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Karneval der Rollenspielblogs: Am Hofe und im Vorstandsbüro – Benjamin Blümchen ist Schuld an den Reichsbürgern, Cyberpunk 2077 und schlechten Rollenspiel

Ok, schnallt euch an, ich nehm euch mit auf eine Verrückte Reise von Benjamin Blümchen über Kapitalismuskritik hin zu den Reichsbürgen und zeige euch, warum der graue, sprechende Elefant für die Reichsbürger und Corona-Leugner verantwortlich ist und was das ganze mit Cyberpunk und Shadowrun zu tun hat.

Bevor es aber losgeht, ein kleiner Bias-Check. Ich bin Kapitalist. Fan der Sozialen Marktwirtschaft, aber trotzdem Kapitalist. Ich bin davon überzeugt, dass viele Probleme durch Marktmechanismen geregelt werden können. Ich bin auch der Überzeugung, dass der Staat mit Gesetzen einen Rahmen schaffen muss, in dem Unternehmen wirtschaften können und Privatpersonen vor Ausbeutung und Benachteiligungen geschützt sind. Ich hab meinen Adam Smith gelesen und empfehle jeden, dieses Buch durchzuackern. Ich bin auch der Überzeugung, dass Freihandel und Kapitalismus das Leben der meisten Menschen besser gemacht hat (zumindest bis Corona)

Aber… nicht alle sind Fans des Kapitalismus. Spätestens seit Marx und Engels gibt es eine klare Gegenbewegung. Aber auch abseits des Kommunismus gibt es immer wieder berechtigte Kritik an diesem System.

Und hier kommt der graue Elefant ins Spiel. Benjamin Blümchen entstand in den späten 70gern. Einer interessanten, blutigen und rebellischen Zeit. Die Gründergeneration der RAF hatte sich grade umgebracht, der Deutsche Herbst dämmert am Horizont. Judge Dredd erscheit 1977 und mit ihm (und Neuromancer 1984) entsteht das Cyberpunk-Genre. Die Grünen gründen sich 1980 und Greta Thunbergs Eltern spielen im Sandkasten. Allen hier ist ihr Mindset gemein, ein Zeitgeist, der seit 1968 durch Europa und de Staaten wabert. Man ist gegen den Kapitalismus, denn der macht aus Profitgier die Menschen und die Umwelt kaputt. Man ist gegen den Staat, den der ist autoritär und kümmert sich nicht um die kleinen Leute ™. Repräsentanten der Wirtschaft und des Staates werden als gierig, korrupt, machthungrig und narzisstisch dargestellt. Von ihnen kommt alles Schlechte auf die braven Bürger herab. Die müssen sich wehren. Demokratisch oder… gewalttätig. Bei Benjamin Blümchen ist dieser Mythos sogar wissenschaftlich belegt. Ein Mythos, der sich seit 40, 50 Jahren durch alle Medien zieht, mit dem wir aufgewachsen sind. Die in unser kollektives Gedächtnis übergegangen sind. Die neue Erzählerische Archetypen erschaffen haben… oder den des Tyrannen und bösen Königs zumindest erweitern konnten.

Beispiele?

Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew (1990): Einer der Gegenspieler ist Shir Khan, dem Eigentümer es Khan-Konzerns, der Wirtschaftsmacht in der Welt dieses Cartoons. Sein Luftfrachtkonzern hat Balus Firma fast aus dem Wettbewerb gedrängt (war nicht schwer, bei dem faulen Bär) und in Folge 4 der Staffel 4 „Louis letztes Gefecht“ führen Louis und Balu einen regelrechten Krieg gegen das kapitalistische System, das die Louis Insel übernehmen möchte. Auch sonst taucht der Kapitalismus immer wieder auf und seine Auswirkungen stören die Freundschaft zwischen Luis und Balu, etwa in Staffel 1, Folge 8 „Die fliegende Tankstelle“.

Bibi und Tina, die Serie (2020): Julia Strowski spielt Kim Win Win, eine asiatische Kapitalistin, die gerne die Wiesen rund um Burg Falkenstein aufkaufen würde, um dort Kies abzubauen. Kapitalisten. Asiaten, die wie Heuschrecken über die braven Bürger herfallen und alles aufkaufen und Umweltzerstörung… da ist er wieder, der Zeitgeist von anno dazumal. Ein reaktionärer Aspekt ist aber hier dabei: der Adel spielt hier eine deutlich positivere Rolle als z.B. bei Benjamin Blümchen.

Cyberpunk: Das ganze Genre ist ein einziges FUCK YOU gegen Kapitalismus-Befürworter. Mega-Konzerne, die wie Staaten agieren. Mörderische Intrigen. Gewalt. Drogen. Gang Wars. Jonny Silverhand, der Rebell, der in einem Rachefeldzug eine Mininuke [sic!] zündet, um einen Konzern zu vernichten. Hört euch mal die Folge von Zock-Bock-Radio zu Cyberpunk an! Da weht der Geist von Umsturz und Revolution! Shadowrun? Same same, nur mit Magie.

Der Mythos, der damals in den 70gern begründet wurde, strahlt über die Popkultur in unser tägliches Leben aus. Dieses gegen den Staat sein, ihm Totalitarismus vorwerfen, das Protestieren gegen ihn oder gegen Unternehmen, das ist heute genauso aktuell.  Ob bei Protesten gegen Bahnhöfe (Stuttgart 21 vor 10 Jahren), Firmenansiedlungen (Tesla) oder gegen die Corona-Maßnahmen. Firmen, die andere Firmen aufkaufen nennen wir Heuschrecken (nach einer Plage), besonderes, wenn sie die Firmen zerschlagen und profitable Teile verkaufen.

Warum habe ich im Titel etwas vom schlechten Rollenspiel geschrieben? Warum habe ich Cyberpunk und Shadowrun genannt? Sind Shadowrun und Cyberpunk schlechtes Rollenspiel? Nun… zumindest limitiert es die Geschichten, die wir erzählen können. Wo sind die Geschichten von guten Konzernen, die berechtigte Interessen haben (zum Beispiel eine neue Fabrik bauen oder einen Rohstoff abbauen oder neue Produktionstechniken einführen) und sich gegen Protestierende durchsetzen müssen? Die Geschichten des Anti-Silverhand?  Wo sind die Geschichten von Demokratien (die fehlen im Fantasy-Rollenspiel fast ganz)? Von mutigen Kanzler*innen oder Bürgermeister*innen, die sich einem Mob entgegenstellen, weil sie ihre Entscheidung für richtig, wichtig und moralisch notwendig halten?

Nehmen wir mal als Beispiel einen amerikanischen Mythos: Die Ballade von John Henry.

Die Geschichte geht so: John Henry ist ein freigelassener Schwarzer, der beim Bau der Eisenbahn in West Virginia Tunnel treibt. Er schlägt die Löcher in den Fels, in denen der Sprengstoff versenkt werden soll. Eine Dampfmaschine soll kommen und diese schweißtreibende Arbeit übernehmen. John Henry sieht das als Herabwürdigung seiner Leistung und fordert die Maschine zum Kampf heraus, den er zwar gewinnt, dabei aber an Erschöpfung stirbt.

Wie machen wir daraus jetzt ein kapitalismusfreundliches Abenteuer?

  1. Wir brauchen einen Gutmenschen. Nennen wir ihn Abraham Finkelstein, Sohn eines fränkischen Einwanderers. Der hat die harten Arbeitsbedingungen im Bergbau gesehen und konnte das Bord of Directors der C&O Railroad davon überzeugen, dass der Einsatz eines dampfgetriebenen Schlaghammers die arbeiten beschleunigen und Kosten sparen würde (das ist wichtig, denn nach Adam Smith Theorie der unsichtbaren Hand des Marktes sorgt der Egoismus des Unternehmers (gewinne erzielen) dafür, dass das Gemeinwohl gesteigert wird (hier: dass die Menschen nicht mehr so schwer arbeiten müssen.
  2. Wir brauchen einen Konflikt. Der tritt mit John Henry auf. Der schwarze Arbeiter warnt seine Kollegen vor Arbeitsplazverlust, verteufelt den technischen Fortschritt und fordert die Railroad Company und Finkelstein heraus. Nach dem Tod des Helden kommt es zum Aufstand der Arbeiter.
  3. Die Held*innen. Sie werden von Finkelstein angeheuert, um den Apparat zur Baustelle zu bringen und vor den Tunneltreibern zu schützen. Wichtig ist, dass sie Finkelstein als Idealisten kennenlernen, der die Lebensbedingungen verbessern will. Wichtig ist auch, dass sie die Eisenbahnersiedlung als raues Pflaster kennen lernen, in dem Gewalt, Ausbeutung, Schnaps und harte Arbeit allgegenwärtig sind. John Henry sollten sie als die Verkörperung des amerikanischen Traums erleben. Von gaaanz unten durch harte Arbeit zu besceidenen Wohlstand.

