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Bücher, die ich gelesen habe. Für die Links auf Amazon bekomme ich Geld.

Rezension und Karneval der Rollenspielblogs: Von einem Satiriker, einem Lügner, einer Sciences-Fiktion-Novelle und einem cleveren Stück antiker Literatur.

Auf diesen Beitrag hat mich Rorschachhamster gebracht. Der hat mir hier erzählt, das noch weit vor Poe ein griechischer Syrer in Alexandria eine Geschichte über eine Mondfahrt geschrieben hätte. Mein Interesse war geweckt und ein paar Klicks später (Achtung, Affinity Link) hatte ich mir von Lukian von Samosata „Wahre Geschichten“ besort. Nachdem ich das jetzt als Hörbuch durch habe (den Text gibt es hier gemeinfrei), muss ich meinen Hut vor dem alten Syrer ziehen. Aber der Reihe nach…

 

Ein Satiriker und Lügner

Lukian von Samosata wurde um 120 n.Ch geboren, stammt aus einer griechischen Familie in Syrien, war in Rhetorik geschult und belesen und auch eine Zeit lang Lehrer in Gallien. Er kehrte dann nach Samosata als gemachter Mann zurück, begann eine Schriftstellerkariere, die er um 170 n Ch aufgab um einen lukrativen Job in der Verwaltung Ägyptens aufzunehmen.

Lukian aber war vor allem ein scharfer Satiriker und ein wahrheitsliebender Mensch. Er verachtete sogar die großen griechischen Geschichtenschreiber, wie etwa Ktesias von Knidos, dem wir mit seinem Werk India die hundeköpfigen Humanoiden und den Mantikor zu verdanken haben oder jenen frühchristlichen Autoren, denen wir zu Lebzeiten Lukians den Physiologus (das Buch mit den Einhörnern, dass die Igel in die Nähe Satans stellt).

Ich gestehe, daß ich allen diesen Leuten, so Viele mir deren vorgekommen sind, das Lügen an und für sich um so weniger zum Vorwurfe machen konnte, als ich sah, wie geläufig dasselbe sogar Männern ist, welche sich den Titel Philosophen beilegen: nur darüber mußte ich mich wundern, wie Jene sich einbilden konnten, die Leser würden nicht merken, daß an ihren Erzählungen kein wahres Wort sey. Zugleich war ich eitel genug, der Nachwelt auch ein Werkchen von meiner Feder hinterlassen zu wollen, um nicht allein auf das Recht und die Freiheit, Mythen zu schaffen, verzichten zu müssen. Denn Wahres zu erzählen hatte ich nichts (was ich in meinem Leben erfahren, ist der Rede nicht werth); und so mußte ich mich zur Lüge entschließen, doch so, daß ich dabei ein wenig aufrichtiger, als die Uebrigen, zu Werke gienge. Denn ich sage doch wenigstens die Eine Wahrheit: ich lüge. Durch dieses freie Geständniß hoffe ich allen Vorwürfen wegen des Inhalts meiner Geschichte zu entgehen. So erkläre ich denn feierlich: „Ich schreibe von Dingen, die ich weder selbst gesehen, noch erfahren, noch von Andern gehört habe, und die eben so wenig wirklich, als je möglich sind.“ Nun glaube sie, wer da Lust hat!

Quelle: Wahre Geschichten, Übersetzung von August Friedrich Pauly

Eine wahre Geschichte voller Lügen

Die Ware Geschichte ist eigentlich nicht besonders Lang. In gut2 Stunden hat man das Hörbuch durch. Was man da aber hört…

Im ersten Teil brechen Lukian und 50 Gefährten zu einer Abenteuerreise jenseits der Säulen des Herakles, sprich, hinaus in den Atlantik auf (damit nimmt er den klassischen Heldenepos des antiken Griechenlands auf). Nach einem 79 Tage dauernden Sturm landet man auf einer kleinen Insel, auf der einst Herakles und der Gott Dionysus wandelten. Dass der Gott des Weines (und ehemaliger Unterweltgott) auf der Insel war erkennen die Entdecker auch daran, dass da ein Fluss auf der Insel ist, der aus edlem Wein besteht (sie fangen da ein paar Fische, die im Fluss leben und werden vom Fischfleisch betrunken). Bei der Suche nach der Quelle treffen sie auf Weinstock-Frauen-Mischwesen, die auch Sex mit ein paar Männern haben und diese dabei in Weinstöcke verwandeln (Lukian macht dann in den Folgenden Geschichten einen Fehler: Er vergisst, dass seine Mannschaft nur mehr 48 Männer stark ist).

Ok, bei den Weinstock-Wesen musste ich an das Cover von Lustschlösser und Zauberwesen sowie das Bild vom Rosendschinn aus der kommenden Aranienspielhilfe denken. Das weckt auch bei einem Rollenspieler 1.820 Jahre nach Entstehung des Werkes Assoziationen.

Weiter geht’s mit dem Teil, den mir der Rorschachhamster anpries und von dem es in der deutschsprachigen Wikipedia heißt, dass ein gewisser Kingsley Amis folgendes darüber gesagt hätte:

„Ich möchte lediglich anmerken, dass der Schwung und die Raffinesse der Wahren Geschichten dazu führen, dass sie sich aus heutiger Sicht wie ein Witz auf Kosten fast aller zwischen etwa 1910 und 1940 geschriebenen Science Fiction lesen.“

Quelle: Wikipedia

 

Das Schiff der Entdecker wird von einer Windhose erfasst und direkt auf den Mond getragen. Dort treffen sie auf den Mondkönig, der gerade zur Schlacht gegen den Sonnenkönig um die Venus rüstet. Von allen Sternen und Planeten kommen die Verbündeten der jeweiligen Könige, teils auf außergewöhnlichen Reittieren, um sich mit Rettichen zu bekriegen.

Auf dem feindlichen linken Flügel befanden sich die Ameisenritter mit Phaëthon an der Spitze. Jene Ameisen sind überaus große, geflügelte Thiere, die, bis auf die Größe, ganz mit unsern Ameisen übereinkommen. Die größte derselben nahm zwei volle Morgen Landes ein. Im Kampfe sind nicht bloß ihre Reiter thätig, sondern auch sie selbst, indem sie den Feind mit ihren Hörnern angreifen. Ihre Anzahl ward auf fünfzigtausend angegeben. Auf dem rechten Flügel waren die Mückenritter aufgestellt, ebenfalls an fünfzigtausend Mann, lauter Bogenschützen, die auf ungeheuern Stechfliegen ritten. Hinter ihnen standen die Luftspringer, leichte, aber sehr streitbare Fußtruppen, die aus der Ferne Rettiche von entsetzlicher Größe auf den Feind schleuderten. Wer von einem solchen Rettiche getroffen ward, starb gleich darauf, indem die Wunde augenblicklich in eine abscheulich riechende Fäulniß übergieng. Wie man uns sagte, beschmieren sie ihre Rettiche mit Malvengift. An sie schloßen sich die Stengelpilze an, schwerbewaffnetes Fußvolk, zehentausend Mann an der Zahl, die ihren Namen daher haben, daß ihre Schilde aus Pilzen und ihre Spieße aus Spargelstengeln bestehen. Neben ihnen waren fünftausend Hundeichler aufgestellt, welche von den Bewohnern des Sirius [Hundssternes] dem Phaëthon zu Hülfe geschickt worden waren, Menschen mit Hundeköpfen, die auf geflügelten Eicheln stritten.

