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Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume

So, erst mal an alle ein gutes Neues Jahr! Nachdem sich der Dampf der Knaller und Raketen verzogen hat und der Krawall den letzten Tagträumer geweckt hat, wird es Zeit, mal den Karneval auszuwerten.

Greifenklaue (in zwei Beiträgen) und ich stellen ein paar visuelle Reize für Kopfkino vor. Die fliegenden Inseln und die Treppen zum Brunnen im ersten Post und die Stadt auf dem Steinkopf im zweiten Beitrag haben es mir angetan. Auf die Illustratoren, die uns mit visuellen Reizen versuchen, sang ich ein Hohelied, im speziellen auf Kirsten Schwabe. Kirsten illustriert für die Memoria Myrana, bei denen ich ja auch irgendwie mit drinnen hänge…

Sandfox von Sandkastenspiele beschreibt in seinen Blogeintrag, wie man so einen Tagtraum fassen und in Textform gießen kann. Das ist ein wirklich interessanter Text, denn so ähnlich fang ich meine Tagträume auch ein. Ergebnis eines solchen eingefangenen Traums ist Yimrheim. Ich freue mich da schon auf den angekündigten Kommentar von blut_und_glas

Timberware beschreibt, wie man Tagträume bzw. Tagtraumsequenzen erzählerisch darstellt.

Manchmal lassen mich Informationsfetzen nicht mehr los. Eine Sendung im Deutschlandfunk z.B. löste bei mir die Frage aus, warum eine Abenteurerinnengruppe dringend einen Barden braucht, wenn es in einen spinnenverseuchten Dungeon geht. Natürlich wegen des einzigen Antidots gegen Spinnengift – Tanzen! Ein anderes mal ist es ein Youtube-Video zu einem Ur-altem (sorry fürs Wortspiel…nicht) Brettspiel, das bei mir Kopfkino auslöst.

Einen Eintrag ins Monsterhandbuch gab es diesen Monat auch von mir, die Drud. Auf d6idears gibt es die passenden Beutelschneider-Werte. Bei Ackerknecht gabs dann die Idee zu einem Kegel-basierten Regelsystem und boom… Kopfkino. Mal schaun, vielleicht gibt es dann im Sommer ein neues Abenteuermodul.

Was ist… ein Tagträumer? Spiele im Kopf, d6idears gleich zweimal und ich hatten da verschiedene Vorstellungen. Von einer, an Mesoamerika angelehnte, Kultur über gekaperte Vergnügungsschiffe und eine Bezeichnung für Kundschaft der TCG bis zu träumenden Schülern, da war alles dabei.

Von d6idears gibt es natürlich wieder einen Blick ins Archiv.

Es hat wieder einmal Spaß gemacht, einen Rollenspielerkarneval zu leiten. Die Beiträge waren interessant, vor allem das Was ist Spielchen. Das Vergnügungsschiff wird ich mir mal genüsslich klau… leihen 😊. Ich freu mich schon auf 2019!

Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume – Von Kegelbahnen und Kaulquappen

Ich hab hier nch zwei interessante Links gefunden. Der erste geht zu Kollege Ackerknecht: Ein Besuch auf einer Kegekbahn hat bei ihm die Synapsen angeschmissen und raus kam ein Regelsystem fpr Rollenspiele auf basis von Kegelwürfen. Alle Neune, Herr Ackerknecht! Das Hat bei mir die Synapsen angeworfen und… später vielleicht mehr. Der Film muss erst noch geschnitten werden, dann läuft er im Kopfkino….

Der zweite Link war irgendwie Klickbait. Aber für Rollenspieler in Fantelalter-Settings vielleicht interessant: Wie verhütet frau ohne Pille? Oh, ja… Triggerwarnung: Einige der Verhütungsmethoden bringen dich um oder machen dich unfruchtbar.

Des Trolls Monsterhandbuch und Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume – Sweet dreams are made of this

Es ist Mitternacht. Du schreckst aus einem Alptraum hoch. Schweißgebadet liegst du im Bett. Die Brust schmerzt, Du kannst kaum atmen. Diese Nacht hattest Du ungebetenen Besuch… von einer Drud.

Von Drudn hab ich zum ersten Mal vor gut 30 Jahren gehört. Bei uns gehörte es zum Freitagabend dazu, dass Königlich Bayrische Amtsgericht zu anzuschauen. In der Staffel 1 gab es da eine tolle Folge, die sich mit dem Thema Drudn beschäftigt.

