Werkstattbericht: Das Reich der Nagah

Und wieder einmal was aus der Werkstatt: Diesmal über die Heimat der Nagah. Man, ich hasse diese Viecher. Ich hasse alle Echsenwesen. Die haben damals beim Schreiben des Buchs der Helden ewig gedauert, bis die fertig waren. Und die Namen und Begriffe… ein Graus!

Nun ja, hier das Reich der Nagah. Es gilt wie immer: es fehlt das finale Layout, das finale Lektorat und Bilder.

Das Reich der Nagah – Der Echsendschungel

 

Grenzen: Östlich von Ribukan, südlich des Ribun und des Kithomont, westlich des Kithoga
Landschaft: Ausgedehnte Sümpfe, vor allem entlang der großen Flüsse, Dschungel, bis zu 5000 Schritt hohe Gebirge (Nagatwall, Wehr von Kithara, Kithomont)
Klima: Unterhalb der Wolkengrenze schwülwarm bis drückend heiß, Mittagsgewitter, Vegetationsgrenze in den Gebirgen bei etwa 3000 Schritt, ab dieser Höhe nachts empfindlich kalt, trocken, Gipfel vergletschert
Wildvorkommen: Grillenanbeterin, Süßkäfer, kleine Reptilien, Ratten und Vögel, Tulux, Khamedo, Alligator, Doumfaars, Arthropleura, Klippsegler, Kurih, Pim Pim, Federschleichen, Flugrammler (sehr häufig), Blutasseln (in feuchten Höhlen im Gebirge häufig), Filterechse, Flinkklaue (häufig), Schreckensklaue, Mastratte (gelegentlich, vor allem in der Nähe von Siedlungen), Rasnex, Nebelschreiter (im Gebirge gelegentlich, im Dschungel selten), Riesenbombardierkäfer, Riesenhornisse, Riesenoulu, Riesenratte, Panzergrakk, Baumsauger, Pici-Coatl (im Norden gelegentlich, im sumpfigeren Süden selten), Boworwolf, Boa-szaha, Dämonenkröte, Heldaye, Rankenmolch, Hammerkopf (selten), Aradam (sehr selten, vor allem im Gebirge), Axaluun, Riesenschnapper (Jungtiere an Flussläufen und Flussdeltas gelegentlich, mittlere Riesenschnapper an Flussläufen und Flussdeltas sehr selten), Shahana-Tiger (sehr selten, einst als Geschenk aus Shahana für die Menagerie des Sultans von Ribukan, seit dem Krieg der Prinzen wild rund um Ribukan), Ruuuch (Vampirfrosch, auch Name bei den Nagah! Sehr selten)

Pflanzenvorkommen: Mangroven, Vizrangyi, Lchii, Schachtelhalme, Glatthalm, Nehvizdyella, Lebensbaum, Lianen, diverse Orchideenarten, Farne
Reiche, Städte, besondere Orte: Angankor (Hauptstadt der Nagah Archaen), Assanra (Festungsstadt), Sccri Buccan (kleines Dorf, bekannt für seine Strategonenschule, die auch anderen Rassen offensteht), Sseleuhaan (einzige Hafenstadt der Nagah), Anccroh-dal (Hauptstadt der Hochlandnagah), Ryscca (für seine Hy’Chaia bekannte, jüngste Nagahstadt)

Handel: Die Nagah-Archaen handeln mit anderen Völkern nur über Sseleuhaan und im geringen Umfang über Sccri Buccan. Sonst nur Binnenhandel zwischen den Städten. Gehandelt wird mit Schmuck, magischen Artefakten, Mineralien, Alchemika, Giften wie etwa dem tödlichen Rass’Zscyc, Nahrungsmitteln (vor allem Fleisch und Früchte), Lchii-Schnaps, Bronze und feuerfestem Echsenleder
Mysteria: Angeblich ist in einer der Städte die Krone von Ribukan verborgen, Mascupi (geheime Fluchtburg der Nagah), alte magische Artefakte und Wissen, verborgen in Angankor

 

2 Thema der Region:

Die dampfenden, wuchernden Dschungel östlich von Ribukan gelten seit jeher als Reich der schlangenleibigen Nagah, die von vielen gefürchtet, von einigen als heilige Wesen verehrt werden. Doch die Herrschaft der geheimnisvollen Hochkultur der Nagah-Archaen über den Dschungel ist nicht so absolut, wie sie es selber gerne hätten. Von Ribukan dringen fast täglich einzelne Abenteurer und marodierende Soldaten tiefer in den Dschungel vor. Von Norden stoßen die echsenhassenden Erzfeinde, die Ipexco, immer wieder in das Hoheitsgebiet der Nagah vor und zerstören ein Sumpfdorf nach dem anderen. Und die wilden, auf ihre Unabhängigkeit bedachten Nagah-Stämme der Berge denken gar nicht daran, sich freiwillig in das komplexe Gesellschafts- und Herrschaftssystem ihrer Brüder und Schwestern aus dem Tiefland einbinden zu lassen. Von den Nagah-Archaen meist übersehen kämpfen in der Region zudem die wilden Sirdakstämme um ihre kulturelle Eigenständigkeit. Hinzu kommen die Gefahren der unwegsamen Wildnis zwischen den verstreuten Inseln der Zivilisation. Der dichte Bewuchs lässt kaum Licht auf den Boden des Dschungels dringen, riesige Echsen und Insekten durchstreifen die Weiten auf der Jagd nach Beute und fiebrige Infekte strecken die meisten menschlichen Abenteurer schon nach wenigen Wochen nieder.

Das Reich der Nagah kann als Hintergrund für viele verschiedene Typen von Abenteuern dienen. Da ist zum Einen der ständige, blutige Abwehrkampf der Nagah gegen die Ipexco, bei dem die Helden wahlweise Partei für eine der beiden Seiten ergreifen können. Des Weiteren gibt es im Dschungel genügend Mysterien, versunkene oder verborgene Städte und uralte Rätsel, die auf wackere Entdecker und Forscher warten. Die Nagah sind daran interessiert, dass keines ihrer wohlgehüteten Geheimnisse in die Hände von Mensch oder Sirdak fällt. Zu guter Letzt soll in einer der Städte der Region ja auch die Krone von Ribukan verborgen liegen. Grund genug, dass die Prinzen Diebe und Kämpfer losschicken, um den Nagah das Herrschaftssymbol zu entreißen.


