Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher, die ich gelesen habe. Für die Links auf Amazon bekomme ich Geld.

Rezension: Die Pest zu London

Triggerwarnung: Seuchen, Tod, Vergleich mit der aktuellen Corona-Situation

Ich hab mir vor kurzem ein Hörbuch zugelegt, das mir einen Schauer über den Rücken gejagt hat. Daniel Defoes „Die Pest zu London“ (A journal of the plague year) (Achtung! Affinity Link). Das buch arbeitet Kindheitserinnerungen und das Tagebuch seines Onkels auf.

Der Rahmen der Reportage ist die große Pest von London 1665 und 1666. In den Monaten, in denen die Pest in London wütete, starben mindestes 100.000 Einwohner, 70.000 allein in London (etwa 20% der Bevölkerung). Erst eine zweite Katastrophe, der Brand von London vom 2 -5 September des Jahres 1666 hat die Pest beendet. Die hat die floh- und rattenverseuchten Löcher abgefackelt.

Interessant ist vieles, was Defoe uns da berichtet: Da sind zum Beispiel die Sterberegister der einzelnen Kirchensprengel, die er auswertet (und bei Säuglingen und Totgeburten eine Übersterblichkeit). Oder die Anordnungen des Lord Mayors der Stadt: 8 Seiten lang Anweisungen über die Wächter, die die versiegelten, infizierten Hauser bewachen und Besorgungen für die Eingeschlossenen machen sollenm Leichenbeschauer, Huren, Doktoren, Visitatoren… Erschreckend wie aktuell diese Hinweise sind. Die könnten auch vor zwei Monaten erlassen worden sein.

Erschreckend aktuell auch die Unvernunft und Angst der Londoner. Defoe berichtet über die Quacksalber, Wahrsager und Hexen, die vor allem zu Beginn der Pandemie (global betrachtet. Die Pest soll damals per Seidenballen aus Amsterdam gekommen sein. Dort war sie 1664 aufgetreten) gegen teuer Geld Pillen, Amulette und Wunderkuren anboten. Ein besonders dreister „Arzt“ warb in den gerade aufkommenden Zeitungen damit, dass er die Armen kostenlos beraten würde. Die Beratung bestand dann aus einer Untersuchung, ein paar Minuten den Sorgen zuhören und dann die eigene Medizin für 2 ½ Schilling anbot. Die Beratung war ja umsonst, Werbeversprechen gehalten. Mich erinnert das sehr an Homöopathen oder amerikanische Fernsehpastoren.

Ebenfalls ein Grund zur Ärgernis war die strenge Quarantäne, die über Häuser verhängt wurde, in denen die Pest ausgebrochen war. Die Bewohner versuchten, der Quarantäne zu entkommen, bestachen die Wachen, kletterten über die Dächer oder entkamen durch die Hintertüren. Einige infizierte steckten normale Bürger absichtlich an, andere trugen die Pest unabsichtlich ins Land, weil sie in andere Dörfer und Städte flüchteten. Letztere waren die, die man heute Patienten mit asymptomatischen Verläufen auch bei Corona kennt. Dem äußeren Anschein nach gesund, höchstens leicht fiebrig (nebenbei… die normale Körpertemperatur des Menschen liegt nicht mehr bei 37° C im Durchschnitt sondern eher so bei 36,5° C. Die 37° stammen noch aus einer Zeit, in der kleinere Infekte häufiger waren), doch hochansteckend.

Defoe berichtet ebenfalls von Wellen, die über London hereinbrachen. So war die Pest im Winter 1665/1666 scheinbar auf dem Rückzug, kam aber im Frühling (nachdem der Hof wieder nach London zurückgekehrt war) zurück. Das ist genau das Szenario, dass bis vor wenigen Tagen auch für Corona befürchtet wurde, seit etwa vier Tagen geht unser Chef-Virologe Dorsten jja nicht mehr von einer zweiten Welle im Herbst aus. Auch schon damals ein Thema: Wann brach denn die Pest aus? Defoe berichtet, dass die Krankheit wohl schon einige Zeit in London unerkannt wütete, ehe sie entdeckt wurde. Kommt uns von Corona her auch bekannt vor.

Kann ich das Buch empfehlen? Ja, aber vielleicht sollte man es mit mehreren Monaten Abstand zu Corona lesen, sonst kommt einen, wie mir, das kalte Grausen und die Bilder von Palermo (die LKWs, die die Corona-Toten abtransportieren) wieder ins Gedächtnis. Fürs Rollenspiel ist das Buch sehr interessant: Der Befehl des Lord Mayors kann direkt übernommen werden. Die Geschichten, die Defoe da erzählt, passen super in ein Seuchen-Setting.