Quelle: Wahre Geschichten, Übersetzung von August Friedrich Pauly

Zuerst läufts ganz gut für den Mondkönig, dann treffen aber die Wolkenzentauren aus dem Sternkreis Schütze ein und überfallen die plündernden Mondkämpfer. Am Schluss wird ein Friede ausgehandelt.

Ist das nun Science Fiktion, wie es Wikipedia auf Berufung von Kingsley Amis nahelegt?

Nein. Es greift zwar viele Science Fiktion Tropes auf, etwa eine Intergalaktische Schlacht, Alienvölker und Raumreise, aber imho ist da zu viel reininterpretiert. Für mich ist das eine irdische Schlacht zweier Könige, die, um sie in ihrer Absurdität zu zeigen, an den Himmel projiziert wurde. Schlachtordnung, Schlachtverlauf, Plünderung, Siegeszeichen… alles sehr irdisch. Doch… ist nicht jede Science Fiktion Schlacht ein Abbild einer Irdischen Schlacht im Weltall? Haben nicht viele Aliens irdische Vorbilder? Wenn man so an die sache rangeht, dann ja, das ist die erste Science Fiktion der Menschheit. Nun mag man davon halten, was man will, gut geschrieben und unterhaltsam ist die Episode auf jeden Fall.

Weiter geht’s mit unseren Helden. Die werden nämlich auf den Wegh´ zurück in die Heimat von einem gewaltigen Wal geschluckt. Da hab ich dann erst einmal gestutzt. Die Geschichte mit dem Wal, der dann auch noch bewohnt ist, erinnert sehr an Pinocchio. Und an die Biblische Jonas-Geschichte, von der ich ausgehe, dass Lukian sie gekannt haben könnte. Interessant ist die Geschichte aus zwei Gesichtspunkten: Erstens, sie schildert einen Genozid (kaum treffen Lukian und seine Mannschaft auf zwei Menschen, beschließen sie, die übrigen Bewohner des Wals, Fischwesen, zu vernichten, was ihnen auch gelingt) und zweitens das Feuer-im Wal-Trope, das ich aus Pinocchio kenne. Hier geht es fast nach hinten hos. Sie brennen einen ganzen Wald im Wal nieder, um den dann zu töten, und kurz bevor der seine Seele aushaucht kommen sie auf die Idee, dass sie ja irgenwie raus müssen, bevor das Biest tot zum Grund sinkt…

Das nächste Kapitel ist eine Art Totenfahrt, wie sie oft in der griechischen Literatur vorkommt. Diesmal geht’s aber nicht in den Hades sondern gleich ins Elysium, auf die Paradiesinsel. Dort treffen sie auf die Heroen der griechischen Welt, auf Helden wie Odysseus, auf Dichter wie Homer und auf Philosophen. Und hier merke ich mein fehlendes Wissen über die griechischen Helden. Da galoppiert in Lukian der Satiriker, er haut eine spitze Bemerkung nach der anderen raus, aber ich versteh davon nur Bahnhof. Zu seiner Zeit war das warscheinlich ein Schenkelklopfer und die Leser wussten das einzuordnen.

Danach geht es weiter, zur Insel des Schlafes, zu Calypso, zu den Kürbispiraten (hier musste ich an die Kokusnusspiraten von Vaiana denken) über ein Meer aus Bäumen, über einen Spalt im Wasser, vorbei an Ochsenköpfigen, vorbei an männerfressenden Weibern, hin zum Land, das der Heimat gegenüber liegt und… Ende. Die Wahre Geschichte endet brutal abrupt.

Das wären nun, bis zu dieser meiner Ankunft auf jenem anderen Continent, alle meine Begegnisse zur See, und während meiner Fahrt durch die Inseln, und in der Luft, hierauf im Wallfische, und, nachdem wir wieder herausgekommen, bei den Heroen und unter den Träumen und zuletzt bei den Ochsenköpfen und Eselsfüßlerinnen. Was ich nun weiter auf dem festen Lande sah und erlebte, soll in den nächsten Büchern erzählt werden.

Quelle: Wahre Geschichten, Übersetzung von August Friedrich Pauly

 

Fazit

Lukians Buch ist, mit Abstrichen und Einschränkungen, die vor allem das Alter des Werkes und der damaligen Anschauung der Weltgeschichte geschuldet sind, ein interessantes, kurzweiliges Stück Literatur. Es macht Spaß, das zu lesen (bzw. zu hören) und sollte auch die eine der andere Idee für uns Rollenspieler beinhalten. Die Mondfahrt scheint tatsächlich so was wie ein Proto Science Fiktion zu sein und ist vielleicht die älteste schriftlich überlieferte Reise zum Mond, der den Mond als Planet der Land sieht und nicht als Göttin. An dieser Stelle… Danke für den Tipp, Rorschachhamster!

Rezensionen, Rezensionen, Rezensionen 

Summertime,
And the livin‘ is easy
Fish are jumpin‘
And the cotton is high 

Summertime von George Gershwin 

  

Bei dem Wetter wird’s mal wieder Zeit, ein paar Rezensionen vom Stapel zu lassen. Beginnen möchte ich mit einer Hörbuchreihe, die ich bei audible genossen habe. 

 

Die Peter-Grant-Reihe von Ben Aaronovitch 

Die beiden ersten Teile der Reihe (Die Flüsse von London und Schwarzer Mond über Soho) habem mir richtig gut gefallen. Die Story war interessant, der Text voll Popkultur-Referenzen und schön satirisch und frisch geschrieben, die Produktion hatte etwas hörspielhaftes, die Sprecher waren gut… kein Wunder, dass ich mir gleich die vier nächsten Teile (Ein Wispern unter Baker Street, Der böse Ort, Fingerhutsommer und der Galgen von Tyburn) geholt habe. Leider hab ich da etwas andere Produktionen erwischt, was einen riesen großen Qualitätsunterschied ausmacht. Hier waren die Romane stark gekürzt, was zur Folge hatte, dass ich beim Galgen den roten Faden verlor. 

In Ein Wispern unter Baker Street hat es der Polizist und Englands einziger (offizieller) Zauberlehrling mal nicht mit dem bösen, gesichtslosen Schwarzmagier zu tun, auf dessen Fährte er und sein Meister im Vorgänger gestoßen waren. Diesmal ist es eigentlich ganz solide Polizeiarbeit, die Peter Garnt da abliefert, sieht man davon ab, dass er es dabei mit Hobgoblins, Flussgöttern und einem Feenvolk in den Tunneln Londons zu tun hat. Lesley, Peters Freundin, Geliebte und Partnerin aus Teil 1 ist wieder dabei. Mittlerweile ist die entstellte Polizistin ebenfalls unter die Zauberer gegangen. 

