Archiv der Kategorie: Wirre Gedanken

Rezension: Jack London- Die Reise mit der Snark

Ich bin leidenschaftlicher Radiohöhrer, besonders im Auto. Und da besonders gern Bayern2 und den Deutschlandfunk. Welches Programm mich dann auf Jack Londons „Die Reise mit der Snark“ gebracht hat, weis ich nicht mehr. Jedenfalls war die Rezension auf UKW so genial, dass ich mir bei passender Gelegenheit diese Reisereportage geholt habe. Ich wurde nicht entteuscht, das Büchlein ist sehr unterhaltsam und wirklich lesenswert.

Worum gehts?

Was braucht man, um auf die Schnapsidee zu kommen, ein Schiff zu bauen, damit nach Osten den Pazifik zu überqueren und dann einmal komplett die Welt zu umrunden? Jack Lonon brauchte dazu Wein, Weib, Swimmingpool und ein paar total verrückte Freunde.

Die Reise sand aber von anfang an unter keinem guten Stern. Das fing schon bei der Jacht an, die alles andere als Hochseetüchtig war und sich bei Sturm nur wiederwillig Steuern ließ. Der Hilfsmotor funktionierte nie richtig, das Schiff lief leicht voll, das Gewinde vom Motor zur Ankerkette war in Metall gegossener Pfusch, das Geld fehlte ständig…

Dann die Crew: Ein Koch, der nicht kochen kann und zusammen mit dem Kabinenjungen über der Reling hängt (beide werden in Hawaii ausgetaucht), einen Navigator, der von Navigieren keinen blassen Schimmer hat und felsenfest davon überzeugt ist, im innertern einer Hohlerde zu leben…

Dann die handtellergroßen Kakalaken, die nächtens die in Samoa von Fieber und Geschwühren geplagten Weltumsegler anknappern…

Zuletzt dann der Abbruch, weil an Bord keiner mehr richtig Arbeiten kann und die Mannschaft vom Fieber geschüttelt in den Kojen bleibt. Alles in allem… ein toller Tripp!

In meinen Augen sind die Highligts des Buches die Kapitel über den könlichen Sport des Surfens, den Jack auf Hawaii rlernte und dank diesen Büchleins im Westen bekannt machte, das Kapitel über die Lebrakolonie auf Hawaii, die er als Paradis auf Erden beschrieb und das Kapitel über Navigation, bei der man die Verzweiflung schier greifen kann, wenn Jack endlich, endlich seine Position mit 184°W Länge angeben kann, um dann von der zweifelnden Stimme in seinem Kopf erinnert zu werden, dass es nur jeweils 180 Längengrade nach West und Ost gibt. Zeitzohnenrechnen und Himmelsrichtungen bestimmen sind schon schwer, besonders wenn 1) die Uhr falsch geht und 2) beide Kompasse jeweils einen anderen Punkt als Norden angeben.

 

Was bringts fürs Rollenspiel

ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber mir sind als Rollenspieler und Spielleiter bisher immer nur zwei arten von Schiffsbesatzungen untergekommen, mit denen die Helden während Seefahrtsabenteuern (z.B. der Lamea-Kampagne, bei Bahamuths Ruf u.v.m). Zum Einen der disziplinierte, erfahrene Haufen, angefuhrt von einem kühnen, starken, fähigen Kapitän, zum Anderen die besatzung einens Seelnenverkäufers: weniger Disziplin, aber dafür Erfahrung und Brutalität. Jetzt kommt eine neue Gruppe hinzu: die Stümper. Von nichts eine Ahnung, davon aber reichlich und eine Priese Naivität. Das Buch wird auf jeden Fall mein Rollenspiel bereichern.

Follow Friday: Bücherkauf

Fiktive Welten hat wiedereinmal einen Follow Friday am Laufen. Diesmal geht es um „Bücherkauf„.

Ich gebe zu, ich kauf beim Satan. Dem Satan des Buchhandels – Amazon. Bei dem kaufe ich 80% – 90 %meiner Bücher. Den Rest kauf ich beim lokalen Buchhandel. Dort habe ich vor kurzem Die Welt aus den Angeln: Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der Entstehung der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart“ gekauft. Zur Rezension des Buches komme ich später. Ich will da noch was im „Wohlstand der Nationen“ überprüfen.

Rollenspielbücher kaufe ich, wie hier schon mal angedeutet, meist nur als PDF direkt vom Verlag oder von Drivethrurpg.

