Trick gelingt es ihm, die Präsidentschaft zu gewinnen.

Ich hab die schwarze Hörbuchfassung gehört, aufgenommen vor Live-Publikum. Das hat wohl eine Vorlesung der Känguru-Chroniken erwartet, also was Witziges, bekam aber einen Stoff vorgesetzt, der seine Witzigkeit eher aus der grotesken Situation der Welt beziehen, in denen die Protagonisten leben. Das Lachen bleibt oft im Hals stecken. Im bairischen gibt es da den Begriff „hinterkünftig“. Übersetzt bedeutet das, das etwas oberflächlich betrachtet leicht, humorvoll und witzig rüberkommt, beim genauen nachdenken jedoch einen Abgrund an Tiefe besitzen, die einem am eigenen (Er)Leben zweifeln lassen und zum Überdenken eigener Handlungsmuster anregen. QualityLand ist ein hinterkünftiger Roman und damit absolut lesens- bzw. hörenswert.

Wenn die Känguru-Geschichten ein Aufruf zur subversiven, linken Aktion sind, ist QualityLand die Warnung davor, was passiert, wenn wir den Kampf gegen Amazon, Facebook und Google verlieren.

 

Karneval der Rollenspielblogs: Eis und Schnee – Ein Eisgolem im Sommer

Gestern hab ich wieder mit meinem Bruder über den aktuellen Karneval gesprochen. Mein Bruderherz ist ein Phänomen. Gib in ein Stichwort und der kommt nach 5 Minuten mit einer schrägen Idee rüber. So auch gestern:

„Da gibt es so einen Manga (Melt Away), da geht es darum, dass ein Mädchen am Winterende einen Schneemann in den Kühlschrank stellt und vergisst. Als dann der Kühlschrank von ihrer Tante geöffnet wird, ist da eine Winter-Yokai drin, die sich freut, dass ihr Traum endlich war geworden ist und sie nun den Sommer erleben kann. Währ doch die ideale Aufgabe für Held*innen. Einen Eis-Golem in den Sommer bringen. Mal sehen, wie das in einem Setting ohne Kühltruhe funktionieren soll…“

Mal abgesehen davon, dass mich das auch an Olaf aus Frozen erinnert… geniale Idee. Mir fehlt aber noch eine Motivation für den Golem. Machen wir aus dem Golem doch einen Dschinn. Der hat sich in eine Dryade verliebt, die in einem Weinstock wohnt. Er bittet die Helden, einen Schneemann in den Frühling zu retten, damit er seiner Dryade zumindest für ein paar Stunden Nah sein kann. Die Weinstöcke müssten dann übrigens auch irgendwie geschützt werden, sonst gibt es dieses Jahr keine Ernte. Lassen wir die Dryade in einem Weinberg stehen, der der Rahja-Kirche gehört (Tiefhusen vor dem Fall, später vielleicht Lohwangen oder Joborn) leben. Nehmen wir eine Pächterin, der den Weinberg bewirtschaften muss und verhindern will, dass Eisdschinn und Dryade zusammenkommen (er fürchtet um den heiligen Wein für die Rahja-Kirche). Und dann schlagt mein Pakt mit dem Dämon Anagramma zu Buche: Shade (Hades) für den Eisdschinn, Rose Phenep (Persephone) für die Dryade und Rike De Metre (Dememeter) für die Pächterin und schon haben wir ein tolles Drama.

Blog-O-Queste 52: Rückblick auf 2019 – Die Antwoten

  1. Januar und Zeit für Questen. Hier die Antworten zur Queste 52. Achtung, Affinity Links!

Welches Rollenspielereignis war für dich am prägnantesten/lustigsten/einprägsamsten in 2019?

Rollenspiel mit und vor Kollegen bei einer Vortbildung.

Wie oft bist Du 2019 zum Spielen gekommen? Was wurde am meisten gespielt, welche Systeme hast Du neu kennengelernt?

