Neues von der Kirchenfledermaus – BAD ASS Heilige als Inspiration fürs Rollenspiel

Ich hab ja da meinen Zweitblog, in dem ich über verschiedene Interessante Dinge des christlichen Glaubens berichte. Heut habe ich mir mal die BAD ASS Heiligen der katholischen Kirche näher angeschaut.

File:Santa-muerte-nlaredo2.jpg

Close-up view of a Santa Muerte south of Nuevo Laredo, Mexico. This work has been released into the public domain by its author, Not home at the English Wikipedia project. This applies worldwide

Zu Beginn des Eintrages ziehe ich in der Rolle der Kirchenfledermaus Leander ziemlich über den Kult der Santa Muerte her. Als gläubiger Katholik ist dieser Kult für mich natürlich eine Ausgeburt der Hölle, als Rollenspieler, geschichtsinteressierter und theologiefester Mensch allerdings ist der Kult geradezu eine Fundgrube. Santa Muerte ist eine weibliche, skelettierte Göttin eines Kultes, dem vor allem Drogendealer, Kriminelle und auch ein paar Polizisten anhängen.

Die Heilige Frau Tod ist wohl eine krude Mischung aus christlichen Vorstellungen (der gute Tod, Memento Mori) und aztekischen Gottheiten (Mictēcacihuātl). Ein mexikanischer Karikarturist hat dann den Kult in die moderne gehieft. Spätestens in den Vierzigern des letzten Jahrhunderts hat sie sich dann als Schutzheilige für alles Abseitige (Schwule, Drogen, Kriminalität, Mord) durchgesetzt.

Als alter DSA-Spieler kenne und liebe ich ja meinen PHEX. Die Dame hier ist aber quasi die dunklere, gefährliche Variante was mich zugegebenermaßen fasziniert.

Also habe ich mal begonnen zu recherchieren, welche Heiligen mit… nennen wir es dunkleren Flecken auf der weiße Weste so gibt. Ein paar hab ich gefunden und hier möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, um hier ein paar aus der Rollenspielperspektive zu benutzen.

Von Moses dem Äthiopier zum rabiaten Priester eines Travinatempels

Moses Lebenslauf schreit geradezu nach einer Rollenspielerischen Umsetzung. Die Geschichte ist viel zu gut, um nicht als Charakterhintergrund genutzt zu werden! Moses begann sein Leben als Sklave im römischen Ägypten 332 nCh. Sein Herr schmiss ihn raus, weil er schon damals raubte, soff und wohl auch mordete. Nach seinem Rausschmiss stieg er zum Hauptmann einer 75-köpfigen Räuberbande auf. Irgendwann kam er dann in ein Kloster, je nach Version um es entweder auszurauben, unterzutauchen oder um Rat in einer Lebenskrise zu erhalten. Ich bleib mal bei der Flucht-Vor-dem-Gesetzt-Variante, weil die mir gut in den Kragen passt.

Es sind auch einige Heiligenlegenden vom späteren Märtyrer Moses überliefert, die, die mir am besten gefällt ist jene, dass drei ehemalige Kollegen ins Kloster einstiegen und versuchten, einen Mönch in seiner Zelle zu überraschen und auszurauben. Pech, dass sie sich ausgerechnet Moses ausgesucht haben, der wohl, laut Überlieferung, ein Hüne von einem Mann gewesen sein muss. Das Ende vom Lied war, dass Moses seine überwältigten Kumpane über die Schulter warf, mit ihnen in die Kirche trat und sie den Klosterältesten vor die Füße war, die entscheiden sollten, was denn mit den Einbrechern zu geschehen habe. Weil er Gewalt anwenden musste, soll der äthiopische Riese sich selbst drei Tage fasten auferlegt haben.

Und nun hier eine Umsetzungsidee für DSA: Machen wir aus Moses eine Akoluthin oder Geweihte der Travina. Einen rabiaten Priesterin, die den gebotenen Frieden im Tempel oder als Akoluthin in der Rolle der Türsteherin den gebotenen Frieden in einem Wirtshaus oder einer Herberge, mit Wort (scherfällig, derbe Sprache) oder Taten (Backpfeifensturm!) umsetzt. Als ehemalige Räuberin dürfte sie zudem ziemlich gut mit Säbeln und Dolchen (bzw. deren zivilen Gegenstück, dem Fleischermesser) umgehen können. Die Idee mit dem Fasten nach Gewaltanwendung finde ich gut. Vielleicht trägt sie auch einen Gürtel, an dem Ketten angebracht sind, die seine Arme einschränken (weit genug, dass er arbeiten kann, eng genug, dass er keinen erschlagen kann).

 

Afra von Augsburg – Die heilige Dirne

Die Geschichte der zweiten Heiligen liest sich dagegen wie ein Plot für Tassander. Ein junges Mädchen flieht mit ihrer Mutter ins rätische Exil nach Aelium Augustum. Sie fliehen, weil ihr Vater, der König von Zypern (durch Roms Gnaden) erschlagen wurde. Mitten in der Hauptstadt Rätiens finden sie Ruhe und die junge Prinzessin soll zur Dienerin der Venus ausgebildet werden. Dann jedoch begehen die Beiden, Mutter und Tochter, den verhängnisvollen Fehler, einen gesuchten Kultisten Unterschlupf zu gewähren. Der bekehrt die beiden Frauen zu seiner Sekte. Da die Lehren der Sekte gegen die Grundsätze des Imperiums verstoßen, werden die Frauen gejagt und enden auf dem Scheiterhaufen.

Die Heilige ist übrigens Afra von Augsburg, die Geschichte spielt aber unter Diokletian (304 nCH.), Tessanders Kampagne spielt aber zu Zeiten Commodus (180 -192 nCh). Trotzdem… interessant ist die Geschichte der Afra schon. Und die Idee, dass die Römer das Christentum erst mal als Bedrohung wahrgenommen haben, passt gut in die Einteilung von Göttern des Chaos und der Ordnung in Tasseanders Kampagnenwelt.

 

2 Gedanken zu „Neues von der Kirchenfledermaus – BAD ASS Heilige als Inspiration fürs Rollenspiel

  1. tassander

    Cool! Heilige sind fürs Rollenspiel auch deshalb als Inspiration gut, weil sie sehr schön das Menschliche mit dem Göttlichen verbinden (wie die Immortals in BECMI-D&D) – und sie haben genau abgegrenzte Zuständigkeiten und sind an ihren Symbolen identifizierbar: wie Fantasy-Götter!

    Gefällt 1 Person

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