 

 

 

Karneval der Rollenspielblogs Juni und Jul 2017: Von der Ruine eines Films zum Blick über den Tellerrand in die Küche eines Abenteuerschreiberlings

Ich höre ja gerne Baxern2 und den Deutschlandfunk, um mich zu inspirieren und fortzubilden. Gestern habe ich im Deutschlandfunk eine nette Rezension von „Dark Blood“ gehört. Dark Blood war ein Lost Movie, eine Filmruine. Mich fasziniert die Idee des Regisseurs George Sluizer, den Film in seiner Unvollständigkeit zu veröffentlichen. Freeze Fames, die Stimme des mittlerweile verstobenen Sluizer aus dem Off, der aus dem Drehbuch die fehlenden Szenen liest und River Phoenix, der James Dean meiner Generation… das hat was. Ich werds mir anschauen, Kinostart ist Morge, am 13. Juli 2017.

 

Der Beitrag hat mich auf eine Idee gebracht: Ich zeige euch, wie das Abenteuer „Die Axt des Kuros“ entstanden ist.

Hier geht es zum Ausgangspunkt des Ganzen. Gestartet ist das Abenteuer am 22. Dez. 2014 als Teil einer Abenteuerinitiative für die Neulinge in unserem Forum. Eigentlich sollte das Abenteuer ein OnePage sein, irgendwie ist aber das Ganze zu einem 26 Seiten und 7000 Zeichen Monster eskaliert. Damals hatte ich auch noch ein humanoides Wesen als Eisgigant im Hinterkopf, doch man konnte mich überzeugen, dass der Eisgigant eher ein animalisches Äußeres haben soll.

 

Am 4. Januar 2016 habe ich dann hier das Ergebnis der Initiative hier gepostet. Das Abenteuer ist in DSA4.1 geschrieben.

 

Dann gibt es noch hier drei Word-Dateien, die den Fortschritt im November 2016 dokumentieren.  Hier kann man sehr gut sehen, wie meine Lektoren, Plotholes und Logiklücken aufdecken und das Abenteuer richtig rund wird.

tmp_32087-Adk Arantan 23.11.16770925272 Adk Maeglin 23.11.16 Die Axt des Kuros neu Dnalor the Troll 24.11.2016

 

Und nun noch eine gute Nachricht: Der Riesländer hilft mir, das Abenteuer fertigzumachen und zu veröffentlichen, nachdem er seine Examensarbeit fertig geschrieben hat. An dieser Stelle ein barbarisch-orkisches yIDo‘ (ok, erwischt, es ist weniger orkisch als kosmisch).Es fehlen Layout und Illustrationen und das Abenteuer ist nun komplett in DSA5. Eine DAS 4.1 Version wird es nicht geben.

So, das war jetzt der Blick von den Ruinen eines Films über einen Teller rakshazarischer Blutsuppe ein Blick in die Küche eines Schreiberlings.

Blog-O-Quest, Follow Friday und Rollenspielerkarneval

Doctore Domani organisiert diesen Monat den Blog-O Queste unter dem Thema „Über den Tellerrand“. Mit Lückenfragen. Na toll. Wenn ich etwas Hasse, dann Lückenfragen. Nun, ok, treten wir die Fragen in die Tonne (Scusi, Doctore, es liegt nicht an Dir, es liegt am mir) und blicken ein wenig über den Tellerrand und plaudern aus dem Nähkästchen.

Der letzte große Blick über den Tellerrand war für mich vor ein paar Wochen bei der Überarbeitung des „König der Huren“. Ich war gerade dabei zu überlegen, wie ich das Abenteuer… kontroverser machen konnte. Kontrovers ist es, es hat immerhin zwei Andeutungen von…last euch überraschen. Ich hatte Angst, dass es in der Zensur gleich durchfliegt. Also habe ich nach etwas gesucht, was die Geschichte einerseits etwas abmildert (und besonders der EMMA-Fraktion den Wind aus den Segeln nimmt) andererseits eine neue Schärfe ins Spiel bringt. Kurz, ich wollte das Abenteuer gendern (wenn Du, geneigter Leser, jetzt aufschreist und hier kommentieren willst, dann habe ich es genau für Dich getan). Darum habe ich mich an einen ehemaligen Schüler gewannt, einen Transgender, der heute in Berlin studiert. Er hat mir die Augen geöffnet und mich in die Welt des genderns eingeführt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und seither versuche ich alles, was ich hier so an Abenteuer online stelle, zu gendern. Nebenbei, ich suche noch Rollenspielerinnen, die mir mein Abenteuer lektorieren und dadurch mein Trojanisches Pferd noch… trojanischer(?) machen.

