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Karneval der Rollenspielblogs: Schiffe und Kapitäne – U-Boote

Naturgemäß denkt man bei dem Thema des diesmonatigen Karnevals denkt man naturgemäß an Schiffe auf dem Ozean oder vielleicht auch noch an Raumschiffe. Aber wir sollten auch mal unter die Wasseroberfläche blicken, da gibt es viel zu entdecken, was für Rollenspieler interessant sein könnte: U-Boote

Holz und Leder – von den Anfängen der Unterseefahrt

Wahrscheinlich ist das Prinzip der Taucherglocke seit der Antike bekannt. Man nehme eine Tonne, die untern offen ist, tauche sie mit der Öffnung nach unten ins Wasser, hoffe das sie dicht ist und nutze den Sauerstoff im Fass zum lufthohlen beim Tauchen. Das Problem mit den Tauchglocken: Sie sind nicht mobil und gegen den Druck unter Wasser helfen sie schon gar nicht. Die Tauchtiefen sind auch nicht sonderlich tief. Die frühesten U-Boot-Prototypen wurden 14.-16. Jhdt. entwickelt. Theoretische Spielereien, die kaum für die Praxis taugten und für Kriegsführung erst recht nicht. Aber sie hatten die gleiche Bedeutung wie die ersten Fluggeräte. Sie regten zum Träumen über die Möglichkeiten an. Ergebnis dieser Träume ist 20.000 Meilen unter dem Meer. Richtig los ging es mit den U-Booten im 19. Jhdt. und Beschleuniger des ganzen war der amerikanische Bürgerkrieg. Auf Seiten der Südstaaten versenkte die CSS Hunley am 17.02 18664 einen 1.200-Tonnen-Segler der Nordstaaten. Allerdings war das Boot, wie alle frühen U-Boote, Todesfallen. Das Hauptproblem war, neben dem Wasserdruck, vor allem Atemluft. Die Seeleute erstickten regelmäßig in den tauchenden Särgen. Die Hunley bot Platz für 8 Mann und hatte bis zum Tag ihres endgültigen Unterganges nach der Versenkung des Seglers (bei dem 5 Mann starben) insgesamt 21 Mann auf dem Gewissen und war schon zwei Mal abgesoffen.

Frühe U-Boote im Rollenspiel

DSA hat es mit dem Abenteuer Die Taucherglocke vorgemacht Heldinnen werden angeheuert, um Unterwasser nach irgendwelchen Geheimnissen zu suchen. Man könnte aber die Heldinnen in ein U-Boot setzen und sie eine Blockade durchbrechen lassen. Oder die Heldinnen sollen ein U-Boot vor Sabotage schützen.

Cool finde ich ja die Demergatoren in Myranor, kein Wunder, dass ich darüber ein Abenteuer geschrieben habe, dass dann auch in der letzten MM veröffentlicht wurde.

Auch das ding mit dem Träumen kann man im Rollenspiel nutzen und die Heldinnen in neue, wunderbare Welten unter dem Meer entführen.

Von heißen und kalten Kriegen

Die Entwicklung von U-Booten fing erst mit dem WWI so richtig an. Die Teile waren damals so etwas wie eine Superwaffe. Getaucht so gut wie unsichtbar, brachten die U-Bote auf deutscher und österreichischer Seite 6394 zivile und 100 Kriegsschiffe auf. Der Modus Operandi ähnelte damals mehr den von Piraten im Goldenen Zeitalter der Piraterie: Auftauchen, mit der Bordkanone stoppen, Schiff räumen und dann versenken. Weil die Sache so erfolgreich war, wollte man das gleiche in WWII wiederholen, was zumindest so lange funktionierte, solange das Sonar noch nicht flächendeckend zum Einsatz kam und Turing die Enigma noch nicht geknackt hatte.

Im Kalten Krieg waren es dann die riesigen Atom-U-Boote, die Geschichte Schrieben. Die Dinger konnten jahrelang auf See bleiben und waren mit Atomraketen bestückt. Unsichtbare Machtinstrumente. Eine Drohung, ein offenes Messer, unter der Tischdecke des Meeres versteckt. Highlight: Am 3. August 1958 tauchte die USS Nautilus unter dem geografischen Nordpol durch.

U-Boote wurden auch im zivilen Bereich zur Erkundung der Tiefsee eingesetzt. Die Trieste tauchte in den Mariannengraben (es ist durchaus Absicht, dass einer der beliebtesten Sternenflottenkapitäne den Namen Piccard, wenn auch mit nur einem c, trägt).

 

Weltkriegs- und Atom-U-Boote im Rollenspiel

Es ist wenig überraschend, dass der fremdenhassende Großmeister des kosmischen Horrors 1920 mit The Temple eine Geschichte über die Besatzung eines U-Bootes schrieb, die langsam in den Wahnsinn abdriftet. So riesige U-Boote bieten sich als ideale Spielwiese für Horrorgeschichten an. Eng, miefig, wenn atomgetrieben, auch gefährlich für die Crew. Insassen, geschützt nur durch ein paar Zentimeter Stahl und Nieten. Druck…

Als Rollenspiel ist auch das Fate-Modul Bergungskreuzer Möwe zu empfehlen, das in alternativen 80gern in einem überfluteten Europa spielt (mit einem Bayern, dass einen direkten Seezugang hat) und Sience Fiktion Elemente ins Spiel bringt.

