Kopfkino: Eine Stadt oder ein Dorf auf dem Rücken auf dem Riesen

So, wieder mal Kopfkino. Ich habe dieses Bild hier gefunden und schon geht das Kopfkino los. Eine Stadt auf dem Rücken eines toten, versteinerten, halb sekletierten Riesen, Ein Tempel oder ein kleiner Palast auf dem Schädel.

Da fällt mir ein, dass Snorri, der isländische Skalde, der die Edda aufgeschrieben hat, über die Entstehung der Zwerge schrieb, dass sie aus Maden aus dem Fleisch Ymirs entstanden. Schmeißen wir die traditionellen Zwerge über Bord und lassen wir die Zwerge tatsächlich Maden sein, die sich durch den Riesen fressen.

Dolinen, die plötzlich auf dem bewachsenen Rücken auftuen. Stein, das tatsächlich fleisch ist und blutet, wenn man es zermalt. Erz als Knochen. Rubine.

Ich glaube, ich werde mich mal ransetzen und was schreiben. Vieleicht für Beutelschneider.

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Rezension: Märzgefallene – Gerion Raths fünfter Fall

Was für eine Achterbahn! Vom Mord an einem Bettler, Identitätstausch, der Flucht einer irren  Mörderin, einer Hochzeit, dem Reichstagsbrand 1933 und der wachsenden Unterwanderung des Staates durch die Nazis bis zu einem vergrabenen, aber verschwundenen Goldschatz ist alles dabei.

Die Stimmung des Romans, den ich als Hörbuch genossen habe (mit der wundervollen, angenehmen Stimme von David Nathan), ist ungewohnt düster, düsterer als bei Goldstein, die mir seinerzeit zugesetzt hat. Die Politik spielt in diesem Roman eine große Rolle, bis hinein ins Privatleben von Rath. Wegen des Reichstagsbrandes wird Rath zu der Politischen Polizei versetzt und darf erstmal Kommunisten am Wählen hindern, der Mordfall, den er gerade bearbeitete, bleibt dabei auf der Strecke und kommt erst wieder in Gang, als Ragt mit dem Budda beim Nazi-Polizeipräsidenten auftauchen und was von einem Mörder-Izze schwafeln. Rath Intimfeind, Böhm, verliert Amt und Würden, weil er auf einer SPD-Wahlveranstaltung war.  Charlys  Mutter ruiniert die Hochzeitsfeier im kleinen Kreis, weil sie eine Hittlerrede im Radio anhören möchte und den Österreicher anhimmelt, Charly selbst kündigt bei der WKP, weil sie mit der Ausrichtung nicht mehr klar kommt. Rath Freundschaft mit Graf geht in die Brüche, als er entdeckt, dass sein Kumpel nicht nur schwul ist, sondern auch mit einem SA-Mann vögelt.

Der Kriminalfall selber taucht da nur am Rande auf. Es geht um im WW I vergrabenen Gold, einem tot geglaubten, jüdischen Hauptmann, dem seine Männer eine explosive Todesfalle stellten und (Achtung, Spoiler) um den Templer, den Fuchs und den Raben, quasi die deutsche Variante des Antanztricks.

Das Hörbuch ist mit 20 Stunden lang und hat einen kleinen Hänger nach dem 2/3 des Romans, wenn der Mörder tot in der Spree schwimmt, nimmt aber wieder  dann wieder Schwung auf, als Gerion bewusst wird, was denn da für ein Spiel gespielt wird. Beim Finale hab ich an Indiana Jones denken müssen.

Wo ist nun der Mehrwert für Rollenspieler? Wiedereinmal in der Beschriebenen Stimmung. Völker Kutscher gelingt es einmal mehr, ein Land bzw. eine Stadt zu beschreiben, die auf den Abgrund zuläuft. Das wunderbar glitzernde Babylon der 20ger ist gestorben, der braune Sumpf beginnt zu blubbern. Insgesamt eine tolle Vorlage für Noir-Rollenspiele und chtulide Abenteuer.