Drudn sind verwunschene (junge) Mädchen, meist die jüngsten Töchter von Drudn (oder eine von sieben Töchtern einer normalen Frau), die verflucht sind, als geisterhafte Erscheinungen allen Schlafenden aufzuhocken und den Atem auszudrucken. Das muss nicht mal ein Mensch sein, auch Tiere, vor allem Kälber, Pferde und Hühner können gedrückt werden. Im schlimmsten Fall können die Opfer erdrückt werden, so der Volksglaube. Früher war das Wirken der Drud eine einfache Erklärung für den plötzlichen Kindstod. Verbreitet ist (der vielmehr war) der Glauben an die unheimliche Drückerin im Ganzen süddeutschen, vor allem aber bayrischen und österreichischem Raum.

Wie wird man jetzt aber so eine Drud wieder los? Da überliefert uns der Volksglaube auch ein paar potente Mittel.

  • Der Drudenfuß. Ja, genau von diesem bayrischen Alp hat das Pentagramm seinen volkstümlichen Namen. Über der Tür, der Bettstatt (ein altes Wort für Bett) oder an der Krippe angebracht, sollte das Pentagramm die Drudn vertreiben. An manchen alten Krippen ist auch noch ein Lilith Abi (hebr. für Lilith hau ab, bezieht sich auf den Dämon Lilith) eingeschnitzt.
  • Ein Drudenstein. Wenn man richtig Glück hat, kann man einen Stein finden, in dessen Mitte ein natürliches Loch ist. Das ist ein sogenannter Drudenstein. Träger eines Drudensteins waren vor den Nachstellungen von Druden und anderen Geistern geschützt. Steine, in die selber oder von Freunden ein Loch in die Mitte gebohrt wurde, waren übrigens wirkungslos.
  • Drudengatter, das heißt ein Kreuz, das Christuskreuz und Andreaskreuz in sich vereinte, wurden vor die Eingänge gestellt. Drudn konnten dann nicht mehr ins Haus (es sei denn, jemand war aus Versehen beim Bau einer Hausmauer über die selbige gestiegen und hatte eine Koboldstür hinterlassen).
  • Drudenmesser waren besonders verzierte Messen, deren Griff ein Gamskruckl, also ein Gämsenhorn war. Das Messer wird mit der Schneide nach oben in den Türbalken gerammt und verhindert, dass eine Drud das Haus oder den Hof betreten kann.

Verwand mit der Drud sind der Alp, der sprachlich mit den Elf verwandt ist und für den Alptraum Pate stand und auch Nachtmahr genannt wird. Beides sind Geister, die sich nächtens auf der Brust des Opfers niederlassen, ihm Schlaf und Atem rauben. Interessant finde einen Aspekt, den ich auf Wikipedia gefunden habe und der mich auch bei den Drudengeschichten untergekommen ist: Nachtmahre scheinen offenes Haar zu verabscheuen. Egal on Tier oder Mensch, sie flechten es zu kunstvollen Zöpfen… warum auch immer. Übrigens gehören auch Incubus und Sukkubus zusammen mit meinen Lieblingsgeistern, dem Schalk im Nacken zu dieser Kategorie der Aufsitzer-Geister.

Auch die Gebrüder Grimm haben ein ganzes, etymologisch interessantes Kapitel in ihrem Werk Deutsche Sagen in Band I von 1816 geschrieben. Darin geht es unter andrem darum, wie man eine Drud bzw. einen Alp in seiner menschlichen Form erkennen kann.

Sagt man zu dem drückenden Alp:

Trud komm Morgen,
so will ich borgen!

weicht er alsbald und kommt am andern Morgen in Gestalt eines Menschen, etwas zu borgen. Oder ruft [132] man ihm nach: „komm Morgen und trink mit mir,“ so muß derjenige kommen, der ihn gesandt hat.

Nach Prätorius stoßen seine Augenbraunen in gleichen Linien zusammen, andere erzählen, daß Leute, denen die Augenbraunen auf der Stirne zusammengewachsen sind, andern, wenn sie Zorn oder Haß auf sie haben, den Alp mit bloßen Gedanken zuschicken können. Er kommt dann aus den Augenbraunen, sieht aus wie ein kleiner weißer Schmetterling und setzt sich auf die Brust des andern Schlafenden.