U-Boote eignen sich zudem für Spionage- und Sabotageabenteuer im Stile des britischen Spions mit der Lizenz zum Töten.

 

Lautlos, spurlos

Mitte der Jahre des großen Klos erzählte mir ein Freund, der damals bei der Marine auf einer Fregatte Dienst tat, eine Anekdote (die auch auf Wikipedia zu finden ist, nebenbei…):

Ein U-Boot der Klasse U24 war teil einer Übung mit den USA in der Karibik. Dem U-Boot gelang es, sich unbemerkt an die USS Enterprise, einem DER US-Flugzeugträger, heranzuschleichen (unbemerkt von den ganzen Begleitschiffen, deren Job es ist, genau dieses zu verhindern. Das getauchte U-Boot feuerte einen Übungstorpedoteppich ab und fotografierte die Enterprise durchs Periskop. Die Amerikaner sollen darauf hin die Übung gestoppt und auf Anfang zurückgesetzt, der zuständige Admiral getobt haben.

Wie viel davon Seemannsgarn ist… wer weis. Tatsache ist, dass die deutschen U-Boote, so sie einsatzbereit sind, zu den gefährlichsten der Welt gehören, weil sie dank E-Antrieb und Wasserstoffbrennzellen sehr, sehr leise sind und dank ihrer geringen Größe kaum geortet werden können.

Mindestens genauso interessant wie die militärisch genutzten U-Boote sind jene, die für kriminelle Zwecke gebaut wurden. Irgendwann in den 90gern, mitten im Krieg gegen die Drogen, kamen ein paar Schmuggler auf die Idee, aus Holz, Stahl und später Fiberglas, U-Boote zu bauen, die unbemerkt Drogen ins Land schmuggeln konnten. Das war nötig geworden, nachdem die Häfen und Hoheitsgewässer der Staaten immer besser kontrolliert wurden.

Die Idee war so einfach wie effektiv. Die U-Boote brauchten nicht tief tauchen, ein, zwei Meter reichten, um nicht von den Küstenwachen entdeckt zu werden. Zudem waren sie klein genug, um durchs Sonar zu schlüpfen. Wie viele Drogen-U-Boote verloren gingen, wird man wohl nie erfahren, aber der Gewinn scheint das Risiko wert zu sein: ein so ein halbtauchendes U-Boot kann rund 5-6 Tonnen Kokain transportieren. Mittlerweilen wurden schon ferngesteuerte Drogen-U-Boote gefunden, was uns zu …

 

Moderne U-Boote im Rollenspiel

… bringt. Ferngesteuerte Drogen-U-Boote, das schreit doch nach einem Rigger! Einen Seemann-Rigger, quasi dem Gegenpart des Bauern-Riggers. Ein so ein U-Boot könnte auch der Aufhänger für ein Spionage- oder Detektivabenteuer sein. An der Küste wird ein Drogen-U-Boot entdeckt. Die Mannschaft ist tot, erschossen, die Drogen verschwunden. In der nahen Kleinstadt taucht ein Mexikaner mit einem Bolzenschussgerät auf…

 

Zu guter Letzt noch ein paar Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot

https://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107314674/Das-Zielfoto-das-einen-US-Admiral-wuetend-machte.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Narco-submarine

https://de.wikipedia.org/wiki/H._L._Hunley

Karneval der Rollenspielblogs: Verschworen – Gottesmann und Hexenmeister

Heut geht es um eine Verschwörung, die im Jahr 1588 in Trier stattfand, die bis heute Konsequenzen hat. Es geht um die Verschwörung gegen Dietrich Flade. Ich hab mir diese Verschwörung rausgesucht, weil man anhand dieser Geschichte

  • die Merkmale einer Verschwörung wunderschön rausarbeiten kann (imho viel besser als die Beispiele, die Machiavelli nennt),
  • die Akteure der Verschwörung und deren Motivation kennen lernen,
  • die Folgen einer gelungenen Verschwörung aufdecken
  • und uns überlegen, wie wir diese Verschwörung in Fantasy-Settings einbauen können.

 

Das Opfer: Dietrich Flade

Dietrich war ein wohlhabender, wichtiger, gelehrter und einflussreicher Bürger seiner Stadt. Er studierte in Löwen, Orleans und Speier, war Doktor beider Rechte (d.h. des Kirchenrechts und der weltlichen Rechte), zehn Jahre Vize-Schultheis, danach Schultheis des Domkapitels und anschließend der Stadt Trier selbst. Schultheis – das bedeutet nichts anderes als dass er von seinem Landesherrn, dem Kurfürsten und Erzbischöfen von Trier als oberster Verwaltungs- und Steuerbeamten eingesetzt wurde. Ab 1558 vertat er als Kurfürstlicher Rat seinen Herren auf Reichstagen und vor dem Reichsgericht. Letzteres ist zumindest… interessant, da er der Stadt Trier damals 4.000 Gulden geliehen hat. Ein Kredit, mit dem die Stadt einen Prozess vor dem Reichsgericht anstrengte, um reichsunmittelbar, also nur dem Kaiser Untertan, zu sein. Die Geschichte ging dann 1860 schief, die Stadt war verschuldet (ab 1581 war dann ihr Gläubiger auch noch offizieller kurfürstlicher Statthalter) und immer noch dem Kurfürsten Untertan. 1586 ernannte die Universität Trier zu ihrem Rektor.