Rezensionen im Krisenmodus: Von Neinhörnern, nem fetten Rausch und ein paar Nudeln im Wind

Wisst ihr, was wir schon lange nicht mehr hatten? Rezensionen von Büchern. Zeit, das zu ändern. Kurzer Hinweis: Alle Links hier sind Affinity Links!

Beginnen wir mit dem Teil, der Marc-Uwe Kling gewidmet ist. Meine Älteste und ich sind ja ganz große Fans vom Känguru, ich feiere QualityLand ab. Darum hab ich mir ein paar Hörbücher von ihm besorgt.

Das Neinhorn

Das erste Hörbuch ist gleich mal das erfrischend anarchistische unter den Hörbüchern. Im Zauberwald wird ein Einhorn geboren, das so gar nicht mit seinen Eltern und Verwandten zurechtkommt und dies durch ein lautes „NEIN“ auch kundtut. Deshalb wird es bald das Neinhorn genannt. Nach dem finalen Streit mit seiner Familie (bei dem die Reimform des Textes mal nebenbei geschrottet wird), zieht es hinaus in die Welt und trifft dort auf den schwerhörigen Wasbär und den NaHund. Gemeinsam stoßen sie auf einen Turm, in dem die rechthaberische KönigsDochter gefangen gehalten wird.

Ganz großes Kino für Kinder. Und richtig schön rotzig. Wobei mir hier (wie bei vielen anderen Sachen von Marc-Uwe Kling) eine Sache aufgefallen ist: Alle anarchistischen bzw. kommunistischen bzw. gesellschaftskritischen Charaktere hören sich wie das Känguru an.

 

Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat

Noch so ein richtig schönes medienkritisches Buch. Eines Tages hat die Oma, die in den Ferien zusammen mit Opa auf ihre drei Enkel aufpassen soll, das Internet kaputt gemacht. Aus Versehen. Und dann geht nichts mehr im Haushalt: Kein TV, der am Netz hängt, Kein WhatsAppund keine Handy-Spiele, die übers Netz gezockt werden, kein Spotyfi, kein GoogleMap (ein Pizzajunge strandet bei der Familie und Papa braucht länger, um heimzukommen, weil er die Strecke täglich mit NaviApp fährt und sich ohne verfährt), keine Software auf Arbeit. Gottseidank (oder eher leider) kommt am Abend der Techniker, schraubt das Internet auf und repariert es.

Das Buch kann man sich mal zu Herzen nehmen und überlegen, wie sehr man vom Netz abhängig ist.

 

Der Ostermann

Das ist ein kleines, feines Gedicht über den Sohn des Weihnachtsmannes, der überhaupt nicht damit einverstanden ist, in die Fußstapfen seines Vaters treten zu müssen. Ein Gedicht über Emanzipation und persönlicher Freiheit. Quasi die Geschichte zum Art. 12 GG. Bitte an alle Sozi-Lehrer: Nehmt dieses Gedicht im Unterricht durch.

 

Prinzessin Popelkopf

Die Prinzessin aus dem Haus Popelkopf ist fies zu einer Hexe und wird von dieser Verflucht, so auszusehen wie sie heißt. Erinnert stark an die Schöne und das Biest. Wer aber auf Einsicht, Liebe und Erlösung hofft, der wird hier enttäuscht sein. Um ihr Aussehen loszuwerden heiratet die Prinzessin einen Adligen aus dem Haus Grützkopf. Und die Hexe? Die ist fassungslos ob dieser Wahl, ständen doch mit Bauer Schlau und ähnlichen bürgerlichen Männer bereit, die ein Märchen-Happy End sorgen würden. Und die Grützköpfe regieren die Welt…

Verlassen wir Marc-Uwe Kling und gehen zu jemanden, der vor kurzem für seine Äußerungen ordentlich Kritik einstecken musste: Jürgen von der Lippe