5 Mal, jeweils Das Land Og in der abgewandelten, für den Unterricht aufbereiteten Version.

Welches RPG-Produkt 2019 (aber nicht unbedingt aus 2019) ist Dein Produkt des Jahres?

Memoria Myrana 53-56, weil ich daran mitgearbeitet habe, Die Schwarze Katze und natürlich Roll Inclusive. Die Havena-Box war auch grandios.

Welcher Blogartikel, welches Video, welcher Karneval Deiner RPG-Kollegen (also quasi der Blogosphäre) hat Dich 2019 am meisten geflasht?

Boah, das ist mal eine richtig schwere Frage, weil da so viele in Betracht kommen. Genderswapped, 3W6, Dropcast und Eskapodcast gehören dazu. Die Katzenhexe fand ich super. Donnerhaus natürlich. Die Karnevale waren alle super organisiert und ich hab geschafft, zu fast jedem meinen Senf dazuzugeben.

Welches sind die Medien 2019 für Dich? Bester Film, beste Serie, beste Buch, beste Comic etc.?

Bester Film: Joker
Beste Serie: This Is Us
Bestes (Hör-)Buch: QuallityLand

Karneval der Rollenspielblogs: Eis und Schnee – Des Trolls Permafrostarchiv

Zwei in Gestallten wandeln die lange Treppe in den Gletscher hinein. Die Fackeln in ihren Händen spenden zwar Licht, werfen aber unheimliche Schatten an die eisblauen Wände. Eine Gestallt ist ein behaarter, großer Troll, die andere der Meister.

Meister: „Verdammt zapfig, hier unten. Warum müssen wir noch mal hier in den Gletscher?“

Troll: „Wegen des aktuellen Karnevals der Rollenspielblogs. Thema ist Eis und Schnee und hier im Gletscher ist doch unser Bolgarchiv. Alles, was du jemals über Eis und Schnee geblogt hast, liegt hier gut gekühlt auf Lager. Da drüben zum Beispiel ist die Grotte mit der Axt des Kuros.“

Meister: „Ah, ich erinnere mich! Ist da auch die Tolle Ausgabe 53 von Memoria Myrana drin? Da wurde die Axt des Kuros dann diesen Februar veröffentlicht, nachdem die Geschichte 2016 im alten Forum als Abenteuerschreibprojekt begonnen. Ah, und hier ist der Plan von Helena Stieber, die den Eisgiganten kartografiert hat. Und alle Posts, die von dem Abenteuer auf meinem Blog berichten! Schön! Die Axt hält immer noch einen besonderen Platz in meinem Herzen, war es doch das erste Abenteuer, das ich für DSA5 geschrieben habe.

Troll: „Da drüben spitzt eine Kurzrezension zu The Terror aus dem Eis. Hast Du dir schon das Hörbuch besorgt?“

Meister: „Nein, noch nicht, das hatte ich fast vergessen. Ich setze es gleich mal auf meine Liste. Apropos Rezensionen: Hier ist die von Arthur Conan Doyles Buch über seine Zeit im Eismeer. Ich fand das Tagebuch richtig interessant, aus mehrerlei Hinsicht. Zum einen gibt es einen Einblick in das Gefühlsleben eines jungen Arztes, der später mit Sherlock Homes eine der berühmtesten Detektiv-Figuren geschaffen hat, die bis in unsere Zeit nachwirkt, zum Anderen gewinnt man einen Einblick in das Leben an Bord eines Walfängers und zu guter Letzt kann man hier schon den Niedergang der Walfänger im Nordpolarmeer erahnen. Das meiste, was die schießen, sind Robben und Seebären. Eine Preisliste für Tran und Seehundfell ist auch in dem Buch.