Quelle: Deutsche Sagen, Band 1, S. 130–132

Die Drud im Rollenspiel

Druden und Alp eignen sich gut für Rollenspiel. Sie sind eine interessante Abwechslung zu Dämonen und Geistern oder zur „normalen Hexe“. Da sie Menschen sind (zumindest tagsüber) und wahrscheinlich sogar in die Dorfgemeinschaft hineingeboren wurden (vor allem die Drud scheint ein bäuerliches Phänomen zu sein, in der feinen Stadt schien man eher mit der Sukkubus zu verkehren), eignen sie sich für einen Detektivplot. Da sie Drud den Überlieferungen nach unschuldig, weil verflucht ist, kommt hier eine Jungfer-in-Not-Situation hinzu (Das Baierische kennt auch eine männliche Form der Drud, den Druderer oder Truderer. Die wird aber auch für böse Zauberer im Allgemeinen verwendet).

Ein weiterer Aspekt ist der Lebensraub bzw. die Atemnot, der mit dem Besuch einer Drud verbunden wird. Das war ja früher ein Erklärungsmodell für Krankheiten und plötzlichem Tod. Im Rollenspiel könnte die Drud tatsächlich Krankheiten übertragen oder totgedrücke Opfer zu einem Unleben verdammen (immerhin sind auch Aufhocker aus der Angst vor Untoten entstanden). Dann kommt zum Detektivplot schnell ein paar Horror-Elemente hinzu.

Vielleicht ist in der Rollenspielwelt, in der unsere Drudengeschichte spielen soll, eine bestimmte Religion vorherrschend und Elemente des Volksglaubens als Aberglaube verboten. Wer also Pentagramme in die Haustür ritzt und Drudengatter bastelt, steht bald selbst unter Verdacht, ein Zauberer (Druderer) zu sein.

Die Drud wäre also eine ideale neue Hexenart für Hexxen1733.

Achja… Heut ist Rauhnacht. Der blutige Dammerl zieht seine Kreise…

 

Update 28.12.2018: blut_und_glas hat für die Drud mal Werte entwickelt. Für Beutelschneider, versteht sich.

Der Troll blickt zurück – 2018 Edition

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es wird also wieder Zeit für Jahresrückblicke.

Insgesamt wurde mein Blog dieses Jahr 9.857 aufgerufen, von etwas mehr als 6.000 Besuchern. Das ist für meinen kleinen, bald fünf Jahre alten Bog, der Rekord. Die meisten Aufrufer sind aus Deutschland.

Meine Tobbeiträge waren die Rezension zur Havena-Box (444 Aufrufe) und meine Rezension zum Urvater der Tabletob-Spiele, Little Wars (301 Aufrufe). Mein am schlechtesten besuchter Beitrag war mein Beitrag zum 1W100 Random Blog Encounter (klägliche 4 Aufrufe) Bei denen Wollte ich mitmachen, habs aber Zeitlich irgendwie nicht geschafft.

Dieses Jahr habe ich es geschafft, viele Schreibprojekte abzuschließen. Da wären „Die Axt des Kuros“, der „König der Huren“ und „Gestrandet in den Nebelauen“ das zumindest textlich final ist. Für die Memoria Myrana hab ich den „Zorn der Nanja“, eine alte Abenteueridee, aus dem Papierkorb gezogen und auch der „Turm des Morgai“ wurde aus dem Papierkorb gezogen und fertiggeschrieben.  Für den OPWC hab ich was geschrieben, aber leider nichts gewonnen. Bei der Ars Myrana war ich mit zwei Beiträgen am Start. Grade eben hab ich die Idee mit den Gestrandeten auf einer Iomischen Insel aufgegriffen und schreib da rum. Fehlt noch ein bisschen… Achja, ein Feenabenteuer hab ich ja auch noch geschrieben!

Auch für ein anders System habe ich was geschrieben, Yimrheim für Beutelschneider. Das hat mir richtig Spaß gemacht, nächstes Jahr möchte ich noch was für Beutelschneider machen.

Dieses Jahr durfte ich drei Rollenspielkarnevale leiten. Der zweite, zum Einstieg ins Rollenspiel, war der mit den meisten Teilnehmern. Das war auch der, bei dem ich die Fate-Spieler mit einem kleinen Rant getriggert habe… ich schlimmer Troll ich!

Dieses Jahr war das Jahr der Awareness im Rollenspiel. Auch dazu habe ich Stellung bezogen. Ach wenn ich es nicht immer schaffe, versuch ich doch bei den Veröffentlichungen hier auf meinem Blog das generische Femininum durchzuziehen.