Bevor hier jemand „Buuh, SJW!“ schreit: Geschlechter- und Sexualspezifische Themen interessieren mich schon eine ganze Weile. Homosexualität gehört für mich spätestens seit meiner Ausbildung vor 20 Jahren zum normalen Leben dazu, einer meiner Chefs war ein Homosexueller. Ich habe auch kein Problem damit, in Schwulenclubs zu gehen, tatsächlich trauern meine Frau und ich dem Isey in Straubing nach. Das Lokal gehörte einem Frauen meiner Frau und dessen Partner und dort konnte man richtig tolle Partys feiern. Aber Tansgender oder das Gendern waren für mich Neuland. Nach der Zusammenarbeit und einem Telefonat bin ich auf die Welt da draußen neugierig geworden und ich werde sie mir erschließen.

Die zweite Frage der Blog-O-Queste ist schon interessanter. Zur Zeit lese ich „Der Schwalbenturm“. Eine Ausnahme, denn normalerweise lese ich eher keine Fantasy-Literatur. Ich bin eher Fan von guten Krimis (bitte keine Thriller mit Serienmörder oder so einem Gedöns. Mein Geschmack geht eher in Richtung des Klassischen Ermittlers. Das spiegelt sich auch in den Krimmiserien wieder, die ich mir gern anschaue: Lewis, Death in Paradise, Inspector Barnaby, Wilsberg und der Tatort aus Münster (beste Folge: Sag nichts) oder Historisches, wie zum Beispiel „Die Reise mit der Snark“, die als Ferienlektüre auf meinem Stapel liegt, gleich neben einem Pater-Brown-Roman (womit ich den aktuellen Follow Friday erschlagen habe). Ich find Fantasy-Literatur teilweise ermüdend, weil leider zu oft das Klischee von Elfen Zwergen und den Rest wiederkaut wird. Ich lebe jetzt 23 Jahre mit DSA und anderen Fantasy-Settings, ich habe da jetzt schon so viel gesehen, da gibt mir Fantasy nichts mehr.

Wo wir gerade bei Fantay-Settings und Fantasy-Systeme sind: Ich bliche da auch gerne über meinen DAS/Rakshazar-Tellerrand. Weniger die Systeme, ich bin kein Regel-Fuzzy, sondern viel lieber Settings und Abenteuer. Grad heute habe ich „Beutelschneider“ runtergeladen und gelesen und finde dieses System erfrischend anders und für mich neu. Der Blick ins „Iron Gods“ hat mich ja auch zu weitreichenden Überlegungen veranlasst und meine Einstellung zu SyFi in Fantasy-Settings grundsätzlich geändert. Das Fate-Setting mit den Tschernobyl-Tieren hat mich an „Ratten!“ erinnert, einem Setting, von dem ich ebenfalls Begeistert war. Tiere als Helden… ich liebe es und warte schon jetzt ungeduldig auf „Die Schwarze Katze“. Gefallen gefunden habe ich auch an Pathfinder und Splittermond, letzteres dürfte ich ja im Rahmen meiner Feenwelt-Recherche genauer lesen und auch die Wandernde-Stadt-Geschichte hat mich dazu gebracht, mich mit Splittermond auseinanderzusetzen. Wohlgemerkt mit dem Setting, nicht mit der Systemmechanik. Das einzige Rollenspiel außer DAS, bei dem ich mich tatsächlich in die Regeln eingelesen habe, war die 3te Edition von Shadowrun. Ich bin damals nicht mit dem System warm geworden, das lag vor allem daran, wie das Hacken dargestellt wurde. Das Setting war auch eher… Geschmacksache. Später habe ich den berühmtesten Cyberpunk-Roman gelesen, der hat mich auch nicht so recht vom Hocker gehauen, was durchaus komisch ist, SiFy-Filme liegen mir nämlich.

Über den Tellerrand meiner Ausbildung schaue ich auch gern, wenn es um Tema Rollenspiel im täglichen Leben geht (ich bin studierter Wirtschaftspädagoge mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik). Ich liebe nämlich die Pressemitteilungen von Archäologen, Paläontologen und Biologen. Neu entdeckte Arten, frisch ausgegrabene, untergegangene Städte, neueste Erkenntnisse über den Stammbaum des Menschen… gnau mei Weda, wie man hier in Bayern sagt. Besonders der Stammbaum der Menschen wurde ja in den letzten Monaten ordentlich durcheinandergewirbelt. Imho schreiben die Natur und die Geschichte die besten Quellbücher, die Natur die Bestiarien, die Geschichte die Hintergrundbeschreibung. Schaut euch z.B. diese drei Videos an. Großartig!

