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Die Geister der Salzmarsch – Seefahrt in D&D 5E

Nachdem ich mir die Seefahrtsregeln von HeXXen 1733 angeschaut habe, mache ich was, was ich als DSA-Fanboy noch nie gemacht habe: Ich rezensiere D&D!

Genauer gesagt nehme ich (Achtung! Affinity Link) Ghosts Of Saltmarsh unter die Lupe. Das Büchlein ist 2019 erschienen und hat schon damals für Aufsehen gesorgt. Denn da ist eine ganze Menge drin. Für Fans von Regionalbeschreibungen dürften die ersten 30 Seiten interessant sein. Hier wird die Stadt Saltmarsh im Grayhawk-Setting beschrieben. Nett… nicht Havena, aber doch interessant. Gut finde ich, dass bei jedem wichtigen Ort eine Tabelle mit Gerüchten, Abenteueraufhängern oder Informationen steht. Das macht eine Kampagnenwelt lebendig und hilft, wenn man grade nichts vorbereitet hat, Aktionen zu generieren.

Die nächsten 150 Seiten bilden zusammen die Kampagne in und um Saltmarsh. Die Teile der Kampagne sind übrigens alte Abenteuer aus den 90gern, die für die aktuelle Edition überarbeitet und zusammengefasst wurden. Nett ist, dass bei jedem Abenteuer ein Infokasten steht, der beschreibt, wann das Abenteuer entstand und wie es verändert wurde.

Jetzt aber zum, für mich wichtigsten, Punkt, den Regeln für Seefahrt und Schiffe. Die stehen unter Appendixe A bis C (wobei in B Magische Gegenstände und in C Monster und NPCs stehen)

Erst wird der Stat-Block erklärt. Shoutout zum eskapodcast: In fast allen Rollenspielen gibt es irgendwo eine Erklärung, was wo im Stat-Block zu finden ist. Hat man diese Erklärung verstanden, öffnet sich einem das System und die NPCs, Monster und Schiffe nehmen vor dem inneren Auge des Kundigen gestallt an.

Die wichtigsten Werte eines Schiffes sind die Größe (als Kategorie und tatsächlich eingenommene Fäche, die Kapazität (von Mannschaft und Ladung. Interessant: Überladene Schiffe können sich nicht bewegen) und die Eigenschaften (Strength, Dexterity, Constitution, Intelligence, Wisdom und Charisma, wobei der Wert der letzten drei 0 ist (Schiffe sind keine Lebewesen… noch) und die ersten drei für die Größe und Stärke des Schiffes, seine Manövrierfähigkeit und seine Widerstandskraft stehen. Dann kommen noch die Aktionen hinzu, die ein Schiff durchführen kann (vor allem Waffen abfeuern und Bewegen. Ach die Hülle des Schiffs, die Art der Fortbewegung bzw. und die Bewaffnung wird genannt. Jede Komponente des Schiffes (etwa die Hülle) haben noch eine Rüstungsklasse, Trefferpunkte und einen Damage Threshold, der erst einmal überwunden werden muss, um überhaupt schaden anzurichten. Fertig ist der Schiffs-Stat-Block.

An Schiffen hat Ghosts of Saltmash insgesamt 6 Typen zu bieten. Galeere, Kielboot, Langschiff, Ruderboot, Handelsschiff und Kriegsschiff. Letzte beiden sind die einzige Schiffstypen, die nur gesegelt werden. Von HeXXen 1733 war ich angetan von den verschiedenen „neuen“ Schiffstypen des Mittelmeers, hier haben wir Fantelalter-Standartkost. Für die Spielleitung sehr wichtig sind die Bodenpläne der Schiffe. Das habe ich zum Beispiel bei Efferds Wogen und Myranische Meere schmerzlich vermisst. Die hätten quer durch die Produktgeschichte genügend Bodenpläne von interessanten Schiffen gehabt. Ein Schiff aus Ghost of Saltmarsch macht mir aber Probleme: das Kielboot.

In Ghosts of Saltmarsh wird das Kielboot auf S. 188 so beschrieben

One of the smallest sailing vessels, keelboats can be sailed or rowed by a single person. These ships often transport small amounts of cargo or passengers. They’re perfect for pleasure cruises, as they’re easier and less expensive to operate than larger vessels.

und in Stormwrack, der Seefahrts-Spielhilfe für D&D3.5 auf S 101 so:

This flat-bottomed boat is built for use on rivers and lakes. It is fully decked, with a large deckhouse that takes up most of the boat’s center or stern depending on the design. It has a small sail and eight oars for traveling upstream

Kielboote zeichnet aber der namensgebende Kiel aus. Die Beschreibung passt nicht zum Namen, imho. Die Experten mögen mir widersprechen, aber ich glaube, hier wird von Plattbodenschiffen geredet, wie sie an der friesischen-holländischen Küste gebaut werden und wurden.

Ein Liebligsschiff habe ich in diesem Setting nicht gefunden, obwohl ich zum Kielboot tendiere. Das Ding hat durchaus seinen Charm. Man braucht nur eine 3 köpfige Crew, um das Schiff zu steuern, 8-12 Ruderer (optional) und kann etwa 4 Held*innen aufnehmen. Mit einer Ballista voraus ist das Kielboot das ideale Held*innenschiff.

Im Anschluss an die Schiffstypen kommt etwas was ich in Fantasy-Seefahrtsregelwerken selten gesehen habe. Schiffsverbesserungen, profaner wie magischer Natur. Von der normalen, verstärkten Außenhülle über aus lebenden Pflanzen gewachsenen Schiffen, arcaner Artillerie, mit geistern beseelten Segeln, die einen markerschütternden Schrei ausstoßen bis zu mit Beholder-Augen bestückten Kristallkugeln, die Unsichtbares sichtbar machen… da ist vieles dabei, dass das eigene Heldenschiff sowie NSC-Schiffe interessanter machen. Mein Favorit: Die Bones Of Endless Toil: Stribt ein Humanoide an Bord des Schiffes, muss er einen DC 12 Wisdom saving throw schaffen. Misslingt dieser, wird der Humanoide zum Zombie, der sich in die Crew des Schiffes einreiht.