3 Die Geschichte und Mythen der Region

„Als unsere Heimat im Meer versank. Wir Heimatlosen! Als die Götter des endlosen Meeres, der schwarzen Tiefe und der azurblauen Fluten gegeneinander stritten. Wir Ertrinkenden! Als die Götter des grünen, des bleichen und des blutigen Mondes uns verfluchten. Wir Verdammten! Als das Nest kalt wurde, als alles verloren schien, da erschien uns H’Stsiva. Wir Erwählten! Und sie führte uns hierher, in die neue Heimat. Wir Erretteten! Und sie machte uns zu dem starken Volk, das wir heute sind. Wir Gesegneten!“

Rituelles Gebet des Priesterinnenrates der H’Stsiva vor ihrer Sitzung, transkribiert von einem menschlichen H´Shesshivan-Kultisten, neuzeitlich.

 

„…und da waren wir, in der heiligen Höhle der Xhul, Nanbalo. Und was soll ich sagen… das ist eigentlich eine riesige Geschichtensammlung. Die Höhlenwände sind voll mit Bildern, Piktogrammen, rätselhaften Zeichen und Symbolen, teilweise mehrere Schichten übereinander. Was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist eine Bilderreihe, die von der Ankunft der Ipexco hier auf unserem Kontinent erzählt. Zwei Krieger landen mit einem Floß an einem Palmenstrand. Eine Nagah taucht auf. Ein Krieger, wohl der Stammvater der feigen Parnhai, flieht sofort: der Andere, der Urahn der Ipexco, kämpft mit der Nagah. Ich glaub, es gab auch noch ein weiteres Bild, dass das Ende dieses Kampfes voraussagt, aber wir mussten weiter, die Tempelwächter waren uns auf den Fersen…“

Aus den Erzählungen eines Rhapsoden, Teruldan, vor etwa einem Jahr.

 

„…sowie drei Skelette der Schlangenwesen, die die Ribukaner Nagah nennen, für den Sultan von Elem.“

Auszug aus der Ladeliste der „Schwarzen Rose“, Dunkle Zeiten, wird derzeit von einer Maus in Khunchom als Nistmaterial verwendet.

 

„Euer Plan geht auf, mein Sultan. Der Quitslinga berichtet, dass die verfluchten Schlangenwesen kurz vor einem Bürgerkrieg stehen. Die Anbeter der Dämonin H’Stsiva auf der einen und die verblendeten Zauberpriester des Phyr-sac-cor auf der anderen Seite. Bald schon wird das Reich der Schlangenwesen zerfallen, die Ipexco werden die letzten Biester erschlagen und ihre Geheimnisse werden an Euch fallen, mein Sultan!“

Aufzeichnungen einer Audienz bei Al‘Hrastor, Yal-Mordai, etwa 300 Jahre alt. Ein Jahr nach dieser Nachricht wurde Ryscca gegründet und so ein Bürgerkrieg verhindert. Die Gründung der Stadt gilt bis heute unter den Angehörigen der adligen Kaste der Thin’Chha als entscheidender Schritt zur Schwächung der Priesterherrschaft.

 

4 Die Region heute

   4.1 Landschaft

Denkt man an das Reich der Nagah, so kommt dem Durchschnitts-Ribukaner zuerst der endlose Dschungel in den Sinn, dicht gefolgt von den moskitoverseuchten Sümpfen und endlosen Mangrovenwäldern entlang der Flüsse und der Küste. Und tatsächlich ist das Reich der Nagah zum größten Teil von Sumpf und wild wuchernden Dschungeln bedeckt, in denen die Trabantensiedlungen der Sumpf-Nagah und die Städte der Archaen verborgen liegen. Doch zum Reich der Nagah gehören auch Gebirgsregionen, namentlich der Nagatwall, die Wehr von Kithara, und das Kithomont. Kühle, karge Regionen: die Heimat der Hochland-Nagah.

4.2 Klima

Das Klima im Dschungel und in den Sümpfen ist heiß, schwül und feucht. Jeden Mittag entlassen schwere Wolken, die vom Nebelmeer aufziehen, warmen Regen auf das Land. Auch zu Füßen der Gebirge ist es schwülwarm und feucht. Überschreitet man aber die Wolkengrenze, die etwa 3000 Schritt über dem Meeresspiegel liegt, so wird es merklich kühler, des Nachts gar empfindlich kalt. Die Gipfel der Gebirge sind sogar mit Eis und Schnee bedeckt.
4.3. Tier- und Pflanzenwelt
Die Sümpfe und Wälder dieser Region sind voller Leben, wobei Echsenartige klar dominieren. Schreckensklauen, Blutzähne und Boa-szaha sind gefürchtete Jäger im Reich der Nagah. Das Unterholz ist die Heimat der kleinsten Pferderasse Deres, des Tulux. Die Gipfel der Lchii-Bäume, Mangroven, Glatthalme, Nehvizdyella und Lebensbäume sind die Heimat von Flinkklauen, Fangschrecken und Riesenhornissen. Am Boden zwischen Schachtelhalmen und Farnen leben Doumfaars, Riesenbombardierkäfer, Riesenoulos sowie die von den Sirdak und Nagah gefürchtete Dämonenkröte. Im Untergrund sollen zudem gelegentlich Düsterwürmer leben.

4.5 Kulturen

Das Reich der Nagah ist Heimat vieler Kulturen, doch die alles beherrschende, ist die der Archaen. In ihren Städten forschen die Zauberkundigen unter den Schlangenleibigen nach alten, magischen Geheimnissen und stellen so manches mächtige Artefakt her. In den Trabanten, den Dörfern im umliegenden Dschungel und den Sümpfen, leben Nagah, Sirdak, Marus und Menschen Seite an Seite. Ein buntes Völkergemisch, das sich selbst als Sumpfländer bezeichnet. Die Trabanten liefern den Städten Nahrung und Rohstoffe, während diese wiederum die kleinen Dörfer durch ihre H’Stsiva-Priesterinnen kontrollieren, die in die Trabanten geschickt werden, um dort als Orakel und spirituelle Führerinnen zu dienen. In den Baumwipfeln der Urwaldriesen leben die friedliebenden Mitglieder der wilden Sirdakstämme, die vor allem eins wollen: In Frieden gelassen werden. Doch auch die Waldechsen greifen zu den Waffen, wenn sie von den echsenhassenden Ipexco verfolgt werden oder die Nagah Archaen sie als gefügige Arbeiter in die Trabantendörfer treiben wollen.

Vor allem im Norden des Reichs gibt es einige lokale Ipexco-Stämme, die immer wieder gewaltsam in das Herrschaftsgebiet der Nagah vordringen. Flüchtlinge aus Ribukan und versprengte Truppen der ribukanischen Prinzen kann man hingegen vor allem im Westen des Nagah-Reiches antreffen.