Ich fand diesen Teil ziemlich gelungen. Nach der Action im Vorgänger und vor der Aktion im Nachfolger hier mal ein ruhiges Abenteuer zum Entspannen. Was mir aber keine Ruhe lasst ist die Tatsache, dass die (englische) Zauberei so total rückständig ist. Jaja, Ettersberg und so. Trotzdem. 73 Jahre Fortschritt verpennen die Zauberer einfach mal so, und als Peter mehr durch Zufall über ein Feenvolk in den Tunneln der U-Bahn stolpert (das Züge von Elfen- und Zwergensagen enthält… also jetzt nicht die biersaufenden Zwerge aus der Fantasy sondern eher auf die Zauberzwerge der keltischen und germanischen Mythologie) wird auch deutlich, dass die Zauberer der Vergangenheit mehr oder weniger blinde Idioten oder humanozentrische Rassisten waren. 

Wie sehr die englische Magie daniederliegt, kann man auch in Der Böse Ort erkennen. Der Plot dreht sich um Morde, die alle etwas mit einer Wohnanlage in London zu tun haben und um die Pläne des gesichtslosen Schwarzmagiers. Als Rollenspieler hab ich aus diesen Hörbuch viele Ideen mitgenommen. Da wäre zum einen die Idee, dass Metall und vor allem Plastik das Vestigio, den Nachhall von Magie, am besten speichert (das Hochhaus ist eine riesige Magiemine, an deren Spitze ein Plastikblock seit den 50gern Magie speichert). Zum anderen fand ich die Dämonenfallen in Band 2 schon cool, hier wird die Idee fortgesponnen und zu was ganz Feinem gemacht: Dämonenfallen sind Metallscheiben in denen das Abbild des Todes, die Schmerzen beim Sterben eines Wesens gespeichert werden. Betritt dann eine vorher festgelegte Feindin die Falle (etwa eine Magierin), lößt sich die Falle aus und pustet die Feindin mit dem Furor und den Schmerzen der gebundenen Seele ins Jenseits. Eine magische Tellermine. Soweit, so gut. Was mir wirklich imponiert hat, ist die Methode, mit der der Schwarzmagier seine Fallen herstellt. Als Rollenspieler hätte ich gesagt, ok, der opfert halt Menschen um die Falle herzustellen. Nö. Er züchtet Kampfhunde, lässt sie sich gegenseitig in einer Arena zerfleischen und lädt so die Fallen auf. Kostengünstig, simpel und unauffällig, da keine Menschen verschwinden. Das ist genial! Genial ist auch der Rest des Buches, das Finale ist unvorhersehbar und beinhaltet einen bitterbösen Twist. 

In Fingerhutsommer ermittelt Peter Grant mal nicht in London, sondern auf dem Land. Zwei Mädchen sind verschwunden, Elfen, verschwundene Märschenwälder und bratwürstelfressende Einhörner, Wechselbälger und Flussgeister spielen hier eine Rolle. Auch das, was in Ettersberg geschehen ist, spielt eine Rolle, trifft Peter Grand doch auf einen überlebenden Magier, der sich auf dem Land in den Ruhestand begeben hat (und dort seine Enkelin ausbildete. Eine Bienenmagiern. Nette Idee 😊). Es ging damals um eine schwarzmagische Forschungsstation samt Bibliothek. Die Britten wollten diese erobern (statt, wie Nightingale es vorschlug, mit Bomben in ein Häufchen Asche zu verwandeln) und liefen Werwölfen und Nazi-Soldaten in die Hände. Als Rollenspieler nehme ich auch hier zwei Ideen mit: Erstens die Idee um einen Magischen Wald, der ein Portal in die Elfenwelt ist, der von den Menschen gerodet wurde, der in der Vorstellung und den Ortsnamen im Menschenreich immer noch existiert und wiederaufgeforstet wird. Zweitens die Römerstraße, die mitten durch den Wald in der menschlichen Welt ging und eine so starke Willensbekundung zur Unterwerfung war, dass sie auch in der Feenwelt abgebildet wurde und noch 2000 Jahre später als menschengemachtes Tor genutzt werden kann. 

Beim Galgen hab ich, wie gesagt, den roten Faden verloren. Im Grunde geht es da auch um eine magische Bibliothek, die des Gesichtslosen, die zufällig von ein paar Kids geplündert  die Bücher gegen Drogen getauscht und konsumiert wurden. Eines der Kids kam zu Tode, Peter Grant ermittelt, weil Tyburns Tochter mit drinsteckt. Am Ende jagen fünf Parteien einem magischen Hehler hinterher, der das letzte Notizbuch des ersten Londoner Polizisten hat, in dem steht, wo das aus dem Folley gestohlene Werk Newtons über Alchemie (incl. der Herstellung eines Steins der Weisen) denn läge. Auch hier sieht man, wie schlecht es um die englische Zauberei steht: amerikanische Zauberer und britisch/afrikanische Hexen sind zwei der Parteien, die hier mitmischen. Vor allem die Hexen hatte das Folley, dieja so was wie das offizielle Zauberministerium und die magische Polizei sind, nicht auf dem Schirm. Langsam frage ich mich schon, was für ein Sauhaufen die Zauberer da in England waren. Gut, Ettersberg hat die meisten der Zauberer auf dem Gewissen. Warum sich aber alle bis auf einen das Zaubern aufgegeben haben und niemand magische Forschung über den Stand des achso vergötterten Newton betrieben hat, bleibt mir ein Rätsel. 

 

Der Name der Rose: Buch vs. Film vs. Serie

Achtung, Afinnity Links!

Grade fertig bin ich mit der amazon-Serie Der Name der Rose fertiggeworden. Da stellt sich natürlich nun die Frage, was besser ist: Buch? Film? Doch die Serie? 

Meiner bescheidenen Meinung nach ist das die falsche Frage. Die sollte lauten, was soll ich konsumieren, wenn mir Aspekt X wichtig ist. 

Möchte ich ein weltklasse Buch eines weltklasse Autors lesen, dann ist natürlich der Schinken die bessere Wahl. Das Buch ist zugänglich, spannend, kurz… nicht umsonst auf Platz 14 der besten Bücher aller Zeiten. Es beleuchtet zudem die Aspekte des mittelalterlichen Klosterlebens sehr gut. 

Der Film ist natürlich für alle Sean-Connery-Fans ein Muss. Der Film setzt eher auf den Krimi-Aspekt der Geschichte, vernachlässigt eher die theologische Dimension, bringt aber toll die bedrückende Atmosphäre rüber, die in dem Kloster herrschen muss. Connery als launisch-lustiger, welterfahrener Ermittler ist ein Genuss, Schaljapin als Jorge ein schauspielerischer Höhepunkt, Ron Perlman als Salvatore genial. Sein Gesicht… nicht umsonst hat er bis heute an über 200 Filmen mitgewirkt! 