Richtig gut ist die Spielhilfe, wenn es darum geht, was einem auf einer Seefahrt zustoßen kann. Von Feuer, Nebel, Zufallsbegegnungen, Mahlströmen und Crew-Konflikten… für alles gibt es Zufallstabellen. Da ist so viel drin! Beim Nebel zum Beispiel gibt es den Eldritch Mist. Den wiederrum gibt es in drei Geschmacksrichtungen, eine davon der Geisternebel. Der Nebel besteht aus 2W4 Spectern und greifen alles Lebende im Nebel an. Töten sie jemanden, muss er den Untoten in den Nebel folgen und sein Geist wird nun ebenfalls die Rest-Crew angreifen. Leute, das schreit doch nach einem Horrorabenteuer! The Mist lässt hier grüßen und auch an die Swords in the Mist hab ich gedacht, als ich die Regeln durchgelesen habe.

Auch nett: die Zufallstabellen, um Inseln zu generieren. Ohne große Vorbereitung kann man damit schon Stoff für mehrere Abende Rollenspiel erschaffen.

Nun wird es Zeit, ein wenig Kritik an Ghosts of Saltmarsh zu üben: Das Layout ist richtig, richtig schlecht. Lange Textwüsten, dann Karten semioptimal eingestreut, selten einmal Abbildungen. Sinneinheiten sind in diesem Anhang nur schwer zu erfassen. Beispiel hierfür sind die Abenteuer rund ums Cove Reef, die im Anschluss zu den Zufallstabellen für Riffe vorgestellt werden. Hier hätte es der Lesbarkeit und Übersichtlichkeit gut getan, wenn man das in ein eigenes Kapitel gepackt hätte, mit Schöner, großer Überschrift, einem Titelbild fürs Kapitel, mehr Stimmungsbildern usw. So, wie es gemacht wurde, geht das Cove Reef in der Textwüste unter, was schade ist, wie sich hier gute Ideen verbergen und bei jeder Idee dabei steht, wie es in die Saltmarsch-Kampagne eingebaut werden kann. Das gleiche gilt für die Abenteuerideen an einem Schiffsfrack und in den Ruinen.

Appendix B stellt die Magischen Artefakte für die Kampagne vor, hier wäre für mich die Drckkapseln interessant, die Tauchen in großen Tiefen ermöglicht. Appendix C wiederum stellt Monster und NSCs vor. Die kann man immer gut für Seefahrtskampagnen brauchen.

Fazit:

Ist Ghosts of Saltmarsh die 50,00 € wert, die es kostet? Durchaus. Für das Geld erhält man eine kleine, feine Stadtbeschreibung, ordentlich Abenteuer, 6 Schiffe und wirklich viele Tabellen zum auswürfeln eigener Abenteuer. Das Buddle zu Havena ist momentan nur 20,00 € teurer, bietet mehr Abenteuer, Stadtinfo und Sumpffeeling, hat dafür keine Schiffsregeln. Gut gefallen mir an Ghosts of Saltmarsh die Ideen zu den Schiffsverbesserungen und die Schiffspläne. Da können sich andere Systeme gern mal ne Scheibe abschneiden.

Das Meer der Monster- Die Seefahrt der HeXXen

Mare Monstrum, die Mittelmeer / Seefahrtserweiterung für HeXXen 1733 ist da. Da Seefahrt ja mein Ding ist und ich hier im Blog schon einige Systeme beschrieben habe, schreit diese Seefahrtserweiterung ebenfalls nach einer Rezension.

ABER: Ich bin hier nicht ganz unparteiisch, da ich an der Entstehung des Projekts im weitesten Sinne beteiligt war.

Die Idee zur Mittelmeererweiterung Mare Monstrum kam aus dem Orkenspalter-Forum und stammte aus der Feder des Waldviehs, der in den Anfangstagen des Rakshazar-Projektes auch bei uns mitgearbeitet hat. Im Januar 2019 haben dann Raphael Brack und Bjorn Beckert das Projekt so weit geführt, dass es offiziell Teil des HeXXen-Universums werden soll. Damals hat mich Raphael angesprochen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, daran mitzuarbeiten. Lust hatte ich, also sagte ich zu.

Dass ich dann im Frühjahr 2020 ausgestiegen bin, hatte mehrere Gründe. Zuerst mal kam ich mit den cineastischen Ansatz von HeXXen und den Regeln nicht so richtig klar. Ich komm aus der DAS-Ecke Kreuzung OSR. Wir beschreiben keine Kinoszenen, wir crawlen Dungeons. Haben Fallen. Wächter, die per Schleichenprobe umgangen werden müssen. Da half es auch wenig, dass ich für meinen Beitrag, ein Abenteuer auf Kreta, einen waschechten Dungeon gezaubert hatte. Dass biss sich mit der Idee von HeXXen, worauf mich Mirko Bader auch ein paar zurecht Mal hinwies. Mein Hauptgrund für den Ausstieg war aber, dass mir das Ganze zu stressig wurde (ich hab nebenher an meiner Abschlussarbeit für eine Zusatzqualifikation geschrieben, was mich meine Faschingsferien gekostet hat) und ich keine Ruhe zum Schreiben fand. Da war mir klar, dass ich kein Abenteuer abliefern konnte. Schweren Herzens bin ich dann aus dem Projekt raus.

Wenn ich mir das im grade an die Backer verschickte PDF Das Geheimnis der Inseln zur Hand nehme und dort das Kreta-Abenteuer von Jens Thomä (der auch das Kapitel über Kreta in der Weltbeschreibung geschrieben hat) lese, dann war meine Entscheidung wohl die beste, die für das Projekt getroffen werden konnte. Das Abenteuer ist genial! Darin geht es um einen versteinerten Ritter und einen Gorgonen, die durch eine Seelenlichtgranate zurück in die Realität geworfen wird. Drei Handlungsfäden warten darauf, aufgegriffen zu werden und am Schluss wartet ein Teil des Schlüsselfragmentes, das zum ultimativen Ziel führen soll. Schön finde ich, dass der Haupthandlungsplatz beibehalten wurde. Bei Kreta denkt der moderne Mensch ja an Knossos und den Minotaurus, ich schlug aber damals die (auch in der Realität umkämpfte und lange gesperrte) Lasithi-Hochebene mit dem Kloster Kera Kardiotissa und der Höhle der Psychro (auch die Zeus-Höhle genannt) vor. Danke Jens, das du das beibehalten hast!