Und schon haben wir ein interessantes Western-Abenteuer, bei dem die Kapitalisten mal nicht die Bösen sind, sondern jene sind, die Erleichterung und Segen bringen wollen.

Rezension und Karneval der Rollenspielblogs: Halt, Polizei! – Ist Agents of Edgewatch: Devil at the Dreaming Palace die Aufregung wert?

Vor kurzem gabs ja die Kontroverse um den Agents of Edgewatch Abenteuerpfad. Im Lichte der BLM und der Diskussion über Polizeigewalt an und für sich gab es Proteste gegen einen Abetueuerpfead, bei dem die Held*innen Teil der Polizeikräfte sind. Nun, der erste Teil dieses Pfades ist nun draußen, ich habs mir vom Sphärenmeister besorgt (kein Affinity Link) und nun wird es Zeit, das zu analysieren.

Ab hier wird gespoilert, seit gewarnt!


Wärend des Abenteuerpfades schlüpfen die Spieler*innen in die Rolle von Agent*innen der Edgewatch, einer eigens gegründeten Polizeieinheit, die im Precipice Quarter beim kommenden, alle 100 Jahre stattfindenden Radiant Festival für Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Weil diese Spezialeinheit relativ schnell ausgehoben wurde, haben sie eigentlich kein Budget für Ausrüstung, und Sold. Daher dürfen alle Agent*innen Strafzahlungen und beschlagnahmtes Diebesgut einbehalten (bei letzterem, bis sich ein Besitze meldet).

Jetzt mal ehrlich: Wenn man eine Polizeieinheit aufbauen möchte, ist das der sicherste weg, eine korrupte Bande zu kreieren. Das wird auch kurz in der Einleitung angesprochen und auch eine der NPCs der Wache wird explizit als Korrupt beschrieben, auch soll der Zustand nur ein Jahr dauern, bis das Fest vorbei und das neue Budget bewilligt ist, doch unter uns Betschwestern: Wäre ich ein Agent*in der Edgewatch, ich würde unter diesen Umständen gaaanz viele Strafzettel ausstellen und gaanz viel „verdächtige“ Ware beschlagnahmen. Im Abenteuer steht auch drin, dass die Bewohner Absaloms dieses Verhalten, angesichts einer „under-policed City“ tolerieren würden. Die Frage ist wohl, wie lange. Im Realen Laben gibt es in den Staaten eine ähnliche Situation. Dort können Polizisten verdächtig große Mengen an Bargeld (genaue Definition für verdächtig große Mengen variiert von Cop zu Cop) einfach so beschlagnahmen und es teilweise für Ausrüstung ausgeben. Das Problem ist so gravierend, dass sogar Jon Oliver mal was dazu gemacht hat.

Der erste Einsatz der neuen Agent*innen ist eine Ruhestörung in ner Kneipe. Da macht eine typische Held*innengruppe stunk. Die Agent*innen sollten das möglichst gewaltlos lösen, wenn das nicht funktionieren soll, ab zur Kneipenschlägerei. Im Gegensatz zu vielen anderen Kneipenschlägereien der Rollenspielgeschichte genießen die Held*innen hier nen Vorteil: Sie stehen auf Seite des Gesetzes und dürfen dann die Pöbler, so die Agent*innen gewinnen, noch mit ner ordentlichen Geldstrafe belegen. Während des Einsatzes lernen die Agent*innen auch den Oberschurken des Abenteuers kennen, hier als derjenige, der die Ruhestörung anzeigt.

Weiter geht’s mit einem Streik / Geiselnahme auf einer Baustelle und verschwundenen Architekten. Kobolde sollen eine Pagode bauen, proben aber den Arbeitsstreik, die Agent*innen werden dazu gerufen, um den Konflikt zu lösen und stoßen dabei auf verschwundene Personen, die es zu finden gilt.

Ich find es etwas problematisch, dass fast alle Bauarbeiter*innen der Nachtschicht Kobolde sind. Fantasy-Rassismus? Problematisch ist die Gewalt als Mittel zum Streikbrechen eine Option ist (Pinkerton).

Cool hingegen ist eine Sidequest, bei der die Agent*innen einen Streit zwischen zwei goblinischen Köchen schlichten müssen, incl. Brennenden Ölfässern. Auch die Queste „Panic in the Zoo“ ist genial. Hier müssen die Agent*innen wilde Monster einfangen, die aus ihren Zoogehegen befreit wurden.

Im Kapitel 3 müssen die Agent*innen ins House of Planes, eine Untergrund-Kneipe / Ganoventreff / Karneval eindringen. Undercover, natürlich. Am besten durch die Hintertür, vorbei an Rattenwesen, Ghulen und Grick, einem Würmmonster. Das House of Planes ist ein Highlight. Es besteht aus vielen Räumen, die je einer Ebene gewidmet sind, in der es je eine Herausforderung, einen Patron der Ebene (der Tippgeber) einen Hinweis und eine falsche Fährte gibt. Am Ende dieses Rollenspielerisch toll gemachten Teils haben die Helden die Info, die sie brauchen: Die Verschwundenen logierten im Dreaming Palace, dass Mr. Pratchet gehört, eben jenen Gentleman, der die Ruhestörung im ersten Kapitel anzeigte.

Das letzte Kapitel ist im Grunde ein klassischer Dungeon Crawler in einem Spukhaus voller tödlicher Fallen. Mein Lieblingsmonster: Pickled Punks, eingelegte Föten schwangerer Opfer des Serienmörders. Richtig Creepy! Auch großartig: die untote, abgezogene Haut eines Opfers. Die Monster in dem Büchlein sind, imho, sowieso eine Stärke. Genial sind auch die Cobble, Pflastersteinmonster, die sich vom Abfall der Stadt ernähren.

Sind Pratchet und seine Gehilfin besiegt, finden die Agent*innen Hinweise auf einen Bankraub, dem es im zweiten Teil des Abenteuerpfades zu verhindern gilt.

An das Kapitel schließt sich eine Beschreibung des Jahrhundertmarktes sowie Adventure Toolbox mit der Ausrüstung der Edgewatch Agent*innen an. Interessant finde ich die Pacifying-Rune, die z.B. an Schlagstöcken angebracht werden kann: Verursacht man dann damit Schaden, muss die getroffene Gegner*in einen Will-Savewurf schaffen. Vermasselt die Gegner*in den Wurf, sind ihre Angriffe für 1 Minute nicht tödlich, um 2 Punkte erschwert und sie erhält eine psychische Warnung, weiter Schaden auszuteilen.

Zwei Worte noch zur Aufmachung: Ich finde es richtig gut, vor jedem Kapitel eine Zusammenfassung zu finden, in der eine Kurzzusammenfassung und die zu findenden Schätze stehen. Der Zeichenstil des Bandes ist… gewöhnungsbedürftig, wenn man von DSA kommt. Er erinnert eher ans viktorianische London und Steampunk als an Fantasy. Passt aber, weil man ja hier so eine Art Bobby spielt (was sich ja auch in den kontrovers diskutierten Figuren niederschlägt).

Fazit:

Ist Agents of Edgewatch ein hoch problematischer Abenteuerpfad, der am besten eingestellt werden sollte? Nö. Er hat zwar Bestandteilen, die diskussionswürdig sind, ist aber im Grunde ein solider Dungeon Crawler mit Rollenspiel vor dem Dungeon. Die Kritik, die dem Abenteuerpfad entgegenschlägt, ist meiner Meinung nach überzogen, aber andererseits bin ich in der privelegierten Position, nicht von überzogenen, rassistischen oder unverhältnismäßigen Polizeiaktionen betroffen zu sein.

Rezension und Karneval der Rollenspielblogs: Halt, Polizei! – Die USPIS oder: Wenn dich der Postmann verhaftet

Bad boys, bad boys
Whatcha gonna do, whatcha gonna do
When they come for you(Refrain Bad Boys von Inner Circle)

Am 20.08.2020 wurde Steve Bannon auf seiner Jacht Lady Marry wegen dem Verdacht des Betrugs verhaftet. Er soll Geld einer Crowdfunding-Kampagne, die Trumps Mauer finanzieren sollte, für eigene Zwecke missbraucht haben. Steve Bannon, für alle, die ihn nicht kennen, ist so was wie der feuchte Traum der Rechten, ein ehemaliger Berater Trumps, eine Heilsfigur der internationalen Nationalisten.

Der Witz: Verhaftet hat in die Post.