Vampire, die auch ein Teil der Kontroverse waren, waren auch ein wichtiges Thema hier auf meinem Blog. Ich hab hier sogar mal die chinesische Variante der Vampire vorgestellt. Hüpft schön, beißt und gegen die Verwandlung hilft Rundkornreis.

Was den Ausblick angeht, hab ich ja schon in der aktuellen Blog-O-Queste darüber ein paar Worte verlohren. Ich freu mich schon auf 2019.

Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume – Vom Tanze und seinen rollenspielerischen Möglichkeiten

Warum ist Enrico davon überzeugt, dass die Gruppe für den Ausflug ins Spinnenverseuchte Schloss dringend einen Barden braucht?
Keine Ideen?

Na wegen der Trarantella!

Ok, ich gebs zu, der Gedankenpfad ist nicht leicht zu wandeln, aber genau das ist so ein Informationsfetzen, der bei mir Tagträume (und Ohrwürmer) hervorgerufen hat, die mich seit einer Woche nicht mehr loslassen. Schuld ist in diesem Fall der Deutschlandfunk, der Samstags um 10 die Sendung Klassik-Pop-et cetera sendet. Darin werden bekannte Regisseurinnen, Musikerinnen und Dirigentinnen gebeten eine Stunde lang Programm zu machen. Ich hör den Sender immer, wenn ich meine Mädels zu Karate fahre. Vor ein paar Wochen wurde da eine Tarantella gespielt und darauf hingewiesen, dass diese Musik- und Tanzrichtung lange Zeit als Heilmittel gegen den Biss einer Tarantel galt.
Zack, Kopfkino! Ich wollte ja schon seit einiger Zeit einen Bestiariumseintrag für Riesenspinnen machen, und darum hat diese Information bei mir Bilder von Tanzenden Heldinnen neben den Kadavern von Riesenspinnen hervorgerufen.
Und jetzt bin ich Arschloch: Eine Tarantella kennt jeder on euch, nämlich die Tarantella Neapoletana. Ich brauch nur ein paar Worte zu tippen und ihr habt die nächsten 10 Minuten einen Ohrwurm.

Pizza, Pasta, Pizza Pasta….

You are welcome!

Eine Tarantella ist ein klassisches, süditalienisches Volkslied bzw. Volkstanz. Der Tanz scheint noch aus der Zeit Roms zu stammen, von Dionisus oder Diana-Kulten. Erstmals schriftlich erfasst wurde die Tarantella 1630 dann das jesuitische, deutsche Genie Athanasius Kircher.
Die Idee hinter der Tarantella war ja, dass die Leute glaubten, dass der Biss einer Tarantel schmerzhafte Muskelkontraktionen und sogar den Tod hervorrufen konnten. Um den Gebissenen zu heilen, musste er tanzen. Und weils sich allein so schlecht tanzt, muss das ganze Dorf gleich mittanzen. Durch den flotten Tanz (6/8 bis zu 12/8 Rhythmus) soll der Körper das Gift ausschwitzen, bevor es Schaden anrichten konnte.

[…] e trovammo il misero contadino oppresso da difficile respirazione, ed osservammo inoltre, che la faccia, e le mani erano incominciate a divenir nere. E perchè il suo male era a tutti noto, si portò la Chitarra, la cui armonìa subito, che da lui fu intesa, cominciò a mover prima li piedi, poco dipoi le gambe. Si reggeva appresso sulle ginocchia. Indi a poco intervallo s’alzò passenggiando. Finalmente fra lo spazio di un quarto d’ora saltava si, che si sollevava ben tre palmi da terra. Sospirava, ma con empito sì grande, che portava terrore a‘ circostanti; e prima d’un’ora se gli tolse il nero dalle mani, e dal viso, riacquistando il suo natio colore.

Übersetzung:
[…] and we found the poor peasant oppressed with difficult breathing, and we observed also that the face and hands had started to be become black. And ‚cause his illness was known to all, a guitar was brought, whose harmony immediately that he was understood, began first moving the feet, legs shortly afterwards. He stood on his knees. Soon after an interval he arose swaying. Finally, in the space of a quarter of an hour he was leaping, nearly three palms from the ground. Sighed, but with such great impetus, that it terrorised bystanders, and before an hour, the black was gone from his hands and face, and he regained his native colour
Cancellieri, Francesco (1817). Lettera sopra il Tarantismo, l’aria di Roma, e della sua campagna. Seite 11

Mal abgesehen, dass Spinnen den Menschen äußerst selten beißen, hatten die auch die völlig falsche Spinne im Verdacht. Nicht die Tarantel war so giftig, dass sie auch den Menschen schaden konnte, sondern die Schwarze Witwe. Nun, Sei es drum, jedenfalls tauchte die Tarantella ab dem 17. Jhdt. immer wieder in Heilkundebüchern auf und ab den 19. Jhdt. beschäftigten sich auch Schubert, Rossini, Listz und Strauß (der Sohn) mit der Tarantella. Heck, die italienisch Nationalhymne ist eigentlich eine Tarantella!

