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Staub und Sterne vs. Staub und Sterne

Vor der Trollhöhle haben sich ein paar wütende Gestalten mit Fackeln, Mistgabeln, Knüppeln und großen Kuhglocken versammelt und lärmen so, dass man den Krach noch meilenweit hört. Der Troll steht in Mitten der wilden Schar, vermummt, aber auf Grund seiner trollhaften Körpermerkmale sofort als der Troll erkennbar. Hals Habermeister steht er dem Haberfeldtreiben vor und ruft laut:

„Wo ist denn Settembrini? Wo ist der Ketzer, der Hodalump, der oide, der ehrwürdige…“ die Menge johlt auf „ DSA-Klassiker zerschneidet, zerschnippelt, zerlegt?“ Die Menge johlt wütend auf, Aus der menge hört man Worte wie „Saubär“ „Hodalump, greislicher“ und „Gmoastoarucka“.Ab und zu fiegt eine Tomate Richtung… nun ja, in Ermangelung der Tatsache, das Settembrini nicht hier ist, einfach in irgend eine Richtung. Hauptsache, die Tomate fliegt

Der Meister steht neben dem Troll. Leise flüstert er dem Habermeister zu: „Meinst Du nicht, dass Du da ein bisschen überreagierst? Nur weil er ein Video hochgeladen hat, in dem er eine alte Ausgabe von Staub und Sterne zerschneidet? Immerhin hat er daraus ein neues Abenteuer gemacht, im No-Artpunk-Wettbewerb damit gut abgeschnitten und jetzt im Abenteuer. #9 veröffentlicht. Sollten wir uns nicht erst mal das Ergebnis anschauen und mit dem Original vergleichen? Immerhin machen wir mit in den Klauen des Dämons ja was ganz ähnliches!“


Staub und Sterne (1991)

Staub und Sterne ist ein DSA2 Abenteuer aus der Feder von niemand geringeren als Thomas Römer und hat 31 Jahre auf dem Buckel. Damit darf es wohl zu recht als OS-Abenteuer gelten. Das Büchlein ist, in der Originalauflage, 58 Seiten, in der überarbeiteten DAS 4.1 Auflage 72 Seiten dick (Ne Stadtbeschreibung von Khunchom und ein paaralternative Wege sind da reingeflossen). Das Frontcover ist ein echter Yüce (bei dem man den Künstler mal wieder nicht gesagt hat, um was es genau geht), innen sind Bilder von Hours und Ina Kramer.

Die Geschichte, die hier beschrieben wird, ist die Vorgeschichte zu den G7 oder anders gesagt greifen die G7, besonders Alptraum ohne Ende, die Hauptfigur aus Staub und Sterne auf und führt die Geschichte weiter.

Die Held*innen sollen entführte Gaukler finden, die von einem Dämon in die Gor verschleppt wurde. Begleitet werden sie von einem Geschichtenerzähler, der sich im Laufe des Abenteuers als alter Drache entpuppt, der vom Oberschurken Liscom von Fasar geknechtet und seines Karfunkel beraubt wurde. Im Abenteuer hat man ein bisschen Wildnissabenteuer, etwas Grusel (Untote Pferde und Ghule, geisterhafte Stimmen) du ne ordentliche Portion Dungeon Crawl (erst in der Mindorium-Mine, dann in Liscoms Turm). Also eigentlich Standardkost, aber stimmungsvoll in Szene gesetzt.

Mit dem durch neuere OSR-Veröffentlichungen geschulten Auge lassen sich da tatsächlich einige schöne Sachen wiederentdecken: Bücher mit Selbstzerstörungsmechanismus, schwer gesicherte Truhen, Harpyien als Monster, Schlangenwesen als Wächter. Auch der Turm als Dungeon gefällt, wobei, wie Settembrini im Video anmerkte, der abgebildete Turm mit dem Turm auf dem Cover wenig zu tun hat.


Staub und Sterne (Settembrini-Version)

One Of These Things (Is Not Like The Others)
One of these things is not like the others,
One of these things just doesn’t belong,
Can you tell which thing is not like the others
By the time I finish my song?

One Of These Things, Sesamstraße, 1970

Settembrinis Staub und Sterne baut auf dem Original-Coverbild auf. Darauf war ja ein Schlangenmensch auf einer Brücke zu sehen, bewaffnet mit ner Zweihandaxt und einen runden Turm im Hintergrund. Und hier enden die Gemeinsamkeiten schon. Das Modul ist für AD&D1 bzw. ALRIK gedacht, Der Turm steht in einer von einem Raum|Zeit Krieg verwüsteten Gegend (cool: alleine schon das Aussprechen des Namens der Wüste führt zu Zeiteffekten beim Sprecher).

Der Turm ist dreistöckig und, im Gegensatz zum Originalturm, rund und deutlich größer. Zum Turm kommt man über die Brücke, welche über die Staubflüsse führt, die den Turm umschließen. Natürlich… die Schlangenwach muss ausgeschaltet werden.

Ein kleiner Einschub: Ich stolpere beim Lesen des Abenteuer. immer wieder über ein paar sprachliche Besonderheiten. In Ausgabe 8 waren es die Schmälze (der Plural von Schlmalz ist immer noch Schmalze), in Ausgabe 9 sind es die Schlangenwachs (als Plural von Schlangenwach, also einen Schlangenwächter. Ich muss da immer an Schlangenwesen aus Wachs denken) und Geodätische Koordinaten. Sorry, aber bei geodätisch kringeln sich bei mir die Zehennägel!

Monster gibt es in dem Modul, genauso wie Loot, reichlich. Schlicke, Schlangenwächter (WÄCHTER! Nicht Wachs!), Bodak, Intellect Devourer, Minotauren und den Endboss, den Rakshaza Ravana.

Richtig toll finde ich, dass mit der Sternenpumpe und dem darin gefangenen Stern Prester, Scifi-Elemente in die Geschichte kommen. Mit planetenvernichtenden Konsequenzen. Oder dem Aufleuchten eines neuen, alten Sterns, je nachdem, ob zuvor ein Sternelementar in getötet bz. In Raserei versetzt wurde oder eben nicht. Das Scifi-Setting erinnert so ein bisschen an Borbarads Fluch, halt nur um einen ordentlichen Faktor gesteigert.

Fazit

Muss man Fackeln und Mistgabeln rausholen, wenn sich jemand an alten DSA-Klassikern vergreift? Nö, mache ich ja gerade auch. Zumal bei einer Bearbeitung bzw. Umarbeitung vorhandenen Materials neue, witzige, aufregende, frische Sachen entstehen können. Vielleicht liegt darin auch die Lösung der Kritik, der in der Zock-Bock-Radio-Folge zum Thema Kommerzialisierung und Kommodifizierung geäußert wurde. Da mokierten sich die Diskutanten über jene, die Rollenspielprodukte sammeln, ohne sie zu spielen. Auch ich habe viele Rollenspielprodukte bei mir rumliegen (mittlerweile mehr als PDF statt in Papierform), die ich nie spielen werde. Aber ich nutze es, um daraus Ideen zu ziehen. Diese Ideen, diese Memes, entwickeln sich zu neuen Abenteuern weiter. Daher bin ich dafür, alte Abenteuer rauszukramen und zu bearbeiten. Nur… das Original zu zerschneiden… da blutet mir schon das Herz.