Karneval der Rollenspielblogs: Feen – Auf der Suche nach dem Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“ –
„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron‘ und Schweif?“ –
„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel‘ ich mit dir;
Manch‘ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

„Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?“ –
„Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind.“ –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

„Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“ –
„Mein Sohn, mein Sohn, ich seh‘ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –“

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt.“ –
„Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!“ –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

File:Erl king sterner.jpg

Deutsch: Der Erlkönig (nach der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfgang von Goethe), circa 1910 von Albert Edward Sterner (1863–1946)

Was past besser zum Feenmonat April, sich mal die olle Ballade vom verfickten Goethe vorzunehmen? Immerhin geht es da ja um einen Feenkönig, der alles andere als harmlos ist.

Goethes Erlkönig – eine kurze Analyse

Goethe hat den Erlkönig als literarische Figur nicht erfunden. Dass er keine fette Urheberrechtsklage am Hals hatte lag vor allem daran, dass es das Urheberrecht damals noch nicht gab. Erfunden hat das Wort „Erlkönig“ J.G. von Herder, der 1778 eine dänische Ballade, die wiederum auf dem Elveskud beruhte, ins Deutsche übersetzte. Da wurden als elvermø die Töschter des Erlkönigs, wobei er sich bei diesem Wort wieder an eine dänische Legende, die des elverkonge anlehnte. Dass er dabei elver nicht als Elfe/Fee (vor Tolkin war das daselbe) übersetzte sondern mit Erle ist in meinen Augen ein genialer literarischer Kniff.

Datei:Briesetal bei Briese.JPG

Erlenbruchwald (Alnus glutinosa). Der Fluss Briese fließt beim Ort Birkenwerder (Ortsteil Briese) durch diesen Erlenbruchwald. Bild von Bernd Schade, CC-BY-SA 3.0

In Deutschland wächst die Schwarzerle. Sie ist ein Sumpfbaum, also in Deutschland leider entsprechend gefährdet. Interessant wird es, wann man sich mit der Beziehung Mensch-Erle ausenandersetzt. Erlen galten seit jeher als dämonische, teuflische Bäume, vor allem, weil, wenn man sie fällt, die Erlen ein rötliches Harz absondern. Sie bluten also nach. Erlenzweige und Erlenholz galten, nach dem Grundsatz geliches mit gleichem zu wehren, als potente Mittel gegen Geister und Dämonen. Der Ort, an dem Erlen wachsen, die Sümpfe und Moore, galten schon den germansichen Stämmen als Tore zur Unter(Anders-)welt. Der Erlkönig wird allein durch seinen Namen schon der Totenwelt nahegerückt. Der Name wird zur nicht ausgesprochenen Warnung vor einem Wesen, das nicht von dieser Welt ist, über den der Höchste schon seinen Stab zerbrochen hat (die Stäbe für dieses Schuldspruchritual waren übrigens auch aus Erle).

Zurück zu Goethe, der seine Ballade vier Jahre später schrieb. Generationen von Schülern (und Germanisten) haben sich wohl über deren Interpretation den Kopf zerbrochen. Dabei haben sich drei Hauptströmungen der Interpretation herauskristallisiert.

  1. Der romantische Ansatz: Goethe hat hier eine der ersten romantischen Balladen geschrieben. Romantisch heißt in diesem Fall naturmagisch. Die Natur als magischer, mystischer Ort, aufgeladen mit Gefühlen, Unterbewusstem und Schrecklichem. Der Vater ist hier der aufgeklärte Mensch, dem es vor der Ahnung des Kindes, das noch ganz empfänglich ist für die Magie der Natur (und für die Schadzauberei des Erlkönigs), graut.
  2. Die Pupertät: Bei dieser Interpretation ist der Erlkönig Sinnbild für die Lüste und Gelüste des Erwachsenwerdens. Der Vater will den Jungen davor bewahren, doch den Lauf der Zeit und damit die Pupertät kann er nicht aufhalten. Das Kindliche im Jungen stirbt.
  3. Der sexuelle Misbrauch: Vater und Erlkönig sind hier ein und dieselbe Person. Der Vater versucht den Missbrauch herunterzuspielen, der Erlkönig lockt und drängt mit Gewalt, die Seele des Kindes stribt.