Ach, sieh mal, mein Beitrag zu Doggerland!“

Toll: „Was macht das den das hier herunten? Hast du das nicht mal als viiiiiiiiiel zu Späten Beitrag zum Thema Hitzewelle geschrieben?“

Meister: „Schon, aber da geht es um eiszeitliche Länder wie eben Doggerland, die dann infolge des Klimawandels im Meer verschwanden. In dem Beitrag hab ich übrigens auch geschrieben, wie man das ganze Thema (versunkene Welt) im Rollenspiel umsetzen kann. Dem möchte ich noch die Idee der Zeitreise hinzusetzten. Held*innen springen durch die Zeit in eine Eiszeit, um dann auf dem versunkenen Land einen Mc Guffin zu finden, nehmen den in die Gegenwart, um dort irgendwas plotrelevantes zu erledigen und müssen dann zurück, um die Zukunft zu ändern oder irgend so was. Jedenfalls sollten die Held*innen in der Vergangenheit Freund*innen erhalten, deren Überreste sie dann in der Gegenwart in einem Museum wiederfinden (von einem Fischer aus dem Meer gefischt).“

Troll: „Bau hier noch Nekromantie ein und ich bin an Bord. Die Eiszeit scheint aber ein Thema bei dir zu sein, da drüben ist eine Buchrezension zu einem eher sozial- und kunsthistorischen Buch, dass sich mit der kleinen Eiszeit befasst.“

Meister: „Ja, und bei dem Buch bin ich mir immer noch nicht sicher, ob es nicht ein Fehlkauf war, obwohl es mir die Augen für einen bestimmten Blickwinkel auf das Thema geöffnet hat. Ich wollte mehr Drama, Leid und Weltuntergang, bekommen hab ich ein Buch, dass den Protestantismus als Folge der kleinen Eiszeit sieht und alle großen evangelischen Kirchendenker der Anfangszeit und auch den 30 jährigen Krieg auf die Eiszeit zurückführt. Naja. Obwohl, vor kurzem hab ich einen Interessanten Clip auf der FB-Seite des Bayrischen Rundfunks gefunden. Die haben dort eines der Eisläufer-Bilder Hendrick van Avencamps analysiert. Darauf sind der Vorläufer von Eishockey (Strauuuubinbg Tigers!) und eislaufende Frauen zu sehen (etwas, was erst ein paar Jahre zuvor erlaubt worden war) zu sehen. Sehr interessant.“

Troll: „Da hinten ist die Abteilung aus dem Monsterhandbuch, dass sich mit Wesenheiten in Eis und Schnee beschäftigt. Da geht es um Yetis, Trolle und Bigfoot, dort drüben die Steinzeitmenschen, die Neandertaler. Und da drüben stehen unsere Shneeuwuppen. Das war damals einer der ersten Einträge ins Monsterhandbuch. Apropos, kommt diesen Monat wieder ein Monstereintrag dazu?“

Meister: „Hab ich zumindest vor. Aber nicht jetzt. Mir ist kalt. Glühwein in der Trollhöhle?“

Troll: „Auja, gute Idee…“

Rezension: Der Kaffeedieb

Das Buch (Achtung, Affinity Link) von Tom Hildebrand kann man in nur drei Begriffen beschreiben und jeder weiß, wie es sich anfühlt, sich lesen wird, was es beinhaltet: Oceans Eleven meets Musketiere.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist eine klassische Heist-Geschichte. Obediah Chalon, Katholik (aus dem protestantischen England), Spekulant, Gelehrter und Fälscher wird von der VOC gezwungen, ein Team zusammenzustellen, um lebende Kaffeepflanzen aus dem Hochland hinter Mokka zu hohlen. Dabei gerät er zunächst mehr oder weniger aus Versehen (er hat einen Hugenotten in seinem Team) aufs Radar des französichen Geheimdienstes dieser Zeit, dem Schwarzen Kabinett. Spätestens als er den missratenen Sohn des Sonnenkönigs, den Mann mit der Maske, befreit, sind sich die Franzosen sichenr, dass Obediah Chalon einen Umsturz plant und jagen ihm hinterher.