Die Serie hat 8 Folgen Zeit, sich zu entfalten, was langatmig wirken kann, und setzt wiederum einen anderen Schwerpunkt. Hier rückt plötzlich der Pabst in Avignon und vor allem der Inquisitor Bernardo Gui, gespielt von Rupert Everett. Alleine diese Rolle macht die Serie schon sehenswert, Everett spielt den Inquisitor mit einer Boshaftigkeit und Kälte, dass einem der Schauer den Rücken hinunterläuft. Besonders, wenn er Gebete murmelt und um ihn Schreie seiner Opfer gellen, kommt einen das Fürchten. John Turturro verkörpert für mich übrigens äußerlich besser den William von Baskerville als es ein Connery je könnte… Fransikaner sind Bettelmönche, vor allem im Mittelalter waren die ziemlich ausgezehrt und sind in der Regel nicht sehr alt geworden… will sagen… Connery ist zu… wohlstandsgenährt.  

Inhaltlich hat die Serie einiges zu bieten, wird hier die Geschichte des Fra Dolcino in Rückblenden besser herausgearbeitet, als es im Buch oder im Film der Fall war. Es wird sogar noch eine Rachegeschichte eingesponnen, die Tochter des Frau Dolcino will den Tod ihrer Mutter, ihres Vaters, ihres Mannes und ihrer Kinder durch die Hände Guis rächen. Remigio und Salvatore erhalten dadurch mehr Tiefgang und ein klareres Profil. Vor allem Salvatore, gespielt von Stefano Fresi, denn er ist nicht mehr der stammelnde Idiot, der in allen Sprachen der Welt redet, sondern ein Mensch. 

 

Geh nicht in den Winterwald 

Ich hab mir auch ein neues Rollenspiel geleistet. Geh nicht in den Winterwald aus dem System Matters Verlag. Ein Erzählrollenspiel für den alten Würfelschubser. Die Regeln des Spiels sind eigentlich ziemlich einfach: Erstelle einen Charakter, nimm einen W6, erhalte vom Spielleiter Kältepunkte und würfle gegen die Kälte. Ist das Würfelergebnis größer als die Kältepunkte, dann hast du Glück gehabt, wenn nicht, erhalte einen Kältemarker. Bei 6 Kältemarkern wars dann das für deinen Charakter. Das Setting (Neuengland im 17. Jhdt., ein düsterer, magischer Wald, Indianerstämme, Hexerei) weis durchaus zu gefallen. Eine Sache ist mir aber dann doch negativ aufgefallen, wahrscheinlich weil ich gebannt die 5. Staffel des 3W6-Podcastes gehört habe und dort viele interessante Erzählrollenspiel-One-Shots vorgestellt wurden: Die Erzählrechte liegen fast ausschließlich beim Spielleiter, Proben werden von ihm initiiert (mit Ja/Nein Fragen), Spieler-Empowerment ist nicht. Die Aufmachung mit den vielem Mythen, Lagerfeuergeschichten und Plothooks gefällt mir dagegen sehr! 

 

Gewonnen! 

Wo wir grad beim 3W6-Podcast waren… zum Staffelfinale hab ich da bei einem Preisausschreiben mitgemacht und Faith-Produkte gewonnen. Die sind, wegen des Auslieferungsstopps bei Uhrwerk, noch nicht bei mir eingetroffen. Macht nix, ich kann warten. Aktuell ist da ein interessantes Intervew zum Crowdfunding von XXXX online. 

 

Bibi Blocksberg 86: Kann Papa hexen? 

Wenn man kleine Kinder hat und die zum Samstagseinkauf mitnimmt, schafft man es meist kaum an der Quengelmeile (Süßkram und Zeitschriften für Kinder) vorbei, ohne was mitzunehmen. Da meine Mädels nicht so auf Süßkram stehen… es war das Bibi Blocksberg Magazin. Darin war Werbung für Episode 86 des Hörspiels und natürlich hab ich das gleich auf audible runtergeladen. 

Die Folge hat es in sich. Bibi und Schubia “leihen” sich ein altes Hexbuch von Tante Mania, um damit die Hausaufgaben besser erledigen zu können. Versehentlich sprechen sie einen Zauber, der Bernhard Blocksberg die Hexkraft verleiht. Der war gerade dabei, den Keller aufzuräumen, um seine Modelleisenbahn aufzubauen, entdeckt, dass er zaubern kann und… übertreibt es mit seinem Hobby ein bisschen. 

  • Vier Dinge, die mir bei dieser Folge aufgefallen sind und mich, als Rollenspieler, aufhorchen haben lassen: 
  • Das Magiesystem hinter Bibi Blocksberg. Ja ich weis, für den Magiemonat bin ich deutlich zu spät, aber: a) Hexenkraft wird in der Welt von Bibi Blocksberg nur über die weibliche Linie vererbt und steht nur Frauen zur Verfügung. b) Hexensprüche funktionieren über Reime und dem obligatorischen Hex, Hex! am Ende der Sprüche. c) Es gibt Nothexsprüche, die aus drei Wörtern und dem Hex, Hex! bestehen.  
  • Um einen Hexenspruch auszulösen, muss nicht einmal die hexende Hexe selber das Hex, Hex! sprechen, es reicht, wenn es eine anwesende Hexe spricht. In der Geschichte ließt Bibi einen Zauberspruch aus Manias altem Buch, das Mantra kommt aber von Barbara Blocksberg, die im Gang ihren Weidenkorb herbeizaubert. 
  • Vor etwa 100 Jahren (Das Hörspiel ist von 2006, also um 1906 rum) wurden etliche Hexsprüche durch ein Hexentreffen verboten. Der alte Zauberschinken soll noch ein paar weitere verbotene Zauber enthalten. Was war da vor 100 Jahren los? Hatten die ihre Lady Voldemort?  
  • Wo ist Boris? 

Eine kleine Medienschau: Von König Arthur, Robotern und amerikanischen Göttern

Heute möchte ich mal wieder über drei Medien berichten, die mir die letzten Wochen Spaß gemacht haben. Zum einen eine Kinderserie, zum anderen ein Hörbuch. Achja… Achtung, Affinity Links!