Bei

Einer kurze Geschichte der Trunkenheit

Von Mark Forsyth war er nur der Leser. Hier passen seine Stimme und altherrenhafte Attitüde perfekt zum Inhalt. Der wiederum ist auch für Rollenspieler sehr interessant, dreht er sich doch um die Trunkenheit und die Orte, wo man besoffen werden konnte und das von der Steinzeit bis zur Prohibition. Er klärt auf, wie man sich eine mittelalterliche Schenke in einem englischen Dorf wirklich vorstellen musste (Bauernhaus mit einem Ale-Stab vor der Tür, das Ale wurde frisch gebraut und bis zur Verbreitung des Hopfens auch schnell getrunken, da es kaum mehr als 2-3 Tage haltbar war. War wahrscheinlich auch nicht so appetitlich wie heutiges Bier, weil da noch Bröckchen drin rumschwammen), welche Bedeutung Bier im Sachmet / Bastet -Kult spielte und mit welcher Orgie aus Saufen und Kotzen man der Göttin nahe sein wollte, unterscheidet zwischen trockenen und nassen Kulturen (in letzteren ist man zwar oft betrunken, genießt aber einen lachseren Umgang damit und bessere Qualität der Getränke, bei ersterer versucht man das Trinken streng zu reglementieren, mit dem Erfolg dass man sich trinkende Subkulturen schaft) usw. Am interessantesten fand ich, als Fan von Red Dead Redemption 2 und dem Paten ja die These, dass die Prohibition ein voller Erfolg war. Ursprünglich richtete sich die Bewegung, die eng mit der Frauenrechtsbewegung verzahnt war, gegen die Saloons und der dort gelebten toxischen Maskulinität. Am Ende der Prohibition waren alle Saloons geschlossen und wurden auch in ihrer Ursprünglichen Form nicht wieder eröffnet, nur… auf dem Weg dahin haben die Extremisten irgendwann das Ruder übernommen und die Sache ist dann etwas ausgeufert.

 

Nudeln im Wind

stammt aus der Feder Jürgens von der Lippe selbst und das Hörbuch hat er auch selbst eingesprochen. Die Gesichte ist irgendwie weder Fisch noch Fleisch, aber aus Fisch und Fleisch (Knoblauchwurst) kann man ja ne Paella machen. Im Grund sind in der Geschichte drei Ebenen drin: die 4. Wand (Jürgen von der Lippe streitet sich mit seiner Frau darüber, wie sich die Geschichte entwickeln soll), die biografische Ebene (in der Geschichte spielt auch ein alternder Fernsehmoderator eine Rolle, ein Blick hinter die Kulissen einer Fernsehproduktion wird geworfen und Kritik am Privatfernsehen geübt) und die Geschichte selbst (ein bisschen Krimi, ein ganz milder Thriller, ein Roter Hering…). Insgesamt leichte Kost, aber durchaus interessant komponiert. Vielleicht als Quellenbuch für ein Abenteuer im TV-Umfeld geeignet?

Karneval der Rollenspielblog: Seuchen und Krankheiten – eine kleine Medienschau

Ein interessantes und, zugegebenermaßen, erschreckend aktuelles Thema haben wir da im Karneval diesen Monat. Doch bevor ich in die Archive gehe und nachsehe, was es in Rakshazar dazu gibt, hier mal eine aktuelle nerdige Medienschau zu diesen Thema.

Hoaxilla hat diesen Monat auch die Seuche… auf dem Schirm, nachdem ja die Hoaxmistress letzten Monat Probleme mit einer Erkältung hatte. Bei denen geht es um Mary Mallon, besser bekannt unter ihren, von den Medien verliehenen, Namen Typhoid Mary. Die arme Dame war Dauerausscheiderin von Typhus und hat es geschafft, in nur 7 Jahren Tätigkeit als Köchin 53 Menschen zu infizieren und 3 von denen unter die Erde zu bringen. Sie selbst war jedoch nicht an der Krankheit erkrankt (übrigens ein Thema, das bei der aktuellen Corona-Epidemie ebenfalls ein Problem ist). Eine lebende Pestquelle und tragische Geschichte. Übrigens gar nicht so selten, etwa 10% der Typhuskranken werden Dauerausscheider des verursachenden Bakteriums aus der Samonellen-Familie.

Im Rollenspiel könnte ich mir so eine Mary als Teil einer Detektivgeschichte im Gaslight-Setting vorstellen. Oder als Gestalt, die mit Pestdämonen einen Pakt geschlossen hat (um z.B. ihre Tochter zu retten) und nun umherziehen und die Seuche verbreiten muss.

 

Auf Zeit.de gibt es eine interessante Analyse von Johannes Franzen. Der hat sich die Kulturgeschichte der Darstellung von Seuchen in Film und PC-Spielen vorgenommen. Dabei nimmt er sich Plague Inc. Outbreak und Contagation vor und arbeitet die Lust an der Angst heraus. Und er stellt auch die dunklen Seiten von Seuchen dar: Rassismus und Gewalt.

Nicht, dass ich hier jetzt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beschönigen oder gar vierteiligen möchte, aber wenn ich an Amerika, die Kolonialisierung (eigentlich ein riesiger Landraub) und die Pocken denke, die durch die Europäer eingeschleppt wurden, ist Rassismus und Fremdenfeindlichkeit tatsächlich eine Strategie, die eine Gemeinschaft schützen kann. Und auch bei Corona brandete z.B. auf Welt schon bald nach bekanntwerden der Seuche in China der ruf nach Grenzschließungen und Ausweisungen durch den Kommentarbereich. Außerdem gibt es ja noch die ganzen Brunnenvergifter-Verschwörungsmythen mit anti-semitischen Kern. Die feindselige Reaktion auf Seuchen ist uns also auch hier wieder bekannt. Das lässt sich ins Rollenspiel einbauen, wenn man will, aber wie wäre es, wenn die Fremden nicht (nur) Quelle der Krankheit sind sondern auch die Heilung haben und dazu gebracht werden müssen, dieses Wissen zu teilen?