 

Karneval der Rollenspielblogs: Ruinen – Was ich noch sagen wollte…

Der ruinöse Monat geht so langsam auf seine Zielgerade zu, und ich hab noch ein paar Dinge auf meiner Liste, die ich gern noch abarbeiten möchte.

Zum einen bin ich da auf einen Artikel von den Orkpiraten gestolpert. Da gings um Ruinen von Abenteuern. Ich betreib ja den Blog, wie ich auch in der aktuellen Blog-O-Queste geschrieben habe, hauptsächlich als Mülldeponie (oder Ruine) für meine Abenteuer. Heute schmeiß ich mal wieder ein Abenteuer auf die Halde (Straubing Noir). Hauptgrund ist, dass ich das ganze wohl falsch angepackt habe. Die Idee zum Abenteuer ist schon ein wenig älter und ich hab die auf dem Kompost meiner Gedanken auch schon mal umgewendet. Mein Fehler war, das ich in das Abenteuer mehr geben wollte, als es ihm guttat. Krimmi-Abenteuer, Horror-Abenteuer, Stadtführer… da ist mindestens ein Päckchen zu viel. Hinzu kommt, dass ich nicht unbedingt der große Krimi-Schreiber bin. Den Schurken der Geschichte werde ich mir aber ins NSC-Karteikästchen packen.

 

Dann bin ich bei den Nerd-Gedanken auf den Ruinenbaukasten gestoßen. Hier hab ich eine Exemplar-Ruine erwürfelt und für Rakshazar umgearbeitet. Erwürfelt habe ich es mit eimem Würfeltool, das jaegers.net vorgestellt hat. (Die Zissme im Sumpf)

 

Ruinen bleiben übrig, wenn Zivilisationen zu Staub zerfallen. Anscheinend gab es da im frühen 12. Jahrhundert Ereignisse, die zum Untergang der Ägypter, Hetiter und Mykener geführt hatt. Bei ExtraCredits kann man dazu jetzt lehrreiche Videos dazu ansehen.

Der Troll sieht fern…

bzw. nutzt seine Amazon-Prime-Mitgliedschaft aus (gibt es dafür eigentlich schon ein Verb???).

American Gods

Ich glaub, ich brauch nicht mehr zu erwähnen, das ich ein Fan der Serie bin und sie für das beste aus USA seit South Park halte. Und ja, ich werde auch das Buch lesen. Versprochen.

Die beste Folge war bisher „A Murder of Gods“. Vulcans Stadt Vulcan, in der Patronen der Marke Vulcan gefertigt werden… genial!

 

Taboo

Von der Serie bin ich ein bischen enttäuscht. Ich hab die erste Staffel durch undsie will immer noch nicht zünden. Dabei wären hier eigentlich alle Zutaten für eine gute Serie vorhanden: Mystery, Style (Delaneys Klamotten. Ich find die totschick. In meiner Gothik-Zeit hätte ich die auch gern gehabt), Rache, Sex… Irgendwie ist aber die Mischung eher langweilig geworden.

 

Mia and Me Staffel 3

Die Qualität der Geschichten erreicht leider nicht mehr die der Staffeln eins und zwei. Obs daran liegt, dass die ikonische Mia Rosabell Laurenti Sellers altersbedingt durch die etwas weniger charismatische Margot Nuccetelli ersetzt wurde? Nein, sicher nicht, ist doch der Kern der Serie die animierte Welt Centopia. Die ist nachwievor genial, erinnert an Klimt und päsentiert sich kindgerecht geheimnissvoll. Aber der Ablauf der Geschichten hat sich seit der ersten Staffel nicht verändert!

Die Bösen bedrohen die Einhörner und Centopia => Mia kommt mit einem Orakel (das Leitthema der Episode) => McGuffin für den finalen Kampf gegen das Böse wird gesucht. 78 Folgen lang.

Auch der Bösewicht ist hier eher… nicht ganz so gut. Panthea (Staffel 1) war eine alternde Diva, die um jeden Preis wieder jung sein will, Rixel ein fetter, übertrehter… exotischer Elf, der so gerne Dunkelelf werden möchte. Dax, der Insektenmann hingegen ist ein überheblicher, aufgeblasener Fatzke ohne rechte Sympathien.

