Karneval der Rollenspielblogs: Ein Tag im Sommer – Die ersten Tage des Sommers…

… sind die letzten Tage des Schuljahres. Und alle Jahre wieder stellt sich für Pädagoginnen die Frage, was man denn so in den letzten Tagen nach Notenschluss und vor Zeugnisvergabe mit der lustlosen Masse der pubertierenden oder spätpubertierenden Schülerinnen machen könnte. Filme anschauern? Da sind die Schulleiter (und in der Berufsschule auch die Betriebe) dagegen. Urheberrechtsverletztung und Zeitverschwendung und so. Prüfungsvorbereitung? Wird nach zwei Tagen auch langweilig. Projekte? Määäh.

Ich will hier kurz Alternativen vorstellen, die wir Rollenspieler haben, und welche Möglichkeiten hier versteckt sind.

 

Die Werwölfe von Düsterwald

Die Werwölfe sind nun seit 17 Jahren auf dem Markt und haben schon fast das gesamte Schulsystem durchdrungen. Sprich: In den Klassen gibt es mindestens ein Viertel der Schüler, die das Spiel schon mal in den Vorgängerschulen, Jugendfreizeiten oder im Urlaub gespielt haben. Das macht es für einen Lehrer ziemlich einfach, das Spiel einzusetzen. Er muss dann nicht mehr selber den Spielleiter machen, sondern kann auch als Spieler mitspielen. Zum Spiel selber brauche ich, glaub ich, nichts mehr zu sagen. Die Werwolfspielerinnen entscheiden, wer am nächsten Tag nicht mehr erwacht, die Dorfbewohner entscheiden, wer am nächsten Tag auf dem Scheiterhaufen landet (hoffentlich ein Werwolf). Wenn die Werwölfe am Schluss übrigbleiben, dann haben die Bürger verloren.

Das Land Og

Das Land Og ist ein lustiges kleines Bier-und-Brezel-Rollenspiel. Nett, lustig, gut. Das Tolle an dem Spiel ist der limitierte Wortschatz, den die Spielerinnen bzw. deren Chars haben. Halbe Klugheit Wörter Wortschatz ist nicht gerade viel. Mit Pech… Stinkig und Essen, dann wars das. Wer schon mal einen wirklich limitierten Barbaren spielen will, ist hier genau richtig.

Ich habe dieses Jahr mit einer Klasse Das Land Og gespielt und damit mehrere pädagogisch wertvolle Stunden entwickelt. Das zusammenfassende Thema der Stunden war Kommunikation. Zuerst ließ ich die Schüler selbst entscheiden, wie groß ihr Wortschatz war, ließ die Charakterklassen und Talente usw. außen vor (alle Schüler waren Steinzeitmenschen). Danach habe ich sie das erste Szenario spielen lassen. Ok, die Schüler haben sich natürlich gefragt, was das Ganze soll. Ich habe sie selber drauf kommen lassen… durch offene Fragen.

  • Was hast du gefühlt, als du deinen Steinzeitmenschen gespielt hast.
  • Was hat dich genervt und warum?
  • Was hätte dir beim Spielen geholfen?
  • Wart ihr früher schon mal in einer Situation, in der ihr euer Gegenüber nicht verstanden habt?

 

Die Fragen zielen darauf ab, dass die Schüler (in meinem Fall Berufsschüler), in dem Ausbildungsjahr tatsächlich eine neue Sprache (Fachsprache) gelernt haben, dass ihnen ein Wörterbuch geholfen hätte und dass die Spracheinschränkung tierisch nervt. Damit kann man in verschiedene Richtungen arbeiten: Man könnte ein Fachwörterbuch entwickeln, über Kommunikation allgemein sprechen (Vier-Ohren-Modell) oder für Marvin den Steinzeitmenschen einen Kommunikations-Guide für das 21.Jhdt. entwickeln (was ich gemacht habe). Lustig und eine Beschäftigung für 5-8 Unterrichtsstunden.

 

Fröbelturm

Der Fröbelturm ist jetzt zwar kein Rollenspiel, man kann aber mit diesem Spiel wunderbar die Rollen der einzelnen Schülerinnen in der Klasse bzw. seine eigene Lehrerrolle überdenken. Das Spiel besteht aus einem Kran, an dem Schnüre hängen, und sechs Holzklötzen, die im oberen Viertel eine Einkerbung haben. Da muss der Kran rein, den Klotz aufrichten und zu einem Turm stapeln. Der Kran wird durch die gespannten Schnüre bewegt, die von den Schülern gehalten werden. Soweit sogut. Man kann in einem ersten Versuch verbale Kommunikation verbieten, man kann sie aber auch erlauben. Schnell wird man erkenne, wer in einer Klasse die Wortführer sind, wer Kompromissbereitschaft zeigt, wer Außen vor ist.

Die Rolle der Lehrerin beeinflusst übrigens das Ergebnis. Zeigt ihnen die Lehrerin einen hohen Turm als Beispiel, versuchen die Schüler einen hohen, wackeligen Turm zu machen. Zeigt ihnen die Lehrerin einen niedrigen, stabilen Turm, wird ein niedriger Turm nachgebaut.

 

 Beutelschneider

Natürlich kann man auch ein richtiges Rollenspiel mit den Schülern spielen (sollte die Klasse klein genug sein). Es müsste aber ein Rollenspiel sein, das einfache Regeln besitzt… wie Beutelschneider. Das Regelwerk ist nur wenige Seiten dick, ein Sack mit farbigen Murmeln schnell organisiert, als Setting hätte ich Yimrheim in petto (wird am Nikolaustag online gestellt).

 

 

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