 

Extra Credits History hat sich gleich mehrere Male mit Seuchen befasst. Einmal mit der Spanischen Grippe, einmal mit John Snow (nein, nicht den Herrn aus Winterfell, sondern den Mediziner aus London), einmal als Episode in der Geschichte rund um Justinian. Da war der Ausbruch der Pest der Anfang vom Ende seiner Herrschaft und macht und gleichzeitig eine Stunde des Feminismus, weil hier seine Frau das Reich regiert, solange der Kaiser mehr tot als lebend auf dem Bett liegt.

 

Um Seuchen geht’s auch bei Poe: Seine Mutter starb an Tuberkulose, ebenso seine Frau Virginia. Letzter Tod wurde ja in The Raven aufgearbeitet, DAS Werk um Seuchen ist aber das im Jahr des Todes seiner Frau entstandene The Mask oft he Red Death.

 

Ich weiß, über Verschwörungsmythen sollte man keine Witze machen und sie ins Rollenspiel einzubeziehen ist… problematisch… aber grade klagen Impfgegner gegen die Masernimpfpflicht, die seit 1. März in Deutschland gilt. Aber wenn man jetzt bedenkt, dass seit Erfindung der Impfung vieeeeeele Leben gerettet wurden, die Pocken und Anthrax ganz vom Antlitz der Erde getilgt, die Tollwut ausgerottet (zumindest in Deutschland. In meiner Kindheit kannte ich noch diese Schilder hier, die an jedem Waldweg angebracht waren) und die Lebenserwartung stieg, wenn man bedenkt, dass die meiste Impfkritik entweder fundamentalistisch christlichen oder islamistischen Kreisen, anti-semitischen Kreisen oder von Quacksalbern stammte, die ihre eigenen Produkte verticken wollen, bleibt die Frage, wem solche Impfgegnerschaft hilft? Wird da ein Seuchengott angebetet?

 

Vampire und Werwölfe dürfen bei dieser Medienübersicht nicht fehlen, genauso wie Zombies. Warum? Weil man sie ursprünglich Erklärungskonzepte für Krankheiten waren. Die Amazon-Serie Lore (Staffel 1 Folge 1, Affinity Link) zeigt das ganz schön. Und keine Party ohne den letzten Mann auf Erden! Je nach Gemütsverfassung als Komödie oder Drama oder Actionfilm (Affinity Links). Besonders die Idee hinter I am Legend finde ich ja fürs Rollenspiel spannend.

 

So, das war ein erster Rundumblick durch die Medien. Mehr zum Thema Seuchen ist auf dem Weg.

Verschluckt, verdaut und ausgeschieden – Abenteuer im inneren eines Körpers in Film, Literatur und Rollenspiel

Mal wieder Facebook. Da wurde diese Idee hier geteilt. Der Arsch-der-Welt-Park (im Original Mystery Flesh Pit National Park) stammte aus der Feder von Trevor Roberts. Im Thread entspannte sich dann eine interessante Diskussion um Abenteuer in und um riesige Organismen. Dabei viel mir auf, dass das ganze Themenfeld wohl ein riesiger Komplex ist und dass darüber noch niemand so richtig nachgedacht hat.

Wir reden hier von einem Typus von Geschichten, bei denen die Held*innen in das Innere eines Körpers gelangen, dort für eine gewisse Zeit bleiben und etwas machen um dann ausgeschieden zu werden. Meiner Recherche nach gibt es von dieser Geschichte drei Varianten. Variante 1 ist die ältere Variante und dreht sich vor allem ums verschluckt und gefressen werden, in Variante 2 dringen die Held*innen absichtlich in den Körper ein. In Variante 3 sind die Held*innen Teil des riesigen Organismus, sie leben entweder auf der Oberfläche oder im Inneren.

 

Gefressen und verschluckt

Biblischer Urtyp der Variante 1 ist die Geschichte des Propheten Jonah.

Das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn Amittais: 2 Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe über sie aus, dass ihre Schlechtigkeit zu mir heraufgedrungen ist. 3 Jona machte sich auf den Weg; doch er wollte nach Tarschisch fliehen, weit weg vom HERRN. Er ging also nach Jafo hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. […] Der HERR aber schickte einen großen Fisch, dass er Jona verschlinge. Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches. Da betete Jona zum HERRN, seinem Gott, aus dem Inneren des Fisches heraus […] Da befahl der HERR dem Fisch und dieser spie den Jona an Land.