Fangen wir der Kinderserie an, die zurzeit noch auf KIKA läuft, die man aber auch bei Amazon sehen kann. Arthur und die Freunde der Tafelrunde. Arthur ist hier noch ein junger Knappe, der als Waisenjunge am Hofe Uther Pendragons lebt. Geleitet von Merlin bestreitet er und seine Freunde, die Prinzessin Guinevere, die Knappen Tristan und Gawain so wie der Grieche Sagramor Abenteuer in einer wunderbar mythischen Welt. Sie treffen auf Werwolf-Katzen, Kobolde, Feen, Irrlichter und Drachen, kämpfen gegen Saxen und die Tintagel (Mordred und seinen drei Cousinen, zu denen auch Morgan, die Schülerin Merlins dazugehört, die wiederum Uther und dessen Nachkommen am liebsten Tot sehen würde, da der ihren geliebten Vater getötet hat). Mir gefällt die Serie ziemlich gut, denn hier würden Elemente aus Rittersagen, Fantasy und keltisch-Britischer Folklore zu einer netten Mischung gemixt. Dass die Tafelrunde ein runder Stein im Wald, umgeben von einem Menhirkreis ist oder dass solche Steine am Wegesrand zu Camelot stehen, die Feen als mächtige, göttinengleiche Wesen Dargestellt werden und die Serie auch ein echt geiles, puschendes Intro hat, runden für mich das Bild ab. In diesen Tagen ist auch die Diversität des Chasts ein Kriterium. Das haben wir. Sagramor als Bindeglied zwischen Orient und (fantasy)keltischem Britannien ist einen Tick dunkelhäutiger als seine Freunde, Tristan ist für mich zumindest bi und mit Guinevere ist eine charismatische, liebenswerte, starke Mädchenfigur im Team.

 

Letzte Woche hab ich mir das Hörbuch „Die Optimierer“ von Theresa Hanning reingezogen. Das ist die Autorin, die vor kurzem eine Petition zu Wikipedia gestartet hat, welche ich unterstütze. In dem Hörbuch geht es erst einmal um eine Utopie. Europa hat sich Gespalten, Deutschland, Frankreich, Polen, und die nordeuropäischen Staaten haben dich zur Bundesrepublik Europa zusammengeschlossen und mit der Optimalwohlökonomie eine neue Wirtschaftsform entwickelt. Die soll, per Technik, Überwachung und Veganismus, dafür sorgen, dass der Staat und die Bürger den optimalen Wohlstand haben. Dazu muss aber jeder Bürger, entsprechend seiner Fähigkeiten, den richtigen Beruf ausführen. Leute, die nicht genügend Fähigkeiten mitbringen, müssen in die Kontemplation, eine Art Arbeitslosigkeit. Arbeitslosengeld gibt’s nicht, dafür ein bedingungsloses Grundeinkommen, das tatsächliche Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht. Die Geschichte dreht sich um Simon Freitag, einem Lebensberater, der im Auftrag des Staates die Fähigkeiten und Kenntnisse der Bürger beurteilt und den Idealen Arbeitsplatz zuweist. Einst hatte er Erik Böser, den Chef der Optimierungspartei, entdeckt und einer Karriere als Politiker zugewiesen. Eine Tote, eine fleischessende Familie, ein Ende einer Beziehung und eine Verschwörung später liegt das alte Leben des Protagonisten in Trümmern und die neuen Herren der Welt offenbaren sich.

Ok, eigentlich ist der Roman eine Dystropie, also eine finstere Zukunftsvision. Tatsächlich gefallen mir zumindest ein paar Ideen aus dem Roman gut. Das mit der Linse im Auge, die eine Verbringung zum Internet ist oder der super ausgebaute öffentliche Verkehr mit selbstfahrenden Autos zum Beispiel. Auch die Idee der Lebensberatung finde ich grundsätzlich nicht schlecht. Ich hätte gern noch länger von dieser Welt gehört. Zum Ende hin ging mir dann das alles zu schnell. Die Widerstandsgruppe, der Martina-Roboter… hier hätte ich gerne einen Gang zurückgeschaltet und dafür auf den Sex in der Doppelherz-Einrichtung verzichtet. Trotzdem… saustarker Sience Fiktion. Zu Recht mit zwei Preisen, darunter dem Seraph-Preis, ausgezeichnet. Ich freu mich schon auf en Nachfolger, die Unvollkommenen.

Zurzeit schaue ich die zweite Staffel von American Gods an. IMHO ist die deutlich schwächer als die erste Staffel. Gut, Kriegsvorbereitungen dauern ihre Zeit, doch… Mir fehlt auch so eine Top-Folge wie die um den Gott Vulkan aus der ersten Staffel. Die erste Folge ist gut, doch die anderen Fallen da etwas ab. Schön finde ich die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen dem Muslim Salim und dem Dschinn. Argus war noch cool… Donar, Shadows Vater, eher nicht, der war mir dann zu naiv. Anansi halte ich mittlerweile für ein gefährliches, manipulatives Arschloch. Ein Trikster halt, wie er im Buche steht. Medias upgrade zu New Media… coole Idee. Schade um den Technoboy. Bin gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

Rezension: Die Flüsse von London

Den ersten Teil der Mystery-Krimireihe hab ich als Audible Titel erworben und grade durchgehört. Ich hab das Hörbuch ziemlich gut gefunden und hoffe, das Audible die anderen Teile auch noch vertont. Ein paar Besonderheiten sind mir aufgefallen, über die ich gerne noch ein paar Worte verlieren möchte.

Peter Grand – der Zauberlerling, der viel zu schnell zum Zauberlehrling wurde

Protagonist ist der dunkelhäutige britische Cop Peter Grand, der am Ende seiner Ausbildung bei der Metropolitan Police Aussicht auf einen Sesselpfurzerjob hat… bis er einen Geist zu einem Mordfall verhört. Danach nimmt ihn Inspektor Nightingale unter seine Fittiche, der einzige Mager in London und Teil der Polizei. Hier ist mein Hauptkritikpunkt an der ganzen Geschichte. Wenn ich mit Mitte 20 einen Geist gesehen hätte oder man mir Demonstriert hätte, das Magie existiert… Hey, dem wird grade seine Realität neu programmiert und die Verwunderung darüber sind keine zwei Zeilen! Das hätte ausgebaut werden müssen! Selbst Harry Potter hat über ein Jahr gebraucht, bis er damit klarkam, dass er ein Zauberer ist. Mit der Kritik bin ich übrigens nicht allein, auch Matt Brown vom Londonist hat genau dies kritisiert.

 

Die Quelle der Magie und Magie vs Technik

Das muss man sagen, hat der Autor ziemlich gut hinbekommen. Magie zehrt aus der Lebenskraft der Umgebung oder des Zauberers selbst. Technische Geräte werden von Magie beeinflusst, der Akku bei Handys brennt durch und schrottet die Platinen. Gut finde ich auch die Idee des Vestigios, der Erinnerung, die sich in Orte und Gegenstände eingraviert und vom Magier nachgespürt werden kann.

 

Der Plot: Ein guter Krimi, ein bisschen James Bond und ein Streit zwischen Flussgöttern

Der Krimiplot bleibt etwas hinter dem Mysteryplot zurück, obwohl er am Ende einen interessanten Twist hat. Peter Grand erinnert ein bisschen an James Bond, wenn er gleichzeitig mit einer Flussnymphe und seiner Kollegin anbandelt und auch Molly schöne Augen macht. Highligt ist der Streit der Flussgötter Vater Themse (der den Oberlauf des Flusses repräsentiert und ein bischen wie ein Gibsy rüberkommt, aber bis in die vorrömische Zeit zurückreicht) und Mama Themse (einer Afrikanerin, die den Unterlauf der Themse, vor allem die Teile, die durch London fließen, repräsentiert). Beide Seiten haben ihre liebenswürdigen Avatare, und die Lösung, die Grand sich für die beiden Streitenden ausgedacht hat, ist ziemlich salomonisch.

