Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher, die ich gelesen habe. Für die Links auf Amazon bekomme ich Geld.

Fantastische Medienumschau – Kinderserien und ein Buch von Caspers in der Rezension

Ich bin ja, dank meiner Kinder, auch am Kinderserien gucken. Dabei sind mir ein paar Serien aufgefallen, über die ich sprechen will. Zum Teil, weil ich die Serien richtig gut finde, zum Teil weil sie mit Rollenspiel zu tun haben… zumindest im weitesten Sinne.

 

Von Indianern und Rittern

Yakari

Alles Gute zum Geburtstag, Yakari. Seit 10 Jahren läuft auf dem KIKA diese Serie. In Yakari geht es um einen kleinen Sioux. Der von seinem Totemtier, Großer Adler, die Fähigkeit verliehen bekam, mit Tieren reden zu können. Gemeinsam mit seinem Pferd, Kleiner Donner, und deinen Freunden Regenbogen und Kleiner Dachs erlebt Yakari viele Abenteuer in der Prärie und den Wäldern und Bergen Amerikas. Dabei stehen sie ihren tierischen Freunden bei und helfen auch dem Stamm bei so mancher Aufgabe.

Ich finde die frühen Staffeln der Serie ab 2005 ziemlich gut, vielleicht wegen des Zeichenstils. Natürlich ist mir auch klar, dass auch hier ein einseitiges Bild der First Nations gezeichnet wird und nur Präriebewohner porträtiert werden. Trotzdem: Die Abenteuer sind schön und kindgerecht, Konflikte werden (relativ) gewaltfrei gelöst (von Steinwürfen, um hungrige Wölfe zu vertreiben abgesehen), der Stamm wird als große Familie mit spezifischen Aufgaben je Stammesmitglied gezeigt und auch eher nutzlose Individuen wie Fettauge oder Müder Krieger finden ihre Aufgabe im Stamm. Nach heutigen Standards wäre der ein hoch integrativer Laden…

Was mich Rollenspieltechnisch aber umtreibt, wenn ich die Serie sehe, ist, welche Charakterklasse wohl Yakari hat.  Er ist der Sohn eines Stammeskriegers. Er redet mit Tieren und schützt die Umwelt. Er hat Kontakt mit Geistern und hat schon manche spirituelle Queste für den Stamm gelöst… Wenn ich der Stammesmedizinmann Der-der-alles-weiß wäre, würde ich Yakari dringend in die Lehre nehmen. Der wäre der ideale Kandidat für einen Waldläufer-Druiden…

Ritter Rost

Ja, auch hier liebe ich den Stil. Ich finde, das Schrottland eine verrückte, tolle, außergewöhnliche Welt ist und ideal für Abenteuer in ihr währe. Genau das Richtige für ein RPG. Kolbenfesserchen, Kampf gegen die Bürokratie (Ratzefummel), lebendige Gebrauchsgegenstände… wenn man daraus nicht ein Abenteuer machen kann, dann weiß ich auch nicht mehr.

Der kleine Ritter Trenk

Auch so eine Perle klassischer Animationskunst. Ein kleiner Bauernjunge flieht vor dem grausamen Ritter Wertolt, tauscht mit dem Ritterssohn Zink die Rollen und wird Knappe bei Ritter Hans, dem Intimfeind Wertolts. Ich find die Serie deshalb so toll, weil sie Abenteuer an wiederkehrenden Orten mit wiederkehrenden… NSCs bietet, mit Tekla ein Prinzeschen, dass die gängigen Klischees brechen will. Das Finale der Serie ist genial. Trenk kämpft gegen einen echten Drachen und… dringend selberschauen.