Quelle: Bibelserver

Die hier erzählte Geschichte, die wohl irgendwann im 8.Jhdt. vor der Geburt des Sohnes vom Chef spielt, hat nie so stattgefunden und ist als Lehrstück und theologisches Gedankenspiel. Was passiert, wenn man Gottes Ruf nicht hört? Kann Gott ein angedrohtes Strafgericht ausfallen lassen und ist er dann noch allmächtig?

Auch die Geschichte des Zeus ließt sich ähnlich: Papa Cronos verschlingt seine Kinderlein, Mutter Reha versteckt klein Zeus bei Oma Gaia auf Kreta und gibt dem Gemahl in ein Laken gewickelte Steine zu fressen. Zeus kommt als junger Gott und tötet Cronos. Er schneidet den alten auf und siehe da, da spazieren die Götter Hades, Poseidon, Demeter, Hestia und Hera lebend raus. Fun Fact: die Geschichte wurde so von Herodot um das Jahr 700 v. CH niedergeschrieben, also 100 Jahre nach der Zeit, in der die Jona-Geschichte spielt und 200 -500 Jahre, bevor sie niedergeschrieben wurde.

Weltlicher ging es da schon bei meinem antiken Lieblingssatiriker Lukian von Samosata. In seine „Wahren Geschichten“ gibt es eine Episode, in der Lukian und seine Gefährten in einem Wal stranden, auf Fischmenschen und Schiffbrüchige treffen, einen Genozid anzetteln, den Wald im inneren des Wals abfackeln, um den Meeressäuger zu vergiften und kurz vor knapp auf den Gedanken kommen, dass man ja aus dem Wal noch raus müsste bevor er untergeht.

Beide Geschichten dürften Vorlage für Pinocchio von Carlo Collodi gewesen sein, auch hier strandet der Held der Geschichte, die lebendige Holzpuppe Pinocchio, auf der Suche nach seinem Vater im Inneren eines Wales.

Auch die Gebrüder Grimm haben ähnliche Märchen im Angebot, wobei hier der Wolf die Stelle des Wals einnimmt: Rotkäppchen (Ursprünglich von C. Perrault) und der Wolf und die sieben Geißlein.

Den literarischen Quellen gemein ist, dass alle Verschluckten bei lebendigen Leibe geschluckt wurden und auch lebend aus dem Monster befreit werden konnten. Und dann wäre da noch Japan. Ums kurz zu machen: Don’t nuke a country twice. Ums etwas auszuwalzen: Es gibt da ja die Vorarephilie. Bei dem als vore (Achtung, Link ist NSFW!) bekannten Fetisch geht es um das lustvolle verschlungen werden und (beim hard vore) verdaut werden. Ich könnte jetzt von Freud, dem Ich und Tanatos faseln, von Evolutionsbiologie, von Adler und vielem mehr faseln, aber die Erklärung dieser Philie überlass ich dann doch den Psychologen oder den Damen von Nerd ist ihr Hobby, einem sehr interessanten BDSM- und Rollenspielpodcast, den ich hier grüßen möchte.

Apropos Japan: Attack on Titan ist ein bekannter Anime, der das Trope aufgreift.

Im Rollenspiel taucht die Variante 1 immer dann auf, wenn die Held*innen gegen Riesen oder übergroßen Bestien geht, also vor allem im klassischen Fantasy-Setting. Interessant wären in einem solchen Fall auch Regeln zur Verdauung (Magen-Säureregeln).

Bei Variante 2 kann ich euch sogar das genaue Entstehungsjahr angeben: 1966. In diesem Jahr kam Fantastic Voyage in die Kinos. Der Plot war damals etwas Neues: ein aus dem Ostblock übergelaufener Forscher wird bei einem Anschlag auf ihn schwer verletzt. Um ihn zu retten, lassen sich Freiwillige in einem U-Bot schrumpfen und in die Blutbahn injizieren. Natürlich ist ein Saboteur an Bord, der die Rettung des Wissenschaftlers verhindern will. Natürlich sind auch Plot Holes drin. Dennoch begründete dieser Film ein ganzes Genre von Filmen oder Folgen in Serien. Egal ob Simpsons (Treehouse of Horror XV), Futurama (Parasites Lost (Achtung, Affinity Link)), Der Magische Bus (Insgesamt drei Folgen), Family Guy (Emission Impossible) und Rick und Morty oder der Kleine Medicus (Achtung, Affinity Link), Innerspace oder Jakten på nyresteinen… immer ist es die Gleiche Prämisse. Freiwillige lassen sich in einem Miniboot schrumpfen und gelangen in das Innere eines großen Körpers, immer werden sie von der Immunabwehr angegriffen. Das ganze Sub-Genre existiert also nur, weil es seit Herodots Zeiten erhebliche medizinische Fortschritte gab. Das sieht man vor allem daran, das in jeder der oben genannten Folgen oder Filmen die Held*innen von der Immunabwehr angegriffen wird.