Obediah Chalon greift bei der Planung des Heists auf viele interessante Gefährten und die neuesten technischen Errungenschaften seiner Epoche (einen Schachtürken und genaue Taschenuhren) zurück. Die Planung des Heists nimmt daher auch den größten Teil des Buches ein. Die Liebesgeschichte zwischen Obediah Chalon und Hanna Cordovero dagegen wirkt aufgesetzt und gehört nicht zu den Highlights des Buches. Die Gestallt der Hanna jedoch ist interessant geschrieben und das Gegenstück zur Hochstaplerin Gloria, die eher als oberflächlich, Objekt der Begierde und lüstern beschrieben wird.

Der Heist selbst wird nicht aus Sicht des Teams um Obediah Chalon, sondern aus der Sicht eines alten Mannes beschrieben, der im wirtschaftlich niedergehendem Hochland Kindern von dem Tag erzählt, an dem ein Scheitan das Dorf heimsuchte. Ein genialer Kunstgriff. Wer immer einen Heist im Rollenspiel spielen will, der soll bitte diesen Kunstgriff anwenden.

Die Rückreise ist dann ein Desaster. Kürz vorm Ziel werden sie von französischen Piraten abgefangen und nach Paris gebracht, vorher müssen sie aber noch miterleben wie der VOC sie hintergeht und in den Besitz der Kaffeepflanzen kommen. Wie die Flucht gelingt, will ich hier nicht verraten.

Und für Rollenspieler?

Nun, für alle die gern Hexxen1733 spielen ist das ganze ein interessanter Blick in den Barock und der beginnenden Kaffeesucht in Europa.

Den meisten Nutzen werden aber all jene haben, die gerne Heists wie in One Last Job spielen. Den Podcast von 3W6 Podcast dazu hatte ich die ganze Zeit im Hinterkopf, als ich dieses Buch als Hörbuch genossen habe. Und mit diesem Podcast im Hinterkopf wird dieses gut geschriebene Buch zu einem Genuss.

Karneval der Rollenspielblogs: Höllenbrut – Ein Exorzismus der anderen Art

Die Idee stammte aus einem Brainstorming mit meinem Bruderherz am vergangenen Samstag. Ich finde die Idee so gut, dass ich sie hier teilen möchte.

„Was ist, wenn die Helden in einem Haus sind, in dem ein Unglücksdämon haust. Den können sie aus einem unbekannten Grund mit keinem ihnen zur Verfügung stehenden Mittel bannen [Anm. d. Trolls: weil alle Aktionen wegen des unglückausstrahlenden Dämons schief gehen. Zauberer verhaspeln sich beim Bannspruch, das magische Schwert ist in der Scheide festgerostet (Flugrost ist was ganz Fieses) und das Ballistol ist alle, das heilige Symbol wurde von einer Elster gemopst…). Das einzige, was den Dämon vertreibt, ist ihn zum lachen zu bringen. Da die Höllenbrut eine ziemlich fiesen Humor hat, müssen ihn die Helden mit Slapstick-Einlagen und kranken Pranks gegen ejweils die anderen Gruppenmitglieder zum Lachen bringen.“

Super Ansatz, ich würde den noch um zwei Leisten ergänzen. Einmal sollte der Dämon einen Zähler für seinen dämonischen Spaß bekommen, zum anderen jeder Char einen Zähler für die dämonische Korruption. Je fieser die Chars zueinander sind, je mehr das Abenteuer zu Jack Ass dem Rollenspiel wird, desto mehr sollten die Chars Gefahr laufen, ebenfalls zu kleinen Dämonen, etwa zu Imps, zu werden.

Was passiert, wenn die Helden zu Imps werden? Entweder gehen sie dann in die Hände des Spielleiters*in über, der sie dann aktiv gegen die Helden einsetzen kann (die Höllenbrut des Unglücks würde ich eher so als eine Art bösartiger Präsenz darstellen) oder sie bleiben in Spielerhand, der dann zusammen mit dem Meister*in versucht, die Chars aus dem Haus bzw. in die Verdammnis zu treiben.