Ja genau, die Post, besser gesagt, die United States Postal Inspection Service. Das ist eine 1.200 Inspektor*innen stake Polizeitruppe, die sich mit allen Verbrechen beschäftigt, bei denen irgendwie der Postverkehr mit beteiligt ist. Hauptsitz ist in Washington DC. Die haben sogar ein eigenes Kriminallabor in Virginia. Nebenbei, die Post-Polizei ist die älteste Polizeieinheit der USA, offizell wurde sie am 7. August 1775 gegründet, als der erste Postmaster General (ja, der Job, der gerade von einem Trump-Loyalisten besetzt ist, dessen Aufgabe es ist, die Briefwahl im November zu sabotieren) Benjamin Franklin seinem Postal Surveyor William Goddard 170.000 $ zur verfügung stellte, um die Post zu organisieren und zu schützen. Inoffiziell gabs die Inspektoren (ich nutz hier die männliche Form, weil es damals keine Frauen in der Agentur gab) wohl schon drei Jahre länger, damit wäre diese Polizeieinheit sogar älter als die USA selbst.

Nochmal in aller Ruhe, um den Wahnsinn der Geschichte (aus Sicht eines Deutschen, in dessen Land es sehr wenig verschiedene Polizeibehörden und Geheimdienste gibt) noch mal zu erfassen: Da wird jemand verhaftet. Wegen Betrugs. Ein Bundesvergehen. Nicht vom FBI sondern von den Polizeikräften der Post (aus ihrem Werbevideo stammt folgende Aussage: “They say, ‘Oh, you’re a lot like the FBI.’ And I like to tell them, ‘No, the FBI is a lot like us,’”). Und die Post-Polizei gibt’s schon seit Gründung der USA!

Was heißt jetzt das fürs Rollenspiel?

  1. In einem Western-Settig können die Spieler*innen Inspektor*innen des USPIS spielen, die Postkutschenräubern nachstellen sollen. Ja, das war deren Aufgabenbereich!
  2. Wenn die Spieler*innen eine Postkutsche überfallen, oder, in einem Cyberpunksetting, eine Webside hacken, dann stehen plötzlich Postboten-Polizisten vor der Tür.
  3. Kein Beruf ist so trivial, dass es nicht eine eigene Polizeibehörde geben könnte. Spontan fallen mir die
    1. Alchimistenpolizei, die die ordnugsgemäße Herstellung und Anwendung von alchemistischen Mitteln überwacht,
    2. Die Bäckerpolizei (BP), die betrügerische Backwarenproduzenten hochnimmt und verhindert, dass steinhartes Zwergenbrot in den Umlauf gebracht wird, ein.
  4. Das schreit nach einer Tabelle mit verschiedenen Berufen und Aufgabenbereichen, bei dem man sich eine witzige Polizeitruppe für seine Kampagne auswürfelt!

Karneval der Rollenspielblogs: Sprachen – Von Gmer bis Trollisch: Was babbelt man so in Rakshazar

In Rakshazar gibt es ein wahrhaft babylonisches Sprachgewirr. Wir haben allein 11 Sprachfamilien, mit jeweils einer Ur-Sprache und mindestens zwei Kindersprachen die sich daraus entwickelt haben (und die sich untereinander ähnlich leicht / schwer verständigen können wie eine Bairisch sprechende Person und eine Nordnorwegisch sprechende Person). Insgaeamt also 34 Sprachen!

Damit dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Held*innen eigentlich nicht verstehen dürften, verdammt hoch sein. Wir haben dann eine Verkehrssprache eingeführt, Gmer, aus der Marhynianischen Sprachfamilie.

Sprache bedeutet auch in vielen Fällen (nicht immer) Schrift. Für Rakshazar sind das immerhin noch 23 Schriften!

Bevor ich hier eine Liste mit Schriften und Sprachen Rakshasars in DSA5 anhänge, will ich mal über die Sprache in DSA reden. Jetzt weniger in die Sprache, in der die Abenteuer und Regios geschrieben sind, sondern mehr über die Ingame-Sprache, mit der die Held*innen untereinander kommunizieren.

Beginnen wir gaaaaanz weit vorn, bei DSA1: Da gab es noch kein Konzept von Sprache. Auch wenn schon sehr früh Abenteuer in anderen Teilen Aventuriens spielten, gesprochen wurde immer Garethi. Andere Sprachen lernen… das gabs nicht.

DSA2 brachte dann das Talentsystem und spätestens in DSA3 gab es dann die Talente Lesen und Schreiben, Sprachen kennen und Alte Sprachen kennen. Füür alle, die die Gnade der späten Geburt haben… DSA3 war ein Stufen-Steigerungssystem. Man bekam je Stufenanstieg eine Bestimmte Anzahl an Steigerungspunkten, die man dann in seine Talente investieren konnte. Jede Talentgruppe hatte einen eigenen Preis pro Steigerungspunkt. Gesteigert wurde ein Talent, wenn man mit einem W20 höher würfelte als sei Talentwert und dafür hatte man drei Versuche. Gruselig (und eine Einladung zum B’scheißen). Da gabs dann eine Liste, wie viele Talentpunkte man für eine Sprache brauchte. Garethi hatte damals, glaub ich, ein Maximum von 4, Orkisch 2. Helden mit einem TW von 6 konnten also perfektes Hof-Garethi und mit Orks auf Niveau eines Native Speakers reden. TW 6 hattest du, je nach Char-Klasse schon nach 1-2 Stufen zusammen. Wenn ich mich zurückerinnere… ich hatte viele Krieger (Thorwaller, in Kuslik ausgebildet), die Garethi, Orkisch und Trollisch sowie ein paar Brocken Tulamidisch sprachen… weil sie ein paar Punkte in Sprachen investiert hatten.

DSA4 brachte dann (ganz dem System entsprechend), die Komplexitätsstufen mit. Grob gesagt, war das ein Talentwert für jede Sprache, die es gab.  Wie gut man die Sprache maximal sprach, hing auch vom KL-Wert des Chars ab- KL-2 war das maximum für die Muttersprache, KL-4 für die Zweitsprache, die evt.l auch in diesem Gebiet gesprochen wurde. Sprachen der eigenen Sprachfamilie wurden nach Steigerungstabelle A, Fremdsprachen nach Tabelle B oder wenns ganz krass wurde, C.

Beispiel aus unseren Rakshazarischen Sprachen, wie sie im Buch der Helden (Rakshazar_Buch_der_Helden_Sprachen eun Schriften DSA4.1) stehen:

GMER (Sprachfamilie MARHYNIANISCH):

Gmer entstand aus der ehemals, kontinental verbreiteten Universalsprache Marham. Im Laufe der Jahrhunderte
nach dem Kataklysmus wurde Marham zwar weiter als Verkehrssprache gepflegt – ohne ein einigendes
Imperium und den Austausch der verschiedenen Völker verkam die Sprache jedoch und entwickelte sich
in den verschiedenen Teilen des Kontinents unterschiedlich weiter. Daher existieren heute dutzende regionale
Dialekte. Die Sprache bedient sich lediglich weniger Hilfswörter, weshalb es nicht möglich ist, komplexe Diskussionen mit ihr zu führen. Diese Hilfswörter stehen vor der eigentlichen Aussage und kündigen beispielsweise Zeiten an, oder ob es sich um eine Frage oder Aussage handelt.

Komplexität: 11
Gesprochen von: einfachem/gemeinem Volk, Sklaven, kontinentweit verbreitet
Schrift: keine
Dialekte: unzählige lokale Dialekte (Rimtheym, Kurotanisch, etc. )

 

Das Bedeutet, dass die Legiten aus Kurotan und Angurianer (gleiche Sprachfamilie) die Sprache relativ leicht (Steigerungstabelle A) bis zu ihrem Maximum von einem TW 11 lernen konnten (beginnend bei TW 0 investiert man etwa 65 AP hinein).

Bei DSA4 mochte ich den Ansatz der Sprachfamilien. Er deckt sich auch mit dem Erleben der Realen Welt. Wenn man etwas Französisch drauf hat, kommt man auch mit Spanisch und Italienisch leichter zu recht, gehen doch alle diese Sprachen aufs Latein zurück.

DSA5 war ursprünglich angetreten, das sehr komplexe DSA4 regelleichter zu machen, was auch in weiten Teilen gelungen ist. Im Sprachbereich z.B. Jede Sprache kommt mit drei Niveaustufen daher, jede Stufe kostet eine bestimmte Menge an AP, Jede Sprache muss einzeln erlernt werden. Mich erinnert das ein wenig an den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen, der den Sprachjerwerb innerhalb Europas regelt. Dier ist auch in drei Stufen (A für die absoluten Anfänger, B für die Alltagssprache und C für die gehobene Konversation), mit je 2 Unterstufen, eingeteilt. Nebenbei… Eine Berufsausbildung kann man mit B1 beginnen, besser aber wäre B2. Schrift funktionier analog dazu, als Sonderfertigkeit, die entsprechend der Schwierigkeit der Schrift unterschiedlich viel kostet. Ich finde, der Ansatz hat was, ist leicht verständlich, regelleicht und… vieeeel besser als DSA3.