Im Rollenspiel kann diese Variante auf vielfältige Weise aufgegriffen werden. Natürlich für Cyberpunk und Science-Fiction, bei denen die Held*innen virtuell oder real im Körper eines anderen unterwegs sind, um z.B. eine Kortex-Bombe bei einem Extraktionsobjekt zu entfernen (Grüße auch an yennico, der das hier ins Spiel gebracht hat). Die oben genannte Arsch-am-Ende-der Welt Höhle geht auch in die Richtung und auch im Fantasy-Settig geht dieses Genre. Meine „Axt des Kuros“ ist auch ein Abenteuer dieser Art. Hier sind die Yetis die weißen und die Nedermannen die roten Blutköroerchen.

Variante 3 ist das Gegenteil von Variante 2. Sind die Held*innen in Variante 2 Eindringlinge, so sind sie in Variante 3 Teil des Organismus. Sie leben in oder auf ihm, ernähren sich von ihm und schützen ihn. Als Medienreferenz fallen mir Xeno Blade Cronicals, Cells At Work!, Es war einmal das Leben (Achtung, Affinity Link), Mythor (vorgeschlagen von Tobias Reimann, meinem Mitrakshazaren, da die Heftroman-Serie in einer Stadt auf dem Rücken eines Giganten beginnt) und so einem obskuren Manga, dem mein Bruderherz erwähnt hat, in dem die Held*innen (weibliches weißes und männliches rotes Blutkörperchen)in einem Körper eines sterbenden Alkoholikers lieben (inklusive dystrophischer Stadtbezirke, die versagende Organe darstellen sollen) und der Kleine Prinz (Staffel 1, Folge 51) erzählt ebenfalls diese Geschichte.

Im Rollenspiel könnte ich mir da Szenarien vorstellen, in dem die Held*innen Teil des Immunsystems eines Giganten sind, drei fremde Stämme kommen und die Held*innen müssen entscheiden, ob  und welcher Stamm den Riesen bevölkern darf (und welche Konsequenz dies für den Giganten hat). (Achtung Triggerwarnung: Abwertende Sprache, Genozid) Vielleicht mutieren die Fremden auch und werden zu einer fiesen Krankheit, die den Giganten schwächt und müssen vertrieben werden. Ja mir ist bewusst, dass ich hier grade sprachlich Fremde und Krankheit gleichgesetzt habe. Wenn aber als Teil eines Immunsystems gespielt wird, sind tatsächlich fremde Zellen (Bakterien, hier Völker) oder RNA-Schnipsel (Viren, hier Kulte) Gefahr. Toll wäre es, wenn die Fremden Teil des Körpers werden können (neue Darmbakterien, die den Giganten gut tun und in gesünder macht. Nicht umsonst schütten sich einige Menschen probiotische Jogurts rein. Oder Bakterien, die an der Hautoberfläche leben, stinken und der Geruch unglaublich anziehend auf andere Giganten wirken, was dem eigenen Giganten richtig gut gefällt).

Drei Varianten einer Grundgeschichte, die sich alle für Rollenspiel eignen, auch genutzt werden. Die ihren Abdruck in der (Pop-)Kultur hinterlassen haben. Drei Varianten, die es wert sind, darüber zu sinieren.

Resension: Die Glocke von Whitechapel

Vorgestern hab ich mir für eine etwas längere Autofahrt den neuesten Teil Ben Aaronovitchs  Peter-Grant-Reihe (Achtung, Affinity link) besorgt und in einem Rutsch durchgehört. Ich gebs zu, damit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, ist die Peter-Grand-Reihe auch Teil der #DiversityChallange2020, weil der Hauptcharakter Peter Grand und viele andere Nebenchars PoC sind.

Nun zum Plot: Im letzten Teil, Der Galgen von Tyburn, wurde der Gesichtslose Magier samt seinen Gehilfen, den Little Crocodiles, enttarnt. Nun gilt es, ihn zu finden und festzunehmen. Der wiederrum scheint es auf ein ganz großes abgesehen zu haben, für dass er eine magische Glocke, das Schwert Excalibur und den aus Die Flüsse von London bekannten Geist des Aufruhrs und Chaos, Mr. Punch, braucht.