#7lines: Die Antworten

Vor kurzem wurde ich ja in der #7lines-Challange nominiert und habe selbst zwei weitere Schreiberlinge aufgefordert, sieben Zeilen aus ihren aktuellen Schreibprojekten zu posten.

J.D. Weyer von d6idears hat bereits am 7. Mai geantwortet und interesannte Einblicke in seinen Schreibprozess gegeben.

Mein Papa, Ludwig Hofmeister, hat heute einen Jägerschwank aus seinem Leben gepostet. Af guad Deitsch, do hom borische Jaga Preiß gfoppt.

 

Viel Spaß beim lesen!

Rezension: Fabian Kahl – Der Schatzsucher

Ich bin ja durchaus Fan von „Bares für Rares“, obwohl ich beim anschauen manchmal leide wie ein Hund. Da Verkaufen Typen einfach so, ohne mit der Wimper zu zucken, Familienschätze, die schon seit Generationen in der Familie waren und noch Generationen in der Familie sein könnten, die die Geschichte der Vorväter erzählen, die von Freud und Leid künden, für ein paar schnöde Silberlinge. Das tut mir in der Seele weh! Wie kann man nur eine in (billigen 333) Gold gefasste Schrapnellkugel verticken, die vor über 100 Jahren dem Großvater im WWI die Backe durchschlug?

Einer der Paradiesvögel im Händlerteam ist sicher der Jungspund Fabian Kahl, der genau ein Jahrzehnt und ein paar Monate jünger als der Troll hier ist. Fabian Kahl hat jetzt ein Büchlein auf den Markt gebracht (Der Schatzsucher), das irgendwie beides sein will: Biografie und Einsteigerratgeber für den Antiquitätenmarkt. Der Ratgebertel wurde scheinbar für Leute geschrieben, die noch nie auf einem Flohmarkt auf der Jagd nach Schätzchen waren. Die Biografie des Sohnes eines Reichsbürgers ist jedoch durchaus lesenswert. Er erzähl, wie er zu seiner Passion kam, er erzählt vom Casting für die Show, er plaudert über seine Niederlagen (letzteres nicht mit Verbitterung sondern eher nach dem Motto: manchmal gewinnt man, manchmal gewinnt man nur Erfahrung, aber man gewinnt immer). Bei genügend freier Zeit und schlechtem Wetter ist man mit dem Büchlein nach einem Nachmittag durch.

Und der Mehrwert für Rollenspieler? Nunja, DSA hatte ja mal mit Spuren der Verheißung ein Abenteuer, bei dem die Helden ein paar antiken Möbelstücken hinterher jagten. Grundsätzlich finde ich die Abenteuersammlung durchaus interessant, bloß ich hätte die Möbeljagd nicht nach Aventurien gelegt. Besonders beim Szenario Krötengold denk ich mir immer, wie deplaziert hier der McGuffin wirkt.

Grundsätzlich finde ich aber Abenteuer, bei dem die Helden antiken Gegenständen hinterher jagen, sich in Bibliotheken einlesen müssen und sich mit der (Kunst)Geschichte sowie möglichen Fälschungen auseinander setzen, super. Das kommt auch relativ häufig im Fantasy vor, denken wir an das Necronomicon, diverse andere Kult-Bücher oder Kult-Objekte, denken wir aber auch an Indiana Jones oder Die neun Pforten. Das Büchlein ist also willkommener Anlass, mal wieder ein Schatzjägerszenario zu spielen.

[RPG-Blog-O-Quest] Mai 2018 II: „Mitspieler“

Nachdem ich letzte Woche meiner Bamberger Truppe gedankt habe, wird es Zeit, die Fragen der Würste zu beantworten.

Man hat ja oft eine Vorstellung davon, wie eine Szene ablaufen könnte. Spieler sind legendär dafür, oft völlig unerwartete Wege zu finden. Was war für dich die tollste Abweichung?