Hier hab ich unsere DSA4.1 Regen in DSA5 überführt: Sprachen und Schriften Rakshazars DSA5

Ein Dungeon Crawl in RL und seine Folgen

Ich habe im Juli 2017 beim Rollenspielerkarneval zum Thema Runinen mitgebracht und über die Urban Explorers und Dungeon Crawls nachgedacht. Jetzt hat ein, nennen wir es mal… Real Life Dungeon Crawl von Marvin krasse Folgen: Marvin hat jetzt eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch am Hals und ein fetter Datenschutzskandal ist da in Bühren am kochen.

Der UrbExler wurde von einer Anwohnerin gebeten, mal in das seit 10 Jahren lehrstehende Krankenhaus zu gehen und im Keller nach dem Rechten zu schauen. Dort sollen umnengen an Patientenakten in einem unverschlossenen Kellerraum lagern. Brisant wird es zusätzlich, weil in das Krankenhaus immer wieder Leute eindrangen (die Vordertür soll offen gestanden haben). Marvin hat dann das Video hochgeladen und jetzt von Amts wegen eine Hausfriedensbruchanklage am Hals. Hier geht es zu einem Video, das die Geschichte genauer beleuchtet und hier zum Orginalvideo.

Drei Seelen, ach, schlagen in meiner Brust. Als Feuerwehrmann... bitte, bitte geht nicht so einfach in eine verlassene Bude, ein aufgegebenes Fabrikgelände oder sonstiges. Das ist, mit unter, ziemlich gefährlich und wenns ganz dumm kommt, riskieren wir Feuerwehrleute unser Leben, wenn wir euch da retten müssen. Asl IT-ler, der netzpolitik.org folgt und täglich fefe.de ließt und letztes Jahr das Blogsterben wegen der DSGVO überlebt hat… Das ist ein starkes Stück! Das DARF nicht vorkommen. Datenschutzgemäße Entsorgung ist sauteuer, ja, aber gerade bei Gesundheitsdaten MUSS dies gewährleistet sein. Als Rollenspieler find ich die ganze Geschichte super! Da kann man einiges draus machen. Ein Abenteuer für 1W6 Freunde zum Beispiel. Einen Run für ein Cyberpunk-Setting (Einsteigerrun). Eine Konsequenz im Fantasy-Bereich (Die Held*innen steigen in ein Grabmahl eines Klerikers ein und entdecken, dass die Schriftrollen, die dieser eigentlich zerstören sollte, unbeschädigt rumliegen. Der Bürgermeister des naheliegenden Dorfes/Stadt ist sauer, weil jetzt jeder weiß, wo die Rollen sind, er diese nicht ohne Einwilligung der Kirche aus dem Grab entfernen darf (und die lässt auf sich warten) und plötzlich ein paar finstere Magier in der Stadt rumlungern (ganz zu schweigen von der Jugend, die eine Mutprobe daraus macht, die ketzersichen Schriften des Nachts laut vorzutragen (Candyman, Candyman, Beetlejuice).

 

Karneval der Rollenspielblogs: Fahrzeuge und Fahrer- Zugzugzug die Eisenbahn…

Eisenbahnen. Modelleisenbahnen, genauer gesagt. Ich erinnere mich an meine Kindheit. Damals gab es im Spielwarengeschäft in Straubing eine ganze Abteilung für den Modellbau. An der Wand entlang die Bausätze von Revell. Tiger, die Nimitz, Illuischin. Die Regale im Raum waren aber voll von kleinen Männchen, Häusern, Bäumen, Gras und… Modelleisenbahnen. In jedem Spielwarenkatalog gab es Seiten über Eisenbahnwelten, die zum Träumen einluden. Western. Eine Fahrt durch die Alpen. Eine Burgruine. Industrieruinen und Fabrikhallen. Ein Miniaturvolksfest, an dem die Eisenbahn vorbeidampfen kann. Egal ob Lego, Duplo (Lego in Großformat) oder Playmobil, egal ob Plastik oder die Holzbahnen von Eichhorn… Züge waren (und sind) überall. Sogar mein Onkel hatte eine Modellbahn im Keller und mein Cousin eine aus Lego im Zimmer. Seit 216 Jahren faszinieren uns die schnaufenden, ächzenden, rumpelnden, ratternden, stampfenden rauchenden Ungetüme aus Stahl und obwohl die modernen Züge alle elektrisch fahren, ist die erste Silhouette, die kleine Kinder mit dem Wort Zug in Verbindung bringen, die einer alten Dampflock.



Erdbändiger in Myranor

Als ich das Thema des Karnevals gelesen hab, kam mir sofort Avatar: The Last Airbender in den Sinn. Dort verfügt die Hauptstadt des Erdkönigreiches, Ba Sing Se, ein Bahnsystem, das Menschen und Fracht in die Hauptstadt und dort zwischen den verschiedenen Stadtteilen transportiert. Angetrieben wird das ganze durch Erdbändiger. Was ähnliches gibt es in der Stadt Omashu, Dort aber eher als riesige Rutschen.

Ach wäre es schön, wenn es so was auch in Myranor…

Aber in Myranor gibt es so was! Mindestens dreimal! Im Palast des Goldenen Tigers reisen die Helden mit einer von Jharranoten gezogenen Dschungelbahn umher. In Unter dem Sternenpfeiler heißt es über den Grauen Orismani (die Hochstraße, nicht den gleichnamigen Fluss) auf S 117:

Auf manchen Straßen sind ebenfalls Schienen und Schwellen verlegt worden […]Auch benötigt man für Schienenwagen weniger Zugkraft als für Fahrzeuge, die über ein Pflaster rattern – daher ist es oft möglich, mehrere Wagen hintereinander zu spannen. Besonders der sogenannte „Graue Orismani“ […], ist für ihrer Schienenbahnen bekannt, doch auch andere wichtige Hochstraßen weisen Schienenstrecken auf.

Auf S 61 kann man da übrigens ein Bild einer solchen Bahn sehen. Ein riesiges, goldglänzendes Pferd, das von der Form ein wenig an das Trojanische Pferd erinnert, zieht da mindestens 8 Wägen. Das Ding ist bestimmt arcanomechanisch.

Im Eintrag über Sidor Corabis (S. 207) wird folgendes erwäht:

Noch tiefer, in den Katrakomben und Ruinenschichten unter der Stadt, leben nuucht nur entflohene Skalven, sondern auch riesige Lamuckenrotten und abscheuliche Monster. Dieses Schicksal teilt auch die experientelle arcanomechanische Tunnelbahn, die einst die einzelnen Hügel verbinden sollte, jedoch nie über das Erprobungsstadium hinauskam, da sie als zu erdbebengefährdet geingeschätzt wurde. Es heißt allerings, das nicht alle alten Zugänge von der Tunnelbahn zu den Palästen versiegelt wurden […]

Super! Damit kann man doch arbeiten! Wie wäre es mit einem arcanomechanischem Schienenfahrzeugt für die Helden? Dazu bräuchte man auch einen Piloten…


Der Siblerbulle

Der Silberbulle ist eine Hochbahn auf dem Grauen Orismani, stationiert in Sidor Harpax. Er wurde dem nahmensgebenden Untier aus dem Norden des Horasiats nachempfunden. Der Silberbulle gehört dem Haus Kouramnion, das die Bahn besonderen Gästen oder Agenten mit Spezialauftrag zur Verfügung stellt. Normalerweise ist der Silberbulle mit vier Wagons unterwegs, wobei der Letzte ein Geschütz trägt. Gesteuert wird die Schienenbahn von Adeptus Minor Johnus Shunxtus Jonus te Kouramnion, einem jungen Zögling des Hauses.

Material: Stahl / Arkanium
Gewicht: 7.680 Stein
Wert: 55.566 Au
Größe: 8 Schritt

KK 45 AT 12 TP 8W6 DK P
PA 6 INI 1W6+6 H 23
StP 7.680 S 15 GS 20

Größenkategorie: sehr groß
Attribute: –
Fertigkeiten: Überrennen (8)
Bewaffnung: Je Wagon eine Polybela, eine drehbare Manuballista auf dem Geschützwagen
Zugkraft:

Wagon 1: Die Bibliothek: Gleich nach dem Triebwagen befindet sich die Bibliothek der Silberbulle. Dort lagern, neben erbaulicher Literatur für den gelngweilten optimatischen Reisenden (Theaterstücke, philosophische und Religiöse Texte) auch Karten der Horasiate am Grauen Orismani und die Handbücher zur Reperatur der Silberbulle. Über eine Leiter gelang man zum Geschütz auf dem Dach.

Wagon 2: Palast auf Rädern: Der Palast ist ein zweigeschössiger Wagon, der den reisenden Gästen vorbehalten ist. Im unteren Geschoss befindet sich ein bequem eingerichteter Saal, dessen weiche Divans zum verweilen einladen, im Obergeschoss liegen drei große Schlafräume. Über eine Treppe gelangt man auf den Balkon, von wo aus man eine schöne Übersicht über die vorbeirauschende Landschaft hat. Unter einer Plane steht eine eine Polybela.