Apropos dämonischer Spaß:

Rezension MM56 und fehlende Karten

Gleich vorweg: Ich bin ein Riesendepp. Ich hab doch glatt die wichtigsten Karten für „Gefangen in den Nebelauen“ in der altuellen Ausgabe der MM vergessen. Hmpf. Nun… hier reiche ich sie nach.

Kartenset Gefangen in den Nebelauen

Aber kommen wir nun zum wirklich wichtigen, der Besprechung der MM 56. Die ist nämlich die letzte Ausgabe im Jubiläumsjahr 15 Jahre Memoria Myrana und mit 90 Seiten richtig Prall geworden. Nebenbei ein zahrter Hinweis richtung Ulisses: Nachstes Jahr feiert Myranor 20 jahriges bestehen. Wäre das nicht der Ideale Zeitpunkt, mal eine DSA5 Myranor-Box zu crowdfunden?

Ohne Shinxirs Hilfe

Los geht es mit einem Detektiv-Abenteuer, das von Jochen »Rhidaman« Willmannstammte und noch aus der Zeit ist, als er als Myraniar auf Cons Ansprechpartner für das Güldenland war. Vor „Unter dem Sternenpfeiler“ war eigentlich nur eine Region bzw. Stadt auf Myranor beschrieben, Balan Cantara in Cantera. Das Abenteuer spielt in der Arena der Stadt, es geht um Wagenrennen, Freundschaft, viel Geld, menschliche Schwächen und Drohbriefe sowie Attentate. Ein tolles Abenteuer, bei dem die Helden ebenfalls als Wagenlenker am Rennen teilhaben können. Das Abenteuer hat einen ansehnlichen Umfang von 13 Seiten incl. Anhang.

Leandra te Kouramnion und Magister Fechlix Serr Mayek

Die zwei NPCs, die nun folgen, sind Ergebnis des Ars Myrana 2019 Wettbewerbs. Erstere stammte aus der Feder von Viktor-Maurits Kaszián, zweitere stammte von Mir und wurde hier im Blog schon ein paar Mal vorgestellt. Gegensätzlicher könnten die beiden NPCs nicht sein. Hier die aufstrebende, Junior-Tribunin & Stabsoffizierin der dritten Myriade von Harpalis, dort einen desillusionierten, korrupten Magister, der seine Machtstellung als „Sachbearbeiter“ an einem geister- und dämonenverseuchten Ort nutzt, um als Piratenanführer ins eigene Säckchen zu wirtschaften.

 

ChaoKaMio und KaoSharMao

Die nächste Meisterpersonen waren im Ars Myrana 2011 Wettbewerbsbeiträge und stammte aus der Feder von Julian Klippert bzw. Thomas Weber (mit einer tollen Illu von Kirsten Schwabe). Beides Amaun (also Katzenwesen), der erste ein hagerer, unsteter und von göttlichen (?) Visionen gelenkter Wanderer, die andere eine Zaubertänzerin mit düsterem Geheimnis.

 

Der Kult Qesh’Fo

Was wäre die MM ohne neuen Kult? In diesem Beitrag von Mario Miernik. Der hier vorgestellte Kult ist ein freidenkerischer, karmal wundertätiger Zirkel, dem vor allem Katzenwesen angehören. Interessant fand ich, dass der Graue Schatten, der Kultführer, scheinbar unsterblich ist (oder gar der Gott selbst sein soll) und dass seit dem Sternenfall eine Glaubensgruppe aus dem Schatten heraus ketzerisches Gedankengut verbreitet. Tolle Anknüpfungspunkte für eigene Ketzter-Kampagnien.