Und im Rollenspiel?

Das naheliegendste ist natürlich ein neues Zauberlied für den Barden. Ein mächtiger Zauber, der das Gift aus dem Blut treibt. Doch wo steht der Zauber bzw. wie erlernt ihn der Barde?
Vielleicht tatsächlich aus einem Buch für Heilkunde. So ein Buch wäre dann vollgestopft mit Rezepten für Heiltränken, anatomischen Zeichnungen, Bastelanleitungen für Amulette, eine seitenlange Abhandlung über den Nutzen von Biebergeil und Noten für ein, zwei Tarantellas.
Vielleicht aus einem Notenbuch, in dem nicht nur Tarantellas, sondern auch Melodien alla Erich Zann. Wer also unbedarft die Musikstücke spielt, der findet sich plötzlich Aug in Aug mit einem anderweltlichen Schrecken wieder, eventuell einem Spinnendämon, gegen dessen Biss nur eine Tarantella hilft.

Vielleicht ist in dem Notenbuch aber auch eine revolutionäre Idee wie die Zwölftontechnik versteckt, und ein bekannter Musikkritiker / Komponist ist auf der Jagd nach dem Buch, um es zu zerstören.

Der Barde könnte natürlich auch den Tanz von anderen Barden lernen. Vielleicht gibt es eine Bardenschule, die aus einigen Bardinnen am Dorfbrunnen besteht. Die muss man erst mal überzeugen, dass sie der Heldenbardin eine Tarantella beibringen. Mögliche Questen könnten sein, dass ein aufdringlicher Verehrer zur Räson gebracht werden soll, Plakate für ein Konzert verteilt, Ordnungshüter bestochen, Musikinstrumente einem Leihhaus auslösen (oder stehlen), einen Liebhaber entführen o.ä. und natürlich Vorgespielt werden muss. Gabs da nicht in Monkey Island III ein berühmtes Banjoduell?

Vielleicht findet ja nicht die Gruppenbardin das Büchlein, sondern ein anderer magiebegabter Charakter. Zeit, über Multiclassing nachzudenken…

Neues von der Kirchenfledermaus – BAD ASS Heilige als Inspiration fürs Rollenspiel

Ich hab ja da meinen Zweitblog, in dem ich über verschiedene Interessante Dinge des christlichen Glaubens berichte. Heut habe ich mir mal die BAD ASS Heiligen der katholischen Kirche näher angeschaut.

File:Santa-muerte-nlaredo2.jpg

Close-up view of a Santa Muerte south of Nuevo Laredo, Mexico. This work has been released into the public domain by its author, Not home at the English Wikipedia project. This applies worldwide

Zu Beginn des Eintrages ziehe ich in der Rolle der Kirchenfledermaus Leander ziemlich über den Kult der Santa Muerte her. Als gläubiger Katholik ist dieser Kult für mich natürlich eine Ausgeburt der Hölle, als Rollenspieler, geschichtsinteressierter und theologiefester Mensch allerdings ist der Kult geradezu eine Fundgrube. Santa Muerte ist eine weibliche, skelettierte Göttin eines Kultes, dem vor allem Drogendealer, Kriminelle und auch ein paar Polizisten anhängen.

Die Heilige Frau Tod ist wohl eine krude Mischung aus christlichen Vorstellungen (der gute Tod, Memento Mori) und aztekischen Gottheiten (Mictēcacihuātl). Ein mexikanischer Karikarturist hat dann den Kult in die moderne gehieft. Spätestens in den Vierzigern des letzten Jahrhunderts hat sie sich dann als Schutzheilige für alles Abseitige (Schwule, Drogen, Kriminalität, Mord) durchgesetzt.

Als alter DSA-Spieler kenne und liebe ich ja meinen PHEX. Die Dame hier ist aber quasi die dunklere, gefährliche Variante was mich zugegebenermaßen fasziniert.