Robin Hood – Schlitzohr vom Sherwood Forest

Nach der ganzen Lobdudelei bisher mal echte Kritik. Ich find die Serie schlecht. Das liegt vor allem daran, dass es hier in der keinen richtigen Fortschritt, keine Geschichte hinter den einzelnen Folgen gibt. Gut, gibt’s bei Yakari auf den ersten Blick auch nicht, auf den zweiten gibt es sehr wohl Folgen, die aufeinander aufbauen. Tierfreunde, die immer wieder kehren und sich an gute Taten von Yakari erinnern oder von ihm gehört haben. Hier fehlt so etwas, was die Serie irgendwie… uninteressant macht. Es gibt aber auch hier eine gute Idee fürs Rollenspiel: Maid Marian, der Drache Drako, der in einen Hamster verwandelt wurde, und ein Grimoire. Die Idee ist, dass die junge Magierin Marian mit Hilfe des Zauberbuches versucht, dem Drachen seine wahre gestallt zurückzugeben, jedoch ständig scheitert und die Zauber nur Chaos und Verwirrung verbreiten. In der Serie wird es so dargestellt, als ob Marian daran schuld wäre, ich hege allerdings den Verdacht, dass das Zauberbuch nichts taugt. Vielleicht sind die Zauber darin falsch (oder unvollständig) beschrieben, die Handschrift, in der es verfasst wurde, eine Sauklaue, Tee und Saucenflecke auf der Seite usw. Warum gehen wir in unseren Fantasy-Rollenspielsettings immer davon aus, dass Zauberbücher wissenschaftliche Abhandlungen über Magie sind und alles, was zwischen den Buchdeckeln steht, wahr ist? Gefährliche Zauberbücher sind in der Fantasy meist Bücher, die entweder wahnsinniges Wissen (Necronomicon) enthalten oder irgendwie belebt sind und nach den Lesern schnappen. Warum gibt es so wenige Zauberbücher, die gefährlich sind, weil der Autor total inkompetent war und die Zauber Fehler enthalten?

 

 

Wieder die Islamisierung des Kinderprogramms

Nein, es soll nicht „wider“ heißen. Nein, das wird jetzt keine polemische Hetzrede gegen Muslime im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nein, ich möchte hier zwei Kinderserien vorstellen, die im arabischen bzw. persischen Kulturraum spielen, zwischen denen 41 Jahre liegen. Zum einen SherazadeGeschichten aus 1001 Nacht, um anderen Arabische Nächte: Sindbads Abenteuer.

Sherazade ist eine tolle Serie, animiert, wie heutzutage alles, die auf gute alte Erzähltugenden zurückgreift und mit bekannten Elementen aus den Geschichten aus 1001 Nacht spielt. Die Geschichte: Der alte Sultan ist tot, es lebe Sultan Karim, der zweitgeborene Sohn des Sultans. Das kann der Erstgeborene, Shazaman, natürlich nicht hinnehmen, er platzt der Hexe Domnja Sad in den Thronsaal und verwandelt den Prinzen in ein Monster. Gemeinsam mit der Tochter des berühmten Magiers BBBB, Sherazade, sucht Sultan Karim nun nach dem Baum des Lebens, um wieder zum Mensch zu werden und seinen Bruder den Thon zu entreißen. Dabei helfen ihnen Aladin, Dr. Duman Sindbad der Seefahrer (gemeinsam mit Sindbad dem Träger. Ich feiere noch immer, dass auch dieser Charakter der Sindbad-Geschichte übernommen wurde) und Prinzessin XXXX aus der Kristallstadt. Auf der Seite der Gegner stehen Imps und die vierzig Räuber, der Vogel Rock genauso auf wie das fliegende hölzerne Pferd. Wir haben also einen Cast aus wiederkehrenden Charakteren, wiederkehrende Orte, die mehrmals aufgesucht werden müssen, um Progress in der Geschichte zu haben (etwas, was man mittlerweile aus verschiedenen Computerspielen kennt) und einen roten Faden, der sich bis ins Finale durchschlängelt. Mein Lieblingscharakter ist übrigens Osman, der Hauptmann der Palastwache der goldenen Stadt. Er ist Jugendfreund von Karim, gehorcht aber dem Usurpator Shazaman und wird erst gegen Ende der Serie wieder ein Guter, der im Monster seinen Freund und wahren Sultan erkennt. Mich erinnert dieser Charakter an die Gemälde von Ludwig Deutsch.

Eines fehlt aber in der Serie: der Islam. In der ganzen Serie taucht kein Moslem auf, kein Muezzin ruft, kein Freitagsgebet, nicht mal eine Moschee. Die Serie ist absolut religionsfrei. Das ist durchaus überraschend, weil ja die Geschichten aus einer Welt und Zeit stammen, in der Religion durchaus eine Rolle spielte. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich fragte, ob die orientalische Fantasy/Märchen-Kinderserie meiner Kindheit, Sindbad, auch so Religionsfrei war. Ich konnte mich duster an Das Abendgebet in einer Folge erinnern. Also hab ich mir die Serie auf amazon gekauft und… erste Folge, erste Minuten… Freitagsgebet in der Moschee, betende Gläubige, Muezzinrufe. Was hat sich denn in den vierzig Jahren zwischen den Serien verändert, dass aus Kinderserien, die im Orient spielen.