Die für mich schwierigste Abweichung waren zwei Spieler, die sich im RL in die gleiche Frau verliebt haben. Das hat meine Piratenkampange gesprengt, denn plötzlich waren die beiden auch im Spiel Konkurrenten.

Huch, grober Fehler: Regel falsch angewendet, keine Idee, wie es weitergeht, Blackout, Liebeskummer – wie hat dein (Mit-)Spieler die Situation gerettet?

Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling… bei allen Anderen oben angesprochenen Problemen hilft… ein Gespräch mit den Spielern_innen. Meist haben die eine gute Idee, wie es weiter geht oder haben eine alternative Regel in petto.

Ganz abstrakt: Wer sitzt an deinem Tisch? Taktiker oder Dramaqueen, Rechtsanwältin oder Grafikdesigner, Vater oder Tochter – keine Namen sondern Typen.

Merry Sue, Rollenspieler, und… Mathematiker. Leute, Mathematiker sind tolle Mitspieler/Regelfuzzi. Gebt ihnen das Regelbuch, zwei, drei Wochen Zeit und ihr bekommt ein optimiertes Regelwerk zurück. Ist mir passiert.

Auch abseits des Spieltisches sind Spieler Menschen und oft auch Freunde. Was hat dich im echten Leben am meisten an den Mitspielern beeindruckt?

Nichts besonders. Alles tolle Typen. Manchmal mit einem kolossalen Vogel, manchmal unnormal normal.

Welche Aktion deiner (Mit-)Spieler am Tisch ist für dich die großartigste, unvergesslichste, bereicherndste, albernste, unerwarteste gewesen, die du je erlebt hast?

Die Helden sind in einen Tempel der Charypso eingedrungen. Die gefallene Göttin persönlich erscheint. Der Gruppenmagier hat noch den abgetrennten Zeh eines Dämons in der Tasche, also wird dieser schnell beschwören. Der frisch beschworene Dämon sieht sich um, grüßt Charypso und plaudern über das letzte Wochenende. Der Spieler nahm alle Magiebücher, die rumlagen, las alles aufmerksam durch, legte alle ordentlich an der Tischkante ab, schaute in die Runde und sagte, mit ernsten Gesicht: „Wir sind alle am Arsch!“ Ich habe diesen Spieler noch nie so sprachlos gesehen wie damals.

Ein Blick in die Trollhöhle: #7lines

#7lines – Ich bin auf Facebook Ziel eines Art Kettenbriefes geworden, den mir ein lieber Riesland-Kollege geschickt hat. Ich soll sieben (oder mehr) Zeilen aus meinen aktuellen Schreibprojekt teilen.

Erwischt… ich sitze nämlich grad ein bischen zwischen den Stühlen. Alle großen Projekte, an denen ich die letzen Jahre gearbeitet haben, sind gerade auf der Zielgerade oder wurden, wie der Zorn der Nanja, eben erst veröffentlicht. Momentan schreibe ich eher an so Blogeinträgen für August und September.

Der August steht bei mir im Zeichen meines Monsterhandbuches. Da werde ich mich am Thema Humanoiden abarbeiten, vor allem Steinzeitmenschen, Zwerge und Halblinge sowie die Orks stehen bei mir auf dem Plan. Ich spüre da nach, woher die Ideen dafür kommen (Spoiler: Tolkin hat schuld!), und wie sie innovativ im Rollenspiel eingesetzt werden können. Ich habe da zwei Nedermannen in DSA5 für Rakshazar ausgearbeitet, hier ein kleiner Auszug:

Sem*spuckt ins Gesicht des Gegenüber*u

Semu stammte aus der Sippe Iuh Fruun, die jeden Winter Rimtheym verbringen und dort, entweder durch Gewalt oder die schiere Masse an Leibern (die Sippe besteht aus mittlerweile 40 Mitgliedern) ein Steinhaus zu besetzen. Daher kann sie auch recht gut Gmer. Den Rest des Jahres ist die junge Nedermannin (sie mag gerade mal 20 Sommer zählen) mit ihrer Sippe in der Mammutsteppe unterwegs.