Also habe ich mal begonnen zu recherchieren, welche Heiligen mit… nennen wir es dunkleren Flecken auf der weiße Weste so gibt. Ein paar hab ich gefunden und hier möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, um hier ein paar aus der Rollenspielperspektive zu benutzen.

Von Moses dem Äthiopier zum rabiaten Priester eines Travinatempels

Moses Lebenslauf schreit geradezu nach einer Rollenspielerischen Umsetzung. Die Geschichte ist viel zu gut, um nicht als Charakterhintergrund genutzt zu werden! Moses begann sein Leben als Sklave im römischen Ägypten 332 nCh. Sein Herr schmiss ihn raus, weil er schon damals raubte, soff und wohl auch mordete. Nach seinem Rausschmiss stieg er zum Hauptmann einer 75-köpfigen Räuberbande auf. Irgendwann kam er dann in ein Kloster, je nach Version um es entweder auszurauben, unterzutauchen oder um Rat in einer Lebenskrise zu erhalten. Ich bleib mal bei der Flucht-Vor-dem-Gesetzt-Variante, weil die mir gut in den Kragen passt.

Es sind auch einige Heiligenlegenden vom späteren Märtyrer Moses überliefert, die, die mir am besten gefällt ist jene, dass drei ehemalige Kollegen ins Kloster einstiegen und versuchten, einen Mönch in seiner Zelle zu überraschen und auszurauben. Pech, dass sie sich ausgerechnet Moses ausgesucht haben, der wohl, laut Überlieferung, ein Hüne von einem Mann gewesen sein muss. Das Ende vom Lied war, dass Moses seine überwältigten Kumpane über die Schulter warf, mit ihnen in die Kirche trat und sie den Klosterältesten vor die Füße war, die entscheiden sollten, was denn mit den Einbrechern zu geschehen habe. Weil er Gewalt anwenden musste, soll der äthiopische Riese sich selbst drei Tage fasten auferlegt haben.

Und nun hier eine Umsetzungsidee für DSA: Machen wir aus Moses eine Akoluthin oder Geweihte der Travina. Einen rabiaten Priesterin, die den gebotenen Frieden im Tempel oder als Akoluthin in der Rolle der Türsteherin den gebotenen Frieden in einem Wirtshaus oder einer Herberge, mit Wort (scherfällig, derbe Sprache) oder Taten (Backpfeifensturm!) umsetzt. Als ehemalige Räuberin dürfte sie zudem ziemlich gut mit Säbeln und Dolchen (bzw. deren zivilen Gegenstück, dem Fleischermesser) umgehen können. Die Idee mit dem Fasten nach Gewaltanwendung finde ich gut. Vielleicht trägt sie auch einen Gürtel, an dem Ketten angebracht sind, die seine Arme einschränken (weit genug, dass er arbeiten kann, eng genug, dass er keinen erschlagen kann).

 

Afra von Augsburg – Die heilige Dirne

Die Geschichte der zweiten Heiligen liest sich dagegen wie ein Plot für Tassander. Ein junges Mädchen flieht mit ihrer Mutter ins rätische Exil nach Aelium Augustum. Sie fliehen, weil ihr Vater, der König von Zypern (durch Roms Gnaden) erschlagen wurde. Mitten in der Hauptstadt Rätiens finden sie Ruhe und die junge Prinzessin soll zur Dienerin der Venus ausgebildet werden. Dann jedoch begehen die Beiden, Mutter und Tochter, den verhängnisvollen Fehler, einen gesuchten Kultisten Unterschlupf zu gewähren. Der bekehrt die beiden Frauen zu seiner Sekte. Da die Lehren der Sekte gegen die Grundsätze des Imperiums verstoßen, werden die Frauen gejagt und enden auf dem Scheiterhaufen.

Die Heilige ist übrigens Afra von Augsburg, die Geschichte spielt aber unter Diokletian (304 nCH.), Tessanders Kampagne spielt aber zu Zeiten Commodus (180 -192 nCh). Trotzdem… interessant ist die Geschichte der Afra schon. Und die Idee, dass die Römer das Christentum erst mal als Bedrohung wahrgenommen haben, passt gut in die Einteilung von Göttern des Chaos und der Ordnung in Tasseanders Kampagnenwelt.