In Sindbad geht es um Sindbad, den Sohn eines reichen Kaufmanns, der, inspiriert von seinem Onkel Ali, einem Seemann, auszieht und in den weiten der arabischen Welt Abenteuer erlebt. Begleitet wird er von Shela, einer in einen Vogel verwandelte Prinzessin, begleitet. Die Abenteuer selbst sind an den Geschichten aus 1001 Nacht angelehnt. Da gibt es z.B. auch Aladin und Ali Baba, fliegende Teppiche, der Vogel Rock und meinem Lieblingsding, dem fliegenden Holzpferd.

Ok, die Animation ist nicht State oft the Art und die Synchronisation… reden wir nicht darüber. Trotzdem ist es eine der schönsten Serien meiner Kindheit. Auf amazon kann man sich die Serie ansehen.

Wo wir gerade bei Kinderserien im Orient sprechen… Die Abenteuer des jungen Marco Polo ist ebenfalls eine richtig gute Kinderserie. Marcos Vater, Nicolo Polo ist in China geblieben und Marco, ein Halbwaise, der von dem bösen Geschäftspartner seines Vaters aus dessen Haus geschmissen wird, macht sich mit seinem Freund Luigi und der chinesischen Prinzessin (Spoiler: Not) Shi La Won auf die Reise von Venedig bis an den Hof des Khans. Meine Lieblingsfolge ist die in Afghanistan, wo sie an einem Buzkaschi-Turnier teilnehmen. Auch die Floge, in der zwei Gauner versuchen, Seidenspinnerraupen nach Europa zu entführen (was im Real Life ja auch geschehen ist).

 

Wenn Glühwürmchen morsen

Ich mag Ralph Caspers eigentlich nicht. Der ist mir zu aufgedreht, zu verrückt. Seine Witze in Wissen macht Ah! sind mir zu… mäh. Aber eins muss man ihm lassen: Fantastische Geschichten schreiben kann er! Das Büchlein „Wenn Glühwürmchen morsen“ ist voll fantastischer, fantasievollen Geschichten. Dort werden von einem Kind Millionen Fliegen gezüchtet, die dann so abgerichtet werden, dass ein Teppich fliegen kann, dort morsen Glühwürmchen im Auftrag eines Alienmädchens den Namen an Greta, Herr Hänsel und Frau Gretel betreiben einen Süßigkeitenladen und im Erikaweg woht tatsächlich ein Pirat samt Papagei auf der Schulter. Die Geschichten sind nicht lang, vier bis sechs Seiten im Schnitt, also ideal für eine Gutenachtgeschichte. Meine Älteste zählt das Büchlein zu ihren Lieblingsbüchern und ich sehe das durchaus als Qualitätsmerkmal an. Dringend lesen.

 

Bis Bald, euer Dnalor

Karneval der Rollenspieleblogs: Stimmung – Rezension: Lunapark und ein Rückblick auf die Gerion-Rath-Krimis

So, der letzte Gerion-Rath-Krimi ist gehört (ich hab mal wieder zum Hörbuch gegriffen). Zeit, nicht nur den Roman von Volker Kutscher zu rezensieren, sondern auch einen Rückblick auf die Reihe zu werfen und zu überlegen, was diese Bücher für uns Rollenspieler so bringen.

Rezension Lunapark

Lunapark hat ja bei erscheinen vom Spiegel eher schlechte Kritiken bekommen. Vor allem Tempo und Sprache wurden bemängelt. Ja, man merkt dem Roman ein bischen an, dass der Autor seine Geschichte unbedingt zu einem Ende führen wollte, gleichzeitig aber nicht mehr so viel Lust auf seinen „Helden“ hatte. Nach sechs Bänden kein Wunder.

Der Plot ist die Geschichte vom Sturz des Helden, eigentlich typisches Noir-Material. Ach ja… Spoiler Ahead!