4.6 Wichtige Städte

Angankor, H’Stsivas Hort – Hauptstadt der Nagah

Im Nordosten des Nagatwalls, von den Schlangenleibigen Naszah’Wael genannt, liegt Angankor, die Uralte, größte der Nagah-Städte. Eingebettet in einen großen Talkessel schlägt hier das religiöse und politische Herz der Nagah. Alle anderen Gebäude überragend prägt auch heute noch der H’Ssrag, die „Schwarze Pagode“, der heiligste Ort, das Bild der Stadt. Es ist der größte Tempel der H’Stsiva und Zentrum des Kultes. Die Pagode selbst ist mit etwa 1100 Jahren verhältnismäßig jung, sie wurde jedoch auf den Grundfesten eines weitaus älteren, kleineren Tempels erbaut. Unter der Pagode existiert ein riesiges Netz aus Gängen, alten Kultkammern, Brutstätten, Grabanlagen und zugemauerten Stollen. Hier lagert das gesammelte Wissen der Nagah, vom Beginn ihrer Besiedlung des Rieslands bis heute.

Umgeben ist dieser Hort des Wissens von einer großen Parkanlage, einem Labyrinth aus Hecken und verschlungenen Wegen, das den Tempel von der restlichen Stadt trennt und in dem sich dutzende Arten von Schlangen tummeln.

Außerhalb des Tempelbezirks drängen sich die schmucken, rundlichen Häuser der Ybb’lz, der Gelehrten, Händler und Handwerker von Angankor. Ihre Kaste macht den Großteil der Bevölkerung der Stadt aus. Dementsprechend prägen ihre bauchigen Häuser mit den flachen Sonnendächern auch das Stadtbild. Dieser Bezirk ist das lärmende, pulsierende Herz der Stadt. Hier liegen die Märkte, hier arbeiten die berühmten Goldschmiede, deren Geschmeide bis Teruldan bekannt sind, hier treffen die Fernhändler aus den Sumpfdörfern mit ihren Waren ein. In einer Seitengasse unweit des größten Marktes steht ein Gebäude, das nur wenigen Eingeweihten als Pagode des Ssahombri bekannt ist. Mehrere Su’Ruhya bilden hier ihre Zöglinge aus.

An den erzhaltigen Hängen des Talkessels liegt der Bezirk der Xssa’Triash, der Kriegerkaste. Anders als der chaotisch wirkende Bezirk der Ybb’lz erscheint dieser Stadtteil wohlgeordnet, wie eine Kaserne. Schnurgerade reihen sich die einfachen, schmucklosen Häuser an den parallel verlaufenden Straßen wie Perlen auf einer Schnur auf. Im Zentrum des sechseckigen Bezirks liegen der ‚Platz der Krieger‘, wie die hiesige Arena genannt wird, und der Tempel des H’Shinxio. Ebenfalls am Platz gelegen ist die Strategonenschule, die nur die besten Xssa’Triash aufnimmt und zu Strategonen, Elitekämpfern und Feldherren zugleich ausbildet.

Am tiefsten Punkt des Talkessels, im sumpfigen Süden, drängen sich die Baracken und Holzhütten der Ssiadi und Belyshaa. Abgesehen von den Trupps der Garnison, findet man hier kaum Nagah, denn dies ist das Viertel der Sirdak. Die Waldechsen stellen hier einen Großteil der Bewohner und arbeiten vor allem als Bauern und Brauer. Sie hausen in einfachen Holzhütten und haben mit ihren wilden Verwandten kaum mehr etwas gemein. Hier steht auch der ärmliche Tempel der Suuad’Har. Auch die Yrachi leben in diesem Stadtteil. Sie hausen unter primitivsten Bedingungen in einfachen Hütten aus Palmwedeln und feuchten Erdgruben. Die Yrachi der Stadt sind ein buntes Gemisch aus Waldechsen, Marus und Menschen. Jeden Morgen, ehe die Sonne aufgeht, werden sie zu Hunderten von den Xssa’Triash in die Stadt getrieben, zu niedrigsten Arbeiten gezwungen oder in die Arena gehetzt, nur um sich abends mit etwas Nahrung zurück zu ihren Hütten zu quälen.

Am Osthang, stehen die Villen der Thin’Chha, des Adels der Nagah. Auch die im ganzen Reich der Nagah größte Schule der Hy’Chaia befindet sich hier. Das sich die Villen an dem Punkt der Stadt befinden, der am weitesten von der Schwarzen Pagode entfernt ist, ist kein Zufall, denn nicht alle Adeligen wollen sich dem Priesterrat unterordnen und einige spinnen gar Intrigen gegen die Herrinnen der Schwarzen Pagode. Die Entfremdung des Adels von den Anhängerinnen der H’Stsiva wird im Verborgenen von den Priestern des hiesigen Phyr-sac-cor Tempels vorangetrieben. Die Priester dieses Tempels propagieren, dass den Adeligen dafür, dass sie sich um die Einhaltung der Gesetze und die Aufrechterhaltung der Kultur kümmern, der absolute Herrschaftsanspruch zusteht. Der Staatskult der H’Stsiva, der vor allem von den männlichen Thin’Chha abgelehnt wird, propagiert hingegen die freiwillige Unterwerfung jedes Einzelnen (und somit auch der Adligen) unter das universelle Prinzip des Dras.

 

Assanra – der steinerne Schild der Nagah

Östlich des Kithomont, an einem Seitenarm des Kithoga liegt die Festung Assanra, die den nördlichsten Punkt des Nagah-Reiches markiert. Umgeben von einem weiten Sumpfgebiet, durch das nur ein einziger Knüppeldamm von Süden her führt, und geschützt von gewaltigen Mauern wurde diese Siedlung auf einem künstlichen Hügel errichtet, um die Heere der feindlichen Ipexco aufzuhalten. Und tatsächlich brüsten sich die Nagah damit, dass die Festung noch nie eingenommen wurde, was allerdings hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass sie auch noch nie ernsthaft belagert wurde.