 

Des Trolls Monsterhandbuch: Höllenhunde – Bitches straight out of Hell

Hunde werden und wurden in so ziemlich allen Kulturen und Religionen dieser Welt verehrt. Egal ob in Babylon, dem pharaonischen Ägypten, Hinduismus oder den Mythen der Kelten der Wikinger oder Kelten, ja sogar bei den indigenen Völkern Amerikas und Australiens. Hunde tauchen oft in den Sagen und Mythen auf. Vielleicht ein Echo aus jenen fernen Tagen, als der Wolf gezähmt und durch Züchtung zum Hund wurde.

Und neben dem guten Hund, dem Beschützer der Herden und Helden, gibt es noch den Höllenhund, eine geisterhafte Erscheinung, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Höllenhunde sind wohl das Echo von Tollwut, Wölfen und verwilderten (Kampf)Hunden. Groß sollen sie sein, meist schwarz (es gibt auch weiße und sogar grüne Exemplare), mit glühend roten Augen.

 

Arten von Höllenhunden

Datei:RomanCerberus.JPG

Detail einer römischen Marmorstatue um 180 n. Chr., Archäologisches Museum Iraklio, Kreta, User Nabokov; „Photo by Tom Oates“, Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

Fluffy… ähhh Zerberus ist wohl der uns bekannteste Höllenhund. Dieser dreiköpfige Hund bewacht die Eingänge in die Unterwelt, zerfleischt die Lebenden, die die Ruhe der Toten stören wollen und jagt die Toten zurück in den Tartarus jagt. Viermal wurde er von lebenden besiegt. Von Herkules mit reiner Stärke, von Orpheus mit Gesang und von Psyche und Sybille mit Honigkuchen bzw. Honig (Hades hat anscheinend vergessen, sei Hündchen zu füttern. Die Dante straft Zerberus die gierigenZerberus ist der Prototyp der wachenden Höllenhunde. Diese Hunde bewachen Übergänge zur Welt der Toten oder besondere Schätze. Böse werden diese Hunde nur, wenn man über die Schwelle will oder hinter dem Schatz her ist – sonst sind sie ganz liebe Viecher. Zu dieser Familie gehören Gram, der Zerberus der Wikinger, der Church Grim, der englische und finnische Friedhöfe und Kirchen vor Räubern und dem Teufel persönlich bewacht. Lovecrafts Geschichte „Der Hund“ fällt ebenfalls in diese Kategorie.

… The baying was loud that evening, and in the morning I read of a nameless deed in the vilest quarter of the city. The rabble were in terror, for upon an evil tenement had fallen a red death beyond the foulest previous crime of the neighborhood. In a squalid thieves‘ den an entire family had been torn to shreds by an unknown thing which left no trace, and those around had heard all night a faint, deep, insistent note as of a gigantic hound…

(Lovecraft, The Hound, 1924)

Andere Höllenhunde scheinen ein Omen des Todes zu sein. Wer sie sieht oder ihr Gebell hört, dessen Ende naht. Der Cŵn Annwn gehört hier rein, genauso wie der Hund von Baskerville.

I gotta keep movin
I gotta keep movin
Blues fallin down like hail
Blues fallin down like hail
Umm mmmm mmm mmmmmm
Blues fallin down like hail
Blues fallin down like hail
And the days keeps on worryin me
theres a hellhound on my trail
hellhound on my trail
hellhound on my trail

(Robert Johnsen, Hellhound on my trail, 1937)

Die letzte Kategorie der Höllenhunde jagt ihre Opfer um sie bei lebendigen Leibe in die Hölle zu ziehen. Die Jagdhunde des Teufels werden z.B. von Robert Johnson besungen. DSA hat dieses Konzept der Höllenhunde voll ausgenutzt: Shakalaraan, der lüsterne Sandwolf-Dämon der Belkelel, Karmanath aus Nagrachs Domäne und der Weiße Hetzer aus Tobien. In alten britischen Sagen sind diese Art von Höllenhunden Teil der wilden Jagd oder manchmal auch Satan himself in Verkleidung.