Manchmal ist ein roter Hering einfach nur ein roter Hering. Ich glaube nicht, dass Goethe eine Missbrachsgeschichte im Kopf hatte, als er diese Ballade schrieb. Auch das mit der Pupertät finde ich etwas weit hergeholt. Dennoch, die beiden Interpretationen haben Potential, im Rollenspiel genutzt zu werden. Der Bezug zu Erlen bietet zusätzliche Inspiration. Zur genauen Ausarbeitung komme ich dann später.

 

Elveskud – Tötlicher Ringelpietz

Gemeinsame Kulturräume haben oft gemeinsame Geschichten. Sie ändern sich zwar von Region zu Region, und auch wann eine Geschichte verschriftlicht wird, hat Einfluss auf Details der Story. Eleskund ist so ein Beispiel. Die Geschichte wurde um 1570 zuerst in Dänemark niedergeschrieben, die Geschichte gibt es aber in Schweden, Norwegen, Island und auf den Farörinseln.

Kern der Geschichte ist der Herr Olaf, der auf dem Heimweg an einem Elfentanzplaz vorbeikommt und Aufgefordert wird, doch mitzutanten. Er lehnt ab (je nach Version weil er am nächsten Tag heiraten will, zu seiner Mutter zurück will oder weil ein braver Christenmensch sich nicht mit heidnischen Feen abgibt), die Elfen belegen ihn mit einem Kankheitsfluch. Olaf stribt, als er zuhause über die Türschwelle tritt.

Interessant finde ich an dieser Geschichte den Aspekt der rachsüchtigen Feenwesen. Weil Olaf ablehnt, muss er sterben. Hätte Olaf mitgetanzt, wäre es ebenfalls sein Verderben gewesen, da er wohl an Erschöpfung gestorben wäre. Wer sich mit Feenwesen einlässt, ist verloren.

 

Herla und die Wilde Jagd – Verdammt in alle Ewigkeit

Wenn man die Warnung vor Feenwesen weiter duch die Literaturgeschichte verfolgt, landet man irgendwann bei Herla und der Wilden Jagd.

Die Wilde Jagd ist ein europäischer Mytos und spätestens seit Wicher III weltweit bekannt. Ein Geisterheer zieht durch die Lande, angeführt von einem Oberjäger. Das Auftauchen der Wilden Jagd kündigt immer ein Unglück wie einen Krieg oder eine Seuche an, wer der Wilden Jagd begegnet, der muss um sein Leben und sein Seelenheil bangen, Erdmännlein und Zwerge sind die Beute der Jagd. Wer das ist, hängt davon ab, aus welchem Kulturkreis man kommt. In England ist das z.B. neben König Arthus auch König Herla.

Die Geschichte wurde im 12.Jhdt niedergeschrieben. Demnach war Herla ein König der Briten. Herla war auf die Hochzeit eines Zwergenkönigs (Zwerge galten bis Tolkin als Feenvolk. Erzählt das aber den Zwergen nicht!) eingeladen. Nach den dreitägigen Feierlichkeiten will Herla zurück in die Menschenwelt. Der Zwergenkönig beschenkt den menschlichen Gast unter anderem mit einem Jagdhundewelpen. Er gibt den König die Anweisung, erst dann vom Pferd zu steigen, enn der Hund vom Pferd gesprungen ist. In der Menschenwelt trifft Herla einen Bauern, den er nach seiner, auf seinem Schloss zurückgelassenen, Frau befragt. Der Bauer gibt dem König zu verstehen, dass er ihn kaum verstände, da er ein Saxe ist und kaum Keltisch spräche. Einen König Herla kenne er nur von Geschichten, er wisse daraus, das der König vor 300 Jahren spurlos verschunden sei. Auf den Schock dieser Nachricht steigen ein paar Ritter ab, sobald deren Fuß aber den Boden berührt, vergehen sie zu Staub. Der König und die restlichen Ritter ritten aber weiter, und da der Hund bis heute noch nicht vom Pferd gesprungen ist, geistern sie als Wilde Jagd durch England.