Dietrich war Hexenjäger. In seiner Funktion als Richter brachte er einige Hexen auf den Scheiterhaufen. Die Geständnisse holte er sich unter Folter, damals gängige und gute Praxis.

Ein Merkmal einer Verschwörung ist es, dass das Opfer immer Macht besitzt. Macht kann vieles sein: Eine große Anhängerschaft, eine bestimmte politische Position, Geld, Wissen. Egal on Cäsar, Lincoln oder JFK: Die Opfer waren mächtige Personen.

 

Die Verschwörer: Peter Binsfeld und Erzbischof Johann VII. von Schönenberg

Peter stammte, im Gegensatz zu Dietrich, nicht aus einer reichen Familie. Er der Sohn eines Bauern und hütete die Ziegen einer Abtei, bis der dortige Abt sein Talent erkannte und ihn im Kloster und in Rom studieren leiß. 1568 kam er als Priester aus Rom zurück, durfte sich bewähren, in dem er durch Wort und Tat verhinderte, dass Prüm lutherisch wurde. Innerhalb von 13 Jahren stieg Peter dann zum Weihbischof von Trier und Titularbischof von Azutos auf. Da war er noch keine 40 Jahre. Die Ämter behielt er auch unter dem reformfreudigen neuen Kurfürsten und Erzbischof Johann VII, dem Dienstherrn Dietrichs.

Es gibt Männer, die wollen die ganze Welt brennen sehen. Peter gehörte dazu. Auf seine Initiative hin fand in Trier und Umgebung eine der schlimmsten Hexenjagten der Geschichte statt.

Johann VII stammte aus einer alten Adelsfamilie. Kanonikatsanwärter mit 13, Teheologiestudent mit 21, zwei Jahre später Domkapitular, später Domprobst, dann 1580 endlich Erzbischof. Ach Johanns Werdegang kann als steil bezeichnet werden, wobei sein Weg durch seien Herkunft schon vorgezeichnet war. Johann war katholisch, aber reformfreudig. Er brachte den lotterhaften Klerus der damaligen Zeit auf Linie mit dem Konzil von Trient, gründete Priesterseminare und führte, kaum dass er zum Erzbischof ernannt wurde, den Gregorianischen Kalender ein. Er war aber eben auch ein streng katholischer Landesherr, der gegen den Protestantismus und natürlich auch das Hexenunwesen kämpfte. Ob er an der Verschwörung gegen seinen eigenen Stadthalter beteiligt war, weiß man nicht. IMHO hat er das Vorgehen Peters zumindest geduldet, profitiert hat er auf jeden Fall davon.

Ein Merkmal von Verschwörungen ist, dass die Verschwörer von einer Mission angetrieben werden oder zumindest, wie im Falle Peters, von Neid und Missgunst zerfressen sind oder sich Vorteile (Macht) aus der Verschwörung versprechen.

 

Das Motiv: Streit um die Hexenverfolgung und 4.000 Gulden Schulden

Dietrich und Peter lagen überkreuz. Peter wollte gerne in Trier noch mehr Hexen brennen sehen und die Hexenverfolgung ausdehnen, Dietrich war dagegen und wollte nur handeln, wenn (durch die Folter bestätigter) begründeter Verdacht vorlag. Vor allem wollte Peter jene brennen lassen, die auf seinem Weg nach oben im Weg waren. Und Dietrich war ihm im Weg.

Da war auch noch das 4.000-Gulden-Motiv, das man imho nicht Vergessen sollte. Gut, die Sache lag fast 30 Jahre zurück, aber Dietrich hatte den Feinden seines Kurfürsten (Johanns Vorvorgänger) Geld geliehen, um in die Reichsunmittelbarkeit fliehen zu können. Andere Städte hatten dies genutzt, um protestantisch zu werden. Pikantes Detail am Rande: Dietrichs Frau, Barbara Reichwein, Witwe des Trierer Leibarztes des Kurfürsten Johanns des VII war eine geborene Walter aus Augsburg. Ihre Familie war protestantisch.

Wie auch immer, Dietrich musste weg!

 

Die Verschwörung: Vom Hexenjäger zum Hexenmeister

„Du bist also am Sabbat zum Friedhof gegangen und hast dem Satanas den Arsch geleckt?