 

Wer sich 11 Stunden unterhalten möchte, ist mit dem Hörbuch gut beraten.

Fantastische Medienumschau – Kinderserien und ein Buch von Caspers in der Rezension

Ich bin ja, dank meiner Kinder, auch am Kinderserien gucken. Dabei sind mir ein paar Serien aufgefallen, über die ich sprechen will. Zum Teil, weil ich die Serien richtig gut finde, zum Teil weil sie mit Rollenspiel zu tun haben… zumindest im weitesten Sinne.

 

Von Indianern und Rittern

Yakari

Alles Gute zum Geburtstag, Yakari. Seit 10 Jahren läuft auf dem KIKA diese Serie. In Yakari geht es um einen kleinen Sioux. Der von seinem Totemtier, Großer Adler, die Fähigkeit verliehen bekam, mit Tieren reden zu können. Gemeinsam mit seinem Pferd, Kleiner Donner, und deinen Freunden Regenbogen und Kleiner Dachs erlebt Yakari viele Abenteuer in der Prärie und den Wäldern und Bergen Amerikas. Dabei stehen sie ihren tierischen Freunden bei und helfen auch dem Stamm bei so mancher Aufgabe.

Ich finde die frühen Staffeln der Serie ab 2005 ziemlich gut, vielleicht wegen des Zeichenstils. Natürlich ist mir auch klar, dass auch hier ein einseitiges Bild der First Nations gezeichnet wird und nur Präriebewohner porträtiert werden. Trotzdem: Die Abenteuer sind schön und kindgerecht, Konflikte werden (relativ) gewaltfrei gelöst (von Steinwürfen, um hungrige Wölfe zu vertreiben abgesehen), der Stamm wird als große Familie mit spezifischen Aufgaben je Stammesmitglied gezeigt und auch eher nutzlose Individuen wie Fettauge oder Müder Krieger finden ihre Aufgabe im Stamm. Nach heutigen Standards wäre der ein hoch integrativer Laden…

Was mich Rollenspieltechnisch aber umtreibt, wenn ich die Serie sehe, ist, welche Charakterklasse wohl Yakari hat.  Er ist der Sohn eines Stammeskriegers. Er redet mit Tieren und schützt die Umwelt. Er hat Kontakt mit Geistern und hat schon manche spirituelle Queste für den Stamm gelöst… Wenn ich der Stammesmedizinmann Der-der-alles-weiß wäre, würde ich Yakari dringend in die Lehre nehmen. Der wäre der ideale Kandidat für einen Waldläufer-Druiden…

Ritter Rost

Ja, auch hier liebe ich den Stil. Ich finde, das Schrottland eine verrückte, tolle, außergewöhnliche Welt ist und ideal für Abenteuer in ihr währe. Genau das Richtige für ein RPG. Kolbenfesserchen, Kampf gegen die Bürokratie (Ratzefummel), lebendige Gebrauchsgegenstände… wenn man daraus nicht ein Abenteuer machen kann, dann weiß ich auch nicht mehr.

Der kleine Ritter Trenk

Auch so eine Perle klassischer Animationskunst. Ein kleiner Bauernjunge flieht vor dem grausamen Ritter Wertolt, tauscht mit dem Ritterssohn Zink die Rollen und wird Knappe bei Ritter Hans, dem Intimfeind Wertolts. Ich find die Serie deshalb so toll, weil sie Abenteuer an wiederkehrenden Orten mit wiederkehrenden… NSCs bietet, mit Tekla ein Prinzeschen, dass die gängigen Klischees brechen will. Das Finale der Serie ist genial. Trenk kämpft gegen einen echten Drachen und… dringend selberschauen.

Robin Hood – Schlitzohr vom Sherwood Forest

Nach der ganzen Lobdudelei bisher mal echte Kritik. Ich find die Serie schlecht. Das liegt vor allem daran, dass es hier in der keinen richtigen Fortschritt, keine Geschichte hinter den einzelnen Folgen gibt. Gut, gibt’s bei Yakari auf den ersten Blick auch nicht, auf den zweiten gibt es sehr wohl Folgen, die aufeinander aufbauen. Tierfreunde, die immer wieder kehren und sich an gute Taten von Yakari erinnern oder von ihm gehört haben. Hier fehlt so etwas, was die Serie irgendwie… uninteressant macht. Es gibt aber auch hier eine gute Idee fürs Rollenspiel: Maid Marian, der Drache Drako, der in einen Hamster verwandelt wurde, und ein Grimoire. Die Idee ist, dass die junge Magierin Marian mit Hilfe des Zauberbuches versucht, dem Drachen seine wahre gestallt zurückzugeben, jedoch ständig scheitert und die Zauber nur Chaos und Verwirrung verbreiten. In der Serie wird es so dargestellt, als ob Marian daran schuld wäre, ich hege allerdings den Verdacht, dass das Zauberbuch nichts taugt. Vielleicht sind die Zauber darin falsch (oder unvollständig) beschrieben, die Handschrift, in der es verfasst wurde, eine Sauklaue, Tee und Saucenflecke auf der Seite usw. Warum gehen wir in unseren Fantasy-Rollenspielsettings immer davon aus, dass Zauberbücher wissenschaftliche Abhandlungen über Magie sind und alles, was zwischen den Buchdeckeln steht, wahr ist? Gefährliche Zauberbücher sind in der Fantasy meist Bücher, die entweder wahnsinniges Wissen (Necronomicon) enthalten oder irgendwie belebt sind und nach den Lesern schnappen. Warum gibt es so wenige Zauberbücher, die gefährlich sind, weil der Autor total inkompetent war und die Zauber Fehler enthalten?

 

 

Wieder die Islamisierung des Kinderprogramms

Nein, es soll nicht „wider“ heißen. Nein, das wird jetzt keine polemische Hetzrede gegen Muslime im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nein, ich möchte hier zwei Kinderserien vorstellen, die im arabischen bzw. persischen Kulturraum spielen, zwischen denen 41 Jahre liegen. Zum einen SherazadeGeschichten aus 1001 Nacht, um anderen Arabische Nächte: Sindbads Abenteuer.