Wagon 3: Bordbistro: Wenn der kleine Hunger plagt, kann man hier einen vor der Reise auf eigene Kosten einzustellenden (und entsprechend mit Lebensmittel auszurüstenden) Koch beten, doch einen kleinen Snack zuzubereiten. Über einen an der Seite angebrachten Leiter gelangt man zur Polybela auf dem Dach.

Wagon 4: Das Geschütz: Hier ist, nur zum Schutz gegen Banditen und zur Wahrung der Ordnung, eine Manuballista installiert.


Adeptus Minor Johnus Shunxtus Jonus te Kouramnion

Adeptus Minor Johnus Shunxtus Jonus te Kouramnion träumte schon seit Kindertagen davon, in einer Schienenbahn entlang des Grauen Orismani zu fahren und Banditen oder Schrecken aus dem Wald von Amaunath zu verteiben. Mit der Silberbulle hat er die Erfüllung seines Traumens gefunden. Nun träumt er davon alle Schienenbahnen des Imperiums zu berfahren und villeicht auch den Rekord für eine Fahrt auf dem Grauen Orismani aufzustellen.

Wenn man als Meister*in moch einen Schritt weiter gehen möchte: Macht aus dem Adepten einen Geistergenius! Ok, ich hab die Idee von The Real Ghostbusters Folge 66 „Last Train to Oblivion“ gekaut, in der die Ghostbusters den Geist von Casey Jones (einem legendären amerikanischen Lockführer, der einen Auffahrunfall verursacht hat und gefeiert wird, dass er es schaffte, die Lock so weit abbremsen konnte, dass nur er in der Lock starb) in die Ewigkeit geleiten (und nicht im Geisterkanst bannen).


Auch für die U-Bahn hätte ich eine Idee:


Träume unter Tage

Ok, das möchte ich in ein Abenteuer ausbauen ind in MM veröffentlichen. Wird wohl mein Winterprojekt werden.

Ich brauch dazu zwei Optimaten. Rivalen, Freunde. Beide lesen von Aufzeichnungen über die Untergrundbahn und wollen ihr noch eine zweite Chance geben. Die Held*innen werden von den beiden angeheuert, um sie bei der Fertigstellung der U-Bahn zu helfen. Dazu müssen einige Aufgaben erledigt werden (Sabotage durch eine Diebesgilde verhindern, die im Untergrund ihre Basis hat, Arbeiter aus einem eingestürzten Tunnel befreien, Lamucken vertreiben, den Tod eines Simia-Priesters untersuchen, der mit dem Bau zu tun hatte, ein Orakel manipulieren…).

Die Schussszene hab ich schon vor Augen: Eine Verfolgungsjagd. Die Held*innen mit Belas und Handbelas auch einem Wagon, gezogen von irgend einem Vieh, verfolgt von eine Gruppe Werratten. Für die Regeln zur Verfolgungsjagd werd ich bei „Tempo, kleine Fische!“ klauen, um Spannung aufzubauen…



In the rabbit hole – von Pferdeantrieb und Chemie

Pferdeeisenbahn in Stuttgart, 1896, Philipp von Württemberg, gemeinfrei, https://de.wikipedia.org/wiki/Pferdebahn#/media/Datei:Pferdeeisenbahn.JPG

Bei der Recherche zum Thema Schienenfahrzeugen stieß ich auf einen ganzen Kosmos an Informationen, Fakten und Ideen. Das beginnt schon mal mit dem Antrieb. Vor 1804 und bei Straßenbahnen bis ins frühe 20 Jhdt. waren das hauptsächlich Pferde. Einspänner. Auch unter Tage zogen Pferde Schienenfahrzeuge (Lohren). Und hier kommt jetzt Mathe und Physik ins Spiel. Kurz gesagt: Eisen(rad) auf Eisen(schiene) ist seeeehr effizent und braucht kam Kraft, Rad auf Sandboden oder Pflasterstein ist dagegen viel schlechter.

Danach kam die Dampfmaschine, dann Diesel und Elektro. Was nicht heißt, dass man mit anderen Antrieben experimentierte. Druckluft zum Beispiel oder Natronlauge. Letzte Idee war eigentlich gar nicht dumm: Man verdünne die Lauge in einem Kessel mit Wasser, der chemische Reaktion lässt Hitze entstehen, mit der Wasser zum Verdampfen gebracht und dadurch die Lock angetrieben wird. Vorteil des Antriebs war, dass kein Feuer gebraucht wurde und damit keine Verbrennungsgase entstanden. Nachteile, und Gründe, warum die Idee nie in Serie ging, war, dass die Lauge Eisenkessel zersetzte und nur in (teuren) Kupferkesseln eingesetzt werden konnten und dass die Lok, je länger sie im Einsatz war und je mehr die Lauge verdünnt wurde, an Kraft verlor. Nach drei Stunden war Schluss und die Lauge musste erneuert werden.

Und dann ist da noch die X-12. Aus den 50gern. Der feuchte Traum jedes Nuke-Punk. Eine Atomgetriebene Lock. Kam aber leider (oder gottseisgedankt) nie über einen Prototyp hinaus. Trotzdem: Die Idee schreit gerade zu nach einer rollenspielerischen Umsetzung.


Professor Mood und der Anti-Materie-Partikel-Sättigungsantrieb

Prof. Mood hat einen neuen Anti-Materie-Partike-Sättigungsamtrieb entwickelt, der Fahrzeuge in einem Vakuum in annähernd Lichtgeschwindigkeit fahren lässt. Die Bayrische Staatsragierung hat, anlässlich des 200. Jubiläums der Fahrt des Adler im Jahr 2035, eine Teststrecke zwischen Nürnberg, Führt, Erlangen und Schwabach genemigt und gebaut. Die Held*innen sind

  • Teil einer Aktivistengruppe, die befürchtet, dass es sich bei der Lock um eine Weltuntergangsmaschine handelt. Es muss dringend verhindert werden, dass die AnMaPaS-Lightbringer ihre Jungfernfahrt durchfuhrt, da die Antimaterie-Technik unkontrolierbar ist und beim kleisten Fehler mindestens 798.867 Einwohner auf 367,5 km² pulverisiert werden. Vielleicht wird gar ein Tor in eine andere Dimension gerissen (Achtung, Afinnity Link)?
  • Teil der Wachmannschaft, die die AnMaPaS-Lightbringer vor religiosen, esoterischen und/oder extremistischen Aktivisten schützen soll. Höhepunkt wäre die berühmte Bobe an Bord, die entschärft werden muss, bevor die Frau Ministerpräsidentin Claudia Stamm (mut) die Jungfernfahrt antritt (quasi eine Mischung aus „Das Geheimnis des Mechanicus“ und jedem schlechten Action-Film aus den 80gen und 90gern)
  • Gäste der Jungfernfahrt, die unvermittelt in eine chutulhuide Welt gerissen werden, aus der sie fliehen müssen (ein Update des Abenteuers, das ich mal gespielt habe. Wenn mich nicht alles täuscht, war das das Abenteuer Kerkerwelten aus dem Spielleiterhandbuch der zweiten Edition)

Übrigens… die Lok war nicht immer gern gesehen. In der Frühzeit der Lokomotiven fürchteten sich die Menschen vor den gesundheitlichen Folgen, die eine Reise in einer Bahn mit sich brachte die schneller war als jedes Pferd. Angeblich sollen es die Bayern gewesen sein, die ein Gutachten hatten, das bei Reisen von mehr als 30 km/h die Gefahr eines Delirium furiosum sahen (das Gutachten hat aber bis heute keiner gesehen). Auch der Prophet des Bayerwalds, der Muihiasl, sollt eine Prophezeiung zum Thema Eisenbahn gemacht haben (die aber erst später aufgeschrieben wurde):

„An dem Tag, an dem zum ersten Mal der Eiserne Wolf auf dem Eisernen Weg durch den Vorwald bellen wird, an dem Tag wird der große Krieg angehen!“ Quelle: Niederbayernwiki.