Das Buch ist gut, zwar nicht der beste Teil der Reihe, aber gut. Gefallen hat (Achtung, Spoiler!) mir vor allem die Geschichte hinter Mr. Punch, die viel älter ist, als es im ersten Teil der Reihe erahnt wurde. Die Geschichte ist auch viel tragischer. Die Idee, dass zwei der Little Crocodiles die Hintergrundgeschichte in einem Drehbuch verraten (und deshalb sterben mussten), fand ich ja Top. Suchen in Bibliotheken, vergleichen von verschiedenen Quellen und rausfinden, was die eigentliche Geschichte hinter den Geschichten ist, gehört für mich zum Rollenspiel dazu. Hier kommt eine neue Quelle dazu und mein Gehirn rotiert schon um Ideen, wie ich so was in ein Abenteuer einbauen könne. Cool fand ich auch die Idee um Mr. Punch selbst natürlich auch. Blut, Römer, Bacchus und Boudicca… toll! Und aus der Sicht des Mr. Punch nachvollziehbar. In Ordnung geht die Elfenwelt und die Elfe Fingerhut (die zugleich das Geheimnis um Molly lüften kann).

Nicht so prickelnd fand ich den Endkampf, richtig unbefriedigend war das Ende des Gesichtslosen. In diesem Fall ist Happiness not a warm Gun. Neue Zaubersprüche, die Peter lernen muss oder die Welt weiter definierten, gibt es nicht. Aber dafür hat das Folly neue Mitarbeiter bekommen. Scheint, als holen die Briten endlich auf.

Fürs Rollenspiel jedenfalls lässt sich aus dem buch deutlich weniger herausarbeiten als aus den Vorgängergeschichten, was aber dem Lesespaß keinen Abbruch tut.

Rezension: Die Unvollkommenen

Wie tötet man einen Gott? Das ist die zentrale Frage des zweiten Teils von Theresa Hannings Die Optimierer. Die Heldin, Lila, erwacht, nachdem sie 5 Jahre in einem künstlichen Koma zubringen musste. As verurteilte Hochverräterin hat sie das Recht auf Bewährung, die sie in einem Internat (einem als Schlaraffenlang getarntem Gefängnis) an der Ostsee zubringen muss. Gemeinsam mit dem Entwickler der Basileus-Reihe flieht sie aus dem Internat, weird verhaftet und… landet in einer Spezialsiedlung in der Nähe von München. Dort erhält sie von Samson Freitag, dem zum Gott gewordenen Greist in der Maschine, dem Herrscher der BRE von Ewigkeit zu Ewigeit, den Auftrag, seine Mutter zu überreden, mit ihm, den universalem Geist, der dank Vollintegrität (Sehnerv-Chip, Gehörchip, Speicherplatzerweiterung und Emotionschip im Hirn) alle Menschen und Roboter steuert, der eine eigene Kirche aufgebaut hat, der allen Gläubigen ein Gelobtes Land verspricht, endlich wieder ein paar Worte zu wechseln. Viel zeit hat Lila nicht: nach einer Woche versagt die künstliche Lunge von Frau Freitag und wenn sie sie bis dahin nicht zum Reden gebracht hat, geht es ab ins Koma, diesmal für immer. Gleichzeitig planen gleich zwei Gruppen den Umsturz: Die Unvollkommenen(Achtung: Affinity Link) (Menschen, die nicht integriert sind und Samson Freitag ablehnen) und die Liga für Roboterrechte um Ercan Bösal (die die Roboter aus dem Joch Samsons befreien will). Egal ob (Anfangs auch) Lila, die Unvollkommenen oder die Liga, egal wie verschieden die Motive sind, sie alle sind sich einig: Gott Samson muss sterben. Aber wie tötet man ein allmächtiges Wesen?

 

Der Roman, den ich wieder mal als Hörbuch gehört habe, ist großartig geworden. Auf Amazon las ich eine Rezension, die meinte, die Unvollkommenen seien schwächer als die Optimierer. Das sehe ich anders. Hier werden nur andere Themen verhandelt. Ging es bei den Optimierern um eine Zukunft in einem Nanny-Staat und eine Warnung vor allzu viel Entscheidungskraft für Algorithmen, geht es hier um Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, verdeckten Rassismus (Roboter gegen Menschen, Unvollkommene gegen Integrierte), Religion, Freiheit und eine Untergehende Welt (durch Klimawandel, Verteilungskämpfe und neuen Krankheiten). Hier werden die großen Fragen verhandelt. Darum ist das Buch gut. Aus rollenspielerischen Sicht ist das Buch auch super, vor allem wegen der Frage, wie man eine gottgewordene KI killen kann und ob man damit selbst zum Gott aufsteigt. Empfehlenswert.

 

Achja: Ich finde, das Buch sollte man auf die Liste für die #DiversityChallenge2020 aufnehmen.

Darin geht es um die Themen Religionen/Spiritualität, Atheismus, Gesellschaftskritik (Rassismus, gegen Unvollkommene und Roboter), und Gender (PoV-Char ist eine Frau in ihren späten 30gern)

Rezension: QualityLand

Achtung, Affinity Links!