Beherrscht wird die Stadt vom H’Shinxio-Kult, der hier seinen Haupttempel, den Ssirdaz, mit dem Hornissenthron hat. Gleich neben der Pagode des H’Shinxio befinden sich die Hornissenstöcke, in denen die heiligen Riesenhornissen gezüchtet werden. Ihr Gift füllt die sogenannten Hornissenspeere (Sycc: Ssirzat), Wurfspieße mit hohler Spitze. Ebenfalls in der Nähe der H’Shinxio-Pagode befindet sich die Arena von Assanra und eine Strategonenschule, die Doumfaarsreiter ausbildet. Die kleine Pagode der H’Stsiva befindet sich nahe des einzigen Tores im Süden der Stadt. Sie dient hauptsächlich als Botschaft von Angankor und wird von den Bewohnern der Stadt nur selten besucht. Die Nagah der Stadt gehören großteils der Kaste der Xssa’Triash an. Außerdem siedeln hier auch noch etliche Ybb’lz-Gelege, welche die Bronzegießereien der Stadt betreiben, als Alchimisten die Versorgung mit Säure- oder Brandkäfern gewährleisten und als Händler den Warenaustausch mit den Städten des Südens und den tributpflichtigen Dörfern in den Sümpfen aufrechterhalten. Waldechsen oder gar Menschen wird man hier nirgends, außer als Sklaven in der Arena, finden. Der starke H’Shinxio-Kult hat dafür gesorgt, dass die Nagah zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden sind, die Fremden äußerst skeptisch gegenübersteht.

Faktisch unter der Kontrolle Assanras steht das Dorf Sccri Buccan samt seinem H’Shinxio-Tempel und der dort beheimateten Strategonenschule. Nominell ist das Dorf jedoch Teil der Stadt Ribukan.

 

Ryscca – Metropole der Magie

Zweifellos ist Ryscca etwas ganz Besonderes unter den Städten der Nagah. Vor drei Jahrhunderten entstand in weniger als einem halben Jahrzehnt am Osthang des erloschenen Vulkans Ryscca-Pyr, zu dessen Füßen der Driadt entspringt, eine geometrisch perfekte Stadt. In ihrem Zentrum steht die Pagode des Gottes Phyr-sac-cor, die über und über mit vergoldeten Schindeln bedeckt ist (der Überlieferung nach soll dies die Farbe der Schuppen des drachengestaltigen Gottes sein). Von dort aus windet sich die einzige Straße der Ansiedlung spiralförmig den Hang hinab. Alle 333 Schritt öffnet sie sich zu kleinen Plätzen und endet schließlich an der östlich gelegenen „Schlangenpforte“, dem einzigen Tor der Stadt. Neben der Pagode ist eben jenes Stadttor der architektonische Höhepunkt von Ryscca. Das Gebäude, in dessen Inneren auch der Tempel der H’Stsiva untergebracht ist, ist wie das Maul einer Schlange geformt und mit grünen, blauen und roten Kacheln, die dank verschiedener, alchimistischer Tinkturen intensiv glänzen, verkleidet. Die gleichen, farbigen Kacheln bedecken auch die Straße, so dass ein Besucher das Gefühl hat, auf dem Rücken einer riesigen Schlange zu wandeln.

Ryscca ist auch als Stadt der Magie bekannt. Nahe der Pagode haben sich dutzende Su’Ruhya niedergelassen. Die hiesige Schule der Hy’Chaia, die bis vor sieben Jahren noch in der Pagode untergebracht war und jetzt gleich rechts neben dem Stadttor liegt, geht gar auf die Gründer der Stadt, die 24 Mächtigen, zurück, welche damals aus Angankor auszogen, um im unwirklichen Urwald Ribukans die „perfekte Stadt“ zu gründen. Dass eben jene Pioniere in Wirklichkeit vom Priesterrat Angankors verbannt worden waren, weil sie den Lehren des Phyr-sac-cor näher standen als denen der H’Stsiva, wird heute in Ryscca tunlichst verschwiegen. Vor allem weil man seit etwa einem Jahrzehnt wieder intensiv die Nähe zur Hauptstadt sucht und sogar den neuen H’Stsivatempel im Stadttor, die Prachtstraße und die neue Schule der Hy’Chaia gespendet hat, um sich, zumindest symbolisch, wieder unterzuordnen. Dass dieser Versuch der Anbiederung seinen Ursprung in der Angst vor den immer aggressiver werdenden Sirdakstämmen der Umgebung hat, ist ein offenes Geheimnis. Warum die Waldechsen allerdings so aggressiv sind, weiß man wohl nur in der Schwarzen Pagode.

 

Sseleuhaan

Am südlichsten Punkt des Kontinents, eingebettet in gewaltige Mangrovenwälder, liegt Sseleuhaan, der einzige Seehafen der Nagah. Den Legenden nach ist Sseleuhaan der Ort, an dem die Schlangenleibigen erstmals riesländischen Boden betraten. Trotz ihrer Geschichte war die Stadt nie wirklich bedeutend und erst die Bemühungen der Nagah Thin’Chha Sseleuhaan Ccazzarac Tzachzatzt Ftangnchtzt Hussains brachten einen gewissen Aufschwung in die Stadt, die heute vom Fernhandel mit alchemistischen Rohstoffen, Lchii-Schnaps und feuerfestem Echsenleder lebt. Sseleuhaan besteht aus zwei Teilen. Der älteste Teil, ein aus schweren Steinquadern gemauerter, 20 Schritt hoher künstlicher Hügel, liegt etwa eine halbe Meile hinter dem Mangrovengürtel. Vom Meer aus erinnert die Altstadt an eine Klippe oder einen Tafelberg. Auf dem Gipfel des Hügels befinden sich die wichtigsten Gebäude der Stadt, etwa die Pagoden der H’Stsiva, des H’Shinxio und die Garnison, Paläste, Lagerhäuser und Wohnhäuser der Nagah. Die Altstadt besitzt nur zwei Zugänge. Im Norden kann sie über einen sieben Meilen langen und langsam ansteigenden Damm erreicht werden, im Süden, zum Meer hin, gelangt man durch einen Tunnel in der Mauer direkt in die Garnison der Maru. Die wachsende Bedeutung des Hafens würde einen weiteren Zugang notwendig machen, doch noch beißen sich die Thin’Chha mit ihrer Forderung sowohl bei der H’Stsiva-Priesterschaft als auch bei den für die Stadtverteidigung zuständigen Strategonen der Maru-Garnison die Zähne aus. So bleibt den für den Warentransport zuständigen Sirdak nichts anderes übrig, als mit ihren Gütern auf dem Rücken die Mauern hoch bzw. runter zu klettern. Allen Rassen außer Nagah und Sirdak ist der Zugang zur Altstadt strengstens verboten. Das Herz der Stadt ist der kleine Tempel der H’Stsiva, der von sich behaupten kann das älteste, noch intakte von Nagah errichtete Gebäude ganz Rakshazars zu sein. Berühmt ist er weiterhin für seine Artefaktsammlung aus der Frühzeit der Nagah. Ein weiteres Kuriosum der Stadt ist die Garnison der örtlichen Legion, die zur Gänze aus Maru-Söldnern besteht. Selbst der Priester des örtlichen H’Shinxio-Tempels ist ein Maru, ein Umstand den man in Angankor lieber totschweigt.