Höllenhunde im Rollenspiel

Gerade DSA (wie auch andere Rollenspiele) hat ja den Teil mit den Jagdhunden des Teufels ziemlich gut ausgereizt. Schwach aber sind die Aspekte des wachenden Höllenhundes (der an die Lynx ausgelagert wurde) und des Todesomens ausgeprägt. Das sind verschenkte Möglichkeiten. In Horrorsettings bietet sich das Todesomen doch an: eine geheimnisvolle Macht, ein Geistwesen, das das unausweichliche Schicksal verkündet und ein Dorf terrorisiert. Ist das Geisterwesen für den gewaltsamen Tod der Bewöhnerinnen verantwortlich? Wurde es von der alten Vettel draußen im Wald beschworen, die man schon lange der Hexerei verdächtigt? Dann wäre es mal wieder Zeit für eine ordentliche Hexenverbrennung, am besten zusammen mit ein paar Waisen und Landstreichern zusammen, nur um auf Nummer sicher zu gehen! Hat man vielleicht ein altes Hügelgrab geschändet oder die Heimstatt einer Fee vernichtet? Bewacht das Monster einen Schatz in der Mühle des Schwarzmüllers. Ist der Höllenhund in Wirklichkeit tatsächlich nur ein Omen, das anzeigt, dass man auf der Abschussliste einer psychopatischen Mörderin aus dem Dorfe steht und kann das Omen einen Hinweis geben, wann und wo die Mörderin wieder zuschlägt und wer die Schurkin ist?

Ich finde die Idee mit dem Church Grimm sehr spannend. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, den Heldinnen in einem schweren Kampf zur Hilfe zu kommen und ihnen trotzdem die Haare zu Berge stehen zu lassen. Das Szenario: Endkampf in der Ruine des alten Tempels, plötzlich taucht ein kalbsgroßer Geisterund auf und wirft sich auf Seiten der Heldinnen ins Getümmel. Nach dem Kampf erscheint der Geist in Gestalt eines Schoßhündchen, nur um wieder zur Bestie zu mutieren, sollten die Heldinnen auch nur einen Fuß in die Krypta des Tempels setzen. Den Grimm kann man bannen, dazu müssen die Überreste des Hundes, der bei der Grundsteinlegung des Tempels lebendig begraben wurde, finden und vernichten.

 

Beispiel für einen Church Grim in DSA

Fass war ein guter Hund, ein braver Hund. So lobte sein Herrchen Fass immer. Herrchen war ein wichtiger Mann. Ein Geweihter von dem Herrchen in Alveran, Firun. Fass und sein Herrchen lebten in einer kleinen Hütte im Wald, bei Norntal. Einmal war ein langer Winter. Böser Winter! Es war kalt, auch wenn längst die Blumen blühen sollten. Fass mochte Blumen. Damals gab es keine Blumen. Sein Herrchen sagte damals, er müsse weggehen, nach Bjaldorn, um gegen das Eis zu kämpfen. Er sagte, Fass sei ein braver Hund, und dass er achtgeben solle auf dar Hüttchen und die Holzstatue im Dorf. Dann schnitt der Fass die Kehle durch und vergrub ihn in der harten, kalten Erde. Und seit dieser Zeit wartet Fass auf sein Herrchen und verscheucht alle, die der Statue in Norntal oder dem Hüttchen im Wald böses wollen…

 

MU 14 KL 14 (t) IN 13 CH 12 FF 12 GE 15 KO 14 KK 15 LeP 30 AsP 30  KaP INI 15+1W6

VW 7 SK 3 ZK 7 GS 14 (gehend oder schwebend)

Biss: AT 14 TP 1W+3 RW kurz RS/BE 0/0

Aktionen: 1

Sonderfertigkeiten: Verbeißen (Biss)

Talente: Einschüchtern 10, Körperbeherrschung 10, Kraftakt 8, Selbstbeherrschung 11, Sinnesschärfe 12, Verbergen 10, Willenskraft 8

Zauber: Horriphobus 12

Größenkategorie: mittel

Typus: Geist, nicht humanoid

Kampfverhalten: Der Grimm greift jeden Paktierer oder Dämon an, der den Tempel betritt. Nichtpaktierer werden angegriffen, sobald sie den Tempel plündern wollen.

Flucht: Der Grimmlässt sich nicht in die Flucht schlagen.

Schmerz +1 bei: immun gegen Schmerz

Sonderregeln:

Geister-Regeln: Für den Grimmgelten die allgemeinen Geister-Regeln.

Unsichtbarkeit: Der Grimm hat den Status Unsichtbar, Ausnahme sind alle, die den Tempel bestehlen oder entweihen wollen. Es können jedoch alle das unheimliche Knurren und Fauchen der Bestie hören. Manchmal offenbart er sich in seiner wahren gestallt auch Menschen, die eine Sinnesschärfe -4 gelingt.

Raubtiergeruch: Der Geruch eines Grimm lässt Hunde aufheulen