Deeper in the rabbit hole – Eiserne Festungen auf eisernen Bahnen

Panzerzug der Wehrmacht in der Sowjetunion mit Geschütz und Vierlingsflak, Bundesarchiv, Bild 101I-639-4252-19A / Zwirner / CC-BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Panzerzug#/media/Datei:Bundesarchiv_Bild_101I-639-4252-19A,_Im_Osten,_Panzerzug_mit_Gesch%C3%BCtz_und_Vierlingsflak.jpg

Bajonette aufgepflanzt, jetzt geht es in den Krieg. Im Krieg sind Eisenbahnen etwas sehr Nützliches. Mit ihnen können schnell große Mengen an Material und viele Soldaten zwischen der Front und der Heimatfront verschoben werden. Spezialisten, die die Züge bedienen können, müssen zudem nicht extra vom Militär bereitgestellt und ausgebildet werden, die kann man sich aus dem zivilen Bereich „ausleihen“. Dumm nur, dass ein typischer Transportwagen ein paar Maschinengewehrsalven oder einem Mörserbeschuss nicht wiederstehen kann. Im Amerikanischen Bürgerkrieg begann man daher, Wagen und Locks zu panzern. Der Ansatz war wohl ziemlich erfolgreich, denn von da an gings ab mit den Panzerzügen. Schnell kam man auf die Idee, ein paar Haubitzen auf einem Wagen zu installieren. Und MGs. Und Geschütztürme. Und warum nicht gleich einen Panzer aufladen? Der Feind hat Jagdflugzeuge? Hängen wir einen Wagen dran, auf dem eine Flak ist. Warum nicht auch eine Atomrakete?

Den größten Nutzen hatten Panzerzüge in wenig erschossenen, weit entfernten Kriegsgebieten. Se sicherten den Nachschub, konnten Städte entlang der Schiene bombardieren und waren gegen die Flinten der Partisanen immun. Trotzki dürfte in seinem Sibirien-Kriegszug seinen Panzerzug iam intensivsten eingesetzt haben. Er selbst spricht von 36 Reisen und 105.000 Bahnkilometern, seine Freunde und Kameraden meinen jedoch, es wäre gut das doppelte gewesen. Doch lassen wir den Bolschewiki selbst reden:

“During the most strenuous years of the revolution, my own personal life was bound up inseparably with the life of that train. The train, on the other hand, was inseparably bound up with the life of the Red Army. The train linked the front with the base, solved urgent problems on the spot, educated, appealed, supplied, rewarded, and punished.” Quelle: My Life von Leon Trotzki

Man sollte meinen, nach dem zweiten Weltkrieg wäre es aus gewesen mit der Idee von Panzerzügen, sie sollen aber noch im Jugoslawien-Krieg und im Tschetschenienkrieg zum Einsatz gekommen sein. Berühmt ist ein stundenlanges Gefecht zwischen einem japanischen und einem chinesischen Panzerzug während der Mandschurei-Krise am 27.11.1931.

Bei allem Vorteil, den so ein Panzerzug hat, Churchill, selbst Kriegsveteran des Zweiten Burenkrieges, bringt den großen Nachteil des ganzen auf einen Punkt:

Nothing looks more formidable and impressive than an armoured train; but nothing is in fact more vulnerable and helpless. It was only necessary to blow up a bridge of culvert to leave the monster stranded, far from home and help, at the mercy of the enemy“ Quelle: Roy Jenkins, Churchill. A Biography, Farrar, Straus and Giroux, New York, 2001, p. 52.

Manchmal brauchte es keiner Feinde, da reichte das immense Gewicht der Züge allein aus.

Kabaneri of the Iron Fortress promotional image.jpg

A promotional image for the Kabaneri of the Iron Fortress anime television series. Fair use. https://en.wikipedia.org/wiki/Kabaneri_of_the_Iron_Fortress#/media/File:Kabaneri_of_the_Iron_Fortress_promotional_image.jpg


In der Fantastik taucht der Panzerzug immer wieder auf. Egal ob in Sowpiercer (der zwar ein Luxuszug sein soll, aber hier ruhig zu den Panzerzügen gezählt werden kann) oder Kabaneri of the Iron Fortress, einer Anime-Serie (die ab Folge 9 darunter leidet, dass sie einen typischen, darwinistischen Antagonisten eingebaut haben). Und dann gibt es da noch die Geschichte von einem Panzerzug, der in Polen versteckt worden sein soll, voll mit geraubten Gold und Kunstgegenständen.

Karneval der Rollenspielblogs: This Is The End Of The World – Apocalypse und Tabletop

Auf Facebook bin ich über einen Tabletop-Spieler und Modellbauer gestolpert, dessen Skizze für ein postapokalyptisches Floß mich begeistert hat. Wir sind ins Gespräch gekommen und er hat mir ein paar Bilder seiner Modelle gezeigt, die unbedingt hier veröffentlicht werden müssen. Um dafür den geeigneten Rahmen zu setzen, hier ein Interview mit Tim Warnke:


Hallo Tim, wie geht es Dir? Wie läuft das Home Office [Tim ist, wie meine Wenigkeit, Lehrer]?

In Kooperation mit ein paar Kollegen betreue ich den Unterricht in drei Klassen mit learningapps.org. Da erstelle ich regelmäßig Übungen, die mit dem vor dem Shut-Down mitgegebenen Material korrespondieren. Ich bevorzuge learningapps, da es erstens wirklich auf jedem internetfähigem Gerät (ich arbeite an einer Brennpunktschule, an der man die oft fehlende Ausstattung für die aktuelle Situation bedenken muss), selbst auf einem Fernseher, läuft und man zweitens sehr genau sehen kann, wer wann was gemacht hat.

Stellst Du dich uns kurz mal vor?

Ich komme aus Berlin und arbeite jetzt schon einige Zeit an einer Grundschule. Ansonsten schreibe ich manchmal Kurzgeschichten und reise gerne.

Du hast auf FB geschrieben, dass Dein apokalyptisches Setting in Berlin spielt, das nie wiedervereinigt wurde. Alternative History scheint ja momentan gerade richtig angesagt zu sein. Amazon hat z.B. aktuell Tales fot he Loop (wie immer, Affinity Link) im Angebot, das den 70ger Jahre Stile mit Robotern mischt.

I am here to kick ass und chew bubblegum
(C) Tim Warnke

Deine Kaugummiautomaten erinnern mich an meine Kindheit auf dem Dorf in den 80gern und frühen 90gern.Als jemand, der den Mauerfall vom Fernseher seiner Eltern erlebt hat, interessiert mich Dein Setting sehr. Kannst Du uns mehr darüber erzählen? Bespielst Du das Setting auch? Mit welchen Regeln?

 

So neu ist die Idee ja nicht… Der Roman „Schmetterling und Hakenkreuz“ / „The man in the high castle“ machten das ja schon vor (und das wurde dann auch die Vorlage für Wolfenstein). Ganz allgemein siedle ich mein Setting bei Fallout an. Da es so gut wie keine konsistenten Informationen über die Welt außerhalb der USA gibt, ging ich vom plausibelsten Fall aus (und wurde dafür oft schon scharf kritisiert, da das nicht dem Kanon übereinstimme…):

Die USA und China benutzen deutsche Ausrüstung, es wird von Deutschland als Industrienation mit der Hauptstadt Bonn gesprochen, also ging ich vom ersten Indiz der Teilung aus. Da ein geteiltes Deutschland für mich mehr Atmosphäre des Kalten Krieges erzeugt und man so einen vielfältigeren Handlungsort schaffen kann, beließ ich es dann bei einer BRD und DDR, die natürlich im Sinne Fallouts auch in den 2050ern und 2060ern die Ölkrise und Ressourcenkriege und den darauf folgenden europäischen Krieg mitmachten, der in Berlin eher als Stellungskrieg mit kleineren Scharmützeln geführt wurde (ich stelle mir vor, dass eben im Sinne des Kalten Krieges eher Stellvertreterkonflikte weitab der eigentlichen Zentren stattfanden). Bunkerprojekte wie die Vaults gab es eher als ausgebaute U-Bahnhöfe. Beschrieben wird das Überleben von solchen U-Bahnbewohnern, die an die Oberfläche zurückkehren und ein verwildertes Berlin vorfinden. Die Sümpfe des Mittelalters kehrten zurück und ganze Bezirke wurden teils überschwemmt. Zurückgelassene chinesische Kampfroboter formten zusammen mit westdeutschen Robotern eine Art Befreiungsarmee aller Roboter… Es gibt eine Gemeinde der freien Berliner Bezirke und Raidergruppen, die sich an Jugendkulturgruppen der 50er-80er orientieren.

Den Mauerfall erlebte ich als Kind „live und vor Ort“. Im Spiel berücksichtige ich das als den Trost der Überlebenden, nun endlich vielleicht in einer vereinten Stadt leben zu können.

Gespielt wird das Ganze mit den Regeln von Fallout Wasteland Warfare.

In deine Modelle packst Du auch Kritik an den Aktuellen Zuständen ein. Die Klopapierrollen und die Nudelpackung in der Box finde ich genial. Wie verdammt hast Du die gemacht?

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Das war recht einfach. Ein angemalter Capri-Sonne-Strohhalm, um den schmales Malerkreppband gewickelt wurde… Die Nudelpackung hatte ich einfach im Textverarbeitungsprogramm als kleine Faltbox erstellt und dann geklebt.

Dein Meisterwerk, den Kampfroboter, den hab ich doch schon irgendwo gesehen… Das Schloss im Himmel, stimmts? Welche Medien (Filme / Bücher / Spiele / Serien) beeinflussen Dich?