Zur Stadt gehört auch der Mangrovenhafen auf dessen Bäumen Sirdak leben und in dessen Hafenbecken, das ständig vom vordrängenden Mangrovenwald freigehalten werden muss, die Thaluk und Hausflöße der Sanskitaren ankern. Denn heutzutage machen die Nagah nicht einmal mehr die Hälfte der Stadtbevölkerung aus. Den größten Anteil bestreiten die Waldechsen. Außerdem findet man erstaunlich viele freie Menschen: Händler der Sanskitaren, die ihre Waren nur über Sseleuhaan in das Reich der Nagah bringen können, da alle anderen Städte tief verborgen in den Sümpfen Ribukans liegen.

 

Die interessanteste Einrichtung des Hafens ist das Tempelschiff der Meeresgötter. Die Behaarten brachten auch ihre Götter mit sich. Da die Priesterschaft der H’Stsiva den Bau von Tempeln fremder Götter jedoch verboten hat, wichen die Gläubigen, allem voran die der Götter des Meeres, auf ein vor Anker liegendes, abgewracktes Handelsschiff aus. Seit dieser Zeit beten die Gläubigen von Kr’Thon, Tlalclatan, Bel-Sholairak, Numinoru, Uzhuch, Prahini, Shesal und wie sie alle heißen abwechselnd auf dem Schiff, und werfen ihre Opfergaben über Bord. Will man an den Feierlichkeiten teilnehmen, sollte man sich vorher im Hafen erkundigen, welche Glaubensgemeinschaft gerade das Nutzungsrecht hat. Ein weit verbreitetes Gerücht berichtet zudem von einem Tempel der Kha-Zzhandrah, einer vergessenen und vor allem bei den Sirdak verehrten Gottheit, der sich vor den Mangroven unter der Meeresoberfläche in einem Riesenschnapperpanzer befinden soll. Wie allerdings die baumbewohnenden Sirdak, die eigentlich keine guten Schwimmer sind, zu diesem Tempel kommen sollen, bleibt ein Rätsel.

Kontrolliert wird die Stadt von den Thin’Chha-Gelegen Ccazzarac und Sessila. Von dem Einen aufgrund seines Reichtums und des Handelsmonopols, vom Anderen, weil es die Herrschaft über die Garnison fest in seinen Händen hält und zudem die Waldechsen kontrolliert. Stets spinnen sie Intrigen gegeneinander, um die alleinige Vorherrschaft über die Stadt zu erringen. Zusammenhalt zeigen ihre Mitglieder nur, wenn es um die Unabhängigkeit Sseleuhaans geht, und gemeinsam lassen sie selbst die örtlichen H’Stsiva-Priesterinnen nach ihrer Pfeife tanzen, ein Umstand der in Angankor für verschnupfte Gemüter sorgt.

 

Anccroh-dal

Die größte und bedeutendste Siedlung der Hochland-Nagahs ist Anccroh-dal, eine ehemalige Maru-Siedlung in der Wehr von Kithara. Wie jedes Hochland-Dorf besitzt die Stadt ein eigenes Heiligtum; einen Ort, an dem uralte Artefakte, die teilweise noch aus der Zeit, bevor die Nagah das Riesland erreichten, stammen, aufbewahrt werden. In Anccroh-dal, wo die größten Tempel der Hochlandnagah stehen, soll es sogar einige einbalsamierte Leichname berühmter Krieger, bzw. Kriegerinnen – wie etwa Zhach H’Shinxar, der Gründerin der Stadt – und Priesterinnen geben, die in schwierigen Zeiten zu ihren Nachfahren sprechen. Doch kein Fremder hat diese Relikte jemals erblickt und die Nagah hüten ihr Geheimnis aufs schärfste. Die Bewohner der Hochlanddörfer gelten seit jeher als einsiedlerisch und eigenbrötlerisch. Kontakte zu anderen Völkern werden wenn möglich vermieden, selbst andere Nagah werden kritisch beäugt; ja sogar mit den eigenen Nachbarn wird nur dann Kontakt gehalten, wenn dies absolut lebensnotwendig ist. Darum sind auch die einzelnen Wohnhäuser und Wohnhöhlen weitläufig im Tal verteilt. Als weitere Besonderheit kann die Gewinnung diverser Alchemika gelten, die aber nur die fähigsten Nagah-Alchemisten gemeistert haben. Die Stoffe, welche die Meister dieser Kunst aus den Gebirgsmineralien destillieren können, sind von großem Nutzen für das Leben der Bergnagah. So stammt etwa das tödliche Gift Rass’Zscyc aus dem namensgebenden Rass-Gestein, das nur tief unter der Stadt Anccroh-dal geschürft werden kann.

4.7 Besondere Orte

Sccri Buccan

Zwei Tagesreisen den Ribun von seinem Delta aus hinauf liegt Sccri Buccan, was übersetzt „Neues Ribukan“ bedeutet. Die Siedlung in den Sümpfen wäre nur eine von vielen, gäbe es dort nicht einen Tempel des Kriegsgottes H’Shinxio und eine Strategonenschule, die auch in der Welt der Schuppenlosen einen ausgezeichneten Ruf genießt. Sie ist nominell Teil der Stadt Ribukan, auch wenn die tatsächliche Gewalt über die Schule bei den Nagah aus Assanra liegt, die Sccri Buccan, den Tempel und die Strategonenschule verwalten.