In den Wintermonaten und den Späten Herbst bzw. frühen Fruhjahr hat sie in Rimtheym ein einträgliches Gewerbe. Gegen gschöne Stoffe, Schmuck und Trophäen (insgesammt sollte der Wert der Waren etwa 800 TE betragen) verdingt sie sich als Wildnisläuferin. Kaum eine kann wie sie sicher durch die verschneiten Ebenen führen und die Felsmalereien der Nedermannen, die zumeist vor Gefahren warnen, deuten.

Fugg

Fugg stammte Ursprünglich ebenfalls aus der Iuh-Fruun-Sippe, entdeckte aber schon sehr früh, dass man in Rimtheym recht gut leben kann, wenn man für ein paar Brocken Fleisch und ein Trinkhorn voll Bier seinen Hintern hochreckt. Fugg kann sich damit rühmen, dass er die Aufforderung zum bezahlten Sex in jeder lebendigen und toten Sprache Rakshazars kann und ein paar ausgefallene Spielchen drauf hat. Jenseits dieses Berufs verdingt er sich auch als Vermittler von Arbeit zwischen den Stadtbewohnern und seiner Sippe.

Im September geht es im Rollenspielerkarneval um Piraten. Da rezensieren ich verschiedene Rollenspielsysteme auf ihre Seefahrttauglichkeit und arbeite raus, warum ich in einem Themenband zur Seefahrt unbedingt auch eine Waffentabelle für diverse Geschütze haben möchte:

Der DSA3 Nachfolger lag in der Al’Anfa-Box bei. Unter Piraten enthielt erste Regeln für den Schiffskampf, die Werte für Schiffsgeschütze und für Beute. Kein Wunder, war doch das Hauptziel des dünnen Heftchen eine Piratenkampagne. […]

Der geneigte Leser wird sich vermutlich Fragen, warum denn der Troll so auf den Werten für Schiffswaffen rumreitet. Für DSA4 standen die doch im guten alten Arsenal. Wenn ich aber eine Piratenkampagne plane, dann würde ich gern die Werte auch im Regelbuch zur Seefahrt haben, dort wo sie hingehören, ins Kapitel zu der Bordbewaffnung, das alle bisher besprochenen Werke hatten, aber nur als Flufftext. ICH WILL REGELN, MAN!

Nebenbei arbeite ich auch an der Torax-Rüstung Bambushain aus dem Abenteuer Zorn der Nanja. Der Text erscheint, mit etwas Glück, in MM52 im Juli. Wie gesagt, der Text ist noch WiP

Die Nanja von Arinda hat eine besondere Gunst, die sie ihren treuen Gefolgsleuten vergibt: die Torax-Rüstung Bambuswehr. Diese kann man im Abenteuer „Der Zorn der Nanja” (MM50) erhalten, wenn man darauf verzichtet, seine ursprüngliche Mission weiterzuverfolgen. Die Nanja vergibt die Rüstung aber auch an alle jene Streiter, die sich für die Natur, das Leben und die Liebe einsetzen oder denen sie einen Gefallen schuldet.
Die Rüstung ist fein gearbeitet, Moadenwerk, wie manche sagen. Zwei Metalle dominieren die Rüstung: Zirakulit, das blutrot den Hintergrund bildet und schwarzes Endurium, das den Kontrast im Vordergrund bildet. Das Endurium ist in der Form von Bambusrohren geschmiedet, das in seiner Dichte an den Hain den Nanja erinnert. Bambusblätter wurden grün emailiert und stechen so aus der Komposition heraus.

So, das war der Blick in meine Schreibwerkstatt, jetzt schnell noch ein paar Nominierungen:

Ich nominiere meinen Vater, Ludwig Hofmeister. Schreib ruhig sieben Zeilen deiner neuesten Kurzgeschichte hier rein. Und ich nominiere J.D. Weyer von d6idears. Seine Blogeinträge sind super und ich möchte wissen, was sein Gehirn so als nächstes auf den Markt schmeißt 🙂