„Ja!“

„Wer noch?“

„Niemand, ich allein…AUUUUUUU!“

„Wer noch?“

„Die Hebamme, die Bimsberger Anne!“

„Wer noch?“

„Der Schwarzmüller. Und der Jud Abraham Levi. Bitte, nicht die Zange …. AUUUUUU!“

„Der Flade Dietrich, der Schultheis von Trier auch?“

„AUUUU!“

„Bedenke wohl, der Schultheis auch?“

„Ja, ja, der auch, der besonders!“

Fiktives Gespräch im Malefizenhaus.

Im Jahr 1587 häuften sich die „Besagungen“ (Anschuldigungen einer Person, von einer vermeintlichen Hexe unter Folter ausgesagt). Die Verschwörung nahm ihren Lauf. Dietrich wurde am 4. Juli 1588 verhaftet und der Hexerei angeklagt. Peter war klug genug, die Befragungen nicht selbst zu leiten. Aber Diethelm hatte noch Freunde, unter anderem den Komtur des deutschen Ritterordens. Der Floh mit ihm am 8. Oktober, brachte ihn aber nach vier Tagen wieder nach Trier zurück. Ein Vögelchen hatte ihm gesteckt, dass er gerade einem gefährlichen Hexenmeister geholfen hat. Am 22. April 1589 folgte das Geständnis unter Folter, am 18 September folgte das Urteil: Tod durch Feuer, als Gnade das Erdrosseln vor der Verbrennung. Noch am selben Tag wurde Dietrich hingerichtet.

Machiavelli schriebt im einst:

Man muss wissen, dass es zwei Arten zu kämpfen gibt: mit den Gesetzen und mit der Gewalt. Die erste Art ist dem Menschen eigen, die zweite den Tieren; da aber die erste oft unzulänglich ist, muß man zuweilen auf die zweite zurückgreifen.

Ein Merkmal einer Verschwörung ist, dass zu Gewalt gegriffen wird. Schnell, tödlich, überraschend. Nach Machiavelli sollen auch möglichst wenige von der Verschwörung wissen. Ich halte Peter und Johann für die Verantwortlichen der Verschwörung gegen Dietrich. Johann, wie wir gleich sehen werden, profitierte finanziell von Dietrichs Tod. Peter schreibt noch im selben Jahr einen Traktat, der auch auf den Gerichtsakten des Prozesses gegen Dietrich basiert und für das nächste Jahrhundert zu dem Standartwerk jedes Hexenjägers, neben dem Hexenhammer, versteht sich. Zudem beerbet Peter Dietrich im Rektorenamt der Universität Trier.

Mit Machiavelli möchte ich auch schließen:

Einem Machthaber darfst du weder so nah stehen, dass sein Sturz dich mitreißt, noch so fern, dass du im Fall seines Sturzes nicht bereit bist, auf seine Trümmer zu steigen.

 

Schulden aus der Vergangenheit: Die Folgen des Urteils

Dietrichs gesamtes Vermögen ging an den Kurfürsten. Einschließlich eines gewissen Schuldscheins über 4.000 Gulden. Die Zinsen, so verfügte der Erzbischof, sollten an die fünf Trierer Innenstadtpfarreien gehen, zur Aufbesserung des Priestergehalts. Und das tun sie heute noch. 430 Jahre nach dem Tod Dietrich Flades zahlt die Stadt Trier jährlich 362,50 Euro an das Bistum, allen politischen Versuchen zum Trotz, die Zahlung zu beenden.

 

Der Fall Dietrich Flade als Inspiration im Rollenspiel

Das erste, dass mir so durch den Kopf ging, als ich von Dietrich gelesen habe, war HEXXEN1733. Gut, die Geschichte Dietrichs trug sich ein paar Jahrhunderte zuvor zu, aber heißt es nicht auch, dass sich Geschichte immer wiederhole?

Dietrich könnte in einem Abenteuer auch wieder aus dem Grabe erstehen: Als Vampir, Rachedämon oder nur als unglückliche, verlorene Seele, die gerne ihren guten Ruf wiederhergestellt hätte. In den ersteren Varianten zieht ein mordender Rachegeist durch die Stadt, in letzterer werden die Heldinnen beauftragt, Peter der Verschwörung zu überführen (was seeehr schwer werden dürfte).

Hätte Peter nicht mit 54 Jahren die Pest geholt, hätte er vielleicht eine Verschwörung gegen dien Kurfürsten geplant. Die Heldinnen hätten dann vielleicht dem Erzbischof zu Hilfe eilen müssen, um gegen den ehemaligen Mitverschwörer zu kämpfen. Was, wenn dabei die Beteiligung an der Verschwörung gegen Dietrich Flade aufgeflogen wäre?

Vielleicht war aber auch Peter ein Hexenmeister und Teufelsdiener, der seine Seele gegen eine Kariere getauscht hatte und Dietrich ist ihm auf die Schliche gekommen. Vielleicht hat Dietrich auch irgendwo Aufzeichnungen darüber versteckt. Hochbrisante Papiere, für die Peter ohne Zewifel über Leichen gehen würde…

 

Quellen:

Wikipedia zu Dietrich, Peter und Johann VII

Die Geschichte auf SWR.de, Focus und Zeit.

Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume

So, erst mal an alle ein gutes Neues Jahr! Nachdem sich der Dampf der Knaller und Raketen verzogen hat und der Krawall den letzten Tagträumer geweckt hat, wird es Zeit, mal den Karneval auszuwerten.

Greifenklaue (in zwei Beiträgen) und ich stellen ein paar visuelle Reize für Kopfkino vor. Die fliegenden Inseln und die Treppen zum Brunnen im ersten Post und die Stadt auf dem Steinkopf im zweiten Beitrag haben es mir angetan. Auf die Illustratoren, die uns mit visuellen Reizen versuchen, sang ich ein Hohelied, im speziellen auf Kirsten Schwabe. Kirsten illustriert für die Memoria Myrana, bei denen ich ja auch irgendwie mit drinnen hänge…

Sandfox von Sandkastenspiele beschreibt in seinen Blogeintrag, wie man so einen Tagtraum fassen und in Textform gießen kann. Das ist ein wirklich interessanter Text, denn so ähnlich fang ich meine Tagträume auch ein. Ergebnis eines solchen eingefangenen Traums ist Yimrheim. Ich freue mich da schon auf den angekündigten Kommentar von blut_und_glas

Timberware beschreibt, wie man Tagträume bzw. Tagtraumsequenzen erzählerisch darstellt.

Manchmal lassen mich Informationsfetzen nicht mehr los. Eine Sendung im Deutschlandfunk z.B. löste bei mir die Frage aus, warum eine Abenteurerinnengruppe dringend einen Barden braucht, wenn es in einen spinnenverseuchten Dungeon geht. Natürlich wegen des einzigen Antidots gegen Spinnengift – Tanzen! Ein anderes mal ist es ein Youtube-Video zu einem Ur-altem (sorry fürs Wortspiel…nicht) Brettspiel, das bei mir Kopfkino auslöst.

Einen Eintrag ins Monsterhandbuch gab es diesen Monat auch von mir, die Drud. Auf d6idears gibt es die passenden Beutelschneider-Werte. Bei Ackerknecht gabs dann die Idee zu einem Kegel-basierten Regelsystem und boom… Kopfkino. Mal schaun, vielleicht gibt es dann im Sommer ein neues Abenteuermodul.

Was ist… ein Tagträumer? Spiele im Kopf, d6idears gleich zweimal und ich hatten da verschiedene Vorstellungen. Von einer, an Mesoamerika angelehnte, Kultur über gekaperte Vergnügungsschiffe und eine Bezeichnung für Kundschaft der TCG bis zu träumenden Schülern, da war alles dabei.

Von d6idears gibt es natürlich wieder einen Blick ins Archiv.

Es hat wieder einmal Spaß gemacht, einen Rollenspielerkarneval zu leiten. Die Beiträge waren interessant, vor allem das Was ist Spielchen. Das Vergnügungsschiff wird ich mir mal genüsslich klau… leihen 😊. Ich freu mich schon auf 2019!

Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume – Von Kegelbahnen und Kaulquappen

Ich hab hier nch zwei interessante Links gefunden. Der erste geht zu Kollege Ackerknecht: Ein Besuch auf einer Kegekbahn hat bei ihm die Synapsen angeschmissen und raus kam ein Regelsystem fpr Rollenspiele auf basis von Kegelwürfen. Alle Neune, Herr Ackerknecht! Das Hat bei mir die Synapsen angeworfen und… später vielleicht mehr. Der Film muss erst noch geschnitten werden, dann läuft er im Kopfkino….

Der zweite Link war irgendwie Klickbait. Aber für Rollenspieler in Fantelalter-Settings vielleicht interessant: Wie verhütet frau ohne Pille? Oh, ja… Triggerwarnung: Einige der Verhütungsmethoden bringen dich um oder machen dich unfruchtbar.

Des Trolls Monsterhandbuch und Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume – Sweet dreams are made of this

Es ist Mitternacht. Du schreckst aus einem Alptraum hoch. Schweißgebadet liegst du im Bett. Die Brust schmerzt, Du kannst kaum atmen. Diese Nacht hattest Du ungebetenen Besuch… von einer Drud.

Von Drudn hab ich zum ersten Mal vor gut 30 Jahren gehört. Bei uns gehörte es zum Freitagabend dazu, dass Königlich Bayrische Amtsgericht zu anzuschauen. In der Staffel 1 gab es da eine tolle Folge, die sich mit dem Thema Drudn beschäftigt.

Drudn sind verwunschene (junge) Mädchen, meist die jüngsten Töchter von Drudn (oder eine von sieben Töchtern einer normalen Frau), die verflucht sind, als geisterhafte Erscheinungen allen Schlafenden aufzuhocken und den Atem auszudrucken. Das muss nicht mal ein Mensch sein, auch Tiere, vor allem Kälber, Pferde und Hühner können gedrückt werden. Im schlimmsten Fall können die Opfer erdrückt werden, so der Volksglaube. Früher war das Wirken der Drud eine einfache Erklärung für den plötzlichen Kindstod. Verbreitet ist (der vielmehr war) der Glauben an die unheimliche Drückerin im Ganzen süddeutschen, vor allem aber bayrischen und österreichischem Raum.