Viele, die den Namen Marc-Uwe Kling hören, hängen einem Missverständnis an. Sie glauben, er sei ein Comedian, ein Kabarettist, ein Satiriker oder gar… ein Kleinkünstler. Tatsächlich ist Marc-Uwe Kling aber ein Prophet, ein wegweisender Denker, ein Philosoph.

Sein Känguru-Vierteiler ist keine lustige Geschichte von einem Kleinkünstler, der in einer WG mit einem kommunistischen Känguru lebt, sondern eine Handlungsanweisung zum zivilen Ungehorsam und eine Warnung vor dem Diktat des kapitalistischen Uniformismus.

Das Buch, das ich heute besprechen möchte, ist daher auch kein Science Fiktion Roman sondern eine Dystopie, die es mit meinem bisherigen Favoriten (Die Optimierer) aufnehmen kann (obwohl er handwerklich nicht ganz damit mithalten kann). Das Buch spielt in einem Deutschland der Zukunft, dass sich irgendwann entschlossen hat, mit der Vergangenheit endgültig abzuschließen, sich in QualityLand umzubenennen, die alten Familiennamen abzulegen (Kinder bekommen als Nachname den Beruf ihres geschlechtlich passenden Elternteils zum Zeitpunkt der Geburt, was zu auf dem ersten Blick witzigen Nachnamen wie Arbeitsloser, Sexarbeiterin und Vorstandvorsitzender führt) und dem Diktat der Algorithmen der E-Commerce zu ergeben.

Das Buch folgt dem Leben von Peter Arbeitsloser, einem Nutzlosen (Level 9) ( ein Verschrotter, der die ihm zum verschrotten angetrauten Roboter mit kleinen Macken nichtverschrottet, sondern eine Art WG gegründet hat), Martyn Vorstand (Sohn des Wirtschaftsmagnaten Bob Vorstandsvorsitzender, der im Laufe der Geschichte immer mehr die Kontrolle über sein ohnehin mieses Leben verliert) und John of Us, ein Androide, der für die Fortschrittspartei als Präsidentenkandidat ins Rennen geschickt wird.

In den Geschichten der Protagonisten, bei denen die dystopische, digitalisierte Wirtschaft den Hintergrund bildet, werden verschiedene Themen behandelt. Peter Arbeitsloser erlebt seine Existenz zunächst als passives, dem Konsum und dem System ohnmächtig gegenüberstehendes Opfer. Erst im Laufe eines, an Kohlhas erinnernden Feldzug gegen The Shop emanzipieret sich Peter (dank der Hilfe seiner Roboter (hier taucht das Känguru in seiner Inkanation von Pinki, dem pinken Qualitypad, auf) Kikis und des Alten (das Alter Ego Marc-Uwe Kings)) von seinem ihm durch die Algorithmen vorgegebenen Leben. Martyn Vorstand steckt in einer Shotgun-Ehe fest, ist mit seinem Beruf als Politiker unzufrieden und der Präsidentenkandidat seiner Partei, Jon of Us, ist so ziemlich gegen jede seiner Grundüberzeugungen. Hier erleben wir eine Figur im tragischen Scheitern, ganz großes Drama. John of Us ist als Androide eigentlich zum Scheitern verdammt (und wurde wahrscheinlich auch deshalb aufgestellt): Er ist eigentlich eine Superintelligenz, darf als Androide selbst nicht wählen, ist wirklich Multitaskingfähig, wird aber von den Maschinenstürmern auf dem Land (Abgehängten in Dörfern, deren Arbeit durch Roboter wegrationalisiert wurden), Großkapitalisten und den eigenen Parteimitgliedern nicht für voll genommen. Erst durch einen Trick gelingt es ihm, die Präsidentschaft zu gewinnen.

Ich hab die schwarze Hörbuchfassung gehört, aufgenommen vor Live-Publikum. Das hat wohl eine Vorlesung der Känguru-Chroniken erwartet, also was Witziges, bekam aber einen Stoff vorgesetzt, der seine Witzigkeit eher aus der grotesken Situation der Welt beziehen, in denen die Protagonisten leben. Das Lachen bleibt oft im Hals stecken. Im bairischen gibt es da den Begriff „hinterkünftig“. Übersetzt bedeutet das, das etwas oberflächlich betrachtet leicht, humorvoll und witzig rüberkommt, beim genauen nachdenken jedoch einen Abgrund an Tiefe besitzen, die einem am eigenen (Er)Leben zweifeln lassen und zum Überdenken eigener Handlungsmuster anregen. QualityLand ist ein hinterkünftiger Roman und damit absolut lesens- bzw. hörenswert.

Wenn die Känguru-Geschichten ein Aufruf zur subversiven, linken Aktion sind, ist QualityLand die Warnung davor, was passiert, wenn wir den Kampf gegen Amazon, Facebook und Google verlieren.