Aber nun zu den Seefahrtsregeln. Die sind in zwei Büchern aufgeteilt. Im Mare Monstrum Spielerhandbuch stehen von S. 91 bis S. 110 die allgemeinen Seefahrtsregeln rund um Schiff, Mannschaft, Ladung und Seefahrt, in der Mare Monstrum Obscura ab S.113 bis S. 120 die Regeln für Seegefechte.

Ein Schiff wird kommen… Die allgemeinen Seefahrtsregeln des Meeres der Monster

Was ist das wichtigste in einer Seefahrtsspielhilfe? Natürlich die verschiedenen Schiffstypen, die zur Verfügung stehen. In den meisten Fantasy-Rollenspielen mit eurozentrischem Focus sind das irgend ein Schiff, dass an die Drachenschiffe der Wikinger erinnert, ein bauchiges Schiff, das als Standart-Handelsschiff die Kogge im Spiel abbildet, eine Galeone, ein paar Galeeren und noch ein großes Kriegsschiff. Meist passen auch die Typen nicht zusammen, wie man z.B. in DSA beobachten kann, wo Ottas (eben jene Wikingerschiffe) gegen Schivonen (die Galeonen) kämpfen können.

In Mare Monstrum ist das anders. Dort wurde viel Wert darauf gelegt, reale, in die entsprechende Zeit passende, Schiffstypen darzustellen. Das führt auch dazu, dass im Regelwerk Schiffe stehen, die in keinem mir bekannten Regelwerk je aufgetaucht wären. Zur Auswahl stehen Feluken, Fustas, Galeeren, Brigs und Schoner (eigentlich das gleiche Schiff, nur eben unterschiedlich getakelt), Galeassen, Polacker und Schebecken (das gleiche in grün, wobei Schebecken meine persönlichen Lieblinge sind), Fregatten, Galeonen und Linienschiffe. Schiffe gibt es in unterschiedlichen Größen von 1 bis 11. Jedem Schiffstyp ist eine gewisse Größenspanne zugeordnet. Meine Schebecken etwa gibt es in der Größenspanne von 5-7.

Jetzt kommt ein Gedanke, den ich so in noch keinem Regelsystem gelesen habe. Je größer ein Schiff ist, desto mehr Segelfläche kann es aufbringen desto schneller ist das Schiff. Je kleiner das Schiff ist, desto einfacher ist es, dieses Schiff zu wenden. Bei einer Größe von 6 heben sich beide Effekte auf, aber ein 11er Linienschiff zum Beispiel ist ein verdammt schnelles Schiff, das aber einen gigantischen Wenderadius hat. Eine Feluke hingegen ist ein sehr wendiges Schiff, aber richtig Meilen kann man damit nicht reißen. Dafür kann es, wie die Fusta, Flüsse befahren.

Schiffe kosten Unterhalt. Auch diese Regel habe ich noch in keinem Seefahrtsregelwerk gefunden. Zum Berechnen des Unterhalts nimmt man die Schiffsgröße mal 100 Gulden, wobei Galeeren und Galeassen um 1 größer zählen, weil da ja so viele Leute (Ruderer) an Bord sind. Meine Schebecke würde also 600 Gulden kosten, eine 2er Feluke wäre um 2/3 günstiger, eine 10 Galeone würde 1000 Gulden kosten. Der Unterhalt wird nach 15 Etappen (eine Etappe entspricht 3 Tagen) fällig. In den Unterhalt sind die Heuer der Standartmannschaft drin, bessere Kapitäne, Navigatoren oder Schiffsärzte kosten einmalig mehr. Verliert ein Schiff Mannschaft (z.B. im Seegefecht), werden die automatisch im nächsten Hafen aufgefüllt.

Handel betreiben und so den Unterhalt finanzieren kann man mit den Schiffen auch, dafür gibt’s eine einfache Regel (Schiffsgröße = Schiffsladungen. Eine Schiffsladung = 1000 Gulden oder 10 Beutepakete. Je weiter das Schiff gefahren ist, desto größer die Nachfrage an der Ladung).

Natürlich gibt es auch Regeln für Schiffsreisen als Passagier.

Ebenso interessant sind die Vorgestellten Beispielschiffe. Eines davon, die Schebecke Lucrezia, ist das Jägerschiff, mit dem die Jäger*innen die Geheimnis der Inseln bestreiten. Der Name kam damals von mir, wir brauchten einen Namen für ein Schiff, das ursprünglich einem Feind gehören sollte. Dieser Feind stammt aus Italien. Da dachte ich natürlich an Lucretia Borgia. Die Schiffe sind ins kleinste Detail beschrieben, und besonders an die Lucrezia verliert man schnell sein Herz.

An die Kanonen! Die speziellen Seefahrtsregeln von Mare Monstrum

Beim Gefecht kommt es darauf an, wo man sich gerade befindet. In Küstennähe (oder Hafen) oder auf Hoher See. Je nachdem können Feinde auf unterschiedlicher Distanz und mit unterschiedlichen Manövern bekämpft werden (je zwei für Hohe See bzw. Küstennähe, eins zum Einnehmen der Schussposition, eins zum Entern). Wird man von den feindlichen Kanonen getroffen, erschweren sich alle weiteren Proben um -1 je Treffer. Auch die Größe der Schiffe spielt dann wieder eine Rolle: um die Lucrezia (Schebecken der Größe 6) ist nach 6 Treffern manövrierunfähig, nach 12 Treffern zu Poseidon geschickt. Auch Regeln für Seekämpfe gegen z.B. Seeschlangen oder zur Reparatur gibt es hier. Bei allen Regeln gilt jedoch

„HeXXen 1733 ist jedoch kein simulationistisches System, viele Aspekte werden entweder erzählerisch oder abstrakt abgehandelt – Kämpfe auf See stellen hier keine Ausnahme dar. Alles, was sich durch die folgenden Regeln nicht abbilden lässt, sollte daher ebenfalls erzählerisch abgehandelt werden.“

Mare Monstrum Obscura S. 113

Interessant sind auch die Regeln für die Bordgefechte. Die Schiffsgröße ist auch hier die Bestimmende Größe, wie viele Bandenfreunde auf der Jägerseite bzw. Bandengegner auf Feindesseite in 5 Wellen gegeneinander kämpfen. Das Ganze kann durch Umgebungseffekte, wie etwa Feuer an Bord, modifiziert werden.