In Märzgefallene rettet Rath den neuen Chef der Berolina vor SA-Männern, die sich aus ehemaligen Nordpiraten rekrutieren. Dabei verliert  der neue Berolina-Chef Dank dem schwarzen Kuss von Kaczmarek ein Auge. Den Verlust des Auges lastet er auch Rath an, weil dieser sich knapp eine Woche Zeit ließ, um ihn aus dem SA-Folterkeller zu holen. Jetzt ist die Zeit der Abrechnung und Kaczmarek das erste Opfer eines Rachefeldzuges. Dumm nur, dass zuvor Kommunisten am Tatort eine politische Parole hingeschmiert hatten.  Darum schaltet sich auch die Gestapo ein. Gräf, Gerions alter Freund und seit dem letzten Band neuer Intimfeind übernimmt den Fall, Rath ist im unterstellt.

Am Ende des Romans gibt es nur Zerstörung und Trümmer. Rath und Gennat liegen über Kreuz, Gräf hat in der Nacht der langen Messer seinen Lover und dessen Liebhaber ermordet, Frize wird zum strammen Hitlerjungen und Verräter, Kirie wird der Hals umgedreht. Helden… die gibt es in Nazi-Deutschland nicht.

Ich finde, Lunapark war ein guter Abschluss der Reihe. Ein letzter Blick in die Tiefe, die noch wartet. Eine letzte Erinnerung an die Zeit der Freiheit, die hinter den Protagonisten liegt. Es wäre ein Fehler, die Reihe weiter fortzusetzen, denn welchen Wert haben Mordermittlungen in einer Welt, in der der Staat bestimmte Morde legitimiert?


Rückblick auf die Reihe: Einmal Babylon und zurück

Ich möchte die Rath-Krimis. Vor allem die ersten vier Bände waren hervorragend. War bei Der nasse Fisch und Der stumme Tod noch eine leichte, lockere Stimmung vorherrschend, ein Rausch in Berlin der Endzwanziger, so verfinsterte sich die Stimmung in Goldstein und Akte Vaterland deutlich. In Märzgefallene und jetzt Lunapark herrscht politisch schon der Nationalsozialismus, die Stimmung der Bücher ist entsprechend gedrückt, weil sich die Helden_innen nicht der neuen Situation anpassen können und wollen. Die jeweiligen Kriminalfälle sind in Ordnung, beim stummen Tod verrät die Tätersicht aber schon viel zu früh den Schurken. Schade ist, dass bei den Märzgefallenen und bei Lunapark irgendwann die Fälle ins Hintertreffen geraten und von Politik und Privatkram überlagert werden. Von den Figuren waren mir Charly und der Buddha am sympathischen. Gerion Rath ist für mich ein egozentrischer, versoffener Einzelgänger. Typischer Noir-Dedektiv halt. Gut finde ich, das sein Handeln Konsequenzen hat. Weil er Koks geschnupft hat und im Rausch jemanden erschießt, wird er von Dr. M erpresst und trägt Mitschuld am Tod des Hundes. Auch Bestechungsgeld nimmt er gerne an. Kurz, Rath war mir nicht nur sympathisch, aber im Noir muss das so sein.


Und fürs Rollenspiel?

Die Bücher eignen sich hier als Inspirationsquelle für Dedektivabenteuer in den 20ger und 30ger Jahren. Die Polizeiarbeit dieser Zeit wird gut beschrieben. Dass die Arbeit der Polizei in Berlin relativ modern wirkt hat seine Richtigkeit. Der reale Gennert hat deutsche Polizeiarbeit, vor allem im Bereich Mord, auf internationales Topniveau gehoben. Wer immer in Berlin der 20ger und 30ger spielen möchte, kommt um Gennert als NPC nicht herum (neben der Stimmung der  Bücher, die zum Karnevalsthema passen, ein weiterer Stimmungstipp: immer wenn die Meisterin Gennat darstellt, sollte sie ein Tablett mit Stachelbeerkuchen, Gennats Lieblingskuchen, auf den Tisch stellen und die Spielerinnen zu einem Stück Kuchen nötigen😀).

Die Stimmung, die die Bücher transportieren – von der Party der 20ger bis hin zum strengen Nationalismus der 30ger, der Hoffnungen, die in Hitlers neues Deutschland gesteckt wurden – sollte auf jeden Fall in einer Dedektivkampagne oder in ein chtulide Kampagne einfließen. Wenn eine Meisterin ganz mutig ist, kann sie ruhig die Parallelen zur aktuellen politischen Stimmung herausarbeiten. Aber Vorsicht! Das könnte zumindest verstörend auf die Spielerinnen wirken! Mir ging es so ähnlich, als ich Goldstein während eines Schulausflugs nach Flossenbürg las. Von SA-schläger im Buch zu lesen und dann zu sehen, was sieben Jahre später so los war in Deutschland, hat mir einen Schauer den Rücken hinuntergejagt. Da der Ausflug kurz vor Fasching war, klingelten mir bei Höckes Rede am Aschermittwoch ziemlich die Ohren!