Wie wird man jetzt aber so eine Drud wieder los? Da überliefert uns der Volksglaube auch ein paar potente Mittel.

  • Der Drudenfuß. Ja, genau von diesem bayrischen Alp hat das Pentagramm seinen volkstümlichen Namen. Über der Tür, der Bettstatt (ein altes Wort für Bett) oder an der Krippe angebracht, sollte das Pentagramm die Drudn vertreiben. An manchen alten Krippen ist auch noch ein Lilith Abi (hebr. für Lilith hau ab, bezieht sich auf den Dämon Lilith) eingeschnitzt.
  • Ein Drudenstein. Wenn man richtig Glück hat, kann man einen Stein finden, in dessen Mitte ein natürliches Loch ist. Das ist ein sogenannter Drudenstein. Träger eines Drudensteins waren vor den Nachstellungen von Druden und anderen Geistern geschützt. Steine, in die selber oder von Freunden ein Loch in die Mitte gebohrt wurde, waren übrigens wirkungslos.
  • Drudengatter, das heißt ein Kreuz, das Christuskreuz und Andreaskreuz in sich vereinte, wurden vor die Eingänge gestellt. Drudn konnten dann nicht mehr ins Haus (es sei denn, jemand war aus Versehen beim Bau einer Hausmauer über die selbige gestiegen und hatte eine Koboldstür hinterlassen).
  • Drudenmesser waren besonders verzierte Messen, deren Griff ein Gamskruckl, also ein Gämsenhorn war. Das Messer wird mit der Schneide nach oben in den Türbalken gerammt und verhindert, dass eine Drud das Haus oder den Hof betreten kann.

Verwand mit der Drud sind der Alp, der sprachlich mit den Elf verwandt ist und für den Alptraum Pate stand und auch Nachtmahr genannt wird. Beides sind Geister, die sich nächtens auf der Brust des Opfers niederlassen, ihm Schlaf und Atem rauben. Interessant finde einen Aspekt, den ich auf Wikipedia gefunden habe und der mich auch bei den Drudengeschichten untergekommen ist: Nachtmahre scheinen offenes Haar zu verabscheuen. Egal on Tier oder Mensch, sie flechten es zu kunstvollen Zöpfen… warum auch immer. Übrigens gehören auch Incubus und Sukkubus zusammen mit meinen Lieblingsgeistern, dem Schalk im Nacken zu dieser Kategorie der Aufsitzer-Geister.

Auch die Gebrüder Grimm haben ein ganzes, etymologisch interessantes Kapitel in ihrem Werk Deutsche Sagen in Band I von 1816 geschrieben. Darin geht es unter andrem darum, wie man eine Drud bzw. einen Alp in seiner menschlichen Form erkennen kann.

Sagt man zu dem drückenden Alp:

Trud komm Morgen,
so will ich borgen!

weicht er alsbald und kommt am andern Morgen in Gestalt eines Menschen, etwas zu borgen. Oder ruft [132] man ihm nach: „komm Morgen und trink mit mir,“ so muß derjenige kommen, der ihn gesandt hat.

Nach Prätorius stoßen seine Augenbraunen in gleichen Linien zusammen, andere erzählen, daß Leute, denen die Augenbraunen auf der Stirne zusammengewachsen sind, andern, wenn sie Zorn oder Haß auf sie haben, den Alp mit bloßen Gedanken zuschicken können. Er kommt dann aus den Augenbraunen, sieht aus wie ein kleiner weißer Schmetterling und setzt sich auf die Brust des andern Schlafenden.

Quelle: Deutsche Sagen, Band 1, S. 130–132

Die Drud im Rollenspiel

Druden und Alp eignen sich gut für Rollenspiel. Sie sind eine interessante Abwechslung zu Dämonen und Geistern oder zur „normalen Hexe“. Da sie Menschen sind (zumindest tagsüber) und wahrscheinlich sogar in die Dorfgemeinschaft hineingeboren wurden (vor allem die Drud scheint ein bäuerliches Phänomen zu sein, in der feinen Stadt schien man eher mit der Sukkubus zu verkehren), eignen sie sich für einen Detektivplot. Da sie Drud den Überlieferungen nach unschuldig, weil verflucht ist, kommt hier eine Jungfer-in-Not-Situation hinzu (Das Baierische kennt auch eine männliche Form der Drud, den Druderer oder Truderer. Die wird aber auch für böse Zauberer im Allgemeinen verwendet).

Ein weiterer Aspekt ist der Lebensraub bzw. die Atemnot, der mit dem Besuch einer Drud verbunden wird. Das war ja früher ein Erklärungsmodell für Krankheiten und plötzlichem Tod. Im Rollenspiel könnte die Drud tatsächlich Krankheiten übertragen oder totgedrücke Opfer zu einem Unleben verdammen (immerhin sind auch Aufhocker aus der Angst vor Untoten entstanden). Dann kommt zum Detektivplot schnell ein paar Horror-Elemente hinzu.