Sherazade ist eine tolle Serie, animiert, wie heutzutage alles, die auf gute alte Erzähltugenden zurückgreift und mit bekannten Elementen aus den Geschichten aus 1001 Nacht spielt. Die Geschichte: Der alte Sultan ist tot, es lebe Sultan Karim, der zweitgeborene Sohn des Sultans. Das kann der Erstgeborene, Shazaman, natürlich nicht hinnehmen, er platzt der Hexe Domnja Sad in den Thronsaal und verwandelt den Prinzen in ein Monster. Gemeinsam mit der Tochter des berühmten Magiers BBBB, Sherazade, sucht Sultan Karim nun nach dem Baum des Lebens, um wieder zum Mensch zu werden und seinen Bruder den Thon zu entreißen. Dabei helfen ihnen Aladin, Dr. Duman Sindbad der Seefahrer (gemeinsam mit Sindbad dem Träger. Ich feiere noch immer, dass auch dieser Charakter der Sindbad-Geschichte übernommen wurde) und Prinzessin XXXX aus der Kristallstadt. Auf der Seite der Gegner stehen Imps und die vierzig Räuber, der Vogel Rock genauso auf wie das fliegende hölzerne Pferd. Wir haben also einen Cast aus wiederkehrenden Charakteren, wiederkehrende Orte, die mehrmals aufgesucht werden müssen, um Progress in der Geschichte zu haben (etwas, was man mittlerweile aus verschiedenen Computerspielen kennt) und einen roten Faden, der sich bis ins Finale durchschlängelt. Mein Lieblingscharakter ist übrigens Osman, der Hauptmann der Palastwache der goldenen Stadt. Er ist Jugendfreund von Karim, gehorcht aber dem Usurpator Shazaman und wird erst gegen Ende der Serie wieder ein Guter, der im Monster seinen Freund und wahren Sultan erkennt. Mich erinnert dieser Charakter an die Gemälde von Ludwig Deutsch.

Eines fehlt aber in der Serie: der Islam. In der ganzen Serie taucht kein Moslem auf, kein Muezzin ruft, kein Freitagsgebet, nicht mal eine Moschee. Die Serie ist absolut religionsfrei. Das ist durchaus überraschend, weil ja die Geschichten aus einer Welt und Zeit stammen, in der Religion durchaus eine Rolle spielte. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich fragte, ob die orientalische Fantasy/Märchen-Kinderserie meiner Kindheit, Sindbad, auch so Religionsfrei war. Ich konnte mich duster an Das Abendgebet in einer Folge erinnern. Also hab ich mir die Serie auf amazon gekauft und… erste Folge, erste Minuten… Freitagsgebet in der Moschee, betende Gläubige, Muezzinrufe. Was hat sich denn in den vierzig Jahren zwischen den Serien verändert, dass aus Kinderserien, die im Orient spielen.

In Sindbad geht es um Sindbad, den Sohn eines reichen Kaufmanns, der, inspiriert von seinem Onkel Ali, einem Seemann, auszieht und in den weiten der arabischen Welt Abenteuer erlebt. Begleitet wird er von Shela, einer in einen Vogel verwandelte Prinzessin, begleitet. Die Abenteuer selbst sind an den Geschichten aus 1001 Nacht angelehnt. Da gibt es z.B. auch Aladin und Ali Baba, fliegende Teppiche, der Vogel Rock und meinem Lieblingsding, dem fliegenden Holzpferd.

Ok, die Animation ist nicht State oft the Art und die Synchronisation… reden wir nicht darüber. Trotzdem ist es eine der schönsten Serien meiner Kindheit. Auf amazon kann man sich die Serie ansehen.

Wo wir gerade bei Kinderserien im Orient sprechen… Die Abenteuer des jungen Marco Polo ist ebenfalls eine richtig gute Kinderserie. Marcos Vater, Nicolo Polo ist in China geblieben und Marco, ein Halbwaise, der von dem bösen Geschäftspartner seines Vaters aus dessen Haus geschmissen wird, macht sich mit seinem Freund Luigi und der chinesischen Prinzessin (Spoiler: Not) Shi La Won auf die Reise von Venedig bis an den Hof des Khans. Meine Lieblingsfolge ist die in Afghanistan, wo sie an einem Buzkaschi-Turnier teilnehmen. Auch die Floge, in der zwei Gauner versuchen, Seidenspinnerraupen nach Europa zu entführen (was im Real Life ja auch geschehen ist).

 

Wenn Glühwürmchen morsen

Ich mag Ralph Caspers eigentlich nicht. Der ist mir zu aufgedreht, zu verrückt. Seine Witze in Wissen macht Ah! sind mir zu… mäh. Aber eins muss man ihm lassen: Fantastische Geschichten schreiben kann er! Das Büchlein „Wenn Glühwürmchen morsen“ ist voll fantastischer, fantasievollen Geschichten. Dort werden von einem Kind Millionen Fliegen gezüchtet, die dann so abgerichtet werden, dass ein Teppich fliegen kann, dort morsen Glühwürmchen im Auftrag eines Alienmädchens den Namen an Greta, Herr Hänsel und Frau Gretel betreiben einen Süßigkeitenladen und im Erikaweg woht tatsächlich ein Pirat samt Papagei auf der Schulter. Die Geschichten sind nicht lang, vier bis sechs Seiten im Schnitt, also ideal für eine Gutenachtgeschichte. Meine Älteste zählt das Büchlein zu ihren Lieblingsbüchern und ich sehe das durchaus als Qualitätsmerkmal an. Dringend lesen.

 

Bis Bald, euer Dnalor

Karneval der Rollenspieleblogs: Stimmung – Rezension: Lunapark und ein Rückblick auf die Gerion-Rath-Krimis

So, der letzte Gerion-Rath-Krimi ist gehört (ich hab mal wieder zum Hörbuch gegriffen). Zeit, nicht nur den Roman von Volker Kutscher zu rezensieren, sondern auch einen Rückblick auf die Reihe zu werfen und zu überlegen, was diese Bücher für uns Rollenspieler so bringen.

Rezension Lunapark

Lunapark hat ja bei erscheinen vom Spiegel eher schlechte Kritiken bekommen. Vor allem Tempo und Sprache wurden bemängelt. Ja, man merkt dem Roman ein bischen an, dass der Autor seine Geschichte unbedingt zu einem Ende führen wollte, gleichzeitig aber nicht mehr so viel Lust auf seinen „Helden“ hatte. Nach sechs Bänden kein Wunder.

Der Plot ist die Geschichte vom Sturz des Helden, eigentlich typisches Noir-Material. Ach ja… Spoiler Ahead!

In Märzgefallene rettet Rath den neuen Chef der Berolina vor SA-Männern, die sich aus ehemaligen Nordpiraten rekrutieren. Dabei verliert  der neue Berolina-Chef Dank dem schwarzen Kuss von Kaczmarek ein Auge. Den Verlust des Auges lastet er auch Rath an, weil dieser sich knapp eine Woche Zeit ließ, um ihn aus dem SA-Folterkeller zu holen. Jetzt ist die Zeit der Abrechnung und Kaczmarek das erste Opfer eines Rachefeldzuges. Dumm nur, dass zuvor Kommunisten am Tatort eine politische Parole hingeschmiert hatten.  Darum schaltet sich auch die Gestapo ein. Gräf, Gerions alter Freund und seit dem letzten Band neuer Intimfeind übernimmt den Fall, Rath ist im unterstellt.

Am Ende des Romans gibt es nur Zerstörung und Trümmer. Rath und Gennat liegen über Kreuz, Gräf hat in der Nacht der langen Messer seinen Lover und dessen Liebhaber ermordet, Frize wird zum strammen Hitlerjungen und Verräter, Kirie wird der Hals umgedreht. Helden… die gibt es in Nazi-Deutschland nicht.