Monster!

Ein Blick noch schnell ins Bestiarium: Da ist wirklich viel drinnen. Vampire, Nymphen, untote Templer, und auch ein Haufen Meergetier. Hippokrampen, zum Beispiel. Meermänner. Raubfische. Sirenen (ganz cool visuell umgesetzt von Isabeau Backhaus. Endlich wieder eine Sirene in der Fantasy, die nahe am mythologischen Vorbild, einem Vogel-Frau-Mischwesen ist!). Seeschlange. Für eine Kampagne an den Küsten des Mittelmeeres ist da, meiner Meinung nach, alles Wichtige dabei.

Fazit

Mare Monstrum ist eine gelungene Seefahrtserweiterung für die Welt von HeXXen 1733. Was mir besonders gut gefällt sind die vielen „neuen“ Schiffstypen und der Zusammenhang zwischen Schiffsgröße, Geschwindigkeit, Wendigkeit und Mannschaftsstärke. Dass viele Werte von der Schiffsgröße abhängig sind, erleichtert das Spiel auf dem Meer ungemein. Tatsächlich brauchst du nur die Schiffsgröße und die daraus abgeleitete Regeln für die Wendigkeit und die Schnelligkeit, um ein Schiff oder einen Schiffskampf zu spielen. Alles weitere ist nur Fluff oder Mittel, die Szene noch cineastischer darzustellen. Eine dringende Kaufempfehlung meinerseits, denn das Regelwerk gehört definitiv zu den stärksten und regelleichtesten Meeresregelwerken auf dem Fantasy-Markt.

Transparenz-Hinweis: Ich habe diese Rezension vorab Mirco Bader geschickt, um sicher zu gehen, dass ich nichts reinschreibe, was gegen meine Stillschweigens-Klausel verstoßen würde. Ich wollte also keine geheimen Interna ausplaudern. Mirco hatte keinerlei Einfluss auf den Inhalt der Rezension, er bat lediglich darum, HeXXen mit zwei großen XX zu schreiben und gab mir den Namen des Kreta-Abenteuer-Autors. Ich habe keine Rezensionsexemplare erhalten, ich habe beim Crowdfunding mitgemacht und mir das Regelwerk aus meiner eigenen Tasche finanziert. Ich werde auch nicht von Ulisses gesponsort oder kriege sonst irgendeinen materiellen oder finanziellen Vorteil.


Wasserstandsmeldung

Long Time, No See. Das lag vor allem daran, dass man trotz, oder gerade wegen des Lockdowns mit vielen Dingen in der Realwelt beschäftigt ist. Ich sag nur Home Schooling.

Trotzdem wird es Zeit, ein Lebenszeichen in die Welt hinauszuschicken und über einige Sachen zu berichten, die für unser geliebtes Nerdtum interessant sein könnten.

Beforeigners

Ich hab mir kurz vor Ostern diese Serie in der ARD-Mediathek reingezogen. Fuck, ist die gut!

In der Serie geht es um Menschen, die aus drei Zeitepochen (Steinzeit, Wikingerzeit (um 1030) und 19. Jhdt.) durch ein Zeitloch in unsere Zeit gelangen. Da sich ein Zeitloch vor der Küste Oslos befindet, müssen sie von der Küstenwache rausgefischt werden. Ein Paar Jahre Später tritt dann die erste Zeitmigrantin, die Schildmaid Alfhildr Enginnsdottir ihren Dienst als Polizistin an und landet mit ihrem Drogensüchtigen, diesseitigen Kollegen in einem Mordfall. Eine Zeitmigrantin wird angespült, offensichtlich ermordet.

Die Serie ist ein guter Krimi mit richtig guten Schauspielern (Krista Kosonen als Alfhildr, Oddgeir Thune als Navn), ein interessantes Drama (der dieszeitliche Bulle hat das Herz seiner Frau an einen Zeitmigranten verloren, Alfhildrs Freundin hat Krebs und will sich nicht behandeln lassen, Thore Hund, der, der den Nationalheiligen Norwegens erschlagen hat, lebt als Lieferjunge mit einer offensichtlich kranken Tochter in der Stadt) und einem bissigen sozialen Kommentar zur sogenannten Flüchtlingskriese, Migration und Integration.

Am besten fand ich einen Bösewicht der Serie, Navn. Navn ist ein Cro-Magon und, laut seines klassischen Bösewichtmonologs, der erste Mensch, der in Oslo siedelte (der Monolog – Gänsehautmoment. Grandios gefilmt mit Blick auf die Stad, ganz ruhig, erklärend. Die Sprache ist zwar reduziert und einfach, aber nicht so vereinfacht, dass es Klischeehaft wirkt). Er ist verheiratet mit einer Dieszeiterin, erfolgreicher Geschäftsmann (ihm gehört eine Sicherheitsfirma und er lässt Zeitmigrantinnen einfangen und als Prostituierte arbeiten), lebt in einer tollen, modernen, fast schon futuristischen Villa, läuft aber die ganze Zeit nackt rum und jagt Hasen (Navn bracht doch die Proteine). Er strahlt eine wahnsinnige Selbstsicherheit aus (Szene: die beiden Cops kommen vorbei, um ihn zu seiner Firma zu befragen, er sitzt den beiden nackt gegenüber, mit breit gespreizten Beinen und den Armen locker über der Sofalehne), ist bis auf zwei Szenen nie laut oder gewalttätig. Ich habe lange keinen so prägnanten, furchteinflößenden Bösewicht gesehen, der (Achtung Spoiler!) schon nach der Hälfte der Serie offscreen weggesnufft wird.