Und nun?

Ich freu mich auf Babylon Berlin im Herbst in der ARD. Ob ich Moabit lesen werde, weiß ich noch nicht. Gennat als NSC auszuarbeiten, das würde mich ziemlich reizen. Mal schauen, wann ich dazu Zeit finde…

Rezension: Märzgefallene – Gerion Raths fünfter Fall

Was für eine Achterbahn! Vom Mord an einem Bettler, Identitätstausch, der Flucht einer irren  Mörderin, einer Hochzeit, dem Reichstagsbrand 1933 und der wachsenden Unterwanderung des Staates durch die Nazis bis zu einem vergrabenen, aber verschwundenen Goldschatz ist alles dabei.

Die Stimmung des Romans, den ich als Hörbuch genossen habe (mit der wundervollen, angenehmen Stimme von David Nathan), ist ungewohnt düster, düsterer als bei Goldstein, die mir seinerzeit zugesetzt hat. Die Politik spielt in diesem Roman eine große Rolle, bis hinein ins Privatleben von Rath. Wegen des Reichstagsbrandes wird Rath zu der Politischen Polizei versetzt und darf erstmal Kommunisten am Wählen hindern, der Mordfall, den er gerade bearbeitete, bleibt dabei auf der Strecke und kommt erst wieder in Gang, als Ragt mit dem Budda beim Nazi-Polizeipräsidenten auftauchen und was von einem Mörder-Izze schwafeln. Rath Intimfeind, Böhm, verliert Amt und Würden, weil er auf einer SPD-Wahlveranstaltung war.  Charlys  Mutter ruiniert die Hochzeitsfeier im kleinen Kreis, weil sie eine Hittlerrede im Radio anhören möchte und den Österreicher anhimmelt, Charly selbst kündigt bei der WKP, weil sie mit der Ausrichtung nicht mehr klar kommt. Rath Freundschaft mit Graf geht in die Brüche, als er entdeckt, dass sein Kumpel nicht nur schwul ist, sondern auch mit einem SA-Mann vögelt.

Der Kriminalfall selber taucht da nur am Rande auf. Es geht um im WW I vergrabenen Gold, einem tot geglaubten, jüdischen Hauptmann, dem seine Männer eine explosive Todesfalle stellten und (Achtung, Spoiler) um den Templer, den Fuchs und den Raben, quasi die deutsche Variante des Antanztricks.

Das Hörbuch ist mit 20 Stunden lang und hat einen kleinen Hänger nach dem 2/3 des Romans, wenn der Mörder tot in der Spree schwimmt, nimmt aber wieder  dann wieder Schwung auf, als Gerion bewusst wird, was denn da für ein Spiel gespielt wird. Beim Finale hab ich an Indiana Jones denken müssen.

Wo ist nun der Mehrwert für Rollenspieler? Wiedereinmal in der Beschriebenen Stimmung. Völker Kutscher gelingt es einmal mehr, ein Land bzw. eine Stadt zu beschreiben, die auf den Abgrund zuläuft. Das wunderbar glitzernde Babylon der 20ger ist gestorben, der braune Sumpf beginnt zu blubbern. Insgesamt eine tolle Vorlage für Noir-Rollenspiele und chtulide Abenteuer.

Rezension: Fabian Kahl – Der Schatzsucher

Ich bin ja durchaus Fan von „Bares für Rares“, obwohl ich beim anschauen manchmal leide wie ein Hund. Da Verkaufen Typen einfach so, ohne mit der Wimper zu zucken, Familienschätze, die schon seit Generationen in der Familie waren und noch Generationen in der Familie sein könnten, die die Geschichte der Vorväter erzählen, die von Freud und Leid künden, für ein paar schnöde Silberlinge. Das tut mir in der Seele weh! Wie kann man nur eine in (billigen 333) Gold gefasste Schrapnellkugel verticken, die vor über 100 Jahren dem Großvater im WWI die Backe durchschlug?