Ich finde, Lunapark war ein guter Abschluss der Reihe. Ein letzter Blick in die Tiefe, die noch wartet. Eine letzte Erinnerung an die Zeit der Freiheit, die hinter den Protagonisten liegt. Es wäre ein Fehler, die Reihe weiter fortzusetzen, denn welchen Wert haben Mordermittlungen in einer Welt, in der der Staat bestimmte Morde legitimiert?


Rückblick auf die Reihe: Einmal Babylon und zurück

Ich möchte die Rath-Krimis. Vor allem die ersten vier Bände waren hervorragend. War bei Der nasse Fisch und Der stumme Tod noch eine leichte, lockere Stimmung vorherrschend, ein Rausch in Berlin der Endzwanziger, so verfinsterte sich die Stimmung in Goldstein und Akte Vaterland deutlich. In Märzgefallene und jetzt Lunapark herrscht politisch schon der Nationalsozialismus, die Stimmung der Bücher ist entsprechend gedrückt, weil sich die Helden_innen nicht der neuen Situation anpassen können und wollen. Die jeweiligen Kriminalfälle sind in Ordnung, beim stummen Tod verrät die Tätersicht aber schon viel zu früh den Schurken. Schade ist, dass bei den Märzgefallenen und bei Lunapark irgendwann die Fälle ins Hintertreffen geraten und von Politik und Privatkram überlagert werden. Von den Figuren waren mir Charly und der Buddha am sympathischen. Gerion Rath ist für mich ein egozentrischer, versoffener Einzelgänger. Typischer Noir-Dedektiv halt. Gut finde ich, das sein Handeln Konsequenzen hat. Weil er Koks geschnupft hat und im Rausch jemanden erschießt, wird er von Dr. M erpresst und trägt Mitschuld am Tod des Hundes. Auch Bestechungsgeld nimmt er gerne an. Kurz, Rath war mir nicht nur sympathisch, aber im Noir muss das so sein.


Und fürs Rollenspiel?

Die Bücher eignen sich hier als Inspirationsquelle für Dedektivabenteuer in den 20ger und 30ger Jahren. Die Polizeiarbeit dieser Zeit wird gut beschrieben. Dass die Arbeit der Polizei in Berlin relativ modern wirkt hat seine Richtigkeit. Der reale Gennert hat deutsche Polizeiarbeit, vor allem im Bereich Mord, auf internationales Topniveau gehoben. Wer immer in Berlin der 20ger und 30ger spielen möchte, kommt um Gennert als NPC nicht herum (neben der Stimmung der  Bücher, die zum Karnevalsthema passen, ein weiterer Stimmungstipp: immer wenn die Meisterin Gennat darstellt, sollte sie ein Tablett mit Stachelbeerkuchen, Gennats Lieblingskuchen, auf den Tisch stellen und die Spielerinnen zu einem Stück Kuchen nötigen😀).

Die Stimmung, die die Bücher transportieren – von der Party der 20ger bis hin zum strengen Nationalismus der 30ger, der Hoffnungen, die in Hitlers neues Deutschland gesteckt wurden – sollte auf jeden Fall in einer Dedektivkampagne oder in ein chtulide Kampagne einfließen. Wenn eine Meisterin ganz mutig ist, kann sie ruhig die Parallelen zur aktuellen politischen Stimmung herausarbeiten. Aber Vorsicht! Das könnte zumindest verstörend auf die Spielerinnen wirken! Mir ging es so ähnlich, als ich Goldstein während eines Schulausflugs nach Flossenbürg las. Von SA-schläger im Buch zu lesen und dann zu sehen, was sieben Jahre später so los war in Deutschland, hat mir einen Schauer den Rücken hinuntergejagt. Da der Ausflug kurz vor Fasching war, klingelten mir bei Höckes Rede am Aschermittwoch ziemlich die Ohren!

Und nun?

Ich freu mich auf Babylon Berlin im Herbst in der ARD. Ob ich Moabit lesen werde, weiß ich noch nicht. Gennat als NSC auszuarbeiten, das würde mich ziemlich reizen. Mal schauen, wann ich dazu Zeit finde…

Rezension: Märzgefallene – Gerion Raths fünfter Fall

Was für eine Achterbahn! Vom Mord an einem Bettler, Identitätstausch, der Flucht einer irren  Mörderin, einer Hochzeit, dem Reichstagsbrand 1933 und der wachsenden Unterwanderung des Staates durch die Nazis bis zu einem vergrabenen, aber verschwundenen Goldschatz ist alles dabei.

Die Stimmung des Romans, den ich als Hörbuch genossen habe (mit der wundervollen, angenehmen Stimme von David Nathan), ist ungewohnt düster, düsterer als bei Goldstein, die mir seinerzeit zugesetzt hat. Die Politik spielt in diesem Roman eine große Rolle, bis hinein ins Privatleben von Rath. Wegen des Reichstagsbrandes wird Rath zu der Politischen Polizei versetzt und darf erstmal Kommunisten am Wählen hindern, der Mordfall, den er gerade bearbeitete, bleibt dabei auf der Strecke und kommt erst wieder in Gang, als Ragt mit dem Budda beim Nazi-Polizeipräsidenten auftauchen und was von einem Mörder-Izze schwafeln. Rath Intimfeind, Böhm, verliert Amt und Würden, weil er auf einer SPD-Wahlveranstaltung war.  Charlys  Mutter ruiniert die Hochzeitsfeier im kleinen Kreis, weil sie eine Hittlerrede im Radio anhören möchte und den Österreicher anhimmelt, Charly selbst kündigt bei der WKP, weil sie mit der Ausrichtung nicht mehr klar kommt. Rath Freundschaft mit Graf geht in die Brüche, als er entdeckt, dass sein Kumpel nicht nur schwul ist, sondern auch mit einem SA-Mann vögelt.

Der Kriminalfall selber taucht da nur am Rande auf. Es geht um im WW I vergrabenen Gold, einem tot geglaubten, jüdischen Hauptmann, dem seine Männer eine explosive Todesfalle stellten und (Achtung, Spoiler) um den Templer, den Fuchs und den Raben, quasi die deutsche Variante des Antanztricks.

Das Hörbuch ist mit 20 Stunden lang und hat einen kleinen Hänger nach dem 2/3 des Romans, wenn der Mörder tot in der Spree schwimmt, nimmt aber wieder  dann wieder Schwung auf, als Gerion bewusst wird, was denn da für ein Spiel gespielt wird. Beim Finale hab ich an Indiana Jones denken müssen.

Wo ist nun der Mehrwert für Rollenspieler? Wiedereinmal in der Beschriebenen Stimmung. Völker Kutscher gelingt es einmal mehr, ein Land bzw. eine Stadt zu beschreiben, die auf den Abgrund zuläuft. Das wunderbar glitzernde Babylon der 20ger ist gestorben, der braune Sumpf beginnt zu blubbern. Insgesamt eine tolle Vorlage für Noir-Rollenspiele und chtulide Abenteuer.