Böse ist der Cliffhänger, mit dem die Serie endet.

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Hexxen1733 Mare Monstrum

Das Mare Monstrum ist, zumindest als PDF für die Backer, draußen. Darauf habe ich mich schon besonders gefreut, weil da mit Raphael Brack ein ehemaliger Riesländer mit an Bord war und mit Wendy Isabel Zelling eine Abenteuerautorin mitarbeitet, deren erstligswerk von Raphael lektoriert und von mir besprochen wurde. Da es darin auch um Seefahrt geht, werde ich das in einem Extra-Blogbeitrag rezensieren.

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Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise

Bereits im letzten Jahr habe ich im Kino Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise gesehen. Gut, zu China mag man stehen, wie man will. Ich mach jetzt wahrscheinlich meine Reichweite kaputt wen ich sage, dass ich die Konzentrationscamps voll mit Uiguren scheiße finde, dass China internationale Verträge bricht (Honkong), gegen die Demokratiebewegung in Honkong vorgeht, die Umwelt zerstört (z.B. durch Raubfischer vor Oman und Galapagos) mit aggressiven Methoden ihren Einflussbereich erweitert usw. China zu boykottieren, wie es richtig wäre, dürfte aber ziemlich schwer sein. Vor allem, wenn das eigene Kind unbedingt den Film zum Schulstart sehen will.

Zum Film selbst: Vick arbeitet mit den beiden Bärenbrüdern Briar und Bramble irgendwo im nirgendwo in einer Höhle voll steinzeitlicher Felsmalerei als Touristenguides. Mehr schlecht als recht. Eines Abend öffnet sich auf magische Weise ein Tor in die Steinzeit und die drei Feunde landen in einer für sie völlig fremden Welt. Was dann folgt, ist Slapstick pur, mit Anliegen aus dem Wusha-Genre. Ein paar, für das westliche Auge ungewohnte, Ideen waren auch dabei. Im Gedächtnis blieb mir da eine Reise-Montage, die aus Freeze-Frames bestand, über die die Protagonisten hinweg die Geschichte erzählten. Fürs Rollenspiel nehme ich da zwei Ideen raus. Zum einen die Zeitschmetterlinge, die das Tor in der Zeit öffnen. Im ganzen Film wird nicht in einer Sekunde erklärt, was sie sind, warum sie da sind und wie sie das Tor öffnen. Sie sind einfach da. Das zweite, das mir super gefallen hat war der Waldwächter. Ein riesiger, gigantischer Panda, der schlafend den Wald bewacht und den Zutritt regelt. Umgeben von seinen vielen, vielen kleinen Nachkommen. Genial.

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Dinge im Hintergrund

Im Hintergrund hab ich die Zeit auch für andere Projekte genutzt, vor allem für Myranor. Im Sommer kommt dann das Ergebnis in die MM 64. Im Rahmen von Myranor-Wünsch-Dir-Was hab ich da eine Idee einer gewissen Hexe aus dem Myranor-Discord umgesetzt und das Sandbadehaus ausgearbeitet. Das hat richtig Spaß gemacht. Ein Unternehmen im Gesundheitssektor für ein Fantasy-Rollenspiel umgesetzt.

Auf Facebook hat mir dann ein Kommentar keine Ruhe mehr gelassen. Darin ging es darum, dass Myranor auf Basis von DSA5 sicher noch auf sich warten lassen wird und ob man nicht auch die DSK-Regeln für Myranor nutzen könne. Die Idee ist richtig gut, immerhin gibt es ja in Myranor Fellide-Spezies. Ergebnis: zwei Artikel für die MM und eine Idee für ein Crossover-Abenteuer im Havena der DSK.

Nebenbei hat mein Partner in Crime Tobias dunsere alte Webpräsenz aufgeräumt, nachdem wir dort nicht weiter bezahlen wollen. Ich bin gerade dabei, die ganzen alten Idee zu sichten. Mir jucks schon wieder in den Fingern.

In der MM63 taucht dann eine Regio von unserem Redaktionsneuling Stefan auf, auf die ich mich schon freue.

Die Zeit habe ich auch genutzt und mit meinen Mädels DSK gezockt. Die Kinderregelversion aus dem Kompendium. Es macht Spaß, meine Mädels beim Rollenspiel zuzusehen.

Die neue Seefahrt des Schwarzen Auges

Endlich ist die neue Thorwal-Spielhilfe draußen! Zumindest für Backer. In guter alter Tradition ist in dieser Regio auch eine Spielhilfe zum Thema Seefahrt drin. Seefahrt und Meer, das sind meine Herzthemen. Also schau ich doch glatt mal rein, was zu diesem Thema drinnen steht.

Auf gut 3 Seiten (Ab S. 67) steht der Fluff zum Schiffbau und Seefahrt der Thorwaler. Die altbekannte Otta, das Drachenschiff, erhält zwei weitere Unterteilungen, die Skeidhs (eine kleine Otta mit maximal 2 x 20 Riemen) und die Skúta (maximal 2 x 8 Riemen, also ein besseres Ruderboot). Die Knorr, die Snekkar, die Winddrache und die Vidsander sind ja schon aus Efferds Wogen bekannt.

Die Seefaht-Kampf-Regeln selbst sind seehr schlank. Sie sind gerade mal 3 Seiten dick. In Efferds Wogen war der Regelteil noch 13 Seiten dick, incl. einer Erklärung, wie bestimmte Zauber und Liturgien eingesetzt werden können.

Die MKR (Massenkampfrunde entspricht 60 KR oder 5 Minuten) wird in vier Phasen aufgeteilt.