Einer der Paradiesvögel im Händlerteam ist sicher der Jungspund Fabian Kahl, der genau ein Jahrzehnt und ein paar Monate jünger als der Troll hier ist. Fabian Kahl hat jetzt ein Büchlein auf den Markt gebracht (Der Schatzsucher), das irgendwie beides sein will: Biografie und Einsteigerratgeber für den Antiquitätenmarkt. Der Ratgebertel wurde scheinbar für Leute geschrieben, die noch nie auf einem Flohmarkt auf der Jagd nach Schätzchen waren. Die Biografie des Sohnes eines Reichsbürgers ist jedoch durchaus lesenswert. Er erzähl, wie er zu seiner Passion kam, er erzählt vom Casting für die Show, er plaudert über seine Niederlagen (letzteres nicht mit Verbitterung sondern eher nach dem Motto: manchmal gewinnt man, manchmal gewinnt man nur Erfahrung, aber man gewinnt immer). Bei genügend freier Zeit und schlechtem Wetter ist man mit dem Büchlein nach einem Nachmittag durch.

Und der Mehrwert für Rollenspieler? Nunja, DSA hatte ja mal mit Spuren der Verheißung ein Abenteuer, bei dem die Helden ein paar antiken Möbelstücken hinterher jagten. Grundsätzlich finde ich die Abenteuersammlung durchaus interessant, bloß ich hätte die Möbeljagd nicht nach Aventurien gelegt. Besonders beim Szenario Krötengold denk ich mir immer, wie deplaziert hier der McGuffin wirkt.

Grundsätzlich finde ich aber Abenteuer, bei dem die Helden antiken Gegenständen hinterher jagen, sich in Bibliotheken einlesen müssen und sich mit der (Kunst)Geschichte sowie möglichen Fälschungen auseinander setzen, super. Das kommt auch relativ häufig im Fantasy vor, denken wir an das Necronomicon, diverse andere Kult-Bücher oder Kult-Objekte, denken wir aber auch an Indiana Jones oder Die neun Pforten. Das Büchlein ist also willkommener Anlass, mal wieder ein Schatzjägerszenario zu spielen.

Rezension: Motel der Mysterien

Wir Rollenspieler haben ein Problem. Viele unserer Geschichten spielen in Fantelalterwelten. All unsere Annahmen über das Mittelalter, ja sogar die Sprache auf unseren Mittelaltermärkten basieren auf Ausgrabungsergenissen und deren Interpretation. Und die ist nicht immer objektiv, vor allem, je länger die erforschte Periode zurückliegt. Wie würde wohl ein Archäologe ein Motelzimmer des Jahres 2018 interpretieren, wenn er s 4022 aus den Staub der Zeiten hebt? Diese Frage wird in „Motel der Mysterien“ auf eine amüsante Art beantwortet. Nachttischlampe werden zu Statuetten der Göttin Watt: 13, Klobrillen zu Koliers, BHs zu reich verzierten Brustplatten. Im Grunde ist dieser toll illustrierte Bildband die Antwort auf Typen wie Erich von Däniken, der seit gefühlten ölfzig Jahren mit seiner Prä-Astronautenthese durch die Lande tingelt.

Wer sich für Archäologie interessiert oder aufgrund seines Hobbys Rollenspiel öfters mal Museen besucht oder alte Quellen Ließt, sollte einen Blick in dieses Buch werfen und beginnen, seine Vorstellung von der Welt zu hinterfragen. Nebenbei kann man sich ja auch eine Folge vom Dings vom Dach widmen.

Rezension: Das Herz der Finsternis und Geschichten aus 1001 Nacht

Diese Woche bin ich mit zwei Büchern fertig geworden: Dem Hörbuch Das Herz der Finsternis und dem Geburtstagsgeschenk meines Bruders, den Geschichten aus 1001 Nacht.

Zum Herz der Finsternis braucht man, glaub ich, nicht mehr viel zu sagen. Es gehört zu den Klassikern der Literatur und war die Vorlag für Apocalypse Now. Ein Weltenbummler namens Marlow erzählt seinen Freunden auf einer Yacht auf der Themse von seiner Zeit als Kapitän eines Flussdampfers auf dem Kongo. Er erzählt von dem Irrsinn der Kolonialisierung, von Menschenverachtung, Neid und Gier, verdichtet in der zunächst sagenhaften Figur des Herrn Kurz. Erst spät trifft der Held den Herrn Kurz, ist angewidert und fasziniert gleichermaßen von ihm, ist bei ihm in seiner letzten Stunde hört seine letzten Worte und überbringt sie, bewußt verfälscht, seiner Frau.