Sccri Buccan liegt, rundherum geschützt von mächtigen Mauern, auf einer Halbinsel in einer Flussschleife des Ribun. Innerhalb der Stadtumwallung leben Bauern, Jäger und Handwerker, die für die Versorgung des Tempels und der Schule sorgen. Das Leben der einfachen Bevölkerung ist im Vergleich zu dem der Bewohner der Sumpfdörfer verhältnismäßig sicher, obwohl das Dorf schon oft von Feinden berannt wurde. Dank der Mauern und der Schüler der Strategonenschule gelang es den Feinden – allen voran den Ipexco – jedoch noch nie einen Fuß ins Dorf zu setzten. Die Strategonenschule liegt an der Spitze der Halbinsel und ist gleichzeitig Teil der dortigen Verteidigungsanlage gegen mögliche Angreifer aus dem Gebiet der Ipexco. Die Tore der Schule von Sccri Buccan stehen auch Sirdak, Marus, ja sogar Schuppenlosen offen, daher wird dort ebenfalls der Umgang mit, für Nagahverhältnisse, exotischen Waffen wie etwa Sichelschwert, Bogen und schwerem Belagerungsgerät gelehrt. Gleich neben dem Eingangstor erhebt sich die wabenförmige Pagode des H’Shinxio acht Schritt in die Höhe. Fünf Priester verrichten hier ihren Dienst und bilden gleichzeitig die Strategonen der Schule aus. Der Tempelvorsteher übernimmt auch die Rolle der Priester der anderen Nagah-Götter und das Dorf untersteht vollständig seiner Kontrolle. Gleich neben der Pagode liegt das „Feld der Tausend Götzen“. Die vielen fremden Zöglinge der Strategonenschule brachten im Laufe der letzten Jahrhunderte ihre eigenen Kriegsgötter mit nach Sccri Buccan. Wie bei der Gründung vereinbart durften die Fremden ihren Göttern eine Stele weihen und dort Opferrituale abhalten, solange sie die Oberhoheit des H’Shinxio-Kultes anerkannten. Herrin über die gut 20 Stelen und Garant der Oberhoheit H’Shinxios ist die junge H’Shinxio-Priesterin Thin’Chha Sccri Buccan Zhachtzt Tzachza Fuch Gom, die in Ribukan (und inkognito auch in Yal-Mordai) die fremden Kulte studierte.

 

4.8 Wichtige Personen

Ssizitay Angankor Zhach Achzz Sahsmar Ftangnchtzt Shzztzt Tchachaz, Hohe Priesterin der Nagah, Herrin der Schwarzen Pagode von Angankor

Für eine Ssizitay ist Zhach überraschend jung, gerade einmal 30 Sommer alt. Ihre seherischen und spirituellen Fähigkeiten fielen schon früh auf, so dass die junge Nagah von Ihrer Vorgängerin im Amt persönlich ausgebildet wurde. Dies führte wiederum dazu, dass die Ssizitay Zhach zwar eine exzellente Traumdeuterin, aber auch etwas… weltfremd ist. Der Zweiten in der Hierarchie der Priesterinnen, der Schriftführerin, ist dieser Umstand durchaus bewusst und es ist ihr insgeheim nur Recht, liegt doch somit die Hauptverantwortung der Staatsführung allein in ihren Händen. Der Ssizitay würde niemals in den Sinn kommen, diese Machtfülle der Schriftführerin R’Sa Angankor Zhach Zaa Sahsmar Ftangnchtzt Shzztzt Tchachaz zu hinterfragen.

Thin’Chha Sseleuhaan Ccazzarac Tzachzatzt Ftangnchtzt Hussain und Thin’Chha Sseleuhaan Sessila Grgrgrgrgch Ruuuch

Eifersüchtig, neidisch, gierig nach Wohlstand und Macht, intrigant, aber auch wohltätig. All diese Beschreibungen kommen den Bewohnern von Sseleuhaan in den Sinn, wenn die Sprache auf die beiden Thin’Chha-Händlerinnen kommt. Ccazzarac, die den Fernhandel mit Ribukan und den anderen Nagah-Metropolen kontrolliert und die faktische Kontrolle über etwa ein Drittel der Trabanten Sseleuhaans inne hat, und Sessila, die fast alle Sirdakstämme im Umkreis von zwölf Tagesreisen befehligt, ein weiteres Drittel der Trabanten kontrolliert und die Maru-Garnison finanziert, befinden sich seit ihrer Geburt in einem ständigen Konkurrenzkampf, den bisher noch keine der beiden für sich entscheiden konnte. Geht es aber um die Unabhängigkeit ihrer Stadt, dann dauert es oft keine Stunde und die Thin’Chha vereinen ihre Kräfte. Sogar die H’Stsiva-Priesterinnen der Stadt steht unter dem Einfluss der beiden Nagah, die die Ausbildung der Priesterinnen finanzierten und dem Tempel fast jede Woche ein neues Artefakt (edles Metall, einen besonders seltenen Rohstoff oder gar, allerdings seltener, ein magisches Artefakt) schenken. So sind die beiden Thin’Chha-Händlerinnen die eigentlichen Herrinnen von Sseleuhaan. Nur die älteste Priesterin scheint noch so etwas wie Wiederstand gegen die beiden Händlerinnen zu leisten, ist sie es doch, die es bisher unter Einsatz all ihres verbliebenen Einflusses verstanden hat, den Bau eines weiteren Zugangs zur Altstadt zu verhindern. Zu den Geheimnissen Sessilas zählt, wie sie die Kontrolle über die Sirdak erlangen konnte. Die Antwort ist im Grunde ganz einfach: Lchii-Schnaps und Suuad’Har-Priesterinnen aus Angankor, deren Ausbildung dort von Sessila finanziert wurde und die nun in ihrer Schuld stehen. Sie selbst streut jedoch das Gerücht um einen magischen Stirnreif aus Ribukan, der ihr die Macht über die Waldechsen verleihen soll.

Thin’Chha Sccri Buccan Zhachtzt Tzachza Fuch Gom (Kultistin aus Sccri Buccan)

In Yal-Mordai kam die junge Priesterin Thin’Chha Sccri Buccan Zhachtzt Tzachza Fuch Gom in Kontakt mit einem Kult, der einem gesichtslosen Kriegsgott huldigte, der seinen Gläubigen Macht, Sieg und Reichtum verspricht, wenn sie ihm nur genügend unschuldiges Blut, Seelen und, als Zeichen absoluter Untergebenheit, einen Teil ihrer selbst opfern. Fasziniert von diesem Kult ließ sich die junge Nagah zur Priesterin, ja mehr noch, zur Schwertmagierin des dunklen, namenlosen Gottes weihen. Das Weiheopfer war ihre Schwanzrassel, die sie offiziell im Kampf gegen einen Blutzahn verlor. Momentan versucht die charismatische, oberflächlich zunächst freundlich erscheinende Schwertmagierin an die Spitze des Tempels aufzusteigen, um dann Sccri Buccan aus der Herrschaft Assanras herauszulösen. Mit dem Priester Fuch und dem Orkkämpen Gom hat sie bereits zwei wichtige Verbündete für ihre Pläne gefunden.