In der Geschichte wird neben der Boshaftigkeit des Feenvolkes zum ersten mal der Aspekt aufgegriffen, dass in Feenwelten die Zeit anders verläuft als in der Welt der Sterblichen.

 

Rollenspiel mit Erle und Co.

So, und was machen wir mit den ganzen Informationen? Wir basteln. Aus dem Erlkönig kann man wunderbar eine Dryade oder einen Waldschrat machen. DSA5 bietet hierfür  bereits Werte. Hier wäre dann auch die Erle im Spiel, der Dryade würde in einer Erle wohnen, der Waldschrat hätte das Erscheinungsbild einer Erle. Ich würde den Wesen noch die Nachteile Persönlichkeitsschwäche (Neid auf jugendliche Schönheit), Schlechte Angewohnheit (Belästigung) und noch einen bösartigen Schadenszauber, wie etwa Schwarz und Rot (Todesfluch).


In Pathfinder wäre der Erlkönig ein eifriger Diener der Grünen Mutter, wenn nicht selbst ein Ältester

Der Erlkönig

Der morastige Verführer

NB Ältester der Sümpfe und Moore und der Verführung
KULT
Heiliges Symbol: Keltischer Knoten aus Erlenblätter
Domänen Bezauberung, Böses, Sümpfe, Erle
Unterdomänen: Lust, Verwesung
Bevorzugte Waffe: Stäbe und Knüppel
Heiliges Tier: Mücken, Bremsen, Supfungeziefer
Heilige Farben: Grün, Braun
Tempel: Auen, Sümpfe, Erlenhaine
Anhänger: Druiden, Gewalttäter, Perverse, Verführer
Gefolgsleute: Dryaden, Nymphen, Pflanzenkreaturen,
Satyrn,
Gehorsamsritual Brich ein ungeschriebenes Gesetz oder begehe eine Handlung wider die Moral deriner Gemeinschaft oder verführe jemanden dazu.Du selbst darfst nicht zweimal das gleiche Taboo oder Gesetz brechen, und wenn Du jemanden dazu verführst, darf es nie die selbe Person seinn. Du erhältst einen
unheiligen Bonus von +4 auf Rettungswürfe gegen geistesbeinflussende Effekte.
SEGEN
1: Unwiderstehliche Präsenz
(ZF) Person bezaubern 3/Tag,
Fesseln 2/Tag oder Einflüsterung
1/Tag
2: Subtiler Einfluss (ZF) Du kannst drei
Mal pro Tag Person beherrschen wirken.
Um dem Ziel komplexe Befehle geben
zu können, musst du seine Sprache nicht
beherrschen.
3: Jeder und jedes (ZF) Du kannst ein Mal pro
Tag Gestaltwandel wirken.

Der Erlenhain des Erlkönigs

Auch durch den gefährlichsten Sumpf führt ein Pfad, doch der Pfad ins Reich des Elenkönigs fürt in den Tod und ins Verderben. Mitten im Sumpf steht ein Kreis aus 8 Erlen, deren Äste zu einem verwirrenden Dickicht verwachsen sind. Sieben der Erlen sind von Dryaden bewohnt, den Töchtern des Erlkönigs. Die achte Erle dient als dessen Thron, denn von dieser Erle steht nurmehr ein Stumpf, aus dem der Tron geschnitzt wurde. Wer immer den Erlenkreis betritt, wird vom Erlkönig zum Tanz mit seinen Töchtern aufgefordert. Stellen sich die Reisenden geschickt an, so winkt ihnen die Gunst des Erlkönigs. Weigern sie sich der versagen sie im Tanz, so verflucht der Erlkönig diejenigen und sie sind des Todes. Wer im Kreis der Erlen verweilt, der Altert nicht, verlässt er den Kreis jedoch wieder, dann altert er die Stunden in Jahrzehten, die er im Kreis der Erlen verbrachte. Kleinen Kindern oder Gerbies stellt der Erlkönig gierig nach.

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