Das Hörbuch ist gut eingesprochen und man merkt, dass der Erzähler das Buch in und auswendig kennt und lebt.

Was nützt es fürs Rollenspiel?

Fast jedes Rollenspiel hat sein Entdeckersetting. Helden_innen, die im Auftrag einer Organisation oder im Dienste einer höheren, guten Sache oder des Ruhmes und Mammon Willens in den Urwald eindringen, sich mit Eingeborenen auseinander setzen müssen und dann ein klein wenig von sich zurücklassen, dort im weißen Herz der Finsternis. Hier dient das Buch als Blaupause für alles, das passiert wenn die Entdecker_innen weg sind. Kurz: Wer uneingeschränkte Macht hat, wird diese missbrauchen. Das Herz der Finsternis passt also gut zum Myranor-Südband.

Die Geschichten aus 1001 Nacht sind ein ein wenig komplexerer Fall. Das Buch ist die Neuübersetzung der Galland-Handschriften aus dem 15. Jahrhundert. Wie das Original bricht die Übersetzung in der 282sten Nacht ab, die Rahmenhandlung bleibt offen. Galland jagte den Rest seines Lebens den fehlenden Bänden nach, dabei ist es ungewiss, ob es die so jemals gab. Er war übrigens über die Sindbad-Geschichten, die er als Übersetzung auf den Markt bringen wollte, auf die Erzählungen gestoßen.

Wer mit 1001 Nacht die Geschichten rund um Sindbad, Aladin, uns Ali Baba verbindet, der wird hier enttäuscht sein. genau diese ikonischen Geschichten sind nicht drin. Auch der Aufbau der Geschichten ist zunächst sehr gewöhnungsbedürftig: Einleitungstext, eine Seite Fortsetzung der Geschichte, Cliffhanger und dann von vorn. 282 Nächte lang. Die Geschichten werden immer wieder durch Gedichte, Koranzitate und Sprichwörter aufgelockert, wobei ich ja finde, dass die im Lesefluss stören, die Übersetzerin aber der festen Meinung ist, das gerade diese Einschübe die Perlen des Buches sind.

Die Geschichten sind auch keine Märchen, die man so Kindern vorlesen sollte. die strotzen vor Sex und Erotik. Da wird schon mal die Vulva zum Gasthaus von Abu Mansur… Abu Mansur => Vater der Freuden => Penis. Nuff said.

Meine Lieblingsgeschichte ist die vom Kalifen und dem Dr. Duban.

Wären die Geschichten was für meine Bloggerkollegin Corly, die sich ja schon oft mit Märchen auseinandergesetzt hat, ihrer Aussage nach aber keinen Zugang zu orientalischen oder auch nur orientalistischen Märchen hat? Nein. Die meisten Märchenleser dürften mit den Märchen von Rafik Schami viel besser beraten sen. Von dem kann ich auch einen Roman wärmstens empfehlen: Das Geheimnis des Kaligraphen. Tolles Buch.

Update 12.03.2018; Fehler beseitigt und Link eingefügt.

Rezension: Von schlaflosen Prinzessinen und amerikanischen Killern

Ich hab mal wieder zwei Bücher verschlungen. Doch irgendwie waren die nicht die leichte Kost, die ich erwartet hatte, sondern ich musste ganz schön mit ihnen kämpfen. Doch der Reihe nach…

Das erste Buch ist Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers bzw. von Hildegunst von Mythenmetz, seinem Alter Ego. Heike Lindhold hat auf den Teilzeithelden eine tolle Rezension darüber geschrieben, die mich auch dazu gebracht hat, das Buch zu kaufen, obwohl ich bereits eine Negativ-Kritik im Radio gehört hatte.