  1. Held*innenphase: Hier erklären die Held*innen, was sie alles in der nächsten Phase machen wollen. Vorgeschlagen wird Schiff reparieren (pro QS 1 Strukturpunkt (hab ich schon mal gesagt, dass ich die Idee mit den QS in DAS5 super finde?)), Verwundete Pflegen, Segeln, oder Befehle erteilen.
  2. Der Schiffsbewegung: Hier wird ermittelt, wie viele RE (Raumeinheiten, 1 RE entspricht 16 Schritt) zwischen den Schiffen (oder dem Schiff und dem Seemonster) liegen. Bei mehr als 5 RE Differenz ist dem Verteidigern die Flucht gelungen. Wie ich den Abstand vergrößern kann, steht da allerdings nicht. Beim Segeln-Teil in der Held*innenphase steht nur, dass eine Probe den Fernkampf der Gegner erschwert bzw. den Eigenen erleichtert (abhängig von der QS)
  3. Der Angriff: Hier findet das Entern und Beschießen statt. Auch Held*innen können hier eingreifen, dann wird 5 KR lang auf sie gezoomt.
  4. Der Schadensbericht.

Im Regelteil sind auch noch die Tabellen zu Geschwindigkeit, Strukturpunkten und Mannschaftsstärke. Laderaum und Schiffsraum, beides wichtige Einheiten der letzten Edition, sind weggefallen. Die Werte lassen sich nicht umrechnen, man hat also hier einen Schnitt gemacht und diesen Teil der Efferds Wogen ist nun tatsächlich obsolet. Was in Efferds Wogen fehlte, ist hier drinnen: Die Schadenswürfel der Schiffsgeschütze gegen Schiffe (und Seemonster). Der Wert gegen einzelne Wesen (Ork, Mensch und Co.) fehlt und kann nicht so leicht herausgerechnet werden (eine Mittelschwere Rotze richtet 5W6+8 gegen Schiffe und laut Regelwiki 3W20 gehen Menschen).

In der Rüstkammer Thorwals steht dann noch drin, wie lange es dauert, ein Thorwalisches Schiff zu bauen.

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Fazit

Ich finde die Neufassung der Seefahrtsregeln sehr gelungen. Sie sind schlank, einfach und dürften neuen Wind in die Seekämpfe bringen. Jetzt habe ich so richtig Lust, mir die Myranischen Meere zu schnappen und die dort beschriebenen Schiffstypen in DSA5 zu überführen. Und Rakshazar! Ich darf natürlich Rakshazar nicht vergessen 😊

In meiner Rezension zu den Seefahrt-Regelwerken habe ich mir folgendes versprochen:

1) Informationen über die Meere und über alles, was sich darunter bewegt.

2) Schiffe! Und zwar nicht nur fürs offene Meer sondern auch für den Fluss. Und für unter Wasser.

3) Schiffswaffen. Kanonen oder Rotzen, das ist mir erst einmal egal.

4) Regeln für die Individualisierung der Schiffe und für zukünftige Modifikationen. Das fand ich z.B. an Assasins Creed Black Flag super. hier konnte man verschiedene Teile des Schiffs ausbauen, z.B. die Kasematten für die Kanonen, um dann mehr Wumms zu haben oder um mehr Männer aufnehmen zu können.

5) Viele, viele Szenarien  für die zukünftige Piratencrew.

Punkt 1 ist unerfüllt, aber hier kann ich ja die beiden alten Spielhilfen weiter verwenden. Punkt 2 und 3 sind erfüllt, Punkt 4 fehlt (leider) und Punkt 5 kommt hoffentlich noch!

Rezension: Die Erben der Nacht (Achtung, Spoiler!)

„Hast Du schon von der neuen Vampir-Kinderserie gehört, die aufm KiKa läuft?“ fragte vor kurzem meine bessere Hälfte. Da ich verneinte, packten wir uns und unsere Mädels auf die Couch und schmissen die ARD-Mediathek an. Was wir dann sahen, gefiel uns allen sehr gut. Wobei ich als Rollenspieler schon beim Intro, spätestens aber in Folge 2 Parallelen zu Vampire: The Mascarade sah.

Die Story: Aus der Verbindung der Tränen Draculas und dem Blut seiner Frau Elisabetha sind 13 magische Rubine entstanden, jeder hat eine besonderer Fähigkeit, die er dem Träger bzw. deren Sippe verleiht. Dracula wurde gestürzt, die Clans zerfleischten sich im Krieg selbst und nun gibt es nur noch 7, davon einer unter direkter Kontrolle vom wiedererwachten Dracula und einer ohne Rubin. Dracula ist nach 300 Jahren wieder erwacht, sucht die Rubine und will zu einem magischen Knoten. Löst er den Knoten, öffnet er das Tor zur Hölle (wo seine Elisabetha auf ihn wartet), löst die Vampirin mit dem letzten Funken Menschlichkeit des Pfählers den Knoten, dann ist das das Ende Draculas (und aller Vampire, die dann Menschlich werden). Die Vampirin mit dem Funken, das ist die Hamburger Vampirin Alisa de Vamalia, die dank des Clan-Rubins die Macht der Liebe und ein schlagendes, lebendiges Herz besitzt. Da die Rotmasken, eine Vampirjägergeheimgesellschaft, in letzter Zeit überhand nehmen, beschließen die verbliebenen Clans, ihre Sprösslinge gemeinsam auszubilden und ihnen auch die Kräfte der anderen Clans zugänglich zu machen. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Romanserie. Sie ist für Kinder ab 10 freigegeben und fällt ins Coming of Age und Teenie-Vampir-Genre.

Wie oben schon gesagt, gefiel uns allen die Serie sehr gut. Der Liebligsclan unserer Familie sind übrigens die aus Mailand stammenden Nosferas, die die Macht besitzen, sich gegen heilige Gegenstände (vor allem Kreuze) immun machen können. Zudem hat dieser Clan das gewisse Etwas. Zudem haben die die mailänder Polizei in der Tasche, die ihnen die Rotmasken von den Fersen hält.