 

Achja… zu Mia and Me hätte ich gern ein Rollenspiel! Die Welt bietet so viele Möglichkeiten für interessante Abenteuer…

 

Trun: Washingtons Spies

Meine alternative zu Taboo. Ich hab erst angefangen, kann also noch nicht sagen, wie gut es wird.

Karneval der Rollenspielblogs: Ruinen – Von einer aufstrebenden Kleinstadt zur Geisterstadt- ein Szenario für Old Slayerhand und andere Western-Rollenspiele nach einer wahren Begebenheit

Heute Morgen bin ich über einen Wikipedia-Artikel gestolpert, der super zum diesmonatigen Karneval der Rollenspielblogs passt. Es geht um Singapore, Michigans vielleicht berühmteste Geisterstadt.

Wenn man sich mit der Geschichte der Stadt befasst, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Die Stadt, bestehend aus zwei Sägemühlen einer normalen Mühle, zwei Banken, zwei Hotels, einigen General Stores und weiteren Gebäuden (insgesamt 23 Gebäude) hat es in nur 29 Jahren ihres Bestehens geschafft, einen veritablen Bankenskandal zu produzieren, einen 40 Tage andauernden Blizzard zu überstehen, im Anschluss Strandpiraterie zu betreiben, auf die Grundmauern abgebrannt und zum Schluss von eine Sandsturm verschluckt zu werden. Bravo. Andere Orte brachen dafür Jahrhunderte.

Ein ganz kurzer geschichtlicher Abriss für alle, die den Wikipedia-Eintrag nicht lesen wollen:

1829 wurde Singapore an der Mündung des Kalamanzoo Rivers am Lake Michigan von einem gewissen Oshea Wilder gegründet. Die beiden Sägemühlen verraten, dass es bei der Stadtgründung vor allem um die Ausbeutung der Wälder ging, das Holz sollte vor allem nach Chicago verschifft werden (1848 wurde dafür sogar ein Dreimast-Schoner, die Octavia, gebaut).

1838 gab es zwei Banken in der Stadt. Da es zwischen 1816 und 1863 keine Bankenaufsicht in Amerika gab, waren das eher zwielichtige Institutionen, die ihre eigenen Dollar-Noten druckten. 1838 waren so rund 50.000 $ im Umlauf, teilweise vom Präsidenten oder autorisierten Repräsentanten der Bank unterzeichnet, teilweise ohne jede Unterschrift. Wenn man bedenkt, dass 1 USD von damals einer Kaufkraft von etwa 3,125 heutigen Dollar entspricht… 1838 war sowieso ein interessantes Jahr, Michigan war damals gerade mal ein Jahr Teil der Vereinigten Staaten, drei Jahre zuvor hatte man sich noch einen Krieg mit Ohio um die Grenzen geliefert und man stecke gerade in einer Bankenkriese, die noch bis 1842 dauern sollte. 1865 gab es ein Gesetz zur Regulierung von Banken, danach sollten Banken 1/3 der ausgegebenen Geldnoten in Goldmünzen vorrätig zu haben. Davon waren die beiden Banken meilenweit entfernt. Also taten sich die beiden Geldhäuser zusammen, legten ihre Goldmünzen zusammen, zeigten den Goldschatz den angereisten Inspektoren in der einen Bank, lenkten die Inspektoren ab, brachten die Münzen quer durch die Stadt zur anderen Bank und zeigten dort die Münzen nochmals den Inspektoren. Als Wirtschaftswissenschaftler kann ich nur sagen: Respekt, die Herren von der Bank hatten Cojones!

1842 gab es einen Blizzard, der 40 Tage andauerte und die Nahrungsmittel in der Kleinstadt knapp werden ließ. Glücklicherweise war das Schiffswrack der Milwaukie, das da vor der Küste lag. Die hungernde Bevölkerung hat sich dann wohl an die alte Regel erinnert, dass Strandgut dem Finder gehört und das Wrack geplündert.

1846 wurde die Stadt verkauft. Der 8. Oktober 1871 war wohl ein Schicksalstag in der Geschichte des nördlichen Mittleren Westens. Chicago, Peshtigo, Holland und Mainstee brannten und auch Singapore ging an diesem Tag in Rauch auf. Der enorme Holzbedarf für den Wiederaufbau von fünf Städten führte zur Abholzung der ganzen Gegend, Singapore verlor dadurch seinen natürlichen Schutz vor Stürmen. Diese Stürme wirbelten den Sand auf (der Boden der Gegend ist reinster Sandboden, abgelagert durch die Großen Seen) und begrub dann 1875 den Ort komplett unter sich.