Ja, der ist aus dem Laputa-Film. Das Modell fand ich in Koyasan, diesem Tempelberg mit dem uralten Friedhof, als da als Rucksacktourist übernachtete. Ich fand es recht absurd, an so einem Ort einen offiziellen Ghibli-Shop zu finden.

Ich lese gerne historische Science Fiction. Speziell für mein Setting  fand ich aber auch die Spiele Deponia und Machinarium als Ideenspender gut.

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Wie kamst Du auf die Idee, den Kampfroboter für dein Setting umzubauen? Im Original hat er ja keine Bombe auf dem Rücken und auch der rote Stern und die chinesischen Schriftzeichen sind ja Deine Idee (mein Mandarin ist ja grade noch so wie der Impfstoff gegen Corona – nicht da. Bedeuten die Zeichen was).

Er heißt „Der Rächer“, deshalb auch der kleine tote Roboter auf der Hand… Bei Fallout haben die Amerikaner einen riesigen Roboter gebaut, der mit Atombomben wirft. Die Chinesen bauten dann in meinem Setting ein Gegenstück, eben den „Rächer“. Ein Exemplar davon wurde auch in Ostberlin heimlich stationiert. Im Film Laputa ist er ja ein freundlicher Riese, der eigentlich als Kriegsmaschine gebaut wurde, hier ist es genauso. Menschen sind ihm allerdings egal, außer, sie können seine zerstörten Geschwister reparieren.

Details neben dem Stoppschild: Kleiderbügel und Schädel (C) Tim Warnke

Wenn ich mir das Stoppschild hier auf der Base anschaue und die Kleiderbügel und Schädel entdecke… Details sind Dir Augenscheinlich wichtig. Wie lange arbeitest Du an einem Modell wie, sagen wir mal, den Roboter oder der Kiste mit dem Klopapier?

Da müsste ich etwas ausholen. An meiner Schule betreue ich eine Schülerfirma, die Textildruck mit Plotter und Heizpresse betreibt. Bei der Arbeit merkte ich, dass solche Geräte auch für den Kartonmodellbau einsetzbar wären. Ich schaffte mir in der Folge selbst einen Plotter an, mit dem ich seit einigen Jahren Modelle erstelle (zum Beispiel der Ofen, die kleinen Roboter, die Kiste für das Klopapier, die Werbeschilder, der Mülleimer, die Strandkörbe, die Kleiderbügel, Funkstation, Kinderwagen, Kaugummiautomat usw.). Auch da ecke ich im Tabletopbereich manchmal an, da es scheinbar viele für das falsche Material halten (obwohl ich bewies, dass meine Pappkisten über zwei Kilo Druck aushalten und auch wasserfest sind) und es etwas verlachen. Naja, alle geplotteten Pappsachen muss ich vorher mit CAD erstellen, da es in dem Bereich außer mir fast niemanden zu geben scheint, der so arbeitet.

 Der Roboter hat ca. 6 Tage (2 Stunden am Tag) gebraucht, die Klopapierbox war an einem Tag fertig.

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Du arbeitest ja grade an einem Hausboot. Ist das auch wieder für Dein Berlin-Setting? Wann wird es auf der Spree fahren können?

Das Hausboot ist für einen Wettbewerb (Wastebuilding- Bastle nur mit Müll und Haushaltsobjekten) in der deutschen Fallout-Wasteland-Warfare-Gruppe bei FB, und er muss deshalb noch im April fertig werden.

Das Gefährt wird dann einem sonderbaren Fischer und seinem Leguan (habe ich schon mit Greenstuff modelliert) gehören, der wehmütig auf seinen Globus schaut („Berlin“ auf der einen Kugelhälfte, „Rest“ auf der anderen).

Vielen herzlichen Dank für das Interview und Deine Bilder, die ich hier auf dem Blog veröffentlichen durfte. Und für das Kopfkino, die die Bilder bei mir Ausgelöst haben. Ich hab jetzt so richtig Lust, in einem Setting mal ein Abenteuer zu spielen.

Danke

Wer mehr von Tim Warnke sehen will, der findet sicher tolle Bilder von im in der FB-Gruppe Tabletop Geländebau und der deutschen Fallout-Wasteland-Warfare-Gruppe.

Rezension: Belly of the Beast – Rollenspiel im Magen eines Monsters

Norbert Franz (auf Facebook) und Klaus (in einem Kommentar unter meinem Verschluckt-Beitrag) haben mich darauf hingewiesen, dass es doch auf DriveThruRPG ein tolles Rollenspiel gibt, dass im Magen eines gigantischen Monsters spielt. Natürlich hab ich mir besorgt. Und gelesen. Und für gut befunden.

Das Setting des Rollenspiels ist interessant. Ein Meteor ist auf den Planeten eingeschlagen. Nachdem die Menschen die Katastrophe des Einschlags verdaut und die Kultur wieder aufgebaut haben, schlüpft aus dem Meteor / Ei der Weltenfresser, ein unbesiegbares, gebirgegroßes Wesen, dass alles, was in seinem Weg ist, verschluckt. Die Spieler*innen spielen Savengers, Überlebende und deren Nachkommen, die im langsam verdauenden Inneren des Evergut nach Rohstoffen und Artevakten aus der Zeit vor dem Gefressenwerden suchen. Dabei müssen sie ihr Stronghold und ihren Loot gegen Kannibalen, Räuber und zwielichtige Gestalten verteidigen müssen.

Belly oft he Beast geht im Spektrum der Rollenspiele eher Richtung Erzählspiel mit Würfelanteil, wobei es tatsächlich eine eiserne Regel gibt: Die Spielleiter*in würfelt nie. Alle Proben und auch die Kämpfe werden als Würfelprobe mit Erschwernis gehandhabt. Dabei kommen Würfelpools zum Einsatz. Einen Char zu erschaffen geht schnell und ist einfach: Name und Konzept aufschreiben, 2 Instinkte von 5 auswählen, die Spezialfähigkeiten freischalten, Charakterklasse wählen, Skillen, Talente wählen, fertig.

GREED

You must have all that you desire
Choose one:

  1. Spend 1 ID to discover the most valuable objects

in the Scene or current place.

  1. When you spend ID to haggle, sell, or profit more

from a salvage, those ID count as automatic
successes.

Quelle: Belly oft he Beast, Instinkt Greed, S. 65

Abenteuer sind im Quellbuch zwar nicht dabei, dafür detaillierte Anweisungen, wie ein Abenteuer im Evergut aufgebaut ist. Ziemlich strenges Konzept, imho. Gut finde ich, dass das Spiel szenisch aufgebaut ist und die Schwierigkeit des Abenteuers auch als Long Task aufgebaut sind. Long Tasks sind, um es mit DSA zu vergleichen, so was wie Sammelproben. Daneben gibt es auch einfache Proben, sogenannten Short Tasks. Immer, wenn eine Probe versemmelt wird, gibt es Konsequenzen (je nach Art des Tasks und der Anzahl der fehlenden Erfolge mehr oder minder schwer).

There’s a self-sustaining pull cycle:

  1. problem or scarcity (hook)
  2. potential solution (haul)
  3. travel to
  4. the pull itself
  5. travel from
  6. solve and barter

GMs, along any of these steps you can introduce any
number of obstacles or impediments, twists or
developments, battles or environmental hazards.

Quelle: Belly oft the Beast, S. 154

Auch Horror und Krankheiten können als Tasks abgebildet werden.

Gut gefallen haben mir auch die Illustrationen, die gut zur Immersion beitragen.

Fazit: Interessantes System, vor allem, wenn man die Variante 1 oder 3 der Verschluckt-und-Verdaut-Geschichten spielen will. Da sind viele gute Ideen drin. Ich hab gleich Lust, eine Runde zu spielen.

Verschluckt, verdaut und ausgeschieden – Abenteuer im inneren eines Körpers in Film, Literatur und Rollenspiel

Mal wieder Facebook. Da wurde diese Idee hier geteilt. Der Arsch-der-Welt-Park (im Original Mystery Flesh Pit National Park) stammte aus der Feder von Trevor Roberts. Im Thread entspannte sich dann eine interessante Diskussion um Abenteuer in und um riesige Organismen. Dabei viel mir auf, dass das ganze Themenfeld wohl ein riesiger Komplex ist und dass darüber noch niemand so richtig nachgedacht hat.

Wir reden hier von einem Typus von Geschichten, bei denen die Held*innen in das Innere eines Körpers gelangen, dort für eine gewisse Zeit bleiben und etwas machen um dann ausgeschieden zu werden. Meiner Recherche nach gibt es von dieser Geschichte drei Varianten. Variante 1 ist die ältere Variante und dreht sich vor allem ums verschluckt und gefressen werden, in Variante 2 dringen die Held*innen absichtlich in den Körper ein. In Variante 3 sind die Held*innen Teil des riesigen Organismus, sie leben entweder auf der Oberfläche oder im Inneren.