Genial fand ich auch die Kräfte der ausgelöschten österreichischen Grimur und der russischen Belov. Erstere können Sonnenlicht einfangen, letzte darin wandeln, ohne zu Staub zu zerfallen. Damit haben die Russen eine veritable Falle gebaut, um ihren Rubin zu schützen. Solange die Sonne nicht aufgegangen ist, leuchtet, nachdem der steinerne Deckel weggeschoben wurde, Sonnenlicht aus dem Grab, in dem der Im-Sonnenlicht-Gehen-Rubin liegt. Geht die Sonne auf, schwindet das Licht aus dem Grab. Trotzdem… als Vampir ist man da immer dem Sonnenlicht ausgesetzt. Cool ist auch der Rubin der Niederländer, der Vampiren das Schwimmen erlaubt (ohne ihn gehen sie unter und sind durch die Macht des Wassers gelähmt).

Alisa de Vamalia ist die typische Auserwählte in solchen Geschichten. Sie ist ihren Klassenkameraden überlegen, besitzt eine besondere Gabe und eine besondere Herkunft. Trotzdem… sie hat einen netten Twist. Da sie den letzten Funken Menschlichkeit Draculas besitzt ist sie mit ihm geistig verbunden. Sie hat immer wieder Visionen von ihm, er spürt ihre Anwesenheit. Zudem kann sie alle Rubine nutzen, die Dracula besitzt. Deswegen muss er später einige seiner Rubine im Vampirfallen-Grab zurücklassen und deren Nutzung einschränken. Gleichzeitig funktioniert die Verbindung auch umgekehrt, einmal rettet sie mit Hilfe der von den Nosferat erlernten Magie dem alten Pfähler das Leben.

Interessant ist auch die zweigetelite Gesellschaft der Vampire: An der Spitze stehen die Erben, die geborenen Vampire, unten stehen die Schatten, also Menschen, die durch den Biss zum Vampir gemacht werden. Letztere haben eingeschränkte Rechte, dafür aber viele Pflichten.

Fazit: die Serie ist super und die erste Staffel hat uns richtig angefixt. Die zweite ist in der Mache. Fürs Rollenspiel kann man sich einige interessante Ideen rausholen, zum Beispiel eben die der Sonnenlicht-Grabfalle. Sehr sehenswert!

Rezension und Karneval der Rollenspielblogs: Am Ende des Sommers – The Fall Harvest

Nachdem ich mir Little Fears: Nightmare Edition besorgt hab, dachte ich, es könnt nicht schaden, auch mal ein offizielles Abenteuer zu diesem Setting zu haben. Für mich, dem Regeln in der Regel völlig Wurst sind, bieten offizielle Abenteuer immer die Möglichkeit, mal in das Mindset des Systems zu schauen. Wie ist das System angedacht? Wie viele Freiheiten werden den Spieler*innen und den Spielleiter*innen gegeben? Gibt es eine Philosophie hinter dem Spiel (etwa die OSR bei DCC).

Passend zum Herbstthema des aktuellen Karnevals hab ich mir dann den zweiten Teil der Campfire Tales, The Fall Harvest aus dem Jahr 2010 geholt.

Ab hier gibt es Spoiler!

Darin geht es so richtig kuschelig traditionell zu. Hauptorte der Geschichte sind ein Herbst-Jahrmarkt mit traditionellen Attraktionen (Kettenkarussell, Dart-Bude und Apfeltauchen) und der Cider-Apfelhain. Ersteres, der Jahrmarkt, ist auch der Grund des Abenteuers. Daisy, die Enkelin des Veranstalters und Apfelhainbesitzers, ist wütend auf den Jahrmarkt, weil ihr geliebter Grampy immer so hart arbeiten muss. Am liebsten wäre es ihr, wenn keiner mehr auf den Jahrmarkt kommen würde, dann würde er auch nicht veranstaltet werden und ihr Grampy hatte wieder mehr Zeit für sie. Sie ruft den Harvester zu Hilfe, eine lokale Sagengestallt. Dumm nur, dass es sich dabei um den Tod oder zumindest einen Todesdämon handelt, der im Austausch für die Hilfe durch seinen Diener Cider Apple (eine Vogelscheuchengestalt mit Apfelkopf) das Blut der Besucher verlangt, was Dasiy nicht will. Die Kinder-Held*innen werden Zeugen, wie Cider Apple den Jahrmarkt langsam aber sicher in eine gefährliche Falle verwandelt, Hass, Schmerz und Unglück säht und müssen sich im Finalen Akt dann dem Harvester selbst stellen.

Spolier Ende

Ich fand die Einteilung des Abenteuers nicht gelungen. Ok, mir ist klar, dass geht etwas in die Erzählspielecke, aber zumindest ein Orientierungsplan und genaue, nicht im Fließtext verteilte Ortsbeschreibungen hätten dem Abenteuer gut getan. Insgesamt ließt sich das eher als Drehbuch zu einer… nun ja… Campfire-Geschichte denn als richtiges Abenteuer. Sehr gut dagegen haben mir die Monster in diesem Abenteuer gefallen. Mit dem Harvester hat man da eine ambivalente Kreatur: Einerseits schreibt man ihr reiche Ernten zu, andererseits ist er auch der Tod! Seine Helfer, Cider Apple und die Setzlinge (Eine Art Holzgolem) sind auch sehr gruselige Wesen. In meinen Augen, für einen Halloween-Oneshot, sehr gut geeignet.

Rezensionen im Krisenmodus: Von Neinhörnern, nem fetten Rausch und ein paar Nudeln im Wind

Wisst ihr, was wir schon lange nicht mehr hatten? Rezensionen von Büchern. Zeit, das zu ändern. Kurzer Hinweis: Alle Links hier sind Affinity Links!

Beginnen wir mit dem Teil, der Marc-Uwe Kling gewidmet ist. Meine Älteste und ich sind ja ganz große Fans vom Känguru, ich feiere QualityLand ab. Darum hab ich mir ein paar Hörbücher von ihm besorgt.