 

Lapintar

Wer bei Hasen-Humanoiden an Bucky O’Hare denkt… du bist alt… sehr alt. Für alle anderen: Sean David Schöppler und  Daniel Bluhm haben mit den Lapintar eine Idee von Jenna umgesetzt und eine komplett neue Spezies mit eigener Kultur und eigenen Professionen geschaffen und mit den Lapikta sogar eine Kurzohr-Karnickelvariante (wobei die Lapintar imho auch eher Karnickel satt Hasen sind, leben sie doch in Höhlenbauten und Großfamilien zusammen). Besonders nützlich scheint mir die neue SF Hasenlauf I / II zu sein. Schade, dass mir die Idee dieser Karnickewesen nicht für Rakshazar gekommen ist…

Apropos Idee: Wenn ihr Ideen für Myranor, Tharun oder Rakshazar habt, die ihr gerne mal umgesetzt sehen wollt, dann immer her damit. Wir freuen uns darauf.

 

Heimweh

Mit dem 6. Kapitel dieser Geschichte geht es nach Vesayama. Die Geschichte stammt aus der Feder von Daniel Bluhm, Diana Rahfoth hat die Katzenwesen-Dame gezeichnet. Ich hab, aus Zeitgründen, die Geschichte nicht von Anfang an verfolgt und bin leider raus, was den Inhalt angeht. Schreibtechnisch ist aber die Geschichte auf gewohnt hohem Niveau.

 

Die Arachnäer

Spinnenleibige Wesenheiten gehören auch schon lange zur MM. Hier findet sich die komplette ausarbeitung einer Spezies, samt Kulturen und Professionen. Die Spinnenesen werden von Königinnen regiert, die zugleich mächtige Magierinnen mit vier Armen statt der üblichen zwei sind. Und Brüsten. Die weiblichen Arachäer haben Brüste, obwohl sie Eier legen. Die werden damit begründet, dass die Jungen 6 Monate gesäugt werden. Ich weis noch zu gut, welche Grabenkämpfe es bei den Nagah gab, als es darum ging, ob die weiblichen Echsenwesen Brüste haben sollten oder, weil sie ja Eier legen, eben nicht. Wir haben uns damals gegen Brüste entschieden. Als Konsument von Rollenspielen mag man es gar nicht glauben, wie schwer es sein kann, neue Fantasy-Spezies oder Kulturen zu entwerfen, sie mit Fluff und Crunch auszustatten und konsistente Regeln dazu zu entwerfen, ohne dass die neue Spezies oder Kultur zur Mary Sue wird. Jan Stawarz, Sean David Schöpler und Daniel Bluhm gelingt dies auf beeindruckende Weise. Besonders cool finde ich hier die Sonderfähigkeiten Biolumineszenz und die Spinnendrüsen. Die passenden Zeichnungen (mein Liebling ist ja das Arachäer-Männchen auf S. 46) stammen von Kirsten Schwabe.

 

Gefangen in den Nebelauen

Puh, endlich! Der Brocken liegt auch schon Ewigkeiten auf meinen Schultern. Da wir mit der Spielhilfe grade wieder mal nicht zu Potte kommen hab ich begonnen, das Abenteuer hier zu veröffentlichen (und hab gleich mal ordentlich gefailt). Das Abenteuer kommt mit im Regel-Doppelpack daher, es gibt alle Gegner und Proben in DSA4.1 (und ist somit auch mit den Regeln aus unserem Buch der Helden spielbar) als auch DSA5 (das ich persönlich mittlerweile bevorzuge, vor allem wenn es um die Generierung von Helden geht. Auch die QS finde ich gut). Danken möchte ich, allen Illustratoren (Norbert Struckmeier, Manuel Kaiser, Marco-Pascal Hess, Diana Rahfoth, Bartolomaeus (Karte)) die diese Reise hin und zurück ins nahe Rakshazar bebildert haben.

 

Fazit

Wiedermal zeigt sich, dass die Welt des Schwarzen Auges auch außerhalb Aventuriens lebt, viele Fans hat und dringend auf offizielle Neuheiten wartet. Bis dahin nehmen wir Fans unsere liebgewonnenen Kontinete selbst an die Hand und hauchen ihnen Leben ein. Die MM ist dafür das unverzichtbare und qualitativ hochwertige Sprachrohr.