Vielleicht ist in der Rollenspielwelt, in der unsere Drudengeschichte spielen soll, eine bestimmte Religion vorherrschend und Elemente des Volksglaubens als Aberglaube verboten. Wer also Pentagramme in die Haustür ritzt und Drudengatter bastelt, steht bald selbst unter Verdacht, ein Zauberer (Druderer) zu sein.

Die Drud wäre also eine ideale neue Hexenart für Hexxen1733.

Achja… Heut ist Rauhnacht. Der blutige Dammerl zieht seine Kreise…

 

Update 28.12.2018: blut_und_glas hat für die Drud mal Werte entwickelt. Für Beutelschneider, versteht sich.

Der Troll blickt zurück – 2018 Edition

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es wird also wieder Zeit für Jahresrückblicke.

Insgesamt wurde mein Blog dieses Jahr 9.857 aufgerufen, von etwas mehr als 6.000 Besuchern. Das ist für meinen kleinen, bald fünf Jahre alten Bog, der Rekord. Die meisten Aufrufer sind aus Deutschland.

Meine Tobbeiträge waren die Rezension zur Havena-Box (444 Aufrufe) und meine Rezension zum Urvater der Tabletob-Spiele, Little Wars (301 Aufrufe). Mein am schlechtesten besuchter Beitrag war mein Beitrag zum 1W100 Random Blog Encounter (klägliche 4 Aufrufe) Bei denen Wollte ich mitmachen, habs aber Zeitlich irgendwie nicht geschafft.

Dieses Jahr habe ich es geschafft, viele Schreibprojekte abzuschließen. Da wären „Die Axt des Kuros“, der „König der Huren“ und „Gestrandet in den Nebelauen“ das zumindest textlich final ist. Für die Memoria Myrana hab ich den „Zorn der Nanja“, eine alte Abenteueridee, aus dem Papierkorb gezogen und auch der „Turm des Morgai“ wurde aus dem Papierkorb gezogen und fertiggeschrieben.  Für den OPWC hab ich was geschrieben, aber leider nichts gewonnen. Bei der Ars Myrana war ich mit zwei Beiträgen am Start. Grade eben hab ich die Idee mit den Gestrandeten auf einer Iomischen Insel aufgegriffen und schreib da rum. Fehlt noch ein bisschen… Achja, ein Feenabenteuer hab ich ja auch noch geschrieben!

Auch für ein anders System habe ich was geschrieben, Yimrheim für Beutelschneider. Das hat mir richtig Spaß gemacht, nächstes Jahr möchte ich noch was für Beutelschneider machen.

Dieses Jahr durfte ich drei Rollenspielkarnevale leiten. Der zweite, zum Einstieg ins Rollenspiel, war der mit den meisten Teilnehmern. Das war auch der, bei dem ich die Fate-Spieler mit einem kleinen Rant getriggert habe… ich schlimmer Troll ich!

Dieses Jahr war das Jahr der Awareness im Rollenspiel. Auch dazu habe ich Stellung bezogen. Ach wenn ich es nicht immer schaffe, versuch ich doch bei den Veröffentlichungen hier auf meinem Blog das generische Femininum durchzuziehen.

Vampire, die auch ein Teil der Kontroverse waren, waren auch ein wichtiges Thema hier auf meinem Blog. Ich hab hier sogar mal die chinesische Variante der Vampire vorgestellt. Hüpft schön, beißt und gegen die Verwandlung hilft Rundkornreis.

Was den Ausblick angeht, hab ich ja schon in der aktuellen Blog-O-Queste darüber ein paar Worte verlohren. Ich freu mich schon auf 2019.

Karneval der Rollenspielblogs: Kopfkino und Tagträume – Vom Tanze und seinen rollenspielerischen Möglichkeiten

Warum ist Enrico davon überzeugt, dass die Gruppe für den Ausflug ins Spinnenverseuchte Schloss dringend einen Barden braucht?
Keine Ideen?

Na wegen der Trarantella!

Ok, ich gebs zu, der Gedankenpfad ist nicht leicht zu wandeln, aber genau das ist so ein Informationsfetzen, der bei mir Tagträume (und Ohrwürmer) hervorgerufen hat, die mich seit einer Woche nicht mehr loslassen. Schuld ist in diesem Fall der Deutschlandfunk, der Samstags um 10 die Sendung Klassik-Pop-et cetera sendet. Darin werden bekannte Regisseurinnen, Musikerinnen und Dirigentinnen gebeten eine Stunde lang Programm zu machen. Ich hör den Sender immer, wenn ich meine Mädels zu Karate fahre. Vor ein paar Wochen wurde da eine Tarantella gespielt und darauf hingewiesen, dass diese Musik- und Tanzrichtung lange Zeit als Heilmittel gegen den Biss einer Tarantel galt.
Zack, Kopfkino! Ich wollte ja schon seit einiger Zeit einen Bestiariumseintrag für Riesenspinnen machen, und darum hat diese Information bei mir Bilder von Tanzenden Heldinnen neben den Kadavern von Riesenspinnen hervorgerufen.
Und jetzt bin ich Arschloch: Eine Tarantella kennt jeder on euch, nämlich die Tarantella Neapoletana. Ich brauch nur ein paar Worte zu tippen und ihr habt die nächsten 10 Minuten einen Ohrwurm.