Itzcóatl, ein Stammeshäuptling der Parxool

Itzcóatl ist mit über 50 Sommern einer der ältesten Stammeskrieger des größten Ipexcostammes südlich des Ribun. Geboren und aufgewachsen ist der alte Krieger in Izapatan, wo er auch zum Quitax-Reiter ausgebildet wurde. Bei einem Kriegszug über die Totec-Kämme vor knapp zwei Jahrzehnten verlor Itzcóatl jedoch seine Einheit aus den Augen und fand Anschluss an einen kleinen Dschungelstamm. Unter seiner Führung wuchs der Stamm immer weiter an und konnte sich im Reich der Nagah festsetzen. Itzcóatl, der Totec-Xor verehrt, träumt zwar insgeheim davon, alle Echsenwesen südlich des Ribuns zu vernichten, ist sich aber durchaus bewusst, dass er dieses Ziel wohl nie erreichen wird. Und so belässt er es bei gelegentlichen Überfällen auf einzelne Nagah-Sumpfdörfer und Plantagen Ribukans.

5 Mysteria et Arcana

Die Ruinenmetropole Akorak

„Und wieder lichtete sich der Dschungel vor unseren Augen, doch diesmal blickten wir nicht auf eine laute, lärmende, lebendige Stadt, sondern auf Ruinen, uralte, verwitterte und teilweise vom Dschungel bereits zurückeroberte Überreste. Einst musste diese Stadt, durch die wir uns bewegten, von unglaublicher Pracht gewesen sein, und wohl mehreren zehntausend Wesen eine Heimat gegeben haben. Viele ehemalige Gebäude lagen nun unter Wasser und die alten Steine wurden langsam vom Fluss, der sein Bett mitten in die Stadt verlagert hatte, abgerieben. Wo einst wohl hunderte Nagah auf den Marktplätzen umherschlängelten, trieben nun träge einige große Alligatoren im brackigen Wasser. So sind wir sind dann lieber rasch hoch in die trockeneren Teilen der Stadt gezogen, die an den unteren Hängen eines kleinen, bizarr geformten Berges lagen. Andere Teile der Stadt waren verschont geblieben. Reih um Reih standen hier noch immer die prächtigen Häuser der einstigen Oberschicht. Alles wirkte auf unheimliche Weise langsam, wie in einer Zeitblase gefangen. Huschende Schatten verschwanden hinter den Häuserkanten, bevor man sie mit dem Auge genauer erfassen konnte. Immer blieb aber das Gefühl, beobachtet zu werden und auch die düstere Ahnung, nicht willkommen zu sein und die Ruhe dieses Ortes zu stören. Nur unheimlich langsam kamen wir voran und immer wieder geschah es, dass einer von uns unvermuteter weise gegen einen Gegenstand stieß, der unter dem grauen Schlick begraben lag, der den ganzen Ort unter sich begraben hatte. Darunter war auch so manches Schmuckstück. Was, so fragten wir uns, hatte die einstigen Herren dieser Stadt dazu bewegt, ihre Heimat derart rasch und überstürzt zu verlassen, dass sie nicht einmal noch Zeit hatten, ihre Wertgegenstände mitzunehmen? Tagsüber waren die Ruinen wie tot, doch wie wir von unserem Ipexco-Führer wussten, hieß es in alten Legenden, in der Nacht würden sich die Schatten der Vergangenheit wieder aus den Trümmern erheben. Wispernde, heulende Spukgestalten, hinterlistige Irrlichter und untote Nagah würden dann zum Leben erwachen und all diejenigen, die es wagten die Ruhe der Stadt zu stören ins Verderben reißen. So sind wir dann rechtzeitig vor Sonnenuntergang raus aus der Stadt. Und dennoch, so hörte ich, sollen es immer wieder einzelne wagemutige Abenteurer wagen, auch bis tief in die Nacht hinein noch durch die Ruinen des verfluchten Akoraks zu streifen, besagen die Legenden doch, dass tief in den unterirdischen Katakomben der Stadt, der letzte Herr dieser einst mächtigen Metropole seinen gewaltigen Tempelschatz verborgen hat, der demjenigen gehören soll, der ihn findet.“ Gehört im Bordell „Zur Grotte“ in Ribukan von einem Kämpen des Prinzen Hussain iben Sabu-Amin.

Schon vor mehreren Tausend Jahren kam das Ende für die prächtige Hauptstadt der Nagah und mit ihr wurde ein Großteil dieses Volkes und noch viel mehr von ihrem Wissen unter Tonnen von Asche begraben. Nachdem der Leib des Drachen, ein großer Stern, vom Himmel gefallen und weit im Norden eingeschlagen war, tat die Erde ihre Schlünde auf und Feuer und Asche des erloschen geglaubten Vulkans, an dessen Hängen die Stadt erbaut war, verschlangen die Häuser der Schlangenleibigen. Ob der letzte Hohepriester der H´Stsiva es tatsächlich geschafft hat, den Tempelschatz zu retten und in den Katakomben zu verschließen, bleibt ein Rätsel, dass wohl nur die tapfersten Helden Rakshazars lüften können.

Die Gründung Ryscca

„Der Drache kam und sprach: Es war Recht.“

Traditionelle Bekräftigung der Phyr-sac-cor-Priester

 

Der „jüngste“ Gott der Nagah ist der drachengestaltige Phyr-sac-cor, der sich den Schlangenleibigen vor etwa 8000 Jahren offenbarte und ihnen viele neue Gesetze und Konzepte (das Prinzip des Dras soll von ihm stammen) brachte. Phyr-sac-cor, der offiziell als Gott des Gesetzes und des Rechts verehrt wird, wird als Diener der H’Stsiva verstanden. Die Priester Phyr-sac-cors selber sind jedoch mit dieser Lesart nicht ganz einverstanden, sehen sie ihn doch auch als Gott der Herrschaft und der Magie an, was sie unweigerlich in Konflikt mit der Priesterschaft H’Stsivas bringt. Noch kommt es nur vereinzelt zu offenen Auseinandersetzungen, fürchten die Anhänger Phyr-sac-cors doch, dass ihr Gott im schlimmsten Fall ins „Kalte Nest“ verbannt wird, was bedeuten würde, dass die Anhänger des Kultes fortan als Staatsfeinde und finstere Kultisten verfolgt würden. Ein Ergebnis dieser Auseinandersetzungen war übrigens die Gründung von Ryscca vor 300 Jahren. Dort wird seitdem Phyr-sac-cor als erhabener Herrschaftsgott angebetet, auch wenn man sich Mittlerweilen der offiziellen Lesart der anderen Städte wieder stärker angenähert hat. Außerhalb von Ryscca besitzt der Kult kaum nennenswerten Einfluss.