Das Neinhorn

Das erste Hörbuch ist gleich mal das erfrischend anarchistische unter den Hörbüchern. Im Zauberwald wird ein Einhorn geboren, das so gar nicht mit seinen Eltern und Verwandten zurechtkommt und dies durch ein lautes „NEIN“ auch kundtut. Deshalb wird es bald das Neinhorn genannt. Nach dem finalen Streit mit seiner Familie (bei dem die Reimform des Textes mal nebenbei geschrottet wird), zieht es hinaus in die Welt und trifft dort auf den schwerhörigen Wasbär und den NaHund. Gemeinsam stoßen sie auf einen Turm, in dem die rechthaberische KönigsDochter gefangen gehalten wird.

Ganz großes Kino für Kinder. Und richtig schön rotzig. Wobei mir hier (wie bei vielen anderen Sachen von Marc-Uwe Kling) eine Sache aufgefallen ist: Alle anarchistischen bzw. kommunistischen bzw. gesellschaftskritischen Charaktere hören sich wie das Känguru an.

 

Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat

Noch so ein richtig schönes medienkritisches Buch. Eines Tages hat die Oma, die in den Ferien zusammen mit Opa auf ihre drei Enkel aufpassen soll, das Internet kaputt gemacht. Aus Versehen. Und dann geht nichts mehr im Haushalt: Kein TV, der am Netz hängt, Kein WhatsAppund keine Handy-Spiele, die übers Netz gezockt werden, kein Spotyfi, kein GoogleMap (ein Pizzajunge strandet bei der Familie und Papa braucht länger, um heimzukommen, weil er die Strecke täglich mit NaviApp fährt und sich ohne verfährt), keine Software auf Arbeit. Gottseidank (oder eher leider) kommt am Abend der Techniker, schraubt das Internet auf und repariert es.

Das Buch kann man sich mal zu Herzen nehmen und überlegen, wie sehr man vom Netz abhängig ist.

 

Der Ostermann

Das ist ein kleines, feines Gedicht über den Sohn des Weihnachtsmannes, der überhaupt nicht damit einverstanden ist, in die Fußstapfen seines Vaters treten zu müssen. Ein Gedicht über Emanzipation und persönlicher Freiheit. Quasi die Geschichte zum Art. 12 GG. Bitte an alle Sozi-Lehrer: Nehmt dieses Gedicht im Unterricht durch.

 

Prinzessin Popelkopf

Die Prinzessin aus dem Haus Popelkopf ist fies zu einer Hexe und wird von dieser Verflucht, so auszusehen wie sie heißt. Erinnert stark an die Schöne und das Biest. Wer aber auf Einsicht, Liebe und Erlösung hofft, der wird hier enttäuscht sein. Um ihr Aussehen loszuwerden heiratet die Prinzessin einen Adligen aus dem Haus Grützkopf. Und die Hexe? Die ist fassungslos ob dieser Wahl, ständen doch mit Bauer Schlau und ähnlichen bürgerlichen Männer bereit, die ein Märchen-Happy End sorgen würden. Und die Grützköpfe regieren die Welt…

Verlassen wir Marc-Uwe Kling und gehen zu jemanden, der vor kurzem für seine Äußerungen ordentlich Kritik einstecken musste: Jürgen von der Lippe

Bei

Einer kurze Geschichte der Trunkenheit

Von Mark Forsyth war er nur der Leser. Hier passen seine Stimme und altherrenhafte Attitüde perfekt zum Inhalt. Der wiederum ist auch für Rollenspieler sehr interessant, dreht er sich doch um die Trunkenheit und die Orte, wo man besoffen werden konnte und das von der Steinzeit bis zur Prohibition. Er klärt auf, wie man sich eine mittelalterliche Schenke in einem englischen Dorf wirklich vorstellen musste (Bauernhaus mit einem Ale-Stab vor der Tür, das Ale wurde frisch gebraut und bis zur Verbreitung des Hopfens auch schnell getrunken, da es kaum mehr als 2-3 Tage haltbar war. War wahrscheinlich auch nicht so appetitlich wie heutiges Bier, weil da noch Bröckchen drin rumschwammen), welche Bedeutung Bier im Sachmet / Bastet -Kult spielte und mit welcher Orgie aus Saufen und Kotzen man der Göttin nahe sein wollte, unterscheidet zwischen trockenen und nassen Kulturen (in letzteren ist man zwar oft betrunken, genießt aber einen lachseren Umgang damit und bessere Qualität der Getränke, bei ersterer versucht man das Trinken streng zu reglementieren, mit dem Erfolg dass man sich trinkende Subkulturen schaft) usw. Am interessantesten fand ich, als Fan von Red Dead Redemption 2 und dem Paten ja die These, dass die Prohibition ein voller Erfolg war. Ursprünglich richtete sich die Bewegung, die eng mit der Frauenrechtsbewegung verzahnt war, gegen die Saloons und der dort gelebten toxischen Maskulinität. Am Ende der Prohibition waren alle Saloons geschlossen und wurden auch in ihrer Ursprünglichen Form nicht wieder eröffnet, nur… auf dem Weg dahin haben die Extremisten irgendwann das Ruder übernommen und die Sache ist dann etwas ausgeufert.

 

Nudeln im Wind

stammt aus der Feder Jürgens von der Lippe selbst und das Hörbuch hat er auch selbst eingesprochen. Die Gesichte ist irgendwie weder Fisch noch Fleisch, aber aus Fisch und Fleisch (Knoblauchwurst) kann man ja ne Paella machen. Im Grund sind in der Geschichte drei Ebenen drin: die 4. Wand (Jürgen von der Lippe streitet sich mit seiner Frau darüber, wie sich die Geschichte entwickeln soll), die biografische Ebene (in der Geschichte spielt auch ein alternder Fernsehmoderator eine Rolle, ein Blick hinter die Kulissen einer Fernsehproduktion wird geworfen und Kritik am Privatfernsehen geübt) und die Geschichte selbst (ein bisschen Krimi, ein ganz milder Thriller, ein Roter Hering…). Insgesamt leichte Kost, aber durchaus interessant komponiert. Vielleicht als Quellenbuch für ein Abenteuer im TV-Umfeld geeignet?