200 Goldstücke haben und 200 Goldstücke nicht haben…

Macht zusammen 400 Goldstücke und wenn sie vor einem Spiegel stellt, werden sogar 800 Goldstücke daraus…

So oder so ähnlich hat mir mein Vater mal den Wert von Geld beigebracht. Über das Thema Geld im Rollenspiel bin ich über einen Blogeintrag von Runway 61 gestolpert und als Wirtschaftswissenschaftler lässt mich das ganze natürlich nicht kalt.

 

Vorab… ist Geld im Rollenspiel nur Fluff oder mehr?

Tja, es kommt darauf an. Erst einmal ist es Fluff. Die Münzen aus Gold, Silber und Kupfer sollen in eine Mittelalterliche Fantasywelt einführen, sie bilden die Interaktion zwischen NPCs und NPCs sowie zwischen PCs und NPCs ab, geben der Weltbeschreibung Fleisch und Abenteuer eine Art Ingame-Belohnung (Erfahrungspunkte sind imho eine Belohnung auf der Metaebene. Zoomt man von der Metaebene des Spielers in die Ebene des Helden rein, so ist sich der Held bestimmt nicht bewusst, dass er durch sein Verhalten gerade erfahrung dazugewonnen hat. Bewusst ist ihm aber die Geldkatze mit den 200 Goldstücken, die ihm der reiche Händler für die Errettung seiner Tochter vor dem Drachen übergeben hat). Fluff ist es auch, dass man beim Wechsel von einer Spielregion in eine andere (in DAS z.B. vom Mittelreich in die Khom) Wechselstuben aufsuchen muss, sein Geld tauscht und dabei vom freundlichen Wechselstubenbetreiber übers Ohr gehauen wird.

Ein Tauschinstrument wird’s immer dann, wenn die Helden erworbenes Gold gegen Ausrüstungsgegenstände tauschen wollen. Und hier wird’s tricky. Schnell läuft man gefahr (sit mir oft genug selbst passiert) in eine Inflationsfalle zu laufen (ok, sie ist nicht so schlimm wie bei den MMOs aber trotzdem da. Ein Magier, der mal so eben 10000 Dukaten auf Lager hat, der kann halt mal auch ein besonderes Zauberbuch kaufen… zwei Mal… mit Widmung von Rohal persönlich…

In der guten alten Horasreichbox zu DSA3 Zeiten gab es mal einen Index, wie viel das Leben im Horasreich so kostet, abgestuft vom Bettler bis zum Hochadel, und was man dafür denn so alles bekommt. Ich habe das in meinem Abenteuer „Tore im Eis“ aus den Blutigen Pfaden recycelt. Auch in meiner alten Runde hab ich das gern verwendet. Man frage die Spieler, wie ihre Helden denn die letzten Monate zu leben gedenken und wieviel sie wärend des Abenteuers fürs tägliche Leben ausgeben wollen. Den Betrag zieht man ab und voila, der Rest kann für das Superschwert +3 und die Heiltränke draufgehen (die Ausrüstungspakete in DSA5 gehen in die gleiche Richtung, die finde ich recht gelungen). Der ganze Kleinkram (Geld fürs Bier hier, ein paar Kupfermünzen für den Bettler dort, ein Obolus fürs Theater huben) entfällt dann.

Bleiben die leichenfleddernden Paladine… Erstens, meine bisherigen Spieler ließen ihre Helden meist nur am Anfang einer Heldenkariere jede Leiche plündern. Meist bekamen sie ein paar Kupferstücke, einen Ring oder ähnliches. Später werden nur besonderer Waffen oder Rüstungsteile eines Gegners mitgenommen, der Rest wird zurückgelassen (gibt ja meist mehr Geld, wenn man den Auftrag schnell zu Ende bringt). Für Paladine/Geweihte/Mönche/Priester – das Lawfull-Good-Gedöns halt – bietet sich sowieso eine ganz andere Art der Ingame-Belohnung an. Diese Chars können nicht über eine festgelegte, geringe Geldmenge hinaus bekommen, den Rest müssen sie am Ende des Abenteuers an ihre Religionsgemeinschaft spenden. Der enge Verbund mit einer Gemeinschaft hat aber auch seine Vorteile: Essen, Trinken und Schlafen wird Kostenlos und geschieht meist im örtlichen Tempel oder im Privathaus eines Gläubigen. Erfahrene Helden müssen sich Waffen nicht kaufen sondern bekommen die Heilige Keule des St. Aspirinius von ihrer Kirche zum Schutz und Gebrauch überstellt. Abenteuer werden nicht mehr gemacht, weil sie gerade am Wegesrand liegen sondern weil man im Auftrag des Herrn und seiner heiligmachenden Kirche unterwegs ist. Geld wird da überflüssig.

Zum Thema Zweitwährung, also Goldmünzen fürs Schlafen., saufen und ficken, Platin zum Erwerb besonderer Ausrüstung: So richtig bewusst hab ich das bei Assasins Creed: Black Flag gesehen, wo man ja mit einer eigenen Währung seine Piratenflotte aufrüsten kann. Im Rollenspiel find ich die Idee irgendwie… naja, gings in dem Blogeintrag nicht darum, die lästige Buchführerei von Geld loszuwerden? Dann eine Zweitwährung einzuführen… ich weiß nicht…

Zu guter Letzt: Bei der Wiederbelebung der DAS-Goblune Tharun hat man bewust auf ein Geldsystem verzichtet. Hier spielen die Helden entweder Diener eines Adligen (dann ist es dessen Job, die Helden angemessen mit Essen, Trinken und Kultur sowie Waffen auszustatten) oder Gesetzlose, die dann bei den Bauern, die ihrer Abgaben in Naturalien leisten müssen, zum sagenhaften Preis von einer Faust-ins-Gesicht einkaufen können. Mich als Spielleiter stört es allerdings ein wenig, kann ich doch so nur schwer den Wert einer Belohnung für die Helden einschätzen. Da lob ich mir die Tauscheinheiten, ein Währungssystem, auf dem wir den Handel in Rakshazar aufgebaut haben.

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3 Gedanken zu „200 Goldstücke haben und 200 Goldstücke nicht haben…

  1. greifenklaue

    Das spannende am Looten sind imho eher zwei andere Sachen als Geld: zum einen Hinweise, Rätsel, Fundstücke zum Plot / zur Handlung. Zum anderen kuriose Gegenstände. Da lieb ich ausufernde Loottabellen mit seltsamen Dingen …

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  2. Pingback: Aus dem Limbus: Let’s Play, Spielbericht & Geldfragen | Nandurion

  3. Christof

    Eine kurze Erklärung zur Zweitwährung: Erstens: ich bevorzuge es, ganz ohne Buchhaltung zu spielen, die Spieler müssen sich also nicht notieren wie viel Geld sie haben und müssen auch keine Kosten abziehen. Manche Regelsysteme messen aber Ausrüstung großen Stellenwert zu und diese ist auch essentieller Bestandteil der Charakterentwicklung.Und nur für solche Systeme ist die Zweitwährung gedacht. Ein Mehraufwand entsteht dadurch nicht, denn die Erstwährung ist reiner fluff und wird nicht verwaltet.Lediglich die Zweitwährung wird am Charakterblatt notiert und sie „droppt“ nur bei Endgegnern oder wird als Belohnung ausgegeben.Die Buchhaltung beschränkt sich also darauf, am Ende des Abenteuers sich eine bestimmte Menge gutzuschreiben und gelegentlich damit ein neues Ausrüstungsteil zu kaufen. Ich denke das ist verkraftbar.

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