Die geheime Zuflucht

Gut versteckt im Nagatwall liegt Mascupi, die Fluchtburg der Nagah und zugleich eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse ihres Volkes. Jede Nagah kennt die Geschichte von der letzten Zuflucht, die das Volk retten soll, wenn dereinst die Wasser steigen und die Weltüberfluten. Tief in den Berg geschlagen winden sich dutzende Tunnel durch den Fels. In tiefen Kavernen finden sich die Tempel von H’Stsiva, Ssahombri und H’Shinxio, in dutzenden zugemauerten Gängen lagern magische Artefakte und Waffen für den Notfall, in den kühlsten Löchern wird langsam verrottendes Fleisch verwahrt, eine Delikatesse für die Nagah. Was die Priesterinnen aus Angankor bisher geflissentlich ignorieren, ist die Tatsache, dass die Nagah der Bergstämme die mehr als 3000 Sommer alte Stadt längst übernommen haben und seit kurzem die Geheimlager plündern. Nicht einmal die Ssizitay weiß, welche mächtigen magischen Waffen dort unten lagern…

6 Abenteuerideen/Szenariovorschläge

Die Krone von Ribukan

Die Helden werden von Prinz Hussain iben Sabu-Amin angeworben, die Krone Ribukans zu finden, mit deren Hilfe er den Sultansthron besteigen will. Aus sicheren Quellen vermeint er zu wissen, dass die Krone in Assanra, genauer gesagt in der H’Shinxio-Pagode, versteckt liegen soll. Die Helden sollen durch den Dschungel reisen, in die schwer bewachte Stadt eindringen, die Krone stehlen und sicher zurückbringen. Abgesehen davon, dass der Prinz auf die Lügen eines eher durchschnittlichen Gauners hereingefallen und die Krone nicht in Assanra versteckt ist, sind die Nagah so gar nicht begeistert davon, dass irgendwelche Menschen in die heilige Stadt des H’Shinxio-Kultes, das Bollwerk gegen die Ipexco, eindringen wollen. Sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg warten Ipexco-Stammeskrieger, Nagah-Strategonen, Kämpen diverser Prinzen und die tödliche Tierwelt des Dschungels auf die Helden. Und dann wären da auch noch Agenten von Al-H’Rastor, die sich auf die Fährte der Helden setzen und am Liebsten die Krone samt schwimmender Festung nach Yal-Mordai entführen würden…

Die Helden könnten bei ihren Recherchen zur Krone auch auf Thin’Chha Sseleuhaan Sessila Grgrgrgrgch Ruuuch, die durch eine magische Krone die Waldechsen kontrollieren soll, stoßen. Zwar ist auch dies eine falsche Fährte, doch vor allem Ryscca interessiert sich für die Krone, leidet es doch seit einiger Zeit unter den Angriffen wilder Sirdakstämme. Doch wo befindet sich die Krone tatsächlich? Ganz unter uns: Sie befindet sich auf einem unaufgeräumten Schreibtisch in Mirham, wo sie einem gewissen Herrn Savertin als schnöder Briefbeschwerer dient…

Begriffe aus der Sprache der Nagah

H’Stsiva (Nagah), H´Shesshivan (Menschen): Hauptgottheit der Nagah, auch in den Sansk. Stadtstaaten  verehrt. Göttin der Ordnung und der Magie

Naszah’Wael: Das Gebirge Nagatwall

H’Ssrag:  Die „Schwarze Pagode“, höchstes Heiligtum H’Stsivas

Dras:  Konzept für den gesellschaftlichen Auf- und Abstieg innerhalb einer der Kasten

Ssizitay:  Oberhaupt des H’Stsiva-Kultes

Phyr-sac-cor: Gott der Herrschaft, des Gesetzes und der Magie, konkurriert mit dem H’Stsiva-Kult

Ssahombri: Gott der Heimlichkeit und Spionage

Su’Ruhya: Artefaktmagier der Nagah

Xssa’Triash: Kriegerkaste, gleichgestellt mit der Handwerkerkaste Ybb’lz

Ybb’lz: Kaste der (Edel-)Handwerker

Ssiadi: Kaste der Bauern und Viehzüchtern

Belyshaa: Kaste der Brauer. Sie stellen den begehrten Lchii-Schnaps her.

Yrachi:  Kaste der Rechtlosen. Alle Fremden und aus der Gesellschaft Ausgestoßenen finden sich hier. Mitglieder dieser Kaste besitzen keine Rechte und keinen Schutz vor Willkür

Doumfaarsreiter: Elitekrieger, die auf gigantischen Tausendfüßler reiten

Hy’Chaia: Zauberkundige, die sich auf die Verwandlung von Lebewesen spezialisiert haben.

R’Sar: Priesterinnenkaste der H’Stsiva-Priesterinnen, Führungskaste der Nagah-Archaen

Thin’Chha: Kaste der Priester anderer (anerkannter) Gottheiten und der Adeligen. Administrative Führung der Nagah-Archaen. Viele Adlige stehen dem Kult Phyr-sac-cors nahe und lehnen die Oberherrschaft der R’Sar ab.

H’Shinxio: Wespengestaltige Kriegsgottheit der Nagah

Sahsmar:  Sahsmar bedeutet Untergebener oder Untergebenheit. So wird ein Diener bzw. Helfer eines gesellschaftlich höher stehenden Nagah genannt

 

Zum Namensgebung der Nagah

In den Städten der Nagah Archaen wird – seit Urzeiten nahezu unverändert – Sycc gesprochen, eine dem aventurischen Rssahh verwandte Sprache, die von einer Unzahl von Zischlauten geprägt ist und ohne gespaltene Zunge nur schwer gesprochen werden kann. So kompliziert das Sycc ist, so komplex ist auch die Namensbildung, denn der Name gibt, zusätzlich zum eigentlichen Rufnamen, auch über die gesellschaftliche Stellung seines Besitzers Auskunft.

Der Name besteht aus der Kaste, der man angehört, der Stadt, in der man geboren wurde, den Nagah, denen man dient, dem eigenen Namen und den Namen von bis zu fünf Sahsmar.

Wenn sich also eine Nagah als R’Sa Angankor Zhach Achzz Sahsmar Ftangnchtzt Shzztzt Tchachaz vorstellt, stellt sie sich als Achzz, Priesterin der H’Stsiva aus Angankor vor, die im Dienste der Nagah Zhach, die ebenfalls H’Stsiva-Priesterin ist, steht und der wiederum die Archaen Ftangnchtzt Shzztzt und Tchachaz zu Diensten sind. Bei offiziellen Treffen kann das Vorstellen der Versammelten schon einmal mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Neben der Langform hat sich, vor allem unter Freunden, eine Kurzform eingebürgert. Hierbei wird auf die Nennung der Kaste, der Herkunft und des Namen dessen, dem man dient großzügig verzichtet.

 

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