Von der Träumenden Bücher war ich ja begeistert. Die Arbeit mit und an der Sprache hat mich damals fasziniert. Nun, das findet sich hier zwar auch, aber das magische Momentum wollte bei mir nicht so recht zünden. Ich fand die ersten 55 Seiten, in denen die schlaflose Prinzessin Dylia die 777 ihres Turms rauf und runterläuft, etwas zu lang. Der Nachtmahr ist ein schön vielschichtiger Charakter, dessen Vernichtung (besser: Bannung) tut am Ende nicht nur der Prinzessin Leid, sondern auch mir als Leser. Die durch das Gehirn selber… ja, die hat ihre spannenden Momente, aber auch lange, sehr philosophische Diskurse über die Natur von Gedanken, Ideen, Wünschen und Träumen.

Das Artwork stammte von  Lydia Rode, deren Krankheit, CFS, Moers wohl sehr inspiriert hat. Es unterscheidet sich stark vom Artwork der anderen Zamonien-Romane, passt aber super zur handelnden Hauptperson, die selbst ein Listen und Lexika-Fan ist.

Was nehme ich mit von diesem Roman? Den Nachtmahr! Der muss in mein Mosterhandbuch.

 

Eine andere Art schwere Kost war der dritte Krimi um den Berliner Ermittler Gereon Rath, Goldstein. Die Kriminalfälle (in diesem Buch wird zeitgleich an einem KaDeWe-Einbruch, einem Mord an einem SA-Gruppenführer, an dem Verschwinden zweier Unterweltgrößen, an einem Mord durch einen Polizisten und an dem Mord an selbigen gearbeitet. Nebenbei weilt auch noch ein jüdisch-amerkianischer Mafiakiller in der Stadt) sind top und hängen alle zusammen. Am Ende kommen die Ermittler einer Verschwörung gegen den Rechtsstaat auf die Schliche.

Was mir hier schwer im Magen lag war der Ton in der Gesellschaft, der so im Hintergrund anklingt. Der Roman spielt 1931, also nur noch zwei Jahre bis zur Machtübernahme durch Hitler, und das merkt man gewaltig. Waren im ersten Teil noch die Kommunisten diejenigen, die gröhlend, randalierend und mordend durch Berlin zogen, sind es nun die Schläger der SA, die z.B. einen alten Juden auflauern, aus der U-Bahn treiben und zusammenschlagen. Nazis tauchen hier offener, provokativer und einschüchternder auf als in allen vorherigen Teilen. Das Schlimme sind aber die Passanten, die sich wegducken, wegsehen und nicht eingreifen. Dadurch werden die Nazis zu einer so lauten Minderheit, dass diese am Ende des Buches ein beliebtes jüdisches Lokal stürmen und kurz und kleinschlagen können. Kaum hatte ich das Buch zur Seite gelegt, musste ich von realen Pöbeleien der AfD erfahren. Unschön. Vor allem, wenn man während des Lesens des Buches einen Ausflug nach Flossenbürg macht.

Die KZ-Gedenkstätte will ich hier lobend erwähnen, die haben ein geniales pädagogisches Konzept, das ich nur schnell mal umreißen will. Man ist nämlich mittlerweile weg gegangen von der Präsentation des Leides der Insassen in möglichst drastischen Bildern, wie ich sie in meine Jugend in Dachau genießen durfte, weg auch vom brutalen Realismus einer Schindlers Liste, hin zu einem Aufbau eines liberalen, offenen, demokratischem Verständnis von Staat, Recht und Menschenrechten, die eigentlich für Flüchtlingsklassen konzipiert wurden, die ich aber ohne weiteres aber für jede Klasse empfehlen kann. Anhand von fünf Themenfeldern wird in der Diskussion mit den Teilnehmern erst ein gemeinsamer Staat gegründet. Bei den meisten Flüchtlingsklassen stößt vor allem das Thema Homosexualität auf und wird kontrovers diskutiert. Danach geht man ins Museum und anhand von Biografien der Opfer wird  erarbeitet, wie denn die Nazis mit Personen umgingen, die ihrem Weltbild nicht entsprachen.

Was nehme ich aus diesem Krimi mit? Neben einem schlechten Grundgefühl, das mir noch lange Kopfzerbrechen bereiten wird, dutzende Anregungen für Rollenspiel in den beginnenden 30gern, also in der Zeit kurz vor z.B. Achtung! Cthulhu. Oder für Gangstergeschichten aus CoC: Chicago, die angepasst und transferiert, in Berlin besser zünden als in Chicago. Achja, hier noch ein Hörtipp: Ladet euch die Folge „Hitlers Hellseher“ runter und hört sie euch in Ruhe an. Creepy, verstörend, esoterisch… Toll!