Pizza, Pasta, Pizza Pasta….

You are welcome!

Eine Tarantella ist ein klassisches, süditalienisches Volkslied bzw. Volkstanz. Der Tanz scheint noch aus der Zeit Roms zu stammen, von Dionisus oder Diana-Kulten. Erstmals schriftlich erfasst wurde die Tarantella 1630 dann das jesuitische, deutsche Genie Athanasius Kircher.
Die Idee hinter der Tarantella war ja, dass die Leute glaubten, dass der Biss einer Tarantel schmerzhafte Muskelkontraktionen und sogar den Tod hervorrufen konnten. Um den Gebissenen zu heilen, musste er tanzen. Und weils sich allein so schlecht tanzt, muss das ganze Dorf gleich mittanzen. Durch den flotten Tanz (6/8 bis zu 12/8 Rhythmus) soll der Körper das Gift ausschwitzen, bevor es Schaden anrichten konnte.

[…] e trovammo il misero contadino oppresso da difficile respirazione, ed osservammo inoltre, che la faccia, e le mani erano incominciate a divenir nere. E perchè il suo male era a tutti noto, si portò la Chitarra, la cui armonìa subito, che da lui fu intesa, cominciò a mover prima li piedi, poco dipoi le gambe. Si reggeva appresso sulle ginocchia. Indi a poco intervallo s’alzò passenggiando. Finalmente fra lo spazio di un quarto d’ora saltava si, che si sollevava ben tre palmi da terra. Sospirava, ma con empito sì grande, che portava terrore a‘ circostanti; e prima d’un’ora se gli tolse il nero dalle mani, e dal viso, riacquistando il suo natio colore.

Übersetzung:
[…] and we found the poor peasant oppressed with difficult breathing, and we observed also that the face and hands had started to be become black. And ‚cause his illness was known to all, a guitar was brought, whose harmony immediately that he was understood, began first moving the feet, legs shortly afterwards. He stood on his knees. Soon after an interval he arose swaying. Finally, in the space of a quarter of an hour he was leaping, nearly three palms from the ground. Sighed, but with such great impetus, that it terrorised bystanders, and before an hour, the black was gone from his hands and face, and he regained his native colour
Cancellieri, Francesco (1817). Lettera sopra il Tarantismo, l’aria di Roma, e della sua campagna. Seite 11

Mal abgesehen, dass Spinnen den Menschen äußerst selten beißen, hatten die auch die völlig falsche Spinne im Verdacht. Nicht die Tarantel war so giftig, dass sie auch den Menschen schaden konnte, sondern die Schwarze Witwe. Nun, Sei es drum, jedenfalls tauchte die Tarantella ab dem 17. Jhdt. immer wieder in Heilkundebüchern auf und ab den 19. Jhdt. beschäftigten sich auch Schubert, Rossini, Listz und Strauß (der Sohn) mit der Tarantella. Heck, die italienisch Nationalhymne ist eigentlich eine Tarantella!

Und im Rollenspiel?

Das naheliegendste ist natürlich ein neues Zauberlied für den Barden. Ein mächtiger Zauber, der das Gift aus dem Blut treibt. Doch wo steht der Zauber bzw. wie erlernt ihn der Barde?
Vielleicht tatsächlich aus einem Buch für Heilkunde. So ein Buch wäre dann vollgestopft mit Rezepten für Heiltränken, anatomischen Zeichnungen, Bastelanleitungen für Amulette, eine seitenlange Abhandlung über den Nutzen von Biebergeil und Noten für ein, zwei Tarantellas.
Vielleicht aus einem Notenbuch, in dem nicht nur Tarantellas, sondern auch Melodien alla Erich Zann. Wer also unbedarft die Musikstücke spielt, der findet sich plötzlich Aug in Aug mit einem anderweltlichen Schrecken wieder, eventuell einem Spinnendämon, gegen dessen Biss nur eine Tarantella hilft.

Vielleicht ist in dem Notenbuch aber auch eine revolutionäre Idee wie die Zwölftontechnik versteckt, und ein bekannter Musikkritiker / Komponist ist auf der Jagd nach dem Buch, um es zu zerstören.

Der Barde könnte natürlich auch den Tanz von anderen Barden lernen. Vielleicht gibt es eine Bardenschule, die aus einigen Bardinnen am Dorfbrunnen besteht. Die muss man erst mal überzeugen, dass sie der Heldenbardin eine Tarantella beibringen. Mögliche Questen könnten sein, dass ein aufdringlicher Verehrer zur Räson gebracht werden soll, Plakate für ein Konzert verteilt, Ordnungshüter bestochen, Musikinstrumente einem Leihhaus auslösen (oder stehlen), einen Liebhaber entführen o.ä. und natürlich Vorgespielt werden muss. Gabs da nicht in Monkey Island III ein berühmtes Banjoduell?

Vielleicht findet ja nicht die Gruppenbardin das Büchlein, sondern ein anderer magiebegabter Charakter. Zeit, über Multiclassing nachzudenken…