 

So, und was kann man mit solchen Infos anfangen? Das Städtchen eignet sich ideal für eine Kleine Sandbox. Die Anzahl der wirklich wichtigen Orte und NSCs ist überschaubar, die Sandbox aht fixe Eckdaten für einen Plot und ein fixes Ende (imho bracht auch eine Sandbox einen gewissen Plot oder zumindest zwei Fixpunkte (Anfang und Ende).  Ohne das würde es mir als Spieler schnell langweilig werden. Das sich der Sandbox-Plot in Singapore (die Helden erleben Aufstieg und Niedergang einer Stadt mit und bestimmen deren Geschick an neuralgischen Punkten) über 29 Jahre hinzieht, ist nicht schlimm, wenn quasi im Zeitraffer gespielt wird. Ich hatte ja schon mal eine ähnliche Konstellation über 49 Jahre.

Mir fallen auf Anhieb drei Abenteuerideen ein:

 

Vierzig Tage Hunger (im Jahr 1842)

Nach dem verheerenden Blizzard machen sich einige Bewohner Singapores auf den Weg, um das gestrandete Schiff Milwaukie zu plündern. Ihnen stehen die Matrosen des Schiffes und deren Kapitän, James Smith, entgegen.

Die Helden_innen sind entweder Bürger aus Singapore, die unbedingt die Fracht der Milwaukie, Reis, Kartoffeln, Konserven und Medizin, erobern wollen oder aber Teil der Besatzung, die eben jenes verhindern müssen. Bei letzterem schwingt so ein bisschen Zombie-Feeling mit, wenn ausgemergelte, hungrige Gestalten sich durch Eis und Schnee kämpfen und versuchen, an Bord zu kommen. Je nachdem, wie die Helden_innen agieren, kommt es zu einem Shoot Out oder zu Verhandlungen mit der anderen Seite, bei der dann frischgedruckte Singapore-Dollar den Besitzer wechseln…

 

Stopp! Bundesagenten! (im Jahr 1865)

Die Helden_innen werden vom Bankdirektor der Bank of Singapore, Jacob Miller angeheuert. In einem Telegramm wurde er unterrichtet, dass Bundesagenten aus Washington DC auf dem Weg sind, die Banken Singapores auf deren Golddeckung zu prüfen. Nur wenn beide Banken ihre Münzen zusammenlegen würden, wäre genug Geld da, um die größere der Banken, die Bank of Singapore, vor dem sofortigen Bankrott zu retten. Die Helden_innen müssen am Tag der Inspektion also zuerst die Goldmünzen von der Bank of Allegan zur Bank of Singapore schaffen, dort, als Bankangestellte getarnt, die Münzen zählen lassen und dann die Münzen der Bank of Allegan mit ein paar tausend Golddollar der Bank of Singapore wieder in den Tesor der Bank of Allegan schaffen, ohne dass die Bundesagenten, deren Spitzel oder ein paar ortsansässige Personen mit zweifelhaften Leumund davon Wind bekommen…

 

Gelegenheit macht Diebe (im Jahr 1865)

Der Goldtransport quer durch die Stadt ist für den Bankdirektor der Bank of Allegan, Jeremia Springfield, der ideale Moment um sich abzusetzen. Zusammen mit den Golddollas seiner Bank und den Tausend Dollar der Bank of Singapore möchte sich der Bankpräsident auf dem Schoner Chicago nach Sault Ste. Marie in Kanada absetzen. Unterstützt wird der Bankdirektor von drei Outlaws, denen er einen Teil der Beute versprochen hat. Die Helden_innen bemerken den Diebstahl und nehmen die Verfolgung des Flüchtigen auf.

Ich finde diese Idee schreit nahezu nach einer Seeschlacht auf dem Lake Michigan, bringt also Piraten-und Freibeutermotive ins Western-Szenario ein (das erinnert mich ein bischen an Kapitän Kaiman von May). Schafft der Banker den Grenzübertritt, kommt ein zweiter Twist zur geschichte hinzu. Dann kann er nämlich ganz offiziell um den Schutz der örtlichen Polizei bitten, dir Helden_innen würden dann von gesetzestreuen Bürgern, die einem flüchtigen Dieb hinterherhetzten, zu Outlaws, die einen reichen Reisenden überfallen wollen…