 

Gefressen und verschluckt

Biblischer Urtyp der Variante 1 ist die Geschichte des Propheten Jonah.

Das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn Amittais: 2 Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe über sie aus, dass ihre Schlechtigkeit zu mir heraufgedrungen ist. 3 Jona machte sich auf den Weg; doch er wollte nach Tarschisch fliehen, weit weg vom HERRN. Er ging also nach Jafo hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. […] Der HERR aber schickte einen großen Fisch, dass er Jona verschlinge. Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches. Da betete Jona zum HERRN, seinem Gott, aus dem Inneren des Fisches heraus […] Da befahl der HERR dem Fisch und dieser spie den Jona an Land.

Quelle: Bibelserver

Die hier erzählte Geschichte, die wohl irgendwann im 8.Jhdt. vor der Geburt des Sohnes vom Chef spielt, hat nie so stattgefunden und ist als Lehrstück und theologisches Gedankenspiel. Was passiert, wenn man Gottes Ruf nicht hört? Kann Gott ein angedrohtes Strafgericht ausfallen lassen und ist er dann noch allmächtig?

Auch die Geschichte des Zeus ließt sich ähnlich: Papa Cronos verschlingt seine Kinderlein, Mutter Reha versteckt klein Zeus bei Oma Gaia auf Kreta und gibt dem Gemahl in ein Laken gewickelte Steine zu fressen. Zeus kommt als junger Gott und tötet Cronos. Er schneidet den alten auf und siehe da, da spazieren die Götter Hades, Poseidon, Demeter, Hestia und Hera lebend raus. Fun Fact: die Geschichte wurde so von Herodot um das Jahr 700 v. CH niedergeschrieben, also 100 Jahre nach der Zeit, in der die Jona-Geschichte spielt und 200 -500 Jahre, bevor sie niedergeschrieben wurde.

Weltlicher ging es da schon bei meinem antiken Lieblingssatiriker Lukian von Samosata. In seine „Wahren Geschichten“ gibt es eine Episode, in der Lukian und seine Gefährten in einem Wal stranden, auf Fischmenschen und Schiffbrüchige treffen, einen Genozid anzetteln, den Wald im inneren des Wals abfackeln, um den Meeressäuger zu vergiften und kurz vor knapp auf den Gedanken kommen, dass man ja aus dem Wal noch raus müsste bevor er untergeht.

Beide Geschichten dürften Vorlage für Pinocchio von Carlo Collodi gewesen sein, auch hier strandet der Held der Geschichte, die lebendige Holzpuppe Pinocchio, auf der Suche nach seinem Vater im Inneren eines Wales.

Auch die Gebrüder Grimm haben ähnliche Märchen im Angebot, wobei hier der Wolf die Stelle des Wals einnimmt: Rotkäppchen (Ursprünglich von C. Perrault) und der Wolf und die sieben Geißlein.

Den literarischen Quellen gemein ist, dass alle Verschluckten bei lebendigen Leibe geschluckt wurden und auch lebend aus dem Monster befreit werden konnten. Und dann wäre da noch Japan. Ums kurz zu machen: Don’t nuke a country twice. Ums etwas auszuwalzen: Es gibt da ja die Vorarephilie. Bei dem als vore (Achtung, Link ist NSFW!) bekannten Fetisch geht es um das lustvolle verschlungen werden und (beim hard vore) verdaut werden. Ich könnte jetzt von Freud, dem Ich und Tanatos faseln, von Evolutionsbiologie, von Adler und vielem mehr faseln, aber die Erklärung dieser Philie überlass ich dann doch den Psychologen oder den Damen von Nerd ist ihr Hobby, einem sehr interessanten BDSM- und Rollenspielpodcast, den ich hier grüßen möchte.

Apropos Japan: Attack on Titan ist ein bekannter Anime, der das Trope aufgreift.

Im Rollenspiel taucht die Variante 1 immer dann auf, wenn die Held*innen gegen Riesen oder übergroßen Bestien geht, also vor allem im klassischen Fantasy-Setting. Interessant wären in einem solchen Fall auch Regeln zur Verdauung (Magen-Säureregeln).

Bei Variante 2 kann ich euch sogar das genaue Entstehungsjahr angeben: 1966. In diesem Jahr kam Fantastic Voyage in die Kinos. Der Plot war damals etwas Neues: ein aus dem Ostblock übergelaufener Forscher wird bei einem Anschlag auf ihn schwer verletzt. Um ihn zu retten, lassen sich Freiwillige in einem U-Bot schrumpfen und in die Blutbahn injizieren. Natürlich ist ein Saboteur an Bord, der die Rettung des Wissenschaftlers verhindern will. Natürlich sind auch Plot Holes drin. Dennoch begründete dieser Film ein ganzes Genre von Filmen oder Folgen in Serien. Egal ob Simpsons (Treehouse of Horror XV), Futurama (Parasites Lost (Achtung, Affinity Link)), Der Magische Bus (Insgesamt drei Folgen), Family Guy (Emission Impossible) und Rick und Morty oder der Kleine Medicus (Achtung, Affinity Link), Innerspace oder Jakten på nyresteinen… immer ist es die Gleiche Prämisse. Freiwillige lassen sich in einem Miniboot schrumpfen und gelangen in das Innere eines großen Körpers, immer werden sie von der Immunabwehr angegriffen. Das ganze Sub-Genre existiert also nur, weil es seit Herodots Zeiten erhebliche medizinische Fortschritte gab. Das sieht man vor allem daran, das in jeder der oben genannten Folgen oder Filmen die Held*innen von der Immunabwehr angegriffen wird.

Im Rollenspiel kann diese Variante auf vielfältige Weise aufgegriffen werden. Natürlich für Cyberpunk und Science-Fiction, bei denen die Held*innen virtuell oder real im Körper eines anderen unterwegs sind, um z.B. eine Kortex-Bombe bei einem Extraktionsobjekt zu entfernen (Grüße auch an yennico, der das hier ins Spiel gebracht hat). Die oben genannte Arsch-am-Ende-der Welt Höhle geht auch in die Richtung und auch im Fantasy-Settig geht dieses Genre. Meine „Axt des Kuros“ ist auch ein Abenteuer dieser Art. Hier sind die Yetis die weißen und die Nedermannen die roten Blutköroerchen.

Variante 3 ist das Gegenteil von Variante 2. Sind die Held*innen in Variante 2 Eindringlinge, so sind sie in Variante 3 Teil des Organismus. Sie leben in oder auf ihm, ernähren sich von ihm und schützen ihn. Als Medienreferenz fallen mir Xeno Blade Cronicals, Cells At Work!, Es war einmal das Leben (Achtung, Affinity Link), Mythor (vorgeschlagen von Tobias Reimann, meinem Mitrakshazaren, da die Heftroman-Serie in einer Stadt auf dem Rücken eines Giganten beginnt) und so einem obskuren Manga, dem mein Bruderherz erwähnt hat, in dem die Held*innen (weibliches weißes und männliches rotes Blutkörperchen)in einem Körper eines sterbenden Alkoholikers lieben (inklusive dystrophischer Stadtbezirke, die versagende Organe darstellen sollen) und der Kleine Prinz (Staffel 1, Folge 51) erzählt ebenfalls diese Geschichte.

Im Rollenspiel könnte ich mir da Szenarien vorstellen, in dem die Held*innen Teil des Immunsystems eines Giganten sind, drei fremde Stämme kommen und die Held*innen müssen entscheiden, ob  und welcher Stamm den Riesen bevölkern darf (und welche Konsequenz dies für den Giganten hat). (Achtung Triggerwarnung: Abwertende Sprache, Genozid) Vielleicht mutieren die Fremden auch und werden zu einer fiesen Krankheit, die den Giganten schwächt und müssen vertrieben werden. Ja mir ist bewusst, dass ich hier grade sprachlich Fremde und Krankheit gleichgesetzt habe. Wenn aber als Teil eines Immunsystems gespielt wird, sind tatsächlich fremde Zellen (Bakterien, hier Völker) oder RNA-Schnipsel (Viren, hier Kulte) Gefahr. Toll wäre es, wenn die Fremden Teil des Körpers werden können (neue Darmbakterien, die den Giganten gut tun und in gesünder macht. Nicht umsonst schütten sich einige Menschen probiotische Jogurts rein. Oder Bakterien, die an der Hautoberfläche leben, stinken und der Geruch unglaublich anziehend auf andere Giganten wirken, was dem eigenen Giganten richtig gut gefällt).

Drei Varianten einer Grundgeschichte, die sich alle für Rollenspiel eignen, auch genutzt werden. Die ihren Abdruck in der (Pop-)Kultur hinterlassen haben. Drei Varianten, die es wert